City Guide BarcelonaIm Scherbenglück

Die heitere Leichtigkeit des Park Güell von Karin Ceballos Betancur

Der Park Güell von Antoni Gaudí zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Barcelonas. Doch egal, wie viel los ist, es findet sich immer ein freier Platz, um den Farbensturm und den Ausblick zu genießen.

Der Park Güell von Antoni Gaudí zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Barcelonas. Doch egal, wie viel los ist, es findet sich immer ein freier Platz, um den Farbensturm und den Ausblick zu genießen.  |  © Gunnar Knechtel für DIE ZEIT

Orange-schwarz-rote Wellen wogen über den Dächern von Barcelona, Wellen mit blau-lachsfarben-grünen, fliederfarben-rosa-gelben und türkis-grauen Kämmen. Ein Meer aus Scherben flutet diesen Hügel. Und an keinem Strand der Costa Brava sitzt es sich schöner als an seinem glänzenden Keramikufer.

Als der Industrielle Eusebi Güell dem katalanischen Stararchitekten Antoni Gaudí um 1900 den Auftrag erteilte, einen Park zu entwerfen, hatte er eine Gartenstadt nach englischem Vorbild im Sinn. Finanziell kam das Projekt allerdings nie recht in Schwung, sodass Gaudí mit überschaubaren Mitteln auskommen musste. Die Scherben, mit denen er Bänke, Gebäude und Fabelwesen verzierte, stammten aus den Abfällen von Keramikfabriken der Umgebung und beweisen bis heute, dass Stil keine Frage des Geldes ist.

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Wahrscheinlich ist es sogar gerade das Konfettihafte der Mosaike, was die heitere Unbeschwertheit ausmacht, die sich bei einem Besuch im Park Güell so zwangsläufig einstellt. Ohne sie wirkten die Pförtnerhäuschen rechts und links des Parktors wie tumbe Sandburgen, errichtet aus tropfnassem Schlamm. Und die berühmte Echse, die sich zwischen den Eingangsstufen mit ausgestreckten Gliedern an die Wände eines Blumenbeets klammert, wird erst durch ihren Scherbenpanzer zum schillernden Salamander, den man beim Betreten des Parks streicheln möchte, wenigstens ganz kurz.

Der Park Güell zählt zu den beliebtesten, meistbesuchten Sehenswürdigkeiten von Barcelona und bewahrt trotzdem eine Art friedlicher Würde. Zwischen den dorischen Säulen der Sala Hipostila, auf denen die Aussichtsplattform ruht, unter ihren Kuppeln, in denen die Steinchen weiß und bunt wuchern wie die Blätter im Dach des Regenwalds, spielt manchmal ein Geiger, so unaufdringlich, als habe er nur nach einem ruhigen Platz zum Spielen gesucht, obwohl vor ihm ein Hut auf dem Boden liegt.


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Der Farbensturm im Park Güell hat mir mit seinem bunten Lärm noch immer den Kopf frei geblasen. Egal, wie viele Menschen um mich herum toben, den alten Salamander mit fotogenen Umarmungen bedrängen und die gurrenden Tauben auf den schmiedeeisernen Balkonen des Gaudí-Museums niederbrüllen – irgendwo findet sich immer ein freier Platz auf den Bänken rings um die Plattform, ein eigener, einzigartiger Quadratmeter Mosaik, Kunst zum Anfassen und zum Besitzen. Die Sonne wärmt und die Stadt wird ungefähr im Dunst des Nachmittags. Wer den Park Güell besucht, versteht, warum Scherben Glück bringen.

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    • Serie City Guide
    • Schlagworte Lärm | Regenwald | Salamander | Bank | Gebäude | Hut
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