Wenn er den Erfolg seines Hauses erläutern soll, dann braucht Ingvar Kamprad dafür zwei Worte: »Flache Pakete!« So einfach, so genial kann es gehen. Seit 1958, als er die erste Filiale eröffnete, schleppen Ikea-Kunden diese flachen Pakete glücklich aus seinen Möbelhäusern, wuchten sie in ihre Autos, bevor zu Hause die eigentliche Party beginnt: die Gebrauchsanweisung in der Linken, den Inbusschlüssel in der Rechten – und dann schrauben. Schrauben bis zum Gehtnichtmehr, bis alles steht oder etwas fehlt. Einen Umsatz von knapp 25 Milliarden Euro macht Ikea mittlerweile, betreibt 287 Einrichtungshäuser in 26 Ländern.

Kaum jemand greift intensiver in den Alltag der Menschen ein als der 85 Jahre alte Kamprad mit all seinen Küchen, Sofas und Schlafzimmern. Ein Mann also, der besonders viel weiß vom Leben in einem beglückendem Zuhause, von den Bedürfnissen von Männern und Frauen, von ihren Gewohnheiten, ihren Ticks? Nein, so ist es nicht. Wer Kamprad in seiner Heimat Älmhult irgendwo in der Weite Südschwedens besucht, trifft auf einen Mann, der aussieht, als wäre er hauptsächlich mit einem Trecker unterwegs. Statt Designerschwarz ackertaugliches Schuhwerk, eine braune Cordjacke und ein beherzter Händedruck: »Ich bin der Ingvar!«

Älmhult, ein paar Tausend Einwohner, umgeben von Wald. Die Zentrale von Ikea of Sweden hat an diesem historischen Ort ihren Sitz. In Älmhult hat der Patriarch vor 70 Jahren mit Streichhölzern gehandelt, Baumhäuser gebaut und seinen Blick für Astlöcher und Kiefernplatten damit früh geschärft. Er vertrieb Kleinmöbel, versandte sie per Nachnahme, aber das taten andere auch. Also legte er sich eine kleine Tischlerei am Ort zu. War Kamprad fertig mit dem Hobeln und dem Leimen, »dann konnte der Kunde Tische und Stühle auf der Stelle mit nach Hause nehmen«.

Aber erst die beiden Wörter vollendeten das Wunder von Älmhult: »Flache Pakete!« Ein Tisch besteht vor allem aus Luft. Legt man die vier Beine auf die Platte und ein paar Schrauben dazu, hat man nicht nur beim Transport jede Menge Luft gespart. Mit einem Schlag waren in Kamprads Werkstatt die Platzprobleme gelöst. »Wenn unsere Kunden mithelfen beim Montieren und Zusammenschrauben, dann geht es!«

In Ikeas Lagerhallen zählt jeder Zentimeter, darauf achtet der Alte noch immer. Wehe, die Paletten stehen nicht auf Kante oder jemand hat sie allzu lieblos getürmt. Ein Fall für Kamprad, bis heute. Manchmal führt er Besucher in Älmhult in die Ausstellung mit den Ikea-Antiquitäten. Dann gleiten die großen Hände des Möbelhändlers über all die alten Schätzchen. Dann prüft er den Lauf der Schubkästen. Einmal, es war vor vielen Jahren, hielt er plötzlich inne. Soeben hatte er eine Tischkante betastet. »Wir haben auch Mist produziert«, entfuhr es ihm da.