BurschenschaftenAlte Herren, neue Fronten

Nächster Akt im Streit darüber, wie rechts Burschenschaften sein wollen von 

Es war der Griff zum äußersten Mittel: Fünf sogenannte »Alte Herren« haben in einem offenen Brief an sämtliche Burschenschaften im Dachverband »Deutsche Burschenschaft« gegen die Praktiken des Zentralorgans Burschenschaftliche Blätter (BBl) protestiert. Zuvor hatten sie sich unter anderem von einem nationalistischen »volkstumbezogenen Vaterlandsbegriff« distanziert, und zwar in einem Leserbrief an die BBl. Eine Veröffentlichung sei mit fadenscheiniger Begründung abgelehnt worden. »Damit wird den Autoren ein zeitnaher Zugang zu den BBl als Plattform der aktuellen innerverbandlichen Diskussion vollständig verwehrt«, klagen sie nun offen.

Norbert Weidner, der Chefredakteur der Blätter, entgegnet: Aus vielen Zuschriften nach pflichtgemäßem Ermessen auszuwählen gehöre zu den originären Aufgaben der »Schriftleitung«. Ein Anspruch auf Abdruck bestehe grundsätzlich nicht, darauf werde auch im Impressum verwiesen. In der aktuellen BBl- Ausgabe bezeichnet Weidner jene Verbandsbrüder, die in der Vergangenheit Informationen an die bürgerliche Presse weitergeleitet hatten, als »Heckenschützen«.

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Nun drang auch der offene Brief nach außen, womit der Streit um die ideologische Vorherrschaft innerhalb der Szene an Schärfe gewinnt. Zuletzt hatte ein für den letzten Verbandstag vorgesehener Antrag Aufsehen erregt, dem zufolge nur noch Söhne deutschstämmiger Eltern aufgenommen werden sollten. Dieser kam aus den Reihen der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn. Nach Protesten anderer Burschenschaften verzichteten die Raczeks vorerst auf ihren Antrag – und auch gleich auf einen zweiten, nämlich einen Burschenschafter auszuschließen , weil seine Eltern aus China stammen. »Schriftleiter« Weidner, der eine Karriere in der Wiking-Jugend, der Skinhead-Szene und der 1995 verbotenen »Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei« hinter sich hat, sitzt im Vorstand der Raczeks.

Die Unterzeichner des umstrittenen Leserbriefes gehören ebenfalls den Raczeks an. Abstammung und Rasse sollten keine Aufnahmekriterien sein, schreiben sie. Ein volkstumbezogener Vaterlandsbegriff wirke heute ausgrenzend, stattdessen sollte die Nation als »demokratische Willensgemeinschaft« begriffen werden. Als »heutige Burschenschafter« wünschen sich die fünf Alten Herren »ordentliche, selbstbewusste, eloquente, der Gemeinschaft zugewandte junge Männer... Die innere Einstellung macht allein den Burschenschaftler aus, nicht die äußere Erscheinung.« Insofern könne vielleicht der Chinesischstämmige, den die Raczeks hatten ausschließen wollen, aufgrund seines Verhaltens sogar als Vorbild gelten – im Gegensatz zu anderen Verbandsbrüdern mit medialen Ausrutschern, »über die man besser den Mantel des Schweigens breitet«.

Zum Inhalt ihres Briefs äußern wollen sich die fünf gegenüber der ZEIT nicht. Offenbar haben sie tatsächlich die Absicht, den Streit intern auszutragen. In ihrem Leserbrief nämlich stellen sie die entscheidende Frage an ihre Verbandsbrüder: »Wäre es nicht eine attraktive Aufgabe für die Burschenschaft, die übermächtig beschworene Schicksalsgemeinschaft etwas kleiner zu schreiben und sich den jungen leistungsbereiten Neudeutschen als Gegengewicht zu den Multikultifetischisten anzubieten?«

Sätze, die nicht gerade nach linksradikalem Gedankengut klingen – auch nicht im konservativen Kontext. Ob sie ausreichen, um eine zunehmend nach rechts abdriftende Deutsche Burschenschaft auf Kurs zu bringen, ist fraglich. Ebenso bleibt abzuwarten, ob und in welcher Form Weidner und seine Glaubensgenossen sich an den Unterzeichnern rächen werden.

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Leserkommentare
  1. Wie sind selbst aus der Nacbarschaft einer Burschenschaft geflüchtet und ich kann mir kaum etwas ferneres vostellen, als die Mitgliedschaft in einer derartigen Vereinigung.

    Trotzdem frage ich mich, wie es um den Pluralismus bestellt ist, wenn alles "auf Kurs" gebracht werden muss. Wer gibt diesen Kurs vor, oder meint ihn gesellschaftsumfassend vorgeben zu müssen? Und sind nicht gerade diejenigen, die immer Pluralismus fordern, die ihn verhindern, indem sie nichts anderes als ihre eigenen Vorstellungen dulden?

    Eine Burschenschaft soll von mir aus wie jeder andere Verein seine Mitglieder bestimmen dürfen. Es hängt niemandes Seelenheil davon ab, ausgerechnet in einer national gesinnten Burschenschaft Mitglied sein zu müssen.

    Es gibt in Deutschland viele Vereine oder Klubs, die eine soziale oder geschlechtsspezifische Auswahl treffen. Darüber regt sich niemand auf. Ich bin mir auch sicher, dass es in China Vereinigungen gibt, die keine Langnasen aufnehmen.

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    Schön zu sehen, dass es auch in diesem Forum noch Menschen mit einer demokratischen Gesinnung gibt.
    Genauso ist das! Das Problem haben unsere Gutmenschen und grünen Volksverhetzer in dieser Gesellschaft, die jede Gurkenkrümmung in einen DIN-Standard bringen müssen und es nicht ertragen andere Menschen ihr Leben leben zu lassen.
    Ich bin bei Leibe kein Burschenschaftler, sehe aber auch absolut keinen Grund warum die Leute sich nicht so organisieren sollen wie sie wollen.

    ... gibt es Vereine, die auch keine Schweinshaxe aufnehmen.

  2. Erstaunlich, wie viel Zulauf diese Clown-Sauf-Pöbel-Vaterland-Vereine haben. Erschreckend ist es dabei, dass deren Gedankengut von so vielen jungen und vor allem gebildeten Menschen angenommen wird.

    Gut ist, dass deren Machenschaften jetzt langsam an die Oberfläche treten.

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    Sie haten vermutlich noch nie näheren Kontakt zu dem ganzen...

    Aber das haten die meisten nicht die sich das Maul zereißen.

    Mag sein, dass es wirklich gebildete Burschenschaftler gibt. Mir sind bisher noch keine begegnet.

    • CHHN
    • 20. Oktober 2011 23:05 Uhr

    "Gut ist, dass deren Machenschaften jetzt langsam an die Oberfläche treten." Welche Machenschaften und wessen Oberflaeche?
    Ob man nun dagegen oder dafuer ist, mit Ihrem Beitrag kann ich nun wirklich gar nichts anfangen.
    Die ganze dargestellte Situation in der Burschenschaft stellt sich mir als eine Auseinandersetzung mit Premissen, die zu befuerworten ist. Wenn man so will, ein demokratischer Prozess im kleinen Rahmen. Wir sollten nicht vergessen, dass Burschenschaften, Corps und Landsmannschaften u.a. einen enormen Beitrag zur Befreiung Europa's von dem napoleonischen Regime geleisted haben. Rechtsradikale Entgleisungen gibt und gab es. Interne Bestrebungen diese zurueckzudraengen, sind zu befuehrworten.

    Burschenschaften, vorbehaltlich dessen, daß sie sich untereinander unterscheiden (genau das zeigt ja der Fall des Mannheimer Burschenschaftlers chinesischer Abstammung), sind mir auch alles andere als sympathisch.
    Aber es sind private Vereine. Warum muß alles gleichgeschaltet sein? Man kann immerhin streiten, ob jemand zum ethnischen Deutschen wird, sobald er einen deutschen Paß hat. Und jetzt bitte keine US-Vergleiche: Es gibt keine ethnischen Amerikaner, wohl aber ethnische Deutsche, die nun einmal eine gewisse Urverwandtschaft teilen. Das ist nicht allein Frage eines Selbstverständnisses, sondern internationaler Konsens. Warum sonst werden Deutsche im Ausland nach jedem gewonnenen Fußballspiel gestichelt, es würden ja kaum noch „echte“ Deutsche in unserer Mannschaft spielen? Warum wohl gibt man sich im Ausland nie so ganz zufrieden mit der Auskunft eines Deutschen afrikanischer Abstammung, wenn er sich als Deutscher vorstellt?
    Zwar ging es in diesem Fall um bewußte, rüpelhafte Ausgrenzung aus rassistischen Motiven, die in jeder Hinsicht kontraproduktiv ist. Aber jemanden als nicht-deutsch wahrzunehmen, ist per se keine Beleidigung. Im Gegenteil: Es gibt hierzulande erz-nationalistische Türken, die sich beleidigt fühlen, wenn man sie als Deutsche vereinnahmt.
    Der deutsche Staat mag sich als Einwanderungsland begreifen. Aber wie es die Burschenschaften handhaben, sollen die mal schön unter sich ausmachen. Es steht Menschen frei, mit wem sie Gemeinschaften bilden wollen.

  3. Anders kann man Burschenschaftler wohl nicht bezeichnen. Wer wirklich was auf dem Kasten hat, braucht keine miefigen Männerbünde und skurrilen Seilschaften. Uneingestandene Minderwertigkeitskomplexe bei gleichzeitig überbordenden Egos, das ist das Band, das diese 'Herrschaften' zusammenhält. Am Besten ist, man ignoriert sie einfach.

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    Das muß ich zugestehen.
    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke. die Redaktion/wg

  4. Ein Rechtsgedanke kann nur aus dem Extrem Links
    gerichtetem System entsehen

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hä?
    Könnten sie das nochmal verständlich Formulieren?

    • PigDog
    • 21. Oktober 2011 7:44 Uhr

    Wie ist denn der "Linksgedanke" entstanden...???

    Aus der RECHTEN Gewaltbereitschaft? Wer war zuerst da?

    Daß immer noch versucht wird, komplexe gesellschaftliche Voprgänge mit schwarz und weiß zu erklären...

  5. 5. ......

    Sie haten vermutlich noch nie näheren Kontakt zu dem ganzen...

    Aber das haten die meisten nicht die sich das Maul zereißen.

    Antwort auf "Erschreckend"
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    Falsch.

    Aber vielleicht sind sie wohl eher zu involviert um das Ganze treiben objektiv zu beurteilen.

    Mit vier Rechtschreibungs- und Grammatikfehlern in zwei kurzen Sätzen zeigen Sie sich jedenfalls als würdiger Teil einer Elite in der Verteidigung unserer Kultur.

  6. Hä?
    Könnten sie das nochmal verständlich Formulieren?

  7. 7. ....!

    Falsch.

    Aber vielleicht sind sie wohl eher zu involviert um das Ganze treiben objektiv zu beurteilen.

    Antwort auf "......"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ähm....nein.

    • Hirk
    • 20. Oktober 2011 21:16 Uhr

    Dort wird vorbereitet, was man später als Filz oder Seilschaft bezeichnet. Das sind echte Parallelgesellschaften verpackt in "Zackig", "Tugendhaft" oder ähnliche Tarnfarben.

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  • Schlagworte Alte | Brief | China | Einstellung | Eltern | Vorstand
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