KrankenstandHilfe von Doc Holiday
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Das Modell Niederlande

Die Ärzte können sich also weitgehend in Sicherheit wiegen. Das freut Patienten, weil sie leicht an das Attest kommen, medizinisch jedoch ist eine unbedachte Krankschreibung hoch problematisch. »Das Ausstellen einer Krankschreibung ist eine der mächtigsten, potenziell gefährlichsten Therapieoptionen im Arsenal des Hausarztes«, sagt Gordon Waddell, Emeritus vom Centre for Psychosocial and Disability Research in Cardiff. Das bedeutet, dass der gelbe Zettel genauso Wirkungen und Nebenwirkungen hat wie jedes Medikament – eine Überdosis davon kann schädlich sein.

Wer lange von der Arbeit freigestellt ist, läuft Gefahr, es dauerhaft zu bleiben

Vor allem wenn der Wunsch nach Krankschreibung auf psychische Störungen zurückgeht, ist Vorsicht geboten. »Rückenschmerzen haben oft einen starken psychischen Anteil«, sagt Michael Kastner vom Institut für Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin in Herdecke. Inzwischen ist gesichert, dass viele Rückenschmerzengeplagte besser in Bewegung bleiben, als auf dem Sofa zu ruhen. »Arbeitslose haben viel häufiger Rückenprobleme als schwer arbeitende Menschen«, sagt Kastner. Bei Depression können Ruhe und sozialer Rückzug ebenso die Krankheit verschärfen wie bei latentem Alkoholismus.

Und wer erst sechs und mehr Wochen von der Arbeit freigestellt ist, läuft Gefahr, es dauerhaft zu bleiben. Der allgemeine Gesundheitszustand verschlechtert sich, psychische Probleme nehmen zu, das Risiko, verfrüht zu sterben, steigt erheblich. Viele kurze Krankschreibungen können das erste Signal dafür sein, dass etwas grundsätzlich im Argen ist. Solche Patienten, sagt Kastner, brauchten gezielte Unterstützung, die auch die Bedingungen am Arbeitsplatz berücksichtigt.

In Deutschland sind es die Langzeitkranken, bei denen allenfalls versucht wird, sie schrittweise wieder an ihre Arbeit zu gewöhnen. Stundenweise können sie testen, ob sie wieder fit für den Job sind. Besser wäre es, sagt Kastner, wenn die Patienten gar nicht erst so weit kämen und Probleme schon vor einer Langzeit-Krankschreibung gelöst würden. Nach dieser Taktik verfahren die Niederländer. Sie setzen seit über zehn Jahren auf Arbeit als Therapie. »Da sollte der Arbeitgeber auch einmal den Kranken anrufen und ihn fragen, was er noch leisten könne oder möchte und was er zur raschen Wiedereingliederung brauche«, sagt Wout de Boer, ein niederländischer Versicherungsmediziner, der in Basel arbeitet.

Selbstkrankschreibungen

Sind die Niederlande der Himmel des geplagten Arbeitnehmers? Auf den ersten Blick sieht es so aus. Fühlt sich der Mensch unwohl, reichen ein Anruf beim Arbeitgeber und die magischen vier Wörter »Ik meld me ziek« (»Ich melde mich krank«). Der lästige Besuch beim Hausarzt, um in den Besitz eines gelben Zettels zu gelangen, entfällt.

Das bedeutet nicht, dass der niederländische Arbeitnehmer nicht unter Beobachtung steht. Bleibt er zu Hause, übernehmen Arbeitsmediziner die Rolle des Hausarztes. Sie agieren in sogenannten »Arbodiensten«, die vom Arbeitgeber finanziert werden. Die Firmen reichen die Krankmeldung an diese Agenturen weiter. In einer Art belagernder Fürsorge stellt der Dienst dem Kranken nach wenigen Tagen einen umfangreichen Fragebogen zu. Detailliert muss dieser darin angeben, was ihm fehlt und wie lange er gedenkt, zu Hause zu bleiben. Ist ein Bein gebrochen? Liegt ein Arbeitskonflikt vor? Nur Schnupfen?

Feiert er länger als zwei Wochen krank, muss sich der Kranke im Arbodienst vorstellen, zwecks Begutachtung. Ist der Angestellte länger als sechs Wochen abwesend, steigt der Druck. Der Patient muss mit dem Arbeitsmediziner einen Plan zur Wiedereingliederung entwerfen. Wer meint, er könne den Arbodienst mit vielen selbst verschriebenen Kurzurlauben foppen, irrt. Jede Meldung wird gespeichert, und schon bald kommt die Einladung zum Arbodienst.

Finanzieller Hintergrund

Das Gesundheits-Engagement der Firmen hat einen finanziellen Hintergrund. Im Krankheitsfall müssen sie nicht wie hierzulande nur sechs Wochen, sondern zwei Jahre lang Lohn überweisen – ein guter Grund, Mitarbeiter gesund zu halten.

Die Selbstkrankschreibung wurde vor zehn Jahren eingeführt. Binnen drei Jahren sank die Zahl der Fälle von Langzeit-Arbeitsunfähigkeit um die Hälfte und genauso die Anzahl der Anträge auf Invaliditätsrente. Offenbar wird die Möglichkeit, sich selbst zu beurlauben, nicht ausgenutzt. In den Niederlanden kommen Kurzkrankschreibungen heute etwa so häufig vor wie in Deutschland.

Gut beleumundet ist das niederländische System trotzdem nicht. Es sei zwar gut ausgedacht, funktioniere aber oft nicht; die schönen Wiedereingliederungspläne würden von den Firmen häufig nicht umgesetzt, sagt Arie Rijkenberg, der in einem Arbodienst gearbeitet hat. Außerdem würden viele Niederländer den Arbodiensten misstrauen, da sie von den Firmen finanziert seien. Die Arbeitsmedizinern fühlten sich wie Agenten der Arbeitgeber. »Als Arzt sollte man präventiv arbeiten«, sagt Rijkenberg, »aber kann ich das leisten, wenn mir niemand mehr vertraut?« Nach einem Zwischenfall gab er sich selbst die Antwort: Als ein wütender Patient dem Arbodienstler ein Messer unter die Nase hielt, hatte er genug – er wanderte aus nach Belgien.

Sucht man nach Gründen, warum so viele gesunde Patienten krankgeschrieben werden, wird man auch bei den deutschen Ärzten fündig. Unter ihnen, so hat de Boer oft zu hören bekommen, gelte Arbeit oft noch als etwas prinzipiell Gesundheitsbelastendes, vor dem Patienten geschützt werden müssten. Ein weiteres, geschäftliches Motiv: »Für die Ärzte sind Patienten auch Kunden«, sagt der Arbeitspsychologe Kastner, »und diese Kunden wollen sie behalten.« Was dazu führe, dass man ihnen gefällig sei – das Attest als Marketinginstrument.

Das Papier schützt den Arzt auch vor juristischen Scherereien. Als sich in Madrid tausend Fluglotsen aus Protest krankschreiben ließen, verweigerte kein Arzt die Unterschrift. Keiner wollte schuld sein, falls ein Flugzeug abstürzte. Bequemlichkeit und Zeitnot beschleunigen den Griff zum Stift. Schließlich erspart einem die schnelle Unterschrift endlose Diskussionen mit fordernden Patienten.

Wem gekündigt worden ist, dem schreibt der Doktor den Zettel gern

Das alles heißt nicht, dass Ärzte den gelben Schein lieben. Mit ihm kommt das Misstrauen ins Sprechzimmer, schließlich stehen sie vor der Entscheidung, ob sie dem Patienten die angegebenen Symptome glauben oder hinter seiner Migräne den Simulanten wähnen sollen.

Der Kasseler Allgemeinarzt Klaus-Günther Meyer beneidet die niederländischen Kollegen. Dort, hat er gehört, schrieben sich die Patienten selbst krank. Ihn dagegen treibe das stete Dilemma um: Soll er den gelben Zettel ausfüllen oder nicht? »Es gibt Situationen, in denen ich dem Wunsch nach Krankschreibung folge«, sagt Meyer, »zum Beispiel bei Patienten, die schon auf dem Sprung weg von ihrem Arbeitsplatz sind oder denen gekündigt worden ist.« In solchen Situationen würden Patienten oft unter psychischen Problemen wie Schlaflosigkeit, Angst und Konzentrationsstörung oder psychosomatischen Beschwerden leiden. Diesen medizinischen Graubereich bewerten Arzt und Arbeitgeber unterschiedlich. Der Mediziner Meyer sagt: »Was bleibt uns anderes übrig als die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung?«

Immer wieder kommen arbeitslose Patienten zu ihm, weil sie sich von den Angeboten der Agentur für Arbeit überlastet fühlen. Meyer hat Verständnis dafür: »Manchmal brauchen die Menschen einfach eine Auszeit, die nicht mit einer normalen Kategorie wie ›Krankheit‹ belegt werden kann.« Er nennt die Kategorie »soziales Ausgebranntsein«. So fragte ihn zum Beispiel ein Patient, ob er vier Wochen lang bei einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme aussetzen könne, weil sein Vater nach schwerer Krankheit gestorben sei und er darüber nicht hinwegkomme. »Solche Schicksale sehen die Regelungen nicht vor«, sagt Meyer.

Der gelbe Schein steht für einen großen blinden Fleck in der deutschen Medizin. Oft müsste der Hausarzt nämlich, um richtig auf den Patienten eingehen zu können, über dessen Lebens- und Arbeitsbedingungen Bescheid wissen. Gibt es Mobbing in der Firma? Ist der Patient überfordert? Doch diese Abklärung wird systematisch erschwert, weil der Hausarzt sich nicht mit dem Kollegen Betriebsarzt über den Patienten austauschen darf. Das verbietet der Datenschutz.

Selbst wenn Ärzte diese Erlaubnis hätten, nützte ihnen das meist nichts. »Der Arzt ist ein armes Schwein«, sagt Kastner, »der hat gar nicht die Zeit, die Arbeitswelt des Patienten kennenzulernen.«

Daher ist er vor allem Pillenverschreiber, wo viel häufiger ein Lebensmoderator gefragt wäre, ein Psychologe oder manchmal auch ein Pädagoge. Nur wenige Mediziner übernehmen diese Rollen. Wolfgang Blank, Hausarzt im Bayerischen Wald, zum Beispiel. Er überredet Menschen manchmal sogar dazu, einen Tag auszusetzen.

Für jene Kandidaten dagegen, die Blank seine »notorischen Krankschreiber« nennt und die von ihm nur einen Kurzurlaub verschrieben haben wollen, hat er ein Spezialrezept entwickelt. Da diese Kunden während der Krankschreibung vollständige Ruhe haben möchten, durchkreuzt Blank ihre Pläne nur zu gerne: »Die bestelle ich immer wieder ein, und stets sind nur noch Termine um 8 Uhr morgens frei.«

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Leserkommentare
  1. "Plötzlich sieht sich der Mediziner im Spannungsfeld UNTERSCHIEDLICHER INTERESSEN. Der Patient will den Entschuldigungszettel für den SONDERURLAUB; der Arbeitgeber möglichst bald seinen Mitarbeiter zurück, denn jeder Tag, den dieser fehlt, kostet. Oft entscheiden sich die Ärzte im Sinne ihrer Patienten."

    Geht's noch: ein Medizinier sollte eigentlich nur EIN Interesse haben: die Krankheit richtig zu diagnostizieren und dementsprechend krank zu schreiben.

    Wo nichts zu diagnostizieren ist, sollte auch nicht krank geschrieben werden.

    Einfacher geht's doch im Grunde genommen gar nicht!

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    "Wo nichts zu diagnostizieren ist, sollte auch nicht krank geschrieben werden."
    Sie machen es sich da ein bißchen einfach.

    Zu viele Krankheiten bleiben unentdeckt, weil der Arzt im Trott ist und nicht nach rechts und links guckt. Das Hausarztprinzip unterstützt das auch noch. Oft hilft da, einen anderen Arzt mal schauen zu lassen.

    Um auf das Problem des Artikels zu kommen, ich denke das gleicht sich aus mit den vielen Menschen, die noch krank zur Arbeit gehen, dabei riskieren Mitarbeiter anzustecken und gefährliche Nacherkrankungen zu entwickeln. Ich sehe das deutlich mehr als Angestellte, die sich locker einen gelben Schein ausstellen lassen. Selbst kranke Menschen, die eine Krankschreibung bekommen haben geben sie oft nicht ab und gehen weiterarbeiten. Die Unternehmen haben ihre Mitarbeiter dermaßen reduziert, dass oft die Arbeit nicht mehr von den anderen übernommen werden kann, sie bleibt dann liegen.

    Azrtder nicht krank schreibt hat bald keine Stammpatienten mehr. Außerdem verdient er auch an einer Krankschreibung.

    Schwarz ist schwarz und weiß ist weiß. Alle psychischen Störungen sind nur über die Glaubwürdigkeit des Patienten in der Darstellung seiner Symptome zu diagnostizieren. Gleiches gilt für Schmerzerkrakungen.

    Wenn Sie so klug sind, dann machen Sie doch einfach den Job. Fangen Sie doch am besten am Montag an. Da geht es dann gleich um 800h in den Allgeminarztpraxen mit dem blauen Montag los. Viel Spaß.

    Ein Mensch ist halt keine Maschine die sich analysieren lässt a lá "Ja ich seh schon, das Teil muss repariert werden..."

    Was erwarten Sie von den Ärzten? Lügendetektoren im Sprechzimmer, Verhörerfahrung? Ich nehme es Ärzten nicht übel dass sie IM ZWEIFEL lieber einen Patienten zuviel wegen einer Kurzerkältung ("Magen-Darm-Grippe" mit Durchfall als Klassiker) krankschreibt als einen zu wenig. Nicht nur um des Patienten Wohl willen - die Arbeitgeber sind die ersten die "Skandal" schreien und mit Regressansprüchen auf der Matte stehen wenn zB ein Arbeitnehmer mit einer Magen-Darm-Grippe und Durchfall dann doch zum Dienst in einem Restaurant, Kiosk, Metzgerei, Bäckerei etc. antritt weil er nicht krankgeschrieben wurde - nach dem Urteil des Arztes also seiner normalen Tätigkeit nachgehen kann - und dabei die Waren verunreinigt und Kunden reihenweise ebenfalls erkranken.

    Man muss sich das doch nur mal praktisch überlegen.

    Im Übrigen gibt es durchaus Diagnosen a lá Erschöpfungszustand, ich bin kein Mediziner aber die Zeiten in denen man sagt "der soll sich nicht so haben" sind hoffentlich vorbei! Erschöpfung oder gar Depression sind äußerst ernstzunehmende Probleme, die freilich nicht mit Laborwerten meßbar sind aber wo die Betroffenen einfach Ruhe und Erholung sind - und ARBEITSUNFÄHIG sind, wie es auch auf der entsprechenden Bescheinigung steht! Übrigens: beim stetig steigenden Arbeitsdruck und Stress in den Firmen haben die Arbeitgeber eine gehörige Mitschuld daran.

  2. Das finde ich aber auch! Ein Arzt muss doch wissen, ob jemand krank ist oder nicht. Schließlich hat er eine jahrelange Ausbildung genossen und wird dafür fürstlich entlohnt. Schließlich sollte auch jahrelange Berufserfahrung dazu führen, arbeitsunwillige Simmulanten von wirklich arbeitsunfähigen Kranken zu unterscheiden. Wenn der Arzt eine Krankheit nicht 100 prozentig diagnostizieren kann, tja dann sollte man sich schon fragen, wer sonst, wenn nicht der Arzt. Also für mich ist auch klar, wenn krank, krankschreiben, wenn nicht krank, dann zurück an die Arbeit.

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    • skeptik
    • 22. Oktober 2011 14:11 Uhr

    Der Arzt kann definitiv sagen, ob jemand Krank ist, wenn er die Symptome hat. Er ist aber auch oft auf die Beschreibung der Symptome angewiesen. Kommt jemand mit Symptomen daher, die der Arzt nur schwer oder nicht überprüfen kann, wird der Arzt ihn oder sie idR Krank schreiben.

    Nehmen wir mal an ein Staplerfahrer geht zum Arzt wegen Mattigkeit und Unwohlsein und will sich 2 Tage krank schreiben lassen. Danach ist Wochenende und am Mo wird er wohl wieder Fit sein. Der Arzt kann ihn krankschreiben (und wird in dem Falle wohl sagen wenn es nicht besser wird soll er nochmal kommen). Oder er kann ihn nicht krank schreiben. Was ist, wenn er nicht krank geschrieben wird und auf der Arbeit einen Unfall baut und Jemand dabei zu Schaden kommt?
    Zudem ist der Arzt in erster Linie an der Gesundheit des Patienten interessiert.

    Was ist schlimmer? x Leute in den unverdienten Urlaub zu schicken oder die Gesundheit von y Patienten zu gefährden?
    selbst wenn y deutlich kleiner als x sein sollte, wiegt das körperliche Wohlergehen einer Person mehr als die wirtschaftlichen Interessen mehrerer Unternehmer.

    • a-b-l
    • 22. Oktober 2011 15:37 Uhr

    oder der Arzt der Gedanken lesen kann oder der Arzt, der bei jeder Person, der seine Praxis betritt gleich ablesen kann, ob sie krank ist oder nur die Krankheit simuliert, scheint im Volksglauben noch zu existieren.

    Daher würde die Behauptung, dass ein Arzt relativ oft es einfach nicht weiß, was der Patient, der vor ihm steht, wirklich hat und vor allem welche Ursachen die Beschwerden haben, Mythen und Weltbilder von den Fähigkeiten dieses hochgeschätzten Berufes zerstören.

    Ärzte sind weder Propheten, Gedankenleser noch Wunderheiler und können sich einfach nur dem eigenen Wissen und Erfahrung, diagnostischen Befunden (Labor, Röntgen, usw) und den Aussagen der Patienten stützen, wenn sie eine Diagnose stellen oder eine Therapie verordnen. In vielen Fällen können sie die Beschwerden eines Simulanten nicht von denen eines „echten“ Kranken unterscheiden, besonders dann wenn die Symptome durch psycho-somatische oder psychische Belastungen oder Störungen verursacht werden. Und davon gibt es in der heutigen Arbeitswelt jede Menge!

    Es wäre fatal dem Patienten nicht zu glauben und das würde kein Arzt riskieren, denn schließlich sollten sowohl der Arzt als auch der Arbeitgeber sich um die Gesundheit und das Wohlbefinden des Arbeiters sorgen, was in der heutigen Zeit, bei einem so starken Interesse-Spannungsfeld nicht mehr zu einer Selbstverständlichkeit gehört.

  3. Naja es gibt da die einen, die einfach nen Tag Sonderurlaub wollen und andere die es benötigen, da sie sonst wirklich kaputt gehen.
    Den Unterschied wird ein Arzt aber nicht in 5-10min erkennen. (länger geht doch eine Untersuchung heute kaum)
    Die Ärzte müssten sich Zeit nehmen und den Patienten mal zuhören und nicht nur Pillen hinterherwerfen.

    my two cents

    Chris

  4. "Wo nichts zu diagnostizieren ist, sollte auch nicht krank geschrieben werden."
    Sie machen es sich da ein bißchen einfach.

    Zu viele Krankheiten bleiben unentdeckt, weil der Arzt im Trott ist und nicht nach rechts und links guckt. Das Hausarztprinzip unterstützt das auch noch. Oft hilft da, einen anderen Arzt mal schauen zu lassen.

    Um auf das Problem des Artikels zu kommen, ich denke das gleicht sich aus mit den vielen Menschen, die noch krank zur Arbeit gehen, dabei riskieren Mitarbeiter anzustecken und gefährliche Nacherkrankungen zu entwickeln. Ich sehe das deutlich mehr als Angestellte, die sich locker einen gelben Schein ausstellen lassen. Selbst kranke Menschen, die eine Krankschreibung bekommen haben geben sie oft nicht ab und gehen weiterarbeiten. Die Unternehmen haben ihre Mitarbeiter dermaßen reduziert, dass oft die Arbeit nicht mehr von den anderen übernommen werden kann, sie bleibt dann liegen.

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    • Vivado
    • 23. Oktober 2011 20:51 Uhr

    "ich denke das gleicht sich aus mit den vielen Menschen, die noch krank zur Arbeit gehen, dabei riskieren Mitarbeiter anzustecken und gefährliche Nacherkrankungen zu entwickeln."

    Alles Quatsch: mit dieser Haltung gäbe es keine Gesundheitsversorgung, hat es ein Arzt doch bei der Arbeit ständig mit Menschen zu tun, die ihn anstecken könnten - und dann werden später auch noch gefährliche Nacherkrankungen entwickelt.
    Ich habe als Arzt in 17 Jahre in der Praxis 7 Tage wegen Krankheit gefehlt - weils einfach nicht mehr ging. Ohne Krankschreibung, da selbstständig. Daß ich dazwischen häufig angekränkelt gearbeitet habe, hat NIE einen Patienten interessiert.

  5. Azrtder nicht krank schreibt hat bald keine Stammpatienten mehr. Außerdem verdient er auch an einer Krankschreibung.

    • gquell
    • 22. Oktober 2011 13:01 Uhr

    Wenn ein Arzt jemanden krank schreibt, dann ist diese Person per Definition krank.
    Ich habe das bei meiner Frau erleben dürfen. Sie wurde als Krankenschwester intensiv gemobbt (sie war zu alt!). Das Ergebnis war, daß sie schwere Herzrhythmusstörungen bekam, die auch heute noch nicht wieder behoben sind (sie ist inzwischen Rentnerin). Zum Glück hatte sie damals einen Arzt, der sie krank schrieb. Das Krankenhaus schickte sie grundsätzlich alle 2 Wochen zum arbeitsmedizinischen Dienst! Aber auch dort hatte sie wieder Glück, denn bis auf eine durchgeknallte Psychologin bestätigten alle, daß sie wirklich krank war.
    Gerade bei älteren Arbeitnehmern ist es häufig, daß sie unter Druck gesetzt werden - man nennt das auch Mobbing. Und wenn diese dann krank werden, so wird das oft mit ihrem Alter und der mangelnden Leistungsfähigkeit begründet. Und dann kann man dieser Person schon mal betriebsbedingt kündigen.

    Ich bin der Meinung, daß Ärzte noch viel mehr krank schreiben sollten. Nur damit die Arbeitgeber endlich einmal lernen, daß sie keine Sklaven sondern Menschen beschäftigen. Und daß zur Fürsorgepflicht eines Arbeitergebers auch die Gesunderhaltung der Mitarbeiter gehört.

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    Beitrag gquell. Man sollte vielleicht auch noch die derzeit etwa eine millionen Leiharbeiter berücksichtigen, für die zumindest in den ersten Jahren ein Krankeschein einer Kündigung gleichkommt. Die gehen schon aus Angst vor dem Arbeitsplatzverlust malochen, auch wenn der Verdienst eines Facharbeiters zumeist zum Leben nicht reicht. Den meisten anderen Arbeitnehmern geht es nicht viel besser. Die regelmäßigen gelben Scheine können sich nur noch Angestellte im öffentlichen Dienst wirklich leisten. Und wenn es nicht übertrieben wird, ist es auch gut so.

    Der Artikel findet sicherlich die Billigung der INSM.

  6. Beamte behandeln! "Plötzlich sieht sich der Mediziner im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen." Dort steht der Mediziner in keinem Spannungsfeld und verdient bei den beamteten Privatpazienten auch noch mehr.

    In diesem Umfeld ist es dann auch üblich den Krankenstand wegen der Kommunion der Tochter für 14 Tage aufzusuchen, wohlgemerkt der beamtete Vater fühlt sich mit dem Vorfeld der Feier überfordert. Eine Dienstauszeit von des Deutschen Lieblingsbeamtentruppe wegen Rückenbeschwerden, da man in die Decke des erworbenen Hauses alleine Doppel T -Träger einziehen muss, fördert auch den Heilungsprozess. Eine Krankschreibung, weil man ausgelaugt ist vom unglaublich harten Warten auf Feuer verbindet man dort vollkomen unproblematisch mit einem dreiwöchigen Karibikurlaub.

  7. <em>"...Plötzlich sieht sich der Mediziner im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen..."</em>

    Haben die denn mehr als ein Interesse ? ;-)

    ==> Drupi

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    "Haben die denn mehr als ein Interesse ?" Zu diesem Zwecke müssen sie die Kassenzulassung behalten. Nur so können sie den Kassenpatienten ihre Zusatzleistungen honorieren lassen.

    Deshalb fallen ihnen die Krankschreibungen bei Beamten deutlich leiter, weil die privatärztliche Behandlungsmöglichkeit kann ihnen ja nicht entzogen werden, auch nicht bei wissentlich falscher Krankschreibung von Beamten. Das ist für den Arzt vollkommen stressfrei. Und die Behandlung von Beamten bringt auch richtig Geld, ohne dass man dem ständig irgendwelche Behandlungszusatzpakete verkaufen muss.

    Zukünftig erkauft sich der Kassenpatient mit seinen Krankenkassenzahlungen nur noch den Zutritt zum Wartezimmer in dem er alle Leistungen als Zusatzleistung auch noch zusätzlich selber zahlen muss. Ein paradiesischer Zustand für die niedergelassenen Ärzte. Da schlägt das neoliberale Herz höher. "Oh Herr wir danken Dir für die Rot-Grünen Reformen. Die haben uns wieder auf den richtigen Weg geführt. Diesen müssen wir nur noch angeführt von Merkel und VDL heftig weiter beschreiten müssen, dann wird alles gut."

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