Demonstranten zelten vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. © Daniel Roland/AFP/Getty Images

Alle fordern neue Regeln für die Banken. Warum müssen wir sie eigentlich regulieren?

Banken spielen in jeder Volkswirtschaft eine zentrale Rolle. Sie versorgen Unternehmen, Haushalte und den Staat mit Geld. Sie tun das, indem sie über Kredite neues Geld in Umlauf bringen – und indem sie mit ihren Handelsabteilungen Geld hin und her verschieben. Idealerweise landet das Geld dann dort, wo es am meisten Nutzen stiftet. Wenn das so stimmt, kann man sagen: Je mehr Geld die Banken unter die Leute bringen können und je öfter sie dieses Geld hin und her schieben, desto mehr Wachstum und Wohlstand entstehen. Für diese These gibt es sogar wissenschaftliche Belege. Studien zeigen, dass Entwicklungsländer einen Wachstumsschub erhalten, wenn sie über einen gut ausgebauten Finanzsektor verfügen.

Die Deregulierung der Bankenbranche seit den siebziger Jahren war also nicht nur das Ergebnis geschickter Lobbyarbeit. In vielen Fällen entsprach sie schlicht der Überzeugung der handelnden Politiker und der gängigen Lehre der Wissenschaft. Es ist vielleicht kein Zufall, dass es – mit Bill Clinton in den USA, Tony Blair in Großbritannien und Gerhard Schröder in Deutschland – sozialdemokratische Regierungen waren, die in den neunziger Jahren den Banken noch einmal erhebliche zusätzliche Freiheiten gaben. Sie hofften, das versprochene höhere Wachstum möge am Ende allen zugutekommen.

Heute weiß man aber: Wenn der Finanzsektor zu mächtig wird, dann wird es gefährlich. Das zeigt das Beispiel Großbritannien eindrucksvoll. Die Bilanzsumme der britischen Banken belief sich im Jahr 1964 auf gerade einmal 34 Prozent der Wirtschaftsleistung, im Jahr 2007 waren es dann schier unglaubliche 500 Prozent. Jetzt steckt das Land in einer schweren Krise, weil ein großer Teil des Kredits nicht in sinnvolle Projekte geflossen ist, sondern eine Immobilienblase finanziert hat, die mit einem lauten Knall platzte.

Zudem haben vom Umverteilen des Geldes vor allem die Umverteiler selbst profitiert – die Händler in den Banken also. Sie verdienen an jeder Transaktion, die sie ausführen. Und sie konnten für ihre Dienstleistungen von ihren Kunden saftige Gebühren verlangen und sich als Resultat Millionengehälter auszahlen, die früher unvorstellbar waren. Gegen all das helfen neue Regeln.