GesellschaftskritikÜber Wiederholungen

Paul McCartney und seine neue Frau Nancy Shevell

Paul McCartney und seine neue Frau Nancy Shevell

Man stelle sich einmal kurz vor, Paul McCartney wäre ein guter Bekannter. Einer, mit dem man sich einmal die Woche im Pub trifft, zum Fußballgucken oder Biertrinken. Ein Kumpel eben, den man seit Ewigkeiten kennt und der schon einiges hinter sich hat. Dieser Kumpel erzählt einem nun, dass er eine neue Freundin hat. Sie ist geschieden, hat ein Kind, ist aus guter Familie, eine amerikanische Jüdin aus New York. Er ist sehr verliebt, will sie heiraten, sagt er, und zwar im Londoner Standesamt Westminster, kleine Feier im engsten Familien- und Freundeskreis.

Da man Paul schon so lange kennt, hat man sofort eine Art Déjà-vu. Das war doch damals genauso, 1969, bei seiner ersten Hochzeit: Liebe, gute Familie, jüdische Amerikanerin, geschieden, Kind, Westminster, kleine Feier. Damals hieß sie Linda, heute heißt sie Nancy.

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Gesellschaftskritik
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Weiß er denn nicht, dass Wiederholung nicht gut für die Liebe ist? Wenn man mit unterschiedlichen Partnern die gleichen Dinge tut, drängen sich immer Vergleiche auf: Beim ersten Mal war der Urlaub romantischer, das Essen besser, und vor dem Standesamt kreischten jede Menge eifersüchtiger Mädchen. Solche Vergleiche sind immer unfair: Entweder kommt der neue Partner dabei schlecht weg, oder die vorherige Liebe wird banalisiert – weil all die kleinen Dinge, die man geteilt hat, nichts Besonderes mehr sind.

Man möchte Paul also gerade raten, mit seiner neuen Liebe Neues zu wagen, da fällt einem ein, dass da ja noch diese zweite Ehe war. Die mit Heather, bei der man sich nur an den Anfang (die pompöse Feier auf einem irischen Schloss) und das Ende erinnert (die Schlammschlacht). Solche Scheidungskriege zwischen Prominenten können ja unterhaltsam sein, aber mit Paul hat man immer gelitten und sich für ihn gewünscht, dass es bald vorbei ist – er ist einer der wenigen Menschen, denen man niemals etwas Schlechtes zutraut. Das erklärt einerseits den Erfolg von mäßig guten Liedern wie Hope of Deliverance und andererseits, warum nie Schmutz an ihm hängen blieb – weder bei der Trennung der Beatles noch bei der Trennung von Heather.

Jetzt möchte Paul diesen ganzen Schmutz vergessen machen. Hochzeit eins und Hochzeit drei, Braut eins und Braut drei ähneln sich zwar – aber verglichen werden sie mit Nummer zwei. Und dabei kommen sowohl Linda als auch Nancy gut weg: Das dritte Mal soll so schön werden wie das erste und nicht so schrecklich wie das zweite. Man klopft Paul auf die Schulter und sagt: Alles richtig gemacht, Mann!

 
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