Jochen Flasbarth"Ihre Sichtweise ist absurd!"
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"Was wir zusätzlich produzieren, wird an anderer Stelle in Europa eingespart"

ZEIT: Vor einigen Wochen hat die ZEIT dem Umweltbundesamt vorgeworfen, den Atomausstieg schöngerechnet zu haben . Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Flasbarth: Der Korrekturbedarf des Umweltbundesamts in der Energiepolitik liegt irgendwo im Bereich von Nachkommastellen. Der Korrekturbedarf derjenigen, die eine atomare Energieversorgung für ewig richtig gehalten haben, ist deutlich größer.

ZEIT: Sie reden das Problem klein. Die Rechnung, die wir kritisieren, war jahrelang die Antwort des Umweltbundesamts auf die Frage, wie Atomausstieg und Klimaschutz zusammenpassen.

Flasbarth: An der Grundaussage ändert sich nichts: Wir sagen, dass ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stehen, sodass der Bau neuer Kohlekraftwerke über die im Bau befindlichen hinaus nicht erforderlich ist. Wir haben immer gesagt, dass jede Ambition, die erneuerbaren Energien schneller voranzutreiben, richtig ist. Und wir sagen, dass der Klimaschutz in der Stromproduktion sich aufgrund des europäischen Emissionshandels nicht verändert. Wir haben dort EU-weit eine feste Obergrenze für die Emissionen. Jede Tonne, die wir zusätzlich ausstoßen, wird an anderer Stelle eingespart.

ZEIT: Das ist die Theorie des Emissionshandels: Wer Kohlestrom erzeugt, muss Emissionszertifikate erwerben, und deren Menge ist begrenzt. In der Praxis ist es so, wie die Experten von der Akademie der Wissenschaften schreiben, dass der Emissionshandel ein Markt ohne Knappheit ist. Es gibt so viele Zertifikate, und sie sind so billig, dass sie gar nicht alle benötigt werden.

Flasbarth: Das ist falsch. Es gibt eine europaweit festgelegte Obergrenze – und die wird eingehalten.

ZEIT: Unterstellt, im Emissionshandel wären die Zertifikate knapp, wie Sie glauben und wir nach wie vor bestreiten...

Flasbarth: Wie können Sie so einen Sachverhalt bestreiten? Dann erklären Sie mir mal, warum jemand derzeit 13 Euro für ein Zertifikat bezahlt!

ZEIT: Gern. Es sind im großen Stil überschüssige Zertifikate verteilt worden, aber nicht an die Unternehmen, die sie brauchen. Die Unternehmen, die sie brauchen, kaufen sie von denen, die sie nicht benötigen. Und dafür zahlen sie einen sehr niedrigen Preis.

Flasbarth: Ohne Knappheiten gäbe es keinen Preis. Wenn Ihre Theorie richtig wäre, wäre die ganze Aufregung praktisch aller Industriezweige über den Emissionshandel gar nicht zu erklären.

ZEIT: Die Deutsche Bank hat ausgerechnet, dass der Atomausstieg 370 Millionen Tonnen zusätzliche CO₂-Emissionen verursachen wird . Dafür müsste der gesamte deutsche Kraftwerkspark 14 Monate lang laufen. Wie ist das gegenüber den Opfern des Klimawandels zu rechtfertigen, etwa den Hungernden in Somalia?

Flasbarth: Sie müssen irgendwann mal den Emissionshandel akzeptieren und verstehen. Was wir zusätzlich produzieren, wird an anderer Stelle in Europa eingespart. Und ganz grundsätzlich: Ich würde gerne mal andere Industrieländer sehen, die im Klimaschutz so große Fortschritte gemacht haben wie wir Deutschen. Ihre Sichtweise, dass wir für die vom Klimawandel Betroffenen am Horn von Afrika verantwortlich sind, ist absurd! Wir sind Vorreiter im Klimaschutz, warum erkennen Sie das nicht an?


Leserkommentare
    • ASasse
    • 15. Oktober 2011 20:48 Uhr

    Liebe ZEIT,

    Sie tun im Interview so, als wäre die Kernenergie wichtig für den globalen Klimaschutz. Ihre Argumentation wirkte sehr erstaunlich, wenn bekannt wäre, dass die Kernenergie nur 2 - 4 % zur globalen Energieversorgung beträgt, und darüber hinaus der Rohstoff Uran bei gleich bleibender (unbedeutender) Nutzung in 35 - 70 Jahren erschöpft sein wird (die Zahlen schwanken je nach Quelle, bleiben aber immer in dieser Größenordnung).

    Noch gibt es mehr Atomstrom als Solarstrom. Aber wenn wir das Klima schützen wollen, dann müssen wir wirklich ernsthaft Emissionen vermeiden. Dazu kann die Kernenergie jedoch keinen relevanten Beitrag leisten.

    • Varech
    • 15. Oktober 2011 21:52 Uhr

    ... immer aus möglichst frisch-aktuellen Zutaten, die vorher (Pardon) andere schon im Mund hatten. So war der Nein-Doch-Schlagabtausch mit dem Minister ja ganz nett zu lesen, enthielt aber für meinen Geschmack sehr viel Schaum.

    Warum in Afrika so viele Menschen hungern, das hat mehrere sehr komplexe Ursachen, unter anderen auch das Klima. Die Zutat war stark, aber etwas wahllos gewählt.

    Kernenergie, - die musste natürlich mit rein, war aber hier nicht wirklich am richtigen Platz. Bei allem was man gegen den "billigen" Atomstrom sagen muss, spielt der weltweit in der CO2-Debatte nur eine untergeordnete Rolle.

    Die biologischen CO2-Kreisläufe und ihre Veränderungen durch wirtschaftliche und unwirtschaftliche Eingriffe, die schliesslich doch die grosse Masse des CO2 bewegen, hätten wenigsten am Rande erwähnt werden müssen, nur um die Grössenordnungen klar zu machen.

    Methan, fossiles und frisches aus z.B. Müll, habe ich in dem Argumente-Brei wirklich vermisst! (Fürs Klima ganz wichtig!)

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    Minister?

    • Varech
    • 17. Oktober 2011 2:00 Uhr

    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen und verständlichen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/ag

  1. Vorab möchte ich mich den Kommentatoren vor mir anschliessen. Der Hunger am Horn von Afrika hat eventuell auch klimatische Gründe, definitiv jedoch politische (hier Krieg).

    Es gab am Horn schon immer Dürreperioden auf die sich die Menschen mit technischen Vorrichtungen wie Zisternen/Tiefenbrunnen usw vorbereitet haben und die durch den seit Jahrzehnten von uns völlig vernachlässigten Bürgerkrieg fast komplett unbrauchbar sind. Wer diese Fakten unter die Annahmen über die Klimaauswirkungen stellt, befördert seine Reputation nicht.

    Ihr Hinweis auf die Kernenergie bestätigt den zuvor beschriebenen Eindruck auch noch und so ist es denn auch nicht verwunderlich, dass die weiteren Aspekte dieses Interviews eher an Sandkastenniveau denn an eine konzeptionelle Lösung erinnern.

    Kein Wort, keine Frage zum EEG, obwohl dies dringend im Hinblick auf die Energiewende komplett zu überdenken ist. Hier liegt ein gewaltiges Potential, den EE Ausbau deutlich schneller und kostengünstiger voran zu treiben. Das Kästchendenken (Elektrizität; Wärme) muss aufgebrochen werden um Gesamtkonzepten den Weg zu bahnen. Technologien wie z.B. EE-Wasserstoff, EE-Puffer/Speicher müssen befördert werden, anstatt sich mit dem Geheule der Stromnetzlobby auseinander zusetzen.

    Wir sollten Modellprojekte zur Herstellung von mobil nutzbaren Energieträgern (Algensprit) beförden, anstatt Diskussionen über Gesetze zur Begrenzung des Energieverbrauchs zu führen die politisch in keiner Demokratie umsetzbar sind.

  2. Dabei ist noch gar nicht klar erforscht, inwieweit Co2 zur Klimaveränderung beiträgt.

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    mit dem Welt-Rettungs-Rummel,
    basierend auf PC-Spielprogrammen.

  3. Setzen auf EEG und bauen Biokraftwerke in Hülle und Fülle . Das sind die schlimmsten Klimakiller wenn man berücksichtigt, dass , um wirtschaftlich das Ding zu betreiben ,Mais angebaut wird unter Zuhilfenahme von Düngung ( N2O ) .
    Das nennt sich dann BIO ??? Ökologisch ????

  4. ... was soll der Schaum an Ihrem Mund, Herr Präsident? Man reckt seinen Hals - und dann wird man ein Club ...;-)))

    http://www.youtube.com/watch?v=Xgcpl3IFGn4&feature=fvwrel

    Gute Nacht

    Flo

    • Crest
    • 16. Oktober 2011 0:09 Uhr

    <em>Wir werden die 40 Prozent erreichen.</em>
    ...
    <em>Jedenfalls ist das politisch nicht leicht, das bestreite ich überhaupt nicht. </em>
    ...
    <em>Und im Übrigen wäre es natürlich sinnvoll, auch in der EU ein ambitioniertes Ziel mit einer 30-prozentigen CO₂-Reduktion zu verfolgen.</em>

    (Oder beginnt da einfach schon einer, "langsam den Schwanz einzuziehen." :-))

    Formulierungen der folgenden Art jedenfalls sind untrügliche Zeichen für nicht vorhandene/unsichere Konzepte:

    <em> aber es zeigt auch, dass wir noch weitere Maßnahmen brauchen.</em>

    Welche? Warum haben wir denn ein Bundesumweltamt, wenn nicht dafür, solche weiteren Maßnahmen kurz zu nennen (oder sind die "Hausaufgaben nicht gemacht.")

    <em>Das ist das zentrale Feld, auf dem sich die Energiewende beweisen muss: Schaffen wir es, bei der Energieeinsparung, aber auch im Netzausbau und bei der Speicherung von Wind- und Sonnenstrom schnell voranzukommen?</em>

    Höre ich da einen leichten Zweifel?

    <em>Diese Lücke muss in der Tat schnell geschlossen werden. Und im Verkehrssektor kann auch mehr passieren.</em>

    Dann schließ mal schön.

    Und last but not least:

    <em>Was wir zusätzlich produzieren, wird an anderer Stelle in Europa eingespart.</em>

    Da kann man auch umgekehrt einen Schuh draus machen: Was wir einsparen, dürfen die Polen in den Kohlekraftwerken in die Luft pusten (so las ich das auch schon einmal hier).

    Herzlichst Crest

  5. Minister?

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