Zu den unbestreitbaren Privilegien des Alters gehört es, jüngeren Mitmenschen Ratschläge erteilen zu dürfen. Ungefragt, versteht sich, und in der Regel ebenso ungehört und unbeachtet. Mit Ende dreißig wähne ich mich mal irgendwo in der Mitte der Bevölkerungspyramide – soll heißen, es gibt da draußen bereits eine Menge Menschen, denen ich Weisheiten mit auf den Lebensweg geben kann. Sie sollen es später ja mal besser haben als ich. Oder wenigstens genauso gut. Aber, sorry für die Ehrlichkeit, liebe Youngsters: Das wird nicht einfach!

Dass die gesetzliche Rente knapp ausfallen wird , ist bekannt. Die regelmäßig von der Deutschen Rentenversicherung Bund zugesandten Standmitteilungen verschaffen schon in jungen Jahren eine Ahnung von einer Lebensphase, in der man sich bisweilen erst mal setzen muss, um zu verschnaufen. Kaum zu glauben, was da steht: dass man länger arbeiten muss, um später dann weniger Geld zu bekommen.

Kaum zu glauben auch, dass die Riester-Rente – als private Ergänzung – an Akzeptanz verliert . Gerade bei jungen Leuten, wie der Sparkassen- und Giroverband herausgefunden hat. Der Anteil der unter Dreißigjährigen, die demnächst einen Riester-Vertrag abschließen wollen, sank binnen eines Jahres von 58 auf 33 Prozent. Ein Rückgang um 25 Prozentpunkte! Ausgerechnet bei jenen, die am meisten profitieren würden.

Liebe Leute, es ist schon klar, dass man das erste Selbstverdiente nur ungern in die Altersvorsorge investiert. Sondern lieber ins Auto , in den Urlaub, die Wohnung oder das neue iPhone 4S . Okay. Aber ein Riester-Vertrag bedeutet geschenktes Geld vom Staat. Bis zu 200 Prozent gibt’s obendrauf, hat die Stiftung Warentest ausgerechnet. Hier also mein Rat: rechnen!

Zugegeben, der Papierkram bei der Riester-Rente macht Ärger. Aber auch nur einmal, dann läuft alles automatisch. Und dann geht es einem besser, jedenfalls in meinem Alter. Wenn die Standmitteilung vom Riester-Konto kommt, macht mir der Brief von der Rentenversicherung nicht mehr ganz so viel Angst.