Eine Altbauwohnung in Kiel, vollgestellt mit Gartenzwergen. Besuch bei Feridun Zaimoğlu, Schriftsteller. Der Mann, der »Kanak-Sprak«, die Sprache junger Deutschtürken druckreif gemacht hat.

»Türkisch oder deutsch, beides ist scheiße. Beides ist scheiße.

Warum werden wir das gefragt? Ich geh doch nicht in den Supermarkt und schaue mir nur zwei Regale an. Während jede Scheißhauspersönlichkeit da draußen sich etwas einbildet auf ihre Individualität, weil sie zwei bunte Keramikvasen von Ikea nach Hause schleppt und eine Träne vergossen hat, nachdem Amy Winehouse gestorben ist, sagt man Mamelucken wie uns: Deutsch oder türkisch, entscheidet euch. Ich glaub, es hackt.

50 Jahre , und keine Sau interessiert’s. Es gibt kein Fest.

Man liebt die Türken nicht. Man liebt sie einfach nicht. Warum auch. Sie benehmen sich oft genug daneben. Wie kann man nur, wenn man in einem Land geboren und aufgewachsen ist, verweigern zu sagen: Das ist mein Land. Diese Vorortstrizzis, die dabei dieses Affenwort von ›Respekt‹ benutzen, sie können es nicht mal aufschreiben. Sie reden von Mut und Einsatz. Ehre. Ich pfeife auf ihre Ehre. Die Ehre der Männer ist immer das Elend der Frauen.

Ich sage es: Natürlich bin ich Deutscher. Sollen sie mir doch Überassimilation unterstellen.

Diese Feiglinge auf beiden Seiten. Ich sehe Probleme. Es sind meist Probleme von Männern. Ich sehe aber auch große Erfolge. Die Frauen werden zur zukünftigen Elite dieses Landes gehören, vor allem Alevitinnen und gläubige Musliminnen. Weil sie brennen, weil sie Bescheid wissen.

Es wird nicht gefeiert in diesem meinem Land, weil die meisten Leute pennen. Sie sind damit beschäftigt, hysterisch zu sein. Sich künstlich aufzuregen. Nicht in Ruhe nachzudenken. Saisonarbeiter, die eine Klientel bedienen, die sich nie mit dem Kanaken anfreunden wird.

Es quillt und gärt, das Land ändert sich. Angst vor dem Fremden zu haben, ist etwas ganz normales. Globalisierung hin oder her, wir sind und bleiben eine Dorfgemeinschaft. Das Lumpigste aber ist, einzuprügeln auf die, die sich nicht wehren können, die Bedürftigen. Es ist falsch, sich mit diesen Prüglern an einen Tisch zu setzen. Ich mache das nicht. Diese ganzen Feuilletonknaller. Was für eine Verlogenheit. Auch da Feigheit. Da draußen wimmelt es von Islamexperten und ihrer irrationalen Abneigung. Dann sagt es doch einfach: Ich mag die nicht.

Man sagt, ich hätte eine Kinderseele. Wie wunderbar. Ich will sie mir bewahren. Ein Krieger gegen die Empirie sei ich. Ralph Giordano und andere Hansel haben das gesagt. Die Koalition der Fremdenskeptiker. Altfeministinnen und bekehrte Linke. Schauen Sie in mein Gesicht. Ist das das Gesicht eines Sonnyboys? Den Kanaken kannst du nimmer aus der Fresse wischen.