Nie hat ein Einzelner in so kurzer Zeit so viel Geld kassiert wie John Paulson. Der Hedgefonds-Manager ist zur Legende geworden. Er ist der Mann, der gegen den US-Immobilienboom wettete und gewann – fast vier Milliarden Dollar. Das war 2007. Dann bewies er sein goldenes Händchen nochmals: Er setzte auf steigende Goldpreise, und tatsächlich schoss der Preis für das Edelmetall auf Rekordniveau. Im vergangenen Jahr durfte Paulson knapp fünf Milliarden Dollar mit nach Hause nehmen. Investoren beknieten ihn, ihr Geld zu managen; seine Hedgefonds schwollen auf 38 Milliarden Dollar an.

Während Hunderttausende Amerikaner ihre Häuser verloren, kaufte sich Paulson in der noblen Upper East Side eine der prächtigsten Stadtvillen Manhattans. Dort sah er sich kürzlich von lärmenden Occupy-Wall-Street -Demonstranten belagert. Prompt schlug er mit einer erbosten Pressemitteilung zurück: Statt die erfolgreichsten Unternehmen des Landes zu verteufeln, sollten die Protestler sie lieber bei ihrem Wachstum unterstützen, belehrte er seine Gegner. Von seinen Steuern würden New Yorker schließlich kräftig profitieren.

Dabei sollten lärmende Demonstanten im Vorgarten derzeit das geringste von Paulsons Problemen sein. Er hat nämlich zuletzt verloren – und zwar spektakulär viel Geld. Sein Advantage Fonds sackte in den ersten neun Monaten des Jahres um mehr als ein Drittel ab, das Flaggschiff Advantage Plus stürzte sogar um 47 Prozent ab.

Nun herrscht Schadenfreude rings um die Wall Street . »Paulson ist immer noch eine Klasse für sich, aber jetzt eine ganz unten«, hämte das Finanzportal CNNMoney. »Wir haben einen Fehler gemacht«, gestand der Guru vergangene Woche seinen Investoren bei einer Telefonkonferenz in angespannter Atmosphäre. Jetzt würde wohl bis zu einem Viertel des Kapitals abgezogen werden. Der Superstar sah sich sogar gezwungen, Gerüchte zurückzuweisen, er werde seine Fonds auflösen.

Der Absturz entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Mitschuld am Fehlschlag waren nämlich ausgerechnet Hypotheken – jene Wackelkredite, gegenüber denen er früher so misstrauisch war. Paulson begann 2009 auf Banken zu setzen, kaufte massiv Aktien der Bank of America und der Citigroup. Seine Überlegung: Mit der Erholung der amerikanischen Wirtschaft würden auch die gebeutelten Finanzinstitute der USA wieder abheben. Doch vor allem bei der Bank of America stellte sich das als Trugschluss heraus. Die Aktie der Bank – die immerhin die meisten Spareinlagen des Landes verwaltet – hat sich seit Jahresanfang mehr als halbiert und dümpelt jetzt bei sechs Dollar herum. Die Bank plagen Altlasten aus dem Immobilienboom.

Gegenüber seinen Investoren erklärte Paulson, sein Analystenteam sei überrascht gewesen »über das Ausmaß der Hypothekenprobleme« bei den Banken.

Diese Begründung ist nun in der Tat überraschend. Denn schließlich war es Paulson, der als einer der ganz wenigen an der Wall Street schon früh auf die schmutzigen Vergabepraktiken bei den Hypotheken aufmerksam wurde. Gerade das war die Grundlage seiner legendären Wette. Um herauszufinden, wie mies die Kredite in den von den Banken zusammengestellten Hypothekenpools wirklich waren, engagierte er ganze Ermittlertrupps, die Kreditnehmer unter die Lupe nahmen und Häuser besichtigten, er mietete zusätzliche Computerkapazitäten an, um die von ihnen gesammelten Datenmengen analysieren zu können. »Selten so gelacht«, kommentierte die Insiderwebseite Zerohedge Paulsons Klage über sein missglücktes Bankenengagement.