Schon die Vorbereitung hat es in sich. »Was ist das Geschäftsmodell Ihres Arbeitgebers? Nach welchen Methoden der Rechnungslegung wird der Jahresabschluss erstellt? Was sind die wichtigsten Kennzahlen des Unternehmens, und was messen diese?« So lautete die Aufgabe, die die Teilnehmer eines Executive-MBA-Programms an der Mannheim Business School bereits vor Beginn des Kurses bearbeiten mussten. Zudem waren rund hundert Seiten über Financial Accounting, also Bilanzierung, zu lesen. Auf Englisch. Für studierte Volks- und Betriebswirtschaftler vermutlich weniger ein Problem – für die Teilnehmer hier, oft Ingenieure, dagegen völliges Neuland.

Aber schließlich soll ein MBA auch Berufstätigen ohne betriebswirtschaftliches Vorwissen die Grundlagen der Unternehmensführung vermitteln. Doch wie funktioniert das eigentlich? Wie sieht der Unterricht aus? Ich mache einen Selbstversuch und nehme vier Tage an dem Kurs »Financial Accounting« teil, der Teil des berufsbegleitenden MBA-Studiums ist.

Die Tische sind in U-Form aufgestellt. Vor jedem Teilnehmer liegt ein dicker Ordner mit dem Lehrstoff. Die meisten haben einen Laptop vor sich. Den braucht man schon allein, um im Internet immer wieder die englischen Fachausdrücke nachzuschauen. »Ziel ist es, dass Sie das, was Sie hier lernen, auch direkt in Ihrem Unternehmen nutzen können«, sagt Professor Jens Wüstemann. Er ist nicht nur Präsident der Mannheim Business School, sondern auch ein ausgewiesener Experte für Bilanzrecht. Und er hat das, was uns in den nächsten vier Tagen immer wieder vor dem geistigen Ausstieg rettet: Für den 41-Jährigen ist Bilanzierung nicht ein trockenes Finanzfach, sondern pure Leidenschaft.

Mirko Berger empfand schon die Vorbereitung auf den Kurs als eine Herausforderung. Doch im Nachhinein sei das ein Segen gewesen. »Sonst hätte ich wohl Schwierigkeiten gehabt, dem Unterricht zu folgen«, sagt der Photoingenieur, der in München arbeitet als Team Leader Operations bei EPCOS, einem Hersteller von elektronischen Bauelementen, Modulen und Systemen. Weil er merkte, dass ihm im Job immer häufiger Wirtschaftswissen fehlte, entschied sich der 36-Jährige für den neuen Studiengang Mannheim & Tongji Executive MBA, den die Mannheim Business School seit März zusammen mit der renommierten Tongji-Universität in Shanghai anbietet. Der China-Bezug des Programms war dabei ein wichtiger Pluspunkt für ihn. Schließlich hat sein Arbeitgeber unter anderem mehrere Werke in China.

Das Studium erlaubt einen flexiblen Einstieg zu jedem der sechs Präsenzmodule, die je zur Hälfte in Mannheim und Shanghai stattfinden. Wer schnell ist, schafft das Ganze in eineinhalb Jahren; wer es langsamer angehen will, hat bis zu fünf Jahren Zeit. Mirko Berger begann mit dem zweiten Modul im Mai. Elf Tage Unterricht von 8.30 bis 18 Uhr in Bilanzierung, Internationalem Finanzwesen, Unternehmensfinanzierung und Besteuerungsstrategien internationaler Konzerne im asiatisch-pazifischen Raum. Die Finanzthemen waren erst einmal fremd für Berger, wie für die meisten der 18 Männer und neun Frauen, darunter neun Teilnehmer aus China.

Auch für sie sei das Thema neu, hatte mir Teresa Ren auf dem Weg vom Hotel zu den Unterrichtsräumen in einem schlichten Gebäudekomplex im Zentrum von Mannheim erzählt. Die 45-Jährige arbeitet als stellvertretende Geschäftsführerin bei China Railway in Oman. Ursprünglich hat sie englische Literatur studiert und danach Anleitungen für importierte Maschinen übersetzt. Als ihre Tochter geboren wurde, stieg sie aus dem Beruf aus und machte später noch einen Bachelorabschluss als Ingenieurin. Seit 2004 arbeitet sie in Oman. Mit dem MBA will sie sich ein fundiertes Wirtschaftswissen aufbauen. Zudem biete das Programm eine gute Chance, auch etwas über Europa und Deutschland zu lernen.

Diskutieren ein Banker, ein Anwalt und ein Mittelständler, wird’s bunt

Am Nachmittag präsentieren die ersten ihre Aufgaben, die sie vor dem Kurs bearbeiten mussten. So bekommt jeder einen guten Eindruck von der bunt gemischten Truppe mit unterschiedlichen Qualifikationen, Branchen und Nationalitäten. Genau davon profitieren die Teilnehmer oft am meisten. »Wenn man mit einem Investmentbanker, einem Geschäftsführer aus dem Mittelstand und einem Anwalt diskutiert über die Vor- und Nachteile von Private Equity, also der Unternehmensfinanzierung mit außerbörslichen Unternehmensbeteiligungen, dann wird es schon spannend«, erzählt die 36-jährige Elke Simon-Keller. Die Informatikerin lebt seit sechs Jahren in Shanghai und ist dort bei SAP als Director Solution Management für Softwarelösungen in den asiatischen Schwellenländern zuständig.