Tod von Steve JobsDer Kult des Cool

Steve Jobs ist in Europa nicht denkbar. Warum eigentlich nicht? von 

Kaum war Steve Jobs tot, da bauten sie ihm im Fitnesscenter von Stanford einen Altar: ein Pult, darauf sein Porträt. Im Land brannten Kerzen, sein Eckhaus in der Waverley Street wurde zum Schrein. Kniehoch die Blumen und Briefe vor dem flachen Zaun, noch heute bringen Pilger Äpfel, die sich wie ein Rosenkranz um den Garten legen. Das Wall Street Journal titelt The Secular Prophet und The Coolest Show on Earth.

Ein Heiliger war Jobs nicht, obwohl er einmal auf einer Apple-Halloween-Party als Jesus aufgetreten war. Liebenswert auch nicht ; er war ein Tyrann, der einst einem Ingenieur beschied: »Dein Prototyp ist eine wirklich hübsche Torte, aber mit einer Füllung aus Hundescheiße.«

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Warum die Welle der Verehrung, die nicht abebbt? Eine Antwort liefert das Satireblatt Onion mit der Schlagzeile: Tot: Der letzte Amerikaner, der wusste, wo es langging. Etwas blumiger ein Blogger: »Auf einem Ozean der Mittelmäßigkeit, in einer faden, farblosen Big-Business-Welt, die per Ausschuss regiert wird, hat er gezeigt, dass der wahre Weg zur Exzellenz eben Exzellenz ist.«

Klingt gut, erklärt aber nicht, warum Jobs’ Ansprache auf der Stanford-Abschlussfeier von 2005 fast zehn Millionen Mal auf YouTube angeklickt worden ist. Jedenfalls hätte ein europäischer CEO so nicht geredet. Natürlich zelebrierte Jobs den Amerikanischen Traum: wie er, ein College-Dropout, in der Garage den ersten Apple gebaut und daraus einen Marktwert von 350 Milliarden Dollar gemacht hatte.

Dann aber sprach er von Liebe und Tod, von Verlust und Wiedergeburt. Wie er, der Schöpfer, 1985 von der eigenen Firma gefeuert worden war – und nur überlebte, weil »ich liebte, was ich machte«. Ihr müsst eure Arbeit lieben, ermahnte er die Studenten; »Gebt euch nie zufrieden, sucht weiter!«

Und der Pankreas-Krebs, der ihn jetzt doch noch besiegt hat? »Der Tod«, dozierte er, »ist die beste Erfindung des Lebens; er beseitigt das Alte und bahnt dem Neuen einen Weg.« Den 22-Jährigen rief er zu: »Eure Zeit ist knapp, vergeudet sie nicht. Lauft nicht in die Falle des Dogmas« – der Wahrheit von gestern, die sich andere ausgedacht hatten. Er klang wie Luther, der sich ins Football-Stadion verirrt hatte: »Hört auf euer Herz und eure Eingebung; bleibt hungrig und tollkühn!« So sind Pod, Phone und Pad entstanden. Dazu der Apple-Kult, der Kult des Cool.

Mit diesen Ikonen hat Jobs die globale Kultur umgekrempelt – mit »i« für Inspiration, Innovation und Insistenz. Er war kein netter Mensch, aber er hat geschafft, was in der Geschichte nur wenigen gegeben war: zu revolutionieren, wie wir kommunizieren , wie wir schreiben, lesen und vielleicht auch schon denken. Gutenberg fällt einem ein; dazu die Erfinder von Dampfmaschine, Telefon, TV und Computer. Und noch etwas: Die wurden im Alten Europa erfunden. Und deshalb hinterlässt der iMann die Frage: Wie kann Europa wieder »hungrig und tollkühn« werden?

Erst aber wollen wir den Euro retten. Und dann einen kleinen Altar für Jobs mit der Inschrift bauen: »Die Zeit ist knapp, vergeudet sie nicht.«

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Leserkommentare
    • jon777
    • 16. Oktober 2011 23:55 Uhr
    73. Xerox

    Geschichte [Bearbeiten]

    Das Konzept von GUIs im heutigen Sinne stammt aus den 1970er Jahren. Seit 1973 erarbeitete man am Xerox PARC in Kalifornien den Xerox Alto. Den ersten kommerziellen Einsatz zeigte 1981 der Xerox Star. Einen größeren Kreis von Anwendern erreichte das Konzept erst durch die populäreren Computer von Apple. Ab 1979 wurde dort daran gearbeitet, wobei man sich sehr von Xerox inspirieren ließ, und 1983 erschien der Apple Lisa mit grafischer Benutzeroberfläche.

    quelle http://de.wikipedia.org/wiki/Grafische_Benutzeroberfläche

    Soviel zur Behauptung die erste graphische Benutzeroberfläche stammt von Apple.

    Jobs ist eben nicht der geniale Erfinder, sondern ein guter Vermarkter und er hat keine gesellschaftlichen Visionen, sondern er inzeniert und verkauft das Produkt.

    Manchmal habe ich den Eindruck, hier in einem religiösen Forum zu sein, denn vielen Befürwortern fehlt offenbar die objektive Distanz zur Marke und Produkt.

  1. So schwer ist es gar nicht sich in Deutschland selbstständig zu machen. Ich versteh den Hype um Aplle einfach nicht, der Mann hat teure Handys und PCs gebaut, alles nichts neues, der Mercedes der IT Branche. Beachtlich ist da vor allem die Marketing Leistung.

  2. Nach dieser Ankündigung hätte ich etwas mehr erwartet als eine Ansammlung von lauwarmen Plattitüden, wenn nicht als Autor Josef Joffe genannt worden wäre (ob er diesen Appell wohl auch auf sich selbst bezieht?).

    Allerdings fand ich doch ein bemerkenswertes Zitat (ich weiß gar nicht, ob Herr Joffe es in seiner ganzen Tragweite überblickt hat):

    »Der Tod«, dozierte er, »ist die beste Erfindung des Lebens; er beseitigt das Alte und bahnt dem Neuen einen Weg.«

    • Lutz2
    • 21. Oktober 2011 17:49 Uhr

    Tja und darin den Euro,koste es was es wolle, zu retten liegt schon der tödliche Kardinalfehler für Europa, Herrr Joffe.

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  • Schlagworte Steve Jobs | Apple | Alte | Blogger | Dogma | Europa
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