City Guide Barcelona : Turm und Drang

Das Industriequartier Poblenou wirkt wie ein aufregendes Versprechen: Zwischen alten Werkshallen und kühnen Neubauten richtet sich die Szene ein.
Der 142 Meter hohe Torre Agbar überragt sogar die Sagrada Familia. © Gunnar Knechtel für DIE ZEIT

Der Name hui, der Rahmen pfui: Um die Plaça de les Glòries Catalanes kreist der Autoverkehr vierspurig und doppelstöckig. Bloß weg von hier, hinüber zum Torre Agbar , Barcelonas jüngstem Wahrzeichen, das nur ein paar Meter abseits wie eine gigantische Patrone in den Himmel ragt, höher als die bisher vollendeten Türme der Sagrada Família . Außen trägt Jean Nouvels Bürokomplex einen gläsernen Panzer aus Tausenden gekippter Lamellen, die gerade mild im Morgenlicht schimmern. Dahinter sieht man auf ein Mosaik aus Fensterwürfeln und Farbfeldern von Tiefseeblau bis Feuerrot. Aus den oberen Etagen glänzen Deckenlichter herab wie Sterne. Von da hat man sicher einen fantastischen Blick auf die Stadt. Doch im magmafarbenen Halbdunkel des Foyers schüttelt die Empfangsdame den Kopf: Besichtigungen im Firmensitz der Wasserwerke seien leider nicht möglich.

Macht nichts. Der Torre Agbar steht ja nicht allein in dem Viertel, das er überragt. Wie ein Leuchtturm weist er Besuchern den Weg vom Zentrum ins Poblenou. Das alte Industriequartier im Dreieck zwischen der Avinguda Diagonal und dem Mittelmeer wird allmählich zum Standort der Hightech- und Kreativwirtschaft umgerüstet – so allmählich allerdings, dass die Szene noch reichlich Zeit hat, sich breitzumachen, solange überall Baumaschinen knattern und die Mieten niedrig sind. Seit Jahren steht das Poblenou im Ruf, das nächste große Ding zu sein. Nur hat sich die Ankunft der Karawane immer wieder verzögert.

Fest steht: Es gab schon einmal eine Vorhut. Ihr Brückenkopf ist ein altes Fabrikgelände am anderen Ende des Poblenou, dort, wo das Dreieck im Nordosten spitz zusammenläuft. Javier Mariscal, Barcelonas berühmtester Grafiker, der Schöpfer des Olympia-Maskottchens Kobi, übernahm die Anlage vor 23 Jahren gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten. Heute führt der Weg zu Mariscal an einer Reihe von Palmen vorbei, an wildem Wein und wuchernden Bougainvilleen. Kein Vergleich zu früher. "Damals lag die Anlage da wie ein zerbombter Bunker in einer ziemlich heruntergekommenen Gegend", sagt Mariscal, zurückgelehnt in ein knuffiges Sofa nach eigenem Entwurf . Sein Großraumstudio ist mitsamt den alten Werkshallenpfeilern entschieden bunt gestrichen und möbliert. Im Hintergrund spielt Reggae, der 61-jährige Mariscal hat Locken in der Stirn hängen und macht eine extraentspannte Miene. "Hier mussten einmal Kinder an den Maschinen stehen", sagt er lächelnd. "Jetzt sitzen wir hier in den Polstern, denken uns schöne Dinge aus und sehen das Sonnenlicht durch die Blätter fallen." Die alte Fabrik ist zum smarten grünen Kreativzentrum Palo Alto geworden, mit rund 250 angedockten Grafikern, Architekten, Künstlern, Film- und Werbeleuten. Mariscal & Co. verkörpern den Gegenpol zum Torre Agbar. Statt ein neues Architekturjuwel ins Viertel zu stellen, wurde hier ein Stück des klassischen Erbes veredelt.

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Kommentare

6 Kommentare Kommentieren

So`n Schmarrn

petiteplanete Ich weiß nicht wo sie sich aufhalten. Ich bin mit meiner Frau mehrmals im Jahr in Barcelona.
Wir sind dort zu jeder Tages- und Nachtzeit zu Fuß mit U. Bahn oder Taxi unterwegs in fast allen Gegenden.
Bisher, toi ,toi ,toi, nie was passiert.
Manche Leute ziehen halt alles an ,in jeder Stadt.
(Opfer Theorie) Empfehle ich mal zum lesen.