Staatsanleihen Meine Griechen-Pleite

Die Kurse fallen, doch der Markt irrt sich. Sieht das denn keiner?

Der griechische Premier George Papandreou (links) während eines Besuchs an der New Yorker Börse im vergangenen Herbst.

Der griechische Premier George Papandreou (links) während eines Besuchs an der New Yorker Börse im vergangenen Herbst.

Ich habe nicht demonstriert. Dabei hätte ich allen Grund dazu, denn auch ich bin irgendwie ein Opfer der Finanzmärkte. Bei meiner Anlage in griechische Staatsanleihen sieht es jedenfalls gerade düster aus, die Sache entwickelt sich zu einem ziemlichen Fiasko. Im Juli habe ich für 14.307 Euro griechische Anleihen gekauft (und darüber in der ZEIT geschrieben). Das schien mir damals ein ziemlich günstiger Preis für Papiere mit einem Nennwert von 20.000 Euro. Heute allerdings sind diese Anleihen nur noch 8.099 Euro wert. Das ist ganz ohne Zweifel ein noch günstigerer Preis.

Seit dem Kauf haben meine Anlagen 43 Prozent an Wert verloren, einen solchen Verfall hätte ich nicht für möglich gehalten. Da ich nicht die Absicht habe, mich von meinen Papieren zu trennen, handelt es sich bislang nur um Buchverluste. Wenn ich eine Bank wäre, müsste ich jetzt große Abschreibungen vornehmen. Ich bin aber keine und darf daher auch nicht mit einer staatlichen Zwangskapitalisierung rechnen. Im Gegensatz zu den Geldhäusern ist meine Spekulation zu 100 Prozent mit haftendem Eigenkapital unterlegt. Ich bin nicht systemrelevant, geschweige denn too big to fail.

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Meine Spekulation basierte auf folgender Überlegung: Aus Eigeninteresse werden die übrigen Euro-Länder Griechenland so lange finanziell stabilisieren, bis es am Kapitalmarkt wieder kreditwürdig ist. Zu einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands lassen sie es nicht kommen.

Der Markt sieht das anders. Kurzlaufende Griechen-Bonds, die im Mai 2012 fällig werden, bewertet er heute mit weniger als der Hälfte ihres Nennwerts. Langlaufende Anleihen (in meinem Depot gibt es auch solche, die erst 2020 getilgt werden) werden zu gut einem Drittel des ursprünglich verbrieften Betrags gehandelt.

Ich bin ja sonst nicht so, aber derzeit misstraue ich dem Markt massiv. Die Herde läuft in die falsche Richtung. Sieht das denn keiner?

 
Leser-Kommentare
    • this.
    • 20.10.2011 um 18:14 Uhr

    Wenn dieser und der letzte Artikel nicht sarkastisch gemeint sind, dann sind sie ein Paradebeispiel was falsch läuft..
    Hohes Risiko eingehen um vielleicht hohen Gewinn abschöpfen zu können, aber wenn aus auf einmal so aussieht als können sich Verluste realisieren, dann will man von Risiko nichtsmehr wissen.

    "Die Anderen sind schuld, also sollen sie auch haften"

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    Dem ist nicht viel hinzuzufügen.
    Außer vielleicht meine Respektbekundung an den Autor für den Mumm, darüber zu schreiben - wenn auch mit einigem Selbstbetrug verbunden, wie es aussieht.
    Statt auf ein Verschwinden dieser "Buchverluste" zu warten, lade ich den Autor dazu ein, zu überlegen, wohin denn nun der Fehlbetrag verschwunden ist. Schließlich war ja "echtes" Kapital im Einsatz, da mangels Banklizenz dieses nicht "out of thin air" geschaffen werden konnte. Vielleicht ergeben sich daraus ja wenigstens wertvolle Erkenntnisse, damit immerhin irgendwas auf der Habenseite gebuxht werden kann...

    Dem ist nicht viel hinzuzufügen.
    Außer vielleicht meine Respektbekundung an den Autor für den Mumm, darüber zu schreiben - wenn auch mit einigem Selbstbetrug verbunden, wie es aussieht.
    Statt auf ein Verschwinden dieser "Buchverluste" zu warten, lade ich den Autor dazu ein, zu überlegen, wohin denn nun der Fehlbetrag verschwunden ist. Schließlich war ja "echtes" Kapital im Einsatz, da mangels Banklizenz dieses nicht "out of thin air" geschaffen werden konnte. Vielleicht ergeben sich daraus ja wenigstens wertvolle Erkenntnisse, damit immerhin irgendwas auf der Habenseite gebuxht werden kann...

    • Crest
    • 20.10.2011 um 18:21 Uhr
    2. Notiz

    Meine Spekulation basierte auf folgender Überlegung: Aus Eigeninteresse werden die übrigen Euro-Länder Griechenland so lange finanziell stabilisieren, bis es am Kapitalmarkt wieder kreditwürdig ist. Zu einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands lassen sie es nicht kommen.
    Der Markt sieht das anders.

    Vielleicht sieht er es gar nicht anders: dass nämlich die Euro-Länder Griechenland stabilisieren wollen.

    Vielleicht sieht der "Markt" aber auch, dass alles wollen hier vielleicht nichts nützt, dass die Euro-Länder es bei allem wollen nicht können.

    Und wenn sich der "Markt darin nicht irrt, dann liefe die "Herde in die richtige Richtung".

    :-)

    Herzlichst Crest

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    "Vielleicht sieht der "Markt" aber auch, dass alles wollen hier vielleicht nichts nützt, dass die Euro-Länder es bei allem wollen nicht können."

    Da werden sich all diejenigen Marktteilnehmer, die die letzten Jahre den Griechen die Anleihen für 100 Prozent abgekauft haben, aber schwer ärgern, dass der Markt in seiner unendlichen Weisheit heute anderer Meinung ist.

    "Vielleicht sieht der "Markt" aber auch, dass alles wollen hier vielleicht nichts nützt, dass die Euro-Länder es bei allem wollen nicht können."

    Da werden sich all diejenigen Marktteilnehmer, die die letzten Jahre den Griechen die Anleihen für 100 Prozent abgekauft haben, aber schwer ärgern, dass der Markt in seiner unendlichen Weisheit heute anderer Meinung ist.

  1. Wenn mir jemand Geld schenkt ( das war ja hier der Fall ) hinterfrage ich seine Absichten. Im Juli war schon das mögliche Insolvenzverfahren im Gespräch, daher erscheint die Intention des Autors, dass man GR nicht sterben lässt, reichlich naiv !
    Ich würde an seiner Stelle den Restan Papieren schnell abstossen, aber er scheints ja zu haben !

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    Wenn die Papiere durch den Rettungsfonds zu z. B. 30 % gehebelt werden, die Griechen dazu 30-40 % selber zahlen, ist der Investor schon wieder im Plus.

    Außerdem ging es dem Autor nicht um eine "vernünftige" Investition, sondern darum zu zeigen, dass die Politik bis zum letzten alles für "das Kapital" tut. Ganz postdemokratisch eben. Zumindest habe ich die Aktion des Autors so wahrgenommen bzw. interpretiert.

    Wenn die Papiere durch den Rettungsfonds zu z. B. 30 % gehebelt werden, die Griechen dazu 30-40 % selber zahlen, ist der Investor schon wieder im Plus.

    Außerdem ging es dem Autor nicht um eine "vernünftige" Investition, sondern darum zu zeigen, dass die Politik bis zum letzten alles für "das Kapital" tut. Ganz postdemokratisch eben. Zumindest habe ich die Aktion des Autors so wahrgenommen bzw. interpretiert.

  2. Dem ist nicht viel hinzuzufügen.
    Außer vielleicht meine Respektbekundung an den Autor für den Mumm, darüber zu schreiben - wenn auch mit einigem Selbstbetrug verbunden, wie es aussieht.
    Statt auf ein Verschwinden dieser "Buchverluste" zu warten, lade ich den Autor dazu ein, zu überlegen, wohin denn nun der Fehlbetrag verschwunden ist. Schließlich war ja "echtes" Kapital im Einsatz, da mangels Banklizenz dieses nicht "out of thin air" geschaffen werden konnte. Vielleicht ergeben sich daraus ja wenigstens wertvolle Erkenntnisse, damit immerhin irgendwas auf der Habenseite gebuxht werden kann...

    • MEIMEI
    • 20.10.2011 um 18:38 Uhr

    Da hat ein Mensch in Griechenland nicht nur sein Geld sondern sein Leben ob diesem ganzen EURORETTUNGSWAHNSINN verloren...Das wird den MARKT aber nicht im geringsten tangieren .... So hab ich mir Europa niemals vorgestellt!

    Eine Leser-Empfehlung
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    offiziell: nie wieder Krieg in Europa, dafür brauchen wir den €,
    Fakt ist: jetzt gibt es (Bürger-) Krieg wegen des €.

    offiziell: nie wieder Krieg in Europa, dafür brauchen wir den €,
    Fakt ist: jetzt gibt es (Bürger-) Krieg wegen des €.

  3. Kleiner Tipp nochmal Rechnen

    "Das Risiko ist ja in dem von mir bezahlten Kurs bereits berücksichtigt oder, wie die Börsianer sagen: eingepreist. Käme es zu einem Schuldenschnitt von, sagen wir, 40 Prozent, wäre ich immer noch klar im Plus, da ich ja weniger als 60 Prozent des Nennwerts der Papiere bezahlt habe." Rechnen Sie diese Milchmädchenrechnung lieber noch mal nach. Sie hat schon bei der Erstveröffentlichung nicht gestimmt, weil Sie von einem falschen Risikobegriff ausgehen.

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  4. Ihr Artikel ist von der gleichen Intelligenz wie ihr Investment. Es fällt einem schwer Sie nicht beleidigen zu wollen oder sich über ihre Naivität lustig zu machen. Vielleicht war es ja aber auch Gleichgültigkeit oder die reine Gier, vielleicht haben Sie aber auch nur zu viel Geld...
    Der Börsenguru Kostolani sagte mal: "Wer Geld hat kann spekulieren, wer wenig Geld hat darf nicht spekulieren und wer kein Geld hat muss spekulieren!" Das passt übrigens auch auf die derzeitige Eurosituation.
    Ach ja, ich hoffe Sie sind bei der Zeit nicht der Finanzexperte...

    Eine Leser-Empfehlung
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    Im Jahr 1989 startete André Kostolany eine seiner berühmtesten Spekulationen: ausgerechnet mit Staatsanleihen. Kostolany kaufte in großen Mengen russische Anleihen aus der Zarenzeit der Preis der Anleihen war bis auf 0,25 % des Nominalwertes abgerutscht. Später zahlte Russland hierauf Schadensersatz und Kostolany machte einen Riesen-reibach - also wenn die Griechenland- Anleihen bei 0,25 % stehen, zugreifen....

    spunk123

    Im Jahr 1989 startete André Kostolany eine seiner berühmtesten Spekulationen: ausgerechnet mit Staatsanleihen. Kostolany kaufte in großen Mengen russische Anleihen aus der Zarenzeit der Preis der Anleihen war bis auf 0,25 % des Nominalwertes abgerutscht. Später zahlte Russland hierauf Schadensersatz und Kostolany machte einen Riesen-reibach - also wenn die Griechenland- Anleihen bei 0,25 % stehen, zugreifen....

    spunk123

  5. Dieses Ihr Vertrauen, dass die europäischen Steuerzahler schon blechen werden, ist die Ursache dafür, dass manche Menschen und manche Banken GR überhaupt noch Geld geben.

    Lieber Mann: Sie spekulieren darauf, dass unsere Regierung UNSER Geld IHNEN gibt, weil Sie Papiere gekauft haben, deren einzigen Deckungswert Sie offensichtlich NICHT in der griechischen Wirtschaft sehen, sondern in ihrem Zutrauen darauf, dass Sie für diese Papierew UNSER Geld bekommen werden.

    Nebenbei tragen alle, die griechische Staatspapiere kaufen, dazu bei, den Schuldenstand der Griechen zu erhöhen. WENN SIE GRIECHENLAND HELFEN WOLLEN, investieren Sie lieber in die griechische Wirtschaft!

    Vielleicht fühlen Sie sich nicht als Investment-Bank, aber in dem Sie wie eine solche handeln, tragen Sie dieselbe Verantwortung für die Folgen.

    P.S.: Ich schreibe das Wort UNSER nicht gerne groß und würde es einem meiner griechischen Freunde gegenüber nie so gebtauchen. Aber in IHREM Fall muss mal deutlich gesagt werden, was Sie tun und UNS antun: Sie spekulieren auf UNSER Geld und tragen zur Vergrößerung der Blase mit bei.

    Denn darauf hoffen Sie ja: Ihren Spekulationsgewinn zahlen sollen WIR.

    Insofern sind Sie ein schönes Beispiel im kleinen für das, was da im Großen abläuft.

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