In Deutschland soll die Zahl der Organspenden erhöht werden . Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will die Krankenkassen verpflichten, mit der neuen elektronischen Gesundheitskarte Informationen zur Organspende zu verschicken. Alle Versicherten ab 16 Jahren sollen gebeten werden, sich zu entscheiden, ob sie Organe spenden wollen. Dies soll zunächst in einen Ausweis eingetragen werden, später könnte die Gesundheitskarte selbst als Ausweis dafür dienen. Die Versicherten könnten neben Zustimmung und Ablehnung auch ankreuzen, dass sie sich nicht entscheiden wollen. Bahr will dabei auch sanften Druck ausüben: Von Zeit zu Zeit sollen die Kassen bei den Versicherten nachfragen , wie sie zur Organspende stehen.

Andere Vorschläge gehen noch weiter. Die Fraktionsvorsitzenden von SPD und CDU/CSU im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier und Volker Kauder, haben eine Entscheidungspflicht ins Gespräch gebracht: Jeder Bürger solle einmal in seinem Leben erklären, wie er zur Organspende stehe, zum Beispiel bei der Ausgabe des Personalausweises oder des Führerscheins. Auch der Deutsche Ärztetag hatte zunächst eine Resolution verabschiedet, wonach jeder Bürger zu einer klaren Aussage für oder gegen die Organspende verpflichtet werden soll. Nachdem sie sich mit Verfassungsjuristen beraten hatten, sind die Ärzte jedoch zu dem Schluss gekommen, dass eine Entscheidungspflicht nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Sie widerspreche dem Recht auf Selbstbestimmung. "Wir haben es zu akzeptieren, dass ein Mensch keine Entscheidung über die Organspende treffen möchte", sagt Frank Ulrich Montgomery, der Präsident der Bundesärztekammer.

Kritiker stoßen sich daran, dass die Entscheidung für eine Organspende als die moralisch höherwertige dargestellt werde, was sich schwer mit der Vorstellung von Freiwilligkeit vereinbaren lasse. So hatte das Vorgängergremium des Deutschen Ethikrats schon 2007 erklärt: Auch wenn die Organspende "keine moralische Pflicht im strikten Sinne" sei, könne die Verweigerung "nicht voll und ganz in das Belieben des Einzelnen" gestellt werden.

Eine Entscheidung gegen die Organspende wird oft als irrational oder unaufgeklärt dargestellt oder der Bequemlichkeit der Menschen zugeschrieben. Dem hält die Philosophin Weyma Lübbe entgegen, "dass man respektable Gründe haben kann, sich in der Frage der eigenen postmortalen Organspende zu Lebzeiten oder in bestimmten Phasen seines Lebens nicht zu äußern".

Gute Gründe für eine ablehnende Haltung würden in der Öffentlichkeit fast gar nicht thematisiert. Solche Gründe können zum Beispiel Zweifel an der Gleichsetzung des Hirntods mit dem Tod des Menschen sein. Es können Bedenken sein, ob die Krankenkassenbeiträge in der Transplantationsmedizin transparent und effektiv eingesetzt werden. Es kann auch der Wunsch sein, ohne Intensivmedizin zu sterben. Eine Organspende setzt aber Intensivtherapie voraus, die Behandlung eines Hirntoten vor einer Transplantation ist aufwendig.