Visionäre Die Radikalen der Sparsamkeit
Gedankenspiel: Ein Werber hat es zu Aldi Süd geschafft. Er möchte den Slogan seines Lebens verkaufen: »Geiz ist geil«. Und bringt ihn dann doch nicht über die Lippen, als er in die versteinerte Miene eines Multimilliardärs im abgetragenen Anzug schaut. Als er schließlich bei etwas wie »Sparsamkeit ist vernünftig« landet, sind seine fünf Minuten um. Wenn Karl Albrecht in Plauderstimmung ist, wiederholt er vielleicht seine legendäre einzige Verlautbarung aus dem Jahr 1953: »Unsere Werbung liegt im billigen Preis.« Dann löscht er das Licht im Raum – keinen Strom vergeuden.
Geniale Ideen erscheinen im Nachhinein simpel. Und die Idee, mit der die Albrecht-Brüder zu den reichsten Männern in Deutschland wurden, war niemals neu: Verkaufe Waren günstiger als deine Mitbewerber. Neu war die eiserne Konsequenz, mit der sie ihr folgten. Die Lebensleistung von Karl und Theo Albrecht bestand darin, den Akt der Nahrungsbeschaffung – vulgo: den Einkauf – aller Rituale zu entkleiden.
Dafür brauchten sie ein besonderes Land. Als Türkenkaufhaus wurde Aldi anfangs verhöhnt, was nicht nur gehässig, sondern auch falsch war. Bei aller Verbreitung um die Welt, gerade in der Türkei gibt es bis heute keine Ableger. In Ländern mit einer ausgeprägten Marktkultur tat der Discounter sich schwer. Deutschland passte viel besser: dem Genuss nur wenig zugetan, dafür beseelt vom Glauben ans Optimieren und Objektivieren.
- Visionäre unserer Zeit
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Die ZEIT stellt neun Menschen vor, die die Welt verändert haben:
- Ikea-Gründer Ingvar Kamprad
- Erfinder der Anti-Baby-Pille Carl Djerassi
- Starkoch Jamie Oliver
- Aldi-Gründer Karl und Theo Albrecht
- Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling
- Apple-Gründer SteveJobs
- Designerin Miuccia Prada
- Starbucks-Chef Howard Schultz
- Facebook-Gründer Mark Zuckerberg
Aldi-Märkte waren Anti-Märkte mit all ihren Rationalisierungen, die heute branchenüblich sind: Selbstbedienung, gleich aufgebaute Filialen, fließbandartiges Abkassieren, festes Sortiment, feste Preise. Und mit einem Qualitätsversprechen, das einen Käse oder Apfel normiert wie eine Schraube. Den Unterschied macht der Preis.
Und es brauchte eine besondere Zeit, um diesen Stil zu etablieren. Die Albrechts waren Kriegsheimkehrer, als sie Ende der Vierziger den elterlichen Kolonialwarenhandel übernahmen; und wie ihre Kunden wussten sie, was Hunger ist. Das schärfte den Blick aufs Wesentliche: Wie satt werde ich für mein Geld?
Die Zeiten sind vorbei, Aldi ist geblieben, mit wachsendem Erfolg. Die schottenwitzhaften Schrullen der Brüder, ihre Menschenscheu, der gigantische Reichtum haben ihr Ansehen nicht getrübt. Sie verkörperten das Versprechen, dass Knauserigkeit reich machen kann.
Die Aldisierung der Gesellschaft ist trotzdem ausgeblieben. Vielleicht, weil Karl und der im vergangenen Jahr verstorbene Theo Albrecht wirklich nie etwas anderes wollten als Lebensmittel verkaufen. Heute teilen sich einige ihrer Discounter Immobilien mit Genossenschaftssupermärkten in friedlicher Symbiose. Aber man ahnt, was davon bleiben wird, wenn es einmal wieder hart auf hart kommt und jenes Verlangen um sich greift, auf dem das Albrechtsche Imperium gründet: Hunger.
- Datum 17.10.2011 - 12:34 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 13.10.2011 Nr. 42
- Kommentare 8
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Was genau macht jetzt die Albrechts zu Visionären? Kann sich heutzutage jeder erfolgreiche Unternehmer als Visionär bezeichnen? Im ALDI einkaufen ist ungefähr, als würde man allein im Keller Geburtstag feiern und das ist für mich keine Vision, sondern ein Alptraum.
Warum würdigen sie nicht wahre Visionäre, auch jene denen das Scheitern nicht erspart blieb, wie zum Beispiel Edzard Reuter.
Ist die Aldisierung der Gesellschaft tatsächlich ausgeblieben?
Wenn ich von dem wachsenden Heer der working poor lese, vom steigenden Heer der Leiharbeiter, unter denen sich mittlerweile auch Akademiker und Fachkräfte finden, dann wage ich diese Aussage zu bezweifeln.
Von den Brüdern Albrecht kann man zweifelsfrei gutes Management lernen.
Kann man auch lernen, wie man seine Milliarden gewinnanbringend anlegt und dabei Steuern "spart"? Bestimmt. Aber dieses Wissen werden wir in keiner Zeitung und in keinem Lehrbuch finden. Schade.
Was ist das den Bitte für ein Artikel? Hier werden Allgemeinheiten genommen und versucht in dem Mantel von Aldi zu pressen. Wie schon angemerkt wurde, wo sind hier die Visionäre?
Ein Aufhellen des Artikels mit etwas mehr Hintergrundwissen wäre sicherlich förderlich gewesen. Wo sind die GEschichten, dass man als Angestellter früher die Butter inden Keller tragen musste damit sie kühl bleibt und man Strom spart? Wo sind die Geschcihten,d ass gerade Aldi in den Anfängen massive Probleme hatte und es durch bestimmt Arktikel geschafft hat bekannt zu werden?
Wo ist ein Heinweis auf "Aldi aktuell" was richtungsweisen in der Branche war und nachahmer gefunden hat? Das alles fehlt, dafür gibt es nur ein eine "nette" Behelfserklärung, schade.
Wie würden Sie vorgehen, wenn der Chef vom Dienst zu Ihnen käme und sagen würde: "Schreiben Sie mir bis übermorgen mal 100 Zeilen über Aldi für die Visionenreihe."
Wahrscheinlich erstmal kurz mit Hilfe von Google die Aldi-Geschichte umreißen, das gibt schon mal einige Zeilen. Dann überlegen, was da neu war (soll ja zum Thema passen) - ach genau, die schlichte Ausstattung. Noch mehr Zeilen. Dann noch Füllmaterial (Äpfel wie Schrauben, Türken, Genossenschaftssupermärkte) und fertig ist der Artikel.
In der Schule hätte mir mein Deutschlehrer ein nettes "Thema verfehlt" druntergeschrieben.
Wie würden Sie vorgehen, wenn der Chef vom Dienst zu Ihnen käme und sagen würde: "Schreiben Sie mir bis übermorgen mal 100 Zeilen über Aldi für die Visionenreihe."
Wahrscheinlich erstmal kurz mit Hilfe von Google die Aldi-Geschichte umreißen, das gibt schon mal einige Zeilen. Dann überlegen, was da neu war (soll ja zum Thema passen) - ach genau, die schlichte Ausstattung. Noch mehr Zeilen. Dann noch Füllmaterial (Äpfel wie Schrauben, Türken, Genossenschaftssupermärkte) und fertig ist der Artikel.
In der Schule hätte mir mein Deutschlehrer ein nettes "Thema verfehlt" druntergeschrieben.
Wie würden Sie vorgehen, wenn der Chef vom Dienst zu Ihnen käme und sagen würde: "Schreiben Sie mir bis übermorgen mal 100 Zeilen über Aldi für die Visionenreihe."
Wahrscheinlich erstmal kurz mit Hilfe von Google die Aldi-Geschichte umreißen, das gibt schon mal einige Zeilen. Dann überlegen, was da neu war (soll ja zum Thema passen) - ach genau, die schlichte Ausstattung. Noch mehr Zeilen. Dann noch Füllmaterial (Äpfel wie Schrauben, Türken, Genossenschaftssupermärkte) und fertig ist der Artikel.
In der Schule hätte mir mein Deutschlehrer ein nettes "Thema verfehlt" druntergeschrieben.
Welchen Mehrwert hat dieser Artikel? Ich kann keinen finden.
In einem recht bekannten, von mir rege genutzten IT-Forum, würde soetwas ein schlichtes "Prädikat: BlahFasel" bekommen.
Cheers.
Auch die Aldi-Brüder haben nicht die Welt verändert, den Markt für Lebensmittel und Gebrauchsgüter schon.
Nicht nur billiger sondern auch besser als die Konkurrenz boten und bieten sie ihre Waren feil, dass ist Programm. Andere Supermarkt-Ketten mussten es ihnen gleich tun oder vom Markt verschwinden.
Auch dank Aldi sind die Lebensmittelpreise in Deutschland auf unterstem Niveau. Trotzdem muss man dafür nicht den letzten Dreck fressen, sondern bekommt sogar Bio-Produkte.
Da darf man die Herren wirklich einmal loben.
– teilweise mit absolut rücksichtslosen Methoden – wurden die riesigen Vermögen dieser Brüder angehäuft. Auf der anderen Seite stehen Kunden, die vor diesen Tatsachen die Augen verschließen, nur um möglichst billig einzukaufen. Weshalb die Beschreibung dieser Firma unter Rubrik Wissen/Visionäre läuft, ist mir schleierhaft. Knallharter Geschäftsmann = Visionär? Mannometro!
Sie gehen davon aus, dass die Hersteller gezwungen wären an Aldi zu verkaufen. Dies ist mir neu. Jeder, der an Aldi verkauft, weiss von vorneherein, was ihn erwartet. Wenn er dorthin nicht verkaufen will, dann soll er es halt lassen. Die, die dorthin verkaufen wissen: die Regeln sind hart, aber fair. Im Gegensatz zu vielen anderen Handelsunternehmen, war es den Einkäufern bei Aldi strikt untersagt Bestechungsgelder für das Listing anzunehmen. Das wussten viele Hersteller zu schätzen.
Sie gehen davon aus, dass die Hersteller gezwungen wären an Aldi zu verkaufen. Dies ist mir neu. Jeder, der an Aldi verkauft, weiss von vorneherein, was ihn erwartet. Wenn er dorthin nicht verkaufen will, dann soll er es halt lassen. Die, die dorthin verkaufen wissen: die Regeln sind hart, aber fair. Im Gegensatz zu vielen anderen Handelsunternehmen, war es den Einkäufern bei Aldi strikt untersagt Bestechungsgelder für das Listing anzunehmen. Das wussten viele Hersteller zu schätzen.
Sie gehen davon aus, dass die Hersteller gezwungen wären an Aldi zu verkaufen. Dies ist mir neu. Jeder, der an Aldi verkauft, weiss von vorneherein, was ihn erwartet. Wenn er dorthin nicht verkaufen will, dann soll er es halt lassen. Die, die dorthin verkaufen wissen: die Regeln sind hart, aber fair. Im Gegensatz zu vielen anderen Handelsunternehmen, war es den Einkäufern bei Aldi strikt untersagt Bestechungsgelder für das Listing anzunehmen. Das wussten viele Hersteller zu schätzen.
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