Für die Berichterstattung über das Umweltbundesamt (UBA) gibt es eine informelle Rollenverteilung: Das Amt stellt ökologisches Fachwissen zur Verfügung, die Journalisten bringen es für ihre Leser auf möglichst einfache Begriffe. Als die ZEIT dem UBA vorhielt, die Folgen des Atomausstiegs für den Klimaschutz zu verharmlosen ( ZEIT Nr. 30/11 ), war das ein Verstoß gegen diese Arbeitsteilung. Angesichts der veränderten Spielregeln wirkt Flasbarth im Gespräch irritiert. Dass er und sein Amt – die eigentlich als Vertreter des Wahren und Guten gesehen würden, wie er andeutet – hart angegangen werden, ist er offenbar nicht gewohnt

DIE ZEIT: Herr Flasbarth, wir bieten Ihnen eine Wette an. Offiziell tut Deutschland immer noch so, als könnte es bis zum Jahr 2020 seine Emissionen gegenüber 1990 um 40 Prozent reduzieren. Wir wetten ein Redakteursgehalt gegen ein Monatsgehalt eines Umweltbundesamtschefs, dass wir nicht mal 30 Prozent schaffen.

Jochen Flasbarth: Ich bin kein Spielertyp. Aber ich mache gerne eine Ehrenwette: Wir werden die 40 Prozent erreichen.

ZEIT: Wir sehen nicht, wie das noch zu schaffen ist. In der Stromproduktion wird das Klimaziel verfehlt, das räumen selbst Ihre eigenen Experten ein. Im Verkehr wird es sogar eine Steigerung des CO₂-Ausstoßes geben, wie man in einer Publikation aus Ihrem Haus nachlesen kann. Bei der Heizenergie sind zwei aufeinanderfolgende Regierungen von den ursprünglichen Zielen immer weiter abgerückt. Zusammen machen diese Bereiche drei Viertel der deutschen Emissionen aus.

Flasbarth: Das ist die alte Frage, ob Gläser halb voll oder halb leer sind. Unsere Analysen haben ergeben, dass von den 40 Prozent, die wir schaffen, vier Fünftel durch Maßnahmen bereits heute unterlegt und erreichbar sind. Das ist doch wirklich schon sehr beachtlich, aber es zeigt auch, dass wir noch weitere Maßnahmen brauchen.

ZEIT: Wir haben die Untersuchung, auf die Sie sich berufen, auch gelesen. Über die Emissionen aus der Stromproduktion trifft sie überhaupt keine Aussage.

Flasbarth: Die Studie, von der Sie sprechen, bewertet in der Tat nur die vom deutschen Energie- und Klimapaket erfassten Bereiche...

ZEIT: ... zu denen die Stromproduktion nicht gehört.

Flasbarth: Das ist auch logisch, weil der Stromsektor durch den europäischen Emissionshandel reguliert ist. Dieser wird aber ganz erheblich zum Klimaschutz beitragen.

ZEIT: Lassen Sie uns mal festhalten, Ihre Analyse, nach der das Klimaschutzziel angeblich zu vier Fünfteln bereits erreicht ist, beschäftigt sich nicht mit der Energiewirtschaft. Diese erzeugt aber allein schon fast die Hälfte der Emissionen. Außerdem übergehen Ihre Fachleute die verheerenden Ergebnisse zu den Emissionen im Verkehr, die sie selbst ermittelt haben. Und obendrein wird eingeräumt, dass man über den Bereich der Heizwärme noch nichts sagen könne.

Flasbarth: Das klammern wir doch gar nicht aus. Bei der Gebäudewärme mahnen wir ja auch deutlich mehr Engagement an, weil nach unserer Berechnung von der geplanten Minderung weniger als die Hälfte sicher erreicht werden kann. Diese Lücke muss in der Tat schnell geschlossen werden. Und im Verkehrssektor kann auch mehr passieren.