Bankenrettung Wieder Hilfe für die Banken

Die Krise bedroht ein weiteres Mal die Kreditinstitute. Wie konnte das bloß passieren?

Wer wissen will, was Banken mit einem Land anstellen können, der muss in den Osten Londons reisen, nach Canary Wharf. Wo einst die Lagerhäuser standen, ragen heute die Bürotürme der internationalen Finanzkonzerne in die Höhe. Credit Suisse, HSBC, Citigroup, Morgan Stanley, Barclays.

Großbritannien hat vom Boom im Finanzsektor viele Jahre lang profitiert. Er spülte Steuern in die Staatskassen und trieb die Wirtschaft an. Die Regierung war stolz auf ihre sanfte Regulierung, die immer mehr Geldgiganten anlockte.

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Als die Blase platzte und die Briten feststellten, dass sie der Welt außer Finanzprodukten nicht mehr allzu viel anzubieten hatten, führten sie die globale Regulierungsbewegung an.

Das ist drei Jahre her. Inzwischen ist der Eifer vieler Regierungen erlahmt. Nicht aber der Zorn der Bevölkerung. In den USA gebiert er gerade eine neue Bürgerbewegung, die der Wall Street den Krieg erklärt und die schon bald nach Europa schwappen könnte. Wie nach dem Kollaps von Lehman Brothers im Jahr 2008 droht in Europa ein Bankencrash mit schweren Folgen für die Wirtschaft. Viele Institute kommen wegen ihres Engagements in den Krisenstaaten Südeuropas kaum noch an frisches Geld, das sie benötigen, um ihre Kredite an die Kunden zu refinanzieren.

Deshalb will die EU mithilfe des Rettungsfonds EFSF frisches Kapital in die Banken pumpen, damit sie die Folgen einer Pleite in Griechenland verkraften.

In den Kopf will das keinem. Den Bürgern nicht. Und auch nicht den Bankern selbst, denn sie haben Angst vor der Verstaatlichung.

Trotzdem: In der europäischen Finanzaufsicht wird gerade schon der Geldbedarf für die staatliche Zwangsbeglückung ermittelt. Die Analysten der Großbank BNP Paribas schätzen ihn auf 92 bis 300 Milliarden Euro – je nachdem, wie schwer die Krise wird. Sie wird wohl schwer. Man bekämpft sie ja nicht mal entschlossen.

Dass den Banken dann schon wieder geholfen werden muss, liegt aber auch an den Versäumnissen bei der Neuordnung des Finanzmarktes und dem Umbau der Regulierung. Manches ist erreicht worden – aber bei Weitem nicht genug. Das gilt, obwohl in den vergangenen beiden Jahren mehr neue Vorschriften verabschiedet worden sind als in den 20 Jahren zuvor. So wurde vereinbart, dass die Banken künftig für riskante Geschäfte mehr eigenes Kapital als Sicherheitspuffer vorhalten müssen.

Die Aufsichtsbehörden beobachten die Geschäfte der Kreditinstitute genauer, und sie greifen früher ein. In Europa wird nun sogar die Einführung einer Finanztransaktionssteuer diskutiert. Die Banken spüren die neuen Regeln. Dies ist ein Grund dafür, dass die großen Investmenthäuser – nicht zuletzt in London – massenweise Stellen streichen und die Profite im Kapitalmarktgeschäft fast überall sinken.

Grundsätzlicheres blieb unerledigt. Viele Banken sind immer noch so groß, dass ihre Pleite ganze Volkswirtschaften mit in den Abgrund reißen würde. Immer noch steht die Vergütung der Topverdiener in der Finanzbranche in keinem Verhältnis zu dem, was in anderen Wirtschaftszweigen gezahlt wird. Immer noch hantieren die Banken mit Produkten, deren gesellschaftlicher Nutzen fragwürdig, deren Risiko aber umso größer ist. Und immer noch findet die Politik keine Lösung für das Problem, dass Geschäfte in den unregulierten Bereich der Hedgefonds und Kapitalsammelstellen abwandern, je stärker die klassischen Banken reguliert werden.

Für diesen Stillstand gibt es Gründe. Die Finanzlobby ist mächtig, vor allem in den USA. Die Bankenkrise erschwert den Regulierern ihr Vorhaben, weil sie die Institute nicht zusätzlich belasten wollen. Und längst sind die Finanzmärkte global, weshalb einiges nur im internationalen Gleichschritt reguliert werden kann. Der Wille dazu ist erloschen. Die Deutschen schützen ihre Landesbanken, die Amerikaner ihre Großbanken, die Schwellenländer ihre Finanzzentren und die Briten ihre Hedgefonds. Sie wollen auch nicht ganz auf das schnelle Geld verzichten.

 
Leser-Kommentare
  1. werden an der Leine der Hochfinanz geführt.

    22 Leser-Empfehlungen
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    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/sc

    Und die Leine, an der die Politik geführt wird, wird immer kürzer. Inzwischen geht man so weit, Parlamente in ihrem Königsrecht zu beschneiden, es tauchen abstruse "Attentatspläne" irgendwelcher "islamistischer" oder "linker" Terroristen auf - und man bejammert und begreint die "Mittelstandsgesellschaft", die den selbsternannten "Leistungsträgern" mit ihrer Sparerei die Haare vom Kopf frisst: http://www.welt.de/wirtsc...

    "Wohlstand für alle" - ein Garant für Frieden und Stabilität in Europa - das war gestern. Im "knallharten Casino-Capitalismus" will man Verhältnisse haben, wie sie in Kolumbien oder anderen "Traumländern" der Neocons und Neoliberalen herrschen; dabei wird allerdings geflissentlich unterschlagen, dass es in solchen Ländern lebensgefährlich ist, allein und ohne Leibwache auf die Straßen zu gehen - oder sein Haus nicht massiv bewachen zu lassen.

    Aber die Politik ist an der kurzen Leine - und da können die Herren aus den Vorstandsetagen der Finanzindustrie ihren eigenen Aussagen nach extrem "gefährlich" werden, wenn nicht geliefert wird.

    kann man in dem WDR-Beitrag "Steuermilliarden - Wie sich die Banker in Brüssel die Regeln selber machen" ganz gut nachvollziehen: http://www.wdr.de/tv/moni...

    Daher: http://www.avaaz.org/de/t... http://www.echte-demokrat...

    Apropos Regulierung - gute Vorschläge dazu gibt's reichlich: http://www.re-define.org/

    P.S.: http://www.youtube.com/wa...

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/sc

    Und die Leine, an der die Politik geführt wird, wird immer kürzer. Inzwischen geht man so weit, Parlamente in ihrem Königsrecht zu beschneiden, es tauchen abstruse "Attentatspläne" irgendwelcher "islamistischer" oder "linker" Terroristen auf - und man bejammert und begreint die "Mittelstandsgesellschaft", die den selbsternannten "Leistungsträgern" mit ihrer Sparerei die Haare vom Kopf frisst: http://www.welt.de/wirtsc...

    "Wohlstand für alle" - ein Garant für Frieden und Stabilität in Europa - das war gestern. Im "knallharten Casino-Capitalismus" will man Verhältnisse haben, wie sie in Kolumbien oder anderen "Traumländern" der Neocons und Neoliberalen herrschen; dabei wird allerdings geflissentlich unterschlagen, dass es in solchen Ländern lebensgefährlich ist, allein und ohne Leibwache auf die Straßen zu gehen - oder sein Haus nicht massiv bewachen zu lassen.

    Aber die Politik ist an der kurzen Leine - und da können die Herren aus den Vorstandsetagen der Finanzindustrie ihren eigenen Aussagen nach extrem "gefährlich" werden, wenn nicht geliefert wird.

    kann man in dem WDR-Beitrag "Steuermilliarden - Wie sich die Banker in Brüssel die Regeln selber machen" ganz gut nachvollziehen: http://www.wdr.de/tv/moni...

    Daher: http://www.avaaz.org/de/t... http://www.echte-demokrat...

    Apropos Regulierung - gute Vorschläge dazu gibt's reichlich: http://www.re-define.org/

    P.S.: http://www.youtube.com/wa...

  2. ...Wackelkandidat Welt hält sich tapfer an der Klippe fest. Wird vom menschlichen Egoismus geleitet fallen, doch bloß nicht ins warme Nest.

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    > Wackelkandidat Welt...

    Lasst euch nicht veräppeln, Leute, es gibt keine Krise. Das ist alles nur Medienhype. Staatsverschuldung gab es schon immer, mit der Wirtschaft ging es schon immer auf und ab, es gibt keine Arbeitslosigkeit, keinen Hunger, keine Inflation, ob Griechenland oder ein paar Banken pleite gehen oder nicht, ist unwichtig. Seit Jahren nun schon predigen uns die Apokalyptiker, die roten und braunen, anti-USraelischen oder antiwestlichen Trittbrettfahrer des Krisengeredes, die Welt sei am Ende, eigentlich müssten die USA längst verschwunden und in Europa der Bürgerkrieg ausgebrochen sein - nichts von dem ist passiert und nichts davon wird passieren.

    Lasst euch auch nicht einreden, die Banken würden von Bösewichtern geführt, die den braven und hart arbeitenden Toitschen das Mark aus den Knochen saugten. Das Ganze ist bloß ein Globalisierungs- und Regulierungsproblem. Es gibt viele neue Möglichkeiten, Geld zu verdienen - und die werden halt genutzt, und zwar von ganz normalen Menschen wie du und ich - und die globalisierte Welt lässt sich leider nicht so einfach einheitlich regeln (das stellt der Zeit-Artikel ja zutreffend dar).

    Schaut euch nur an, wie lächerlich dieses Weltverschwörungs- und Untergangsgeraune hier im Kommentarbereich ist, wie die Roten und Braunen (erkennt noch jemand den Unterschied?) ihr antikapitalistisches Süppchen zu kochen versuchen.

    Die Welt wird nicht rot und nicht braun, sie wird ein bisschen reguliert und bleibt neoliberal frei!

    > Wackelkandidat Welt...

    Lasst euch nicht veräppeln, Leute, es gibt keine Krise. Das ist alles nur Medienhype. Staatsverschuldung gab es schon immer, mit der Wirtschaft ging es schon immer auf und ab, es gibt keine Arbeitslosigkeit, keinen Hunger, keine Inflation, ob Griechenland oder ein paar Banken pleite gehen oder nicht, ist unwichtig. Seit Jahren nun schon predigen uns die Apokalyptiker, die roten und braunen, anti-USraelischen oder antiwestlichen Trittbrettfahrer des Krisengeredes, die Welt sei am Ende, eigentlich müssten die USA längst verschwunden und in Europa der Bürgerkrieg ausgebrochen sein - nichts von dem ist passiert und nichts davon wird passieren.

    Lasst euch auch nicht einreden, die Banken würden von Bösewichtern geführt, die den braven und hart arbeitenden Toitschen das Mark aus den Knochen saugten. Das Ganze ist bloß ein Globalisierungs- und Regulierungsproblem. Es gibt viele neue Möglichkeiten, Geld zu verdienen - und die werden halt genutzt, und zwar von ganz normalen Menschen wie du und ich - und die globalisierte Welt lässt sich leider nicht so einfach einheitlich regeln (das stellt der Zeit-Artikel ja zutreffend dar).

    Schaut euch nur an, wie lächerlich dieses Weltverschwörungs- und Untergangsgeraune hier im Kommentarbereich ist, wie die Roten und Braunen (erkennt noch jemand den Unterschied?) ihr antikapitalistisches Süppchen zu kochen versuchen.

    Die Welt wird nicht rot und nicht braun, sie wird ein bisschen reguliert und bleibt neoliberal frei!

  3. "Wie konnte das bloß passieren?"

    Sie hätten dies an jedem beliebigen Tag der letzten zwei Jahre fragen können, und nicht nur ich, sondern Millionen anderer auch hätten ihnen die Frage sofort beantworten können.

    Kleiner Tip für sie, werter "Fach-Autor" Schieritz:

    Es hat was damit zu tun, dass man den Banken Steuergelder verspricht, BEVOR man hieb- und stich-feste Regulierungen für den Banken-Sektor eingeführt hat...

    Aber keine Bange, der deutsche Bürger/Wähler/Steuerzahler wird sich auch davon in seinem Wahlverhalten zu Gunsten der "bürgerlichen" Parteien nicht irritieren lassen.

    Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk

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    ...doch ob der Deutsche Michel tatsächlich sein Wahlverhalten ändern wird, lässt sich stark bezweifeln. Was Allgemeinwissen angeht, so sagt man doch flappsig übergreifend, sind 50% des Volkes dumm. Ich bin sicher, was Finanzwirtschaft angeht sind es locker mehr als 90% die nicht die geringste Ahnung haben was da abgeht und wie es zusammen hängt. Denen kann jeder alles erzählen, sie müssen es glauben oder auch nicht.
    Wir leben heute mehr denn je in Zeiten der Rattenfänger. Je besser einer flöten kann, je mehr Anhänger, sprich Wähler, wird er haben.
    Und was hat das Volk letztlich davon, wenn es den Teufel gegen den Belzebub tauscht?

    Entfernt. Bitte wenden Sie sich bei Fragen zur Moderation an community@zeit.de. Danke. Die Redaktion/sc

    ...doch ob der Deutsche Michel tatsächlich sein Wahlverhalten ändern wird, lässt sich stark bezweifeln. Was Allgemeinwissen angeht, so sagt man doch flappsig übergreifend, sind 50% des Volkes dumm. Ich bin sicher, was Finanzwirtschaft angeht sind es locker mehr als 90% die nicht die geringste Ahnung haben was da abgeht und wie es zusammen hängt. Denen kann jeder alles erzählen, sie müssen es glauben oder auch nicht.
    Wir leben heute mehr denn je in Zeiten der Rattenfänger. Je besser einer flöten kann, je mehr Anhänger, sprich Wähler, wird er haben.
    Und was hat das Volk letztlich davon, wenn es den Teufel gegen den Belzebub tauscht?

    Entfernt. Bitte wenden Sie sich bei Fragen zur Moderation an community@zeit.de. Danke. Die Redaktion/sc

  4. .. wird finanziert von der Masse der Menschen.
    Wie die im Text erwähnte Bewegung "Occupy Wallstreet" so treffend schreibt: "wir sind 99%".

    In diesem staatlich legalisierten Schneeballsystem (welche eigentlich strafbar sind) meint jeder zu den Gewinnern zu gehören, weil er ein paar Euro Zinsen einsackt - dabei verkennend, daß er die Zinslasten der oberen Zehntausend mitstemmen darf. Die Rechnung dafür gabs jetzt schon mehrfach, ganz dicke.

    Geändert hat sich nichts.

    > Die Deutschen schützen ihre Landesbanken, die Amerikaner
    > ihre Großbanken, die Schwellenländer ihre Finanzzentren
    > und die Briten ihre Hedgefonds. Sie wollen auch nicht ganz
    > auf das schnelle Geld verzichten.
    Genaugenommen sind es nicht die Deutschen, die Amerikaner und die Briten, sondern es sind die Politiker der jeweiligen Länder, die als willfährige Marionetten der Finanzindustrie agieren.

    Leider ist auch die Masse der Bürger mitschuld, denn auch sie treibt die Politik in diese wenig nachhaltige Richtung.

    Sämtliche Medien schreiben stets nur von Schuldenkrise. Die Schulden müssen weg. Die Guthaben aber sollen unangetastet bleiben, die eigenen Ersparnisse sind heilig.
    Dabei sind die Guthaben der einen die Schulden der anderen!

    Geld hat keinen inneren Wert, Geld ist nur eine Forderung, nur ein Titel! Letztendlich hat die Welt ein Verteilungsproblem bei den Forderungen, aber dieses Thema ist tabu bis es kracht und man hinterher evtl. merkt, daß Systemkritiker nicht automatisch böse Kommunisten sind.

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    Ich darf mich hier anschließen und noch ein Zitat unserer hochverehrten Bundeskanzlerin zum Besten geben: "Deutschland geht es gut..." Wem in Deutschland es nicht gut geht ist ja eigentlich völlig egal, denn was zählt ist die Wirtschaft.

    Lieber Hadraniel Sie schrieben:
    "Genaugenommen sind es nicht die Deutschen, die Amerikaner und die Briten, sondern es sind die Politiker der jeweiligen Länder, die als willfährige Marionetten der Finanzindustrie agieren."

    In D wehren sich die Banken geschlossen gegen die jetzt diskutierte staatliche Geldspritze. Wäre Mutti eine willfährige Marionette müsste sie laut nein rufen, macht sie aber nicht.

    Warum?

    So selten wie ich Herrn Schieritz recht gebe, in diesem Falle stimmt seine Analyse. In D sind die LZBs der schwächste Teil des Finanzsektors und die gehöhren alle der öffentlichen Hand, am Ende also uns allen.

    Das derzeitig in Produktion befindliche Stück "Bankenrettung II" geht aber nicht einmal von den LZBs aus. Es ist eine Gemeinschaftsproduktion die insbesondere von den Staaten befördert wird die selber im Fokus der Finanzmärkte stehen.

    Aus ihrer Sicht ist es notwendig, jetzt alle Bedenken über ihre Fähigkeit die Krise zu überstehen, zu zerstreuen. Deswegen sollen die Banken derart gestärkt werden, dass sie diesen Staaten nicht auf den Fuss fallen und man im Notfall sogar auf ihre Hilfe zurückgreifen kann.

    Da man einen Kuchen nicht gleichzeitig essen und behalten kann, muss das Geld für "Bankenrettung II" aus anderen Quellen kommen. Der EFSF wäre perfekt, wenn denn die Banken alle in Gefahr wären.

    Stresstest Sommer 5% Kapital nach Szenario völlig zureichend
    Stresstest Herbst 9% Kapital nach Szenario notwendig

    Da will wohl wer für den Winter vorsorgen.

    Weil wir es auch mit journalistischem Dilletantentum zu tun haben.
    Ihre wenigen Aussagen schildern treffend die Situation. Die Frage müßte also lauten: "Warum bedarf die Medienrepräsentanz des Nachhilfeunterrichtes"

    Sie haben recht, die Schulden der einen sind die Guthaben der anderen. Niemand will auf das leichte Geld verzichten und fast jeder unterschätzt die Risiken dabei. In normalen Zeiten ist es volkswirtschaftlich sinnvoller, dass Unternehmen, die mühsam für den Markt produzieren, Schulden machen als Staaten, die ihre Wahlgeschenke finanzieren und ihr Steuermonopol nutzen, um vermeintliche Sicherheit zu schaffen. Regierungen sind noch nie gute Wirtschafter gewesen, deshalb auch die Forderung der klassischen Finanztheorie, dass Staatsschulden nur für einkommens- und wachstumswirksame öffentliche Investitionen aufgenommen werden sollen, die später auch höhere Steuern einbringen, um sie zurückzuzahlen. Wer an Keynes glaubt, erlaubt staatliches Schuldenmachen ausnahmsweise auch zur besseren Auslastung der volkswirtschaftlichen Kapazität bei Unterbeschäftigung. Soche Schulden müssen spätestens im nächsten Aufschwung zurückgezahlt werden. Das Problem mit der Schuldenkrise ist, dass sich die Staaten seit Jahren nicht an solche Regeln gehalten haben und bei Investoren eine Rentiersmentalität gefördert haben, indem sie Sicherheit von Kapital und Zinsen ohne Beziehung zu wirtschaflich relevanten Leistungen vorgegaukelt haben. Wenn Banken heute sagen, dass der Konsens, dass Staatsanleihen 100% sicher sind, gebrochen ist, ist das unverständlich, denn natürlich wussten sie dass die Zinsdifferenzen bei Staatsanleihen im Euroraum zum grossen Teil auf Risikouunterschieden beruhen.

    Ich darf mich hier anschließen und noch ein Zitat unserer hochverehrten Bundeskanzlerin zum Besten geben: "Deutschland geht es gut..." Wem in Deutschland es nicht gut geht ist ja eigentlich völlig egal, denn was zählt ist die Wirtschaft.

    Lieber Hadraniel Sie schrieben:
    "Genaugenommen sind es nicht die Deutschen, die Amerikaner und die Briten, sondern es sind die Politiker der jeweiligen Länder, die als willfährige Marionetten der Finanzindustrie agieren."

    In D wehren sich die Banken geschlossen gegen die jetzt diskutierte staatliche Geldspritze. Wäre Mutti eine willfährige Marionette müsste sie laut nein rufen, macht sie aber nicht.

    Warum?

    So selten wie ich Herrn Schieritz recht gebe, in diesem Falle stimmt seine Analyse. In D sind die LZBs der schwächste Teil des Finanzsektors und die gehöhren alle der öffentlichen Hand, am Ende also uns allen.

    Das derzeitig in Produktion befindliche Stück "Bankenrettung II" geht aber nicht einmal von den LZBs aus. Es ist eine Gemeinschaftsproduktion die insbesondere von den Staaten befördert wird die selber im Fokus der Finanzmärkte stehen.

    Aus ihrer Sicht ist es notwendig, jetzt alle Bedenken über ihre Fähigkeit die Krise zu überstehen, zu zerstreuen. Deswegen sollen die Banken derart gestärkt werden, dass sie diesen Staaten nicht auf den Fuss fallen und man im Notfall sogar auf ihre Hilfe zurückgreifen kann.

    Da man einen Kuchen nicht gleichzeitig essen und behalten kann, muss das Geld für "Bankenrettung II" aus anderen Quellen kommen. Der EFSF wäre perfekt, wenn denn die Banken alle in Gefahr wären.

    Stresstest Sommer 5% Kapital nach Szenario völlig zureichend
    Stresstest Herbst 9% Kapital nach Szenario notwendig

    Da will wohl wer für den Winter vorsorgen.

    Weil wir es auch mit journalistischem Dilletantentum zu tun haben.
    Ihre wenigen Aussagen schildern treffend die Situation. Die Frage müßte also lauten: "Warum bedarf die Medienrepräsentanz des Nachhilfeunterrichtes"

    Sie haben recht, die Schulden der einen sind die Guthaben der anderen. Niemand will auf das leichte Geld verzichten und fast jeder unterschätzt die Risiken dabei. In normalen Zeiten ist es volkswirtschaftlich sinnvoller, dass Unternehmen, die mühsam für den Markt produzieren, Schulden machen als Staaten, die ihre Wahlgeschenke finanzieren und ihr Steuermonopol nutzen, um vermeintliche Sicherheit zu schaffen. Regierungen sind noch nie gute Wirtschafter gewesen, deshalb auch die Forderung der klassischen Finanztheorie, dass Staatsschulden nur für einkommens- und wachstumswirksame öffentliche Investitionen aufgenommen werden sollen, die später auch höhere Steuern einbringen, um sie zurückzuzahlen. Wer an Keynes glaubt, erlaubt staatliches Schuldenmachen ausnahmsweise auch zur besseren Auslastung der volkswirtschaftlichen Kapazität bei Unterbeschäftigung. Soche Schulden müssen spätestens im nächsten Aufschwung zurückgezahlt werden. Das Problem mit der Schuldenkrise ist, dass sich die Staaten seit Jahren nicht an solche Regeln gehalten haben und bei Investoren eine Rentiersmentalität gefördert haben, indem sie Sicherheit von Kapital und Zinsen ohne Beziehung zu wirtschaflich relevanten Leistungen vorgegaukelt haben. Wenn Banken heute sagen, dass der Konsens, dass Staatsanleihen 100% sicher sind, gebrochen ist, ist das unverständlich, denn natürlich wussten sie dass die Zinsdifferenzen bei Staatsanleihen im Euroraum zum grossen Teil auf Risikouunterschieden beruhen.

  5. noch mal einige Zeitausgaben von Mitte/ Ende 2008 zu finden und zu lesen. Da steht praktisch dasselbe drin, zum größten Teil von den selben Autoren der Zeit verfaßt. Mit den denselben Forderungen an die Bankenregulierung wie heute.

    Na, vielleicht wirds ja diesmal was.

    "ZEIT" wärs ja, denn es ist doch wohl nur noch eine Frage derselben, wielange die Bürger noch an diese "Zettelwirtschaft" glauben, in der die Staaten sich bei den Banken Geld "leihen", um dieselben dann damit zu retten und das ganze dann wahlweise mit Zetteln aus gestückelten Immobilienkrediten und/oder Staatsschuldverschreibeungen "besichern".

  6. Wo waren Sie im Frühjahr, Herr Schieritz?

    Bei den Demonstrationen konnten Sie deutlich sehen, daß Großbritannien nicht profitiert. Selbst unter den Labour-Regierungen sind die sozialen Unterschiede gewachsen.

    Das ständige unkritische Wiederholen von Phrasen hilft uns nicht weiter. Die Berufung auf die verkopften Lehrgebäude auch nicht.

    Manchmal hilft auch ein einfacher Blick in ein Geschichtsbuch. Immobilien- und Bankenkrisen lassen sich nicht in ein paar Monaten erledigen. Es sei denn, der Blick wird durch einen Krieg verstellt.

    Das derzeitige Grundproblem liegt in der Ungleichverteilung des Sozialprodukts. Wenn man in einem trockenen Sommer das Wasser nur auf eine Stelle schüttet, wachsen vielleicht ein paar Sumpfpflanzen und Unkräuter. Der Rest verdorrt.

    Ebenso geht es Ben Bernanke, Claude Trichet und den englischen Kollegen. Sie können den Markt mit Geld fluten. Solange sie ihre Gelder an die selben Stellen leiten ...

    Es rächt sich, daß die Kreislaufmodelle der Volkswirtschaftler beharrlich zwei wesentliche Punkte ausblenden: a) Die Existenz und den Sinn von Banken und b) die Selbstverständlichkeiten der Verteilungsrechnung

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    Eine absolut korrekte Einschätzung, die ich zu 100 % teile.

    Zum Beispiel: "Aus der Krise nichts gelernt", wusste er im Frühjahr hier festzustellen. "Gelernt" hat Herr Schieritz, dass er selbst mit verschiedenen bezeichneten und formulierten Artikeln zu ein und demselben (sein) Verstehen, Geld verdienen kann. Das sollte man ihm nicht verübeln.

    Eine absolut korrekte Einschätzung, die ich zu 100 % teile.

    Zum Beispiel: "Aus der Krise nichts gelernt", wusste er im Frühjahr hier festzustellen. "Gelernt" hat Herr Schieritz, dass er selbst mit verschiedenen bezeichneten und formulierten Artikeln zu ein und demselben (sein) Verstehen, Geld verdienen kann. Das sollte man ihm nicht verübeln.

  7. In diesem Zusammenhang wird es immer wichtiger, ob das Volk damit einverstanden ist. Es ist wohl so, dass sich das Volk immer weniger einen Nasenring durch die Nase ziehen läßt, an dem es durch die Manege gezogen wird.

    In den ARD Tagesthemen wurde gestern berichtet, dass die US-Bürgerrechtsbewegung immer größere Ausmaße annimmt und zwischenzeitklich in immer mehr Ländern der USA Fuß faßt dh auf der US Landkarte waren schon die Hälfte aller US Bundesländer betroffen.

    Politik reagiert nur auf Druck
    und auf sonst gar nichts

    Das wird auch dadurch deutlich, dass zB erst jetzt die Medien das aufnehmen und nun erstmals darüber Diskussionen in den Medien zu finden sind. In der Phoenix Runde war gestern mehr als erstaunlich, dass dort Prof. zu dem Thema "soziale Wut der Bürger" diskutierten und oh Wunder - alle einstimmig für den Aufstand der Bürger waren, die Proteste einstimmig begrüßten und diese für zwingend notwendig hielten dh man hoffte dort,
    dass die Proteste nun so massiv werden, dass die Politik unter Handlungsdruck gerät.

    Wenn man von den USA ausgeht, so ist dort der Grundtenor, dass eine kleine Minderheit im Feudalissmus lebt, während die ärmeren Volksschichten immer mehr ausbluten. Das ist die Hauptzielrichtung der Proteste.

    Ähnliche Richtung haben auch Proteste in Chile, in Mexiko, in Kolumbien, in Peru und anderen Ländern. Es beginnt weltweit etwas Neues zu entstehen.

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    "Es beginnt weltweit etwas Neues zu entstehen"

    Zustimmung. Da muss sich auch was tun.

    Denn wenn die Renditen in der Finanzwirtschaft in die Höhe schnellen, dann sind in aller Regel die Risiken gestiegen. Das kann man sich nur leisten, wenn man im Überfluss sich "suhlen" kann - so wie die Schweine sich im Schlamm suhlen. Dass dies die Finanzwirtschaft sich ohne hinreichendes "Eigen"kapital erlauben kann und - beim geplatzter Spekulation - mit öffentlichem Geld "gerettet" wird, dafür die verunglückten Glücksritter mit "Boni" belohnt werden, sollte ein "eye opener" für all diejenigen sein, die bisher es für gegeben betrachten, das die Renditen in einer Finanzwirtschaft mit Mini-Eigenkapital die Renditen der operativen Geschäfte in Produktion und realen Innovation (F&E) übersteigen.

    Wenn hier politische Parteien keine grundsätzliche Problematik erkennen können & eindeutige Aussagen zustande bringen, wie dieses dysfunktionale System zu überwinden ist, dann liefern sie auch noch die Demokratie den Dienern der Spekulation aus. Deren Gehirne sind aber von den Hedge-Fonds, Spekulantenwahn und Zockern, die die "Gene der Gier und Manipulation" in die Märkte transportieren, "infiziert". Sie drohen unsere gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen für lange Zeit oder sogar dauerhaft zu beschädigen, wenn sie ihre "Krisenszenarios" gegenüber naiven - und deshalb "überraschten" - Regierungen weiter auf Kosten aller inszenieren dürfen.

    Deshalb nächster Akt:"Vorhang auf für das Neue"!

    Sie besorgen das Geschäft der Neofeudalisten. Wer gegen den Neofeudalismus ist, ist nach Ihrer Definition ein Kapitalismus- oder Marktwirtschaftskritiker, also kurz gesagt muss er ein Sozialist, Kommunist oder sonstger Linksradikaler sein.
    Das ist falsch !
    Der moderne Feudalist besitzt Häuser, Firmen, Beziehungsnetze und Heere von Juristen, die das Amt des Steuereintreibers (Staat) besetzen. Der moderne Feudalist erntet auch da wo er nicht gesät hat: Mit Zinsen und Kapitalgewinnen, die zumeist noch steuerlich begünstigt werden. Der Neofeudalist hat das universelle (göttliche) Recht, ohne dabei ein eigenes Risiko tragen zu müssen, auf Vermögensicherung und ständigen Vermögenszuwachs.
    Neofeudalismus ist eine Art Klassenkampf von oben.
    http://www.google.de/sear...
    Dieser Umwandlungsprozess des Siegersystems vom Kapitalismus zum Neofeudalismus wurde vor ca. 20 Jahren eingeleitet und kommt nun allmählich in die entscheidenden Phasen.
    Selbst Konservativen und echten Marktwirtschaftlern sollte es Klar sein, wir müssen diesen von der Finanzoligarchie, den Bilderbergern, angestossenen Umwandlungsprozess als Ultima Ratio mit Gewalt, so wie es das Grundgesetz nach Art. 20 Abs. 4 erlaubt, umdrehen und verhindern.
    Das bedeutet, in letzter Konsequenz und wenn es gar nicht anders möglich ist, muss es eine möglichst weltweite zweite "franz. Revolution" geben.
    Neofeudalisten sind die größten Menschenschinder und gehören ohne wenn und aber unter die Guillotine !

    "Es beginnt weltweit etwas Neues zu entstehen"

    Zustimmung. Da muss sich auch was tun.

    Denn wenn die Renditen in der Finanzwirtschaft in die Höhe schnellen, dann sind in aller Regel die Risiken gestiegen. Das kann man sich nur leisten, wenn man im Überfluss sich "suhlen" kann - so wie die Schweine sich im Schlamm suhlen. Dass dies die Finanzwirtschaft sich ohne hinreichendes "Eigen"kapital erlauben kann und - beim geplatzter Spekulation - mit öffentlichem Geld "gerettet" wird, dafür die verunglückten Glücksritter mit "Boni" belohnt werden, sollte ein "eye opener" für all diejenigen sein, die bisher es für gegeben betrachten, das die Renditen in einer Finanzwirtschaft mit Mini-Eigenkapital die Renditen der operativen Geschäfte in Produktion und realen Innovation (F&E) übersteigen.

    Wenn hier politische Parteien keine grundsätzliche Problematik erkennen können & eindeutige Aussagen zustande bringen, wie dieses dysfunktionale System zu überwinden ist, dann liefern sie auch noch die Demokratie den Dienern der Spekulation aus. Deren Gehirne sind aber von den Hedge-Fonds, Spekulantenwahn und Zockern, die die "Gene der Gier und Manipulation" in die Märkte transportieren, "infiziert". Sie drohen unsere gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen für lange Zeit oder sogar dauerhaft zu beschädigen, wenn sie ihre "Krisenszenarios" gegenüber naiven - und deshalb "überraschten" - Regierungen weiter auf Kosten aller inszenieren dürfen.

    Deshalb nächster Akt:"Vorhang auf für das Neue"!

    Sie besorgen das Geschäft der Neofeudalisten. Wer gegen den Neofeudalismus ist, ist nach Ihrer Definition ein Kapitalismus- oder Marktwirtschaftskritiker, also kurz gesagt muss er ein Sozialist, Kommunist oder sonstger Linksradikaler sein.
    Das ist falsch !
    Der moderne Feudalist besitzt Häuser, Firmen, Beziehungsnetze und Heere von Juristen, die das Amt des Steuereintreibers (Staat) besetzen. Der moderne Feudalist erntet auch da wo er nicht gesät hat: Mit Zinsen und Kapitalgewinnen, die zumeist noch steuerlich begünstigt werden. Der Neofeudalist hat das universelle (göttliche) Recht, ohne dabei ein eigenes Risiko tragen zu müssen, auf Vermögensicherung und ständigen Vermögenszuwachs.
    Neofeudalismus ist eine Art Klassenkampf von oben.
    http://www.google.de/sear...
    Dieser Umwandlungsprozess des Siegersystems vom Kapitalismus zum Neofeudalismus wurde vor ca. 20 Jahren eingeleitet und kommt nun allmählich in die entscheidenden Phasen.
    Selbst Konservativen und echten Marktwirtschaftlern sollte es Klar sein, wir müssen diesen von der Finanzoligarchie, den Bilderbergern, angestossenen Umwandlungsprozess als Ultima Ratio mit Gewalt, so wie es das Grundgesetz nach Art. 20 Abs. 4 erlaubt, umdrehen und verhindern.
    Das bedeutet, in letzter Konsequenz und wenn es gar nicht anders möglich ist, muss es eine möglichst weltweite zweite "franz. Revolution" geben.
    Neofeudalisten sind die größten Menschenschinder und gehören ohne wenn und aber unter die Guillotine !

    • T1
    • 13.10.2011 um 7:21 Uhr

    "Immer noch hantieren die Banken mit Produkten, deren gesellschaftlicher Nutzen fragwürdig, deren Risiko aber umso größer ist."

    Grundsätzlich ist diese Frage in der Tat. Richten sich die Märkte nach dem aus, was der Gesellschaft nutzt? Und noch wichtiger: richten wir uns als Privatpersonen und Verbraucher danach aus, was der Gesellschaft nutzt? Was ist gut für die Gesellschaft?

    Solange wir uns nicht selbst mit diesen grundsätzlichen Fragen auseinandersetzen gibt es wenig Potential für Veränderung. Ich behaupte einfach mal dass der Durchschnittsbürger sich keinen Deut dafür interessiert wo eigentlich seine Produkte und sein Geld herkommen. Das ist ein Problem, Verbesserung kann durch sozialen Druck erreicht werden. Wenn man weiß wohin man eigentlich gehen will.

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