Apple-Gründer Steve Jobs auf einer Konferenz zur Präsentation des iPhones 4 © Robert Galbraith/Reuters

Das Drehbuch sah vor, dass Steve Jobs auf seine Hosentasche zeigt. Also zeigte Jobs auf die rechte vordere Hosentasche seiner Jeans. Er sollte sagen: »Dies ist die Tasche, in der bisher euer iPod steckte.« Und das tat er. Dabei schob er die Hand hinein und zog sie wieder heraus. »Der passte da gut rein.«

Es ist eine banale Szene während einer Verkaufsveranstaltung in San Francisco, und sie liegt nun sechs Jahre zurück. Doch dieser Moment erzählt viel über den Computerkonzern Apple und viel über Steve Jobs, den vergangene Woche gestorbenen Gründer und langjährigen Chef des Unternehmens.

Jeder auf der Apple-Bühne hielt sich an ein Drehbuch, auch Jobs. »Alles, was wir gesehen haben, ist wie ein Theaterstück vorbereitet worden. Es war das Ergebnis von Proben, strengem Feedback – und noch mehr Proben. Auch die Witze«, erzählt Jon Callas, ein langjähriger Apple-Manager.

In seinem Leben hat Steve Jobs mehr Menschen berührt als jeder andere Manager und Unternehmer in den vergangenen Jahrzehnten, misst man es an all den Abschiedsworten , die jetzt geschrieben, gepostet und getwittert wurden.

Er hat Begehren geweckt, wo keines war. Er hat Stil-Ikonen geschaffen. Und rechnet man alle Märkte zusammen, die dieser eine Mann mit seinen Ideen beeinflusst, also verändert hat, dann geht es um mehr als eine Billion Euro im Jahr.

Keine Frage, Jobs war ein Genie . Aber nur wenige Genies werden reich. Und noch weniger Genies verändern dabei die Welt. Was unterscheidet eigentlich die einen von den anderen?

Die Szene mit der Hosentasche ist da sehr aufschlussreich. Jobs erntete ein paar Zurufe, schlenderte weiter über die Bühne und zeigte als Nächstes, wie beiläufig, auf den winzigen Schlitz zwischen Bund und Vordertasche, den jede Jeans besitzt. »Aber habt ihr euch je gefragt, wofür diese Tasche ist?« Eine Kamera fährt heran und zeigt den winzigen Schlitz in leinwandfüllender Größe. Er erscheint nun so groß, dass sich dahinter nur ein großes Geheimnis verbergen kann. Und Jobs trägt es am Körper, hütet es, wird es gleich lüften.

Die versammelte Elite der Technikjournalisten starrt auf einen Schlitz.

Genau so sollte es sein: Alle hören auf Steve. Alle sehen auf Steve, und im nächsten Moment zieht er den ersten iPod Nano hervor, einen digitalen Musikspieler, so klein, wie es zuvor keinen gegeben hat. Bald darauf hing er Abermillionen Menschen beim Joggen um den Hals. »Mann, was war er für ein Verkäufer!«, seufzte Walt Mossberg vom Wall Street Journal kürzlich, und damit hat er recht. Aber die Drehbuchautoren, sie sitzen weiter an ihrem Platz.

Die einen Genies leuchten eben einsam, während die anderen in der Lage sind, brillante Leute um sich zu versammeln. So wird aus einem Genius ein System – wie bei Apple.