Eigentlich hatte er eine Limousine angefragt...

DIE ZEIT: Herr Klöck, Sie haben im Internet eine Tier-Mitfahrzentrale gegründet. Kommt es denn häufig vor, dass ein Hund oder Kaninchen ohne seinen Besitzer auf Reisen geht?

Volker Klöck: Oh ja! Tiere werden oft über Internetforen verkauft – und die Transportkosten sind mitunter höher als der Kaufpreis. Ein Hase kostet zum Beispiel zwischen zehn und 30 Euro. Wenn Sie den per Kurier verschicken, zahlen Sie dafür bis zu 150 Euro. Da sind auf meiner Plattform www.tier-mitfahrzentrale.de viel günstigere Angebote zu finden. Manchmal muss auch ein Meerschweinchen alle paar Wochen zu einem Zahnarzt, dessen Praxis in einer anderen Stadt liegt. Da ist es sinnvoll, wenn der Besitzer einen anderen Tierhalter aus seiner Gegend sucht, der ohnehin zu dem Arzt fährt und es mitnimmt. Und dann gibt es noch die Rettungsaktionen...

ZEIT: Wer wird da gerettet?

Klöck: Meistens Straßenhunde. In Ländern wie Spanien oder Rumänien werden die oft eingeschläfert, deshalb haben sich dort Tierschutzinitiativen gegründet: Sie suchen den Hunden ein Zuhause in Deutschland und bitten Urlauber dann über meine Mitfahrzentrale, die Tiere auf dem Heimweg mitzunehmen. Da bilden sich ganze Transportketten: von Spanien nach Südfrankreich, dort übernimmt jemand, der nach Freiburg fährt, und von da fährt jemand das Tier nach Hamburg.

ZEIT: Kommt denn jeder als Fahrer infrage?

Klöck: Klar. Wer ein Tier transportiert, muss nicht selbst eines haben.

ZEIT: Und man bekommt Geld dafür? Wenn ich verreise, kann ich also einen Hamster mitnehmen, um die Benzinkosten zu drosseln?

Klöck: Die Details besprechen der Besitzer und der Transporteur. Eine Bezahlung ist nicht unüblich. Ich glaube aber nicht, dass das die Hauptmotivation der meisten Fahrer ist.

ZEIT: Warum? So ein Hamster ist leicht zu transportieren, und man muss sich während der Fahrt nicht mit ihm unterhalten.

Klöck: Stimmt, das ist anders als bei einer Mitfahrzentrale für Menschen. So ein Tier quatscht Sie nicht von Hamburg bis München voll. Aber lassen Sie es mal keinen Hamster sein, sondern einen Hund. Da müssen Sie regelmäßig halten, um Gassi zu gehen. Sie müssen ihm etwas zu trinken geben, und wenn es ganz schlecht läuft, haart er wie wild oder übergibt sich in Ihrem Wagen. Und das alles für ein paar Euro? Nein, ich denke, bei meiner Plattform geht es darum, dass Tierfreunde sich gegenseitig helfen.

ZEIT: Worauf muss ich denn achten, wenn ich ein Tier verschicke?

Klöck: Zunächst einmal müssen Sie eine Box organisieren, in der es sicher ist. Oder für Fische zum Beispiel reißfeste, wassergefüllte Plastikbeutel, die in Styroporkisten gepackt werden. Dann müssen Sie dem Fahrer Verpflegung für das Tier mitgeben – und Anweisungen: Braucht es Auslauf? Wie oft soll es fressen? Und Sie sollten sich überlegen, ob Sie Ihrem Tier nicht zu viel zumuten. Für einen Hamster ist das Kinderzimmer, in dem er seit Jahren lebt, die ganze Welt. Wenn der plötzlich im Auto hockt, gerät er in Stress und kann sogar sterben. Der Fahrer wiederum sollte sich fragen, ob es wirklich eine gute Idee ist, ein Tier zu chauffieren. Wenn er kleine Kinder hat, sollte er zum Beispiel keinen fremden Hund mitnehmen. Es sei denn, es gibt ein Gitter im Auto, so dass das Tier nicht aus dem Kofferraum zu den Kindern auf die Rückbank springen kann. Sonst wird das einfach zu gefährlich.

ZEIT: Und welche Tiere gehen über Ihre Mitfahrzentrale noch auf Reisen, außer Hunden, Hamstern und Fischen?

Klöck: Oh, wir hatten schon Pferde, Schlangen, Spinnen, Laufenten...

ZEIT: Sie selbst sind ja Aquarist und sammeln Fische. Haben Sie auch schon die Dienste Ihrer Mitfahrzentrale in Anspruch genommen?

Klöck: Noch nicht. Aber ich bin mal 250 Kilometer gefahren, um einen Buntbarsch zu begutachten. Einfache Strecke.