Bei den Partys im Apolo wird es immer brechend voll. Mittwochs ist »Noche Mestiza«, montags »Nasty Monday«. Der Club war früher ein Theater. Kabarett gibt es bis heute gleich nebenan im Apolo 2. © Gunnar Knechtel für DIE ZEIT

DIE ZEIT: Musikalisch betrachtet gilt Barcelona als Hauptstadt der música mestiza – einer Stilrichtung, die Ende der neunziger Jahre unter anderem durch Manu Chao bekannt wurde. Auch Ihre Combo Ojos de Brujo hat mitgemischt. Wie war das damals?

Juanlu Leprevost: Eine absolut wilde Zeit! Man konnte überall in den Straßen von Barcelona Musik machen, oft kamen ganze Bands zusammen, acht, neun Leute, die Jazz, Latin, alles Mögliche spielten. Für die Verstärker hatten wir Generatoren dabei, die mit Benzin betrieben wurden. Da hätte die ganze Altstadt in die Luft fliegen können. Aber die Polizei ließ uns machen. Heute wäre das undenkbar. Barcelona ist sehr ordentlich geworden. 

ZEIT: Wo kann man denn abends auch heute noch richtig unordentlich sein?

Leprevost: Im Raval gibt es zum Beispiel ein Lokal, das Robadors 23 heißt, ein Keller – und früher Treffpunkt der Transvestiten der Stadt, bis ihn dann ein junger Flamenco-Gitarrist übernommen und renoviert hat. Die Bar ist jeden Tag geöffnet, gespielt werden vor allem Jazz und Flamenco, das Bier kostet zwei Euro. Für mich ist das einer der interessantesten Läden der Stadt. Der Raum ist allerdings sehr klein, man muss versuchen, einen guten Platz zu erwischen.

ZEIT: Aber wenn man nun gerade extra nach Barcelona gefahren ist, will man vielleicht nicht unbedingt Flamenco aus Andalusien hören...

Leprevost: Na ja, man darf nicht vergessen, dass es auch in Katalonien eine große Flamenco-Tradition gibt, bei uns heißt die Richtung rumba catalana. Das liegt daran, dass in Barcelona schon immer viele Zigeuner gelebt haben. Und dann hat die Stadt natürlich eine sehr aktive Skater-Szene.

ZEIT: Was hat die denn mit Flamenco zu tun?

Leprevost: Fragen Sie mich nicht, wie das entstanden ist, aber es gibt da jedenfalls eine starke Verbindung. Viele Flamenco-Gitarristen skaten auch. Bei einigen Skater-Wettbewerben wird live Flamenco gespielt. Und selbst Skater aus dem Ausland stehen oft auf die Musik, was ich immer sehr lustig finde: blonde Jungs aus Schweden, die Riesenfans von Camarón sind und alle Texte auswendig können. Ein sehr nettes Skater-Lokal ist übrigens die Bar Betty Ford, in der Nähe vom Macba-Museum .