Liebeskolumne: Kann sie ihrer besten Freundin noch trauen?
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Sagt ihre beste Freundin die Wahrheit?
Die Frage: Sandra und Ina sind Freundinnen seit der Schulzeit. Als Sandra heiratete und in eine andere Stadt zog, hielt ihre Freundschaft. Sie besuchten einander, Sandras Mann Rolf wurde einbezogen. Dann erfährt Ina von Rolf, dass Sandra nach einem Selbstmordversuch in eine Klinik eingewiesen worden war. Ein grausamer Scheidungskrieg entfaltet sich: Rolf sagt, Sandra habe ihn gekratzt und gebissen.
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer
Sandra sagt, dass Rolf sie schlägt. Sandra ist ausgezogen, die Kinder wollen bei Rolf bleiben, Sandra will ihn wegen Steuerhinterziehung anzeigen. Ina weiß nicht, wem sie glauben soll. Sie ist beleidigt, weil Sandra ihr nichts von ihren Eheproblemen erzählt hat, muss sich aber auch eingestehen, dass ihre alte Freundin ihr unheimlich wird.
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Wer einen Menschen aufgrund der Emotionen beurteilt, die durch eine Trennung ausgelöst werden können, tut ihm fast immer unrecht. Was in solchen Situationen geschieht, ist oft auch für die Betroffenen nicht verständlich: Sie erkennen sich selbst nicht mehr. Sonst friedfertige und redliche Personen werden zu Gewalttätern und Denunzianten, wie Michael Kohlhaas bereit, sich und andere in ihrer Rechthaberei zugrunde zu richten. Ina sollte versuchen, das vertraute Bild ihrer Freundin festzuhalten, und hoffen, dass es die Ausbrüche archaischer Wut übersteht. Nachdem ein Ausbruch des Ätna die Stadt Catania zerstörte, wurde sie aus erkalteter Lava wieder aufgebaut.
- Die Liebeskolumne
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Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlag erschienen.
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Sicher: wer...anhand von Schmidbauers Skizzenblock (der vermutlich je nach Gelegenheit mehrere "Fallgeschichten" verschmelzen läßt)...tut fast immer irgendjemand unrecht. Hier liefert S. in wenigen Sätzen eine Art Rosenkriegsberichterstattung - und gießt dann ein paar Kalendersprüche drüber: geht es nicht um den Kohlhaas in uns allen? Folgt nicht auf den Regen irgendwann wieder Sonne? - Zunehmend versteht man, dass viele Leser für diese Kolumne nur noch Spott übrig haben. In dieser Form ist sie jedenfalls weder lehrreich noch unterhaltsam. Vielleicht sollte man stattdessen seine Bücher kaufen, auf die so dezent hingewiesen wird.
wird hier doch auch nicht erwartet, oder? Allerdings finde ich es heutzutage wichtig, dass sich auch Gefühlstrottel (von denen es immer mehr gibt) einen Satz mal genauer ansehen:"Wer einen Menschen aufgrund der Emotionen beurteilt, die durch eine Trennung ausgelöst werden können, tut ihm fast immer unrecht." Ich persönlich musste die Erfahrung machen, mir wird das noch immer nachgetragen (von ein paar Leuten) und ich bin heute selbst schockiert über das ein oder andere Verhalten meinerseits (auch wenn es im Vergleich zum hier behandelten Beispiel wohl sehr harmlos war).
Warum lest ihr das, wenn ihr euch nur aufregt?? Was genau erwartet ihr denn von dieser Spalte?
In seiner Antwort geht Herr Schmidbauer davon aus, dass die beschriebenen Emotionen die Folge der Trennung sind. Diese Annahme erscheint mir zweifelhaft.
In dem beschriebenen Fall hat die Ehefrau einen Selbstmordversuch begangen. Und sie lässt die Beziehung zu ihrer langjährigen Freundin einschlafen. Sie erscheint dieser sogar unheimlich. Das lässt sich als Wandlung der Persönlichkeit der verheirateten Frau deuten. Das sind 3 Hinweise, die auf eine schwere Depression hindeuten. Was die anzunehmende Depression ausgelöst hat, erfährt man aus der kurzen Fallbeschreibung nicht.
Es müssen aber keineswegs die Eheprobleme die Ursache für die Depression sein. Es kann genauso gut umgekehrt gewesen sein: Die Persönlichkeitsänderung kann die Eheprobleme heraufbeschworen haben.
Am Ratschlag für die Freundin ändert das zunächst wenig, für sie ist Gelassenheit geboten. Es bietet ihr aber zusätzlich die Perspektive, dass sie versuchen kann, auf die Freundin einzuwirken. Es sollte die Freundin aber nicht verwundern, wenn sie die Betroffene nicht von ihrem Weg abbringen kann, denn es gehört zur Krankheit oft dazu, dass die Betroffenen krankheitsuneinsichtig sind. Dann kann man sie auch nicht therapieren.
Die Annahme, dass eine Depression vorliegt, bietet darüber hinaus eine Perspektive für den mitleidenden Ehemann: sicherlich ist das Verhalten der geliebten Ehefrau zum Verzweifeln, und es ist auch die Trennung und möglicherweise die Scheidung dadurch nicht zu verhindern. Es ist aber ein Ansatz, die Vorgänge einzuordnen und selbst gelassener zu reagieren. Die Betroffene ist nicht für ihr Verhalten schuldig, die Kontrolle über ihr Verhalten ist ihr entglitten. Es bietet einen Schlüssel dazu, ihr das Verhalten leichter zu vergeben und eben nicht mit Gleichem heimzuzahlen und dabei selbst in depressives Verhalten abzugleiten.
Mit der Vergebung kann ein Rosenkrieg vermieden oder zumindest eingegrenzt werden. Denn irrationale Handlungen der Betroffenen, die Außenstehenden als Rosenkrig erscheinen können, sind sehr wahrscheinlich. Vergebung ist übrigens auch genau das, was Jesus von Nazareth fürs Leben empfohlen hat. Von dem haben wenigstens alle schon mal gehört, wer kennt schon Michael Kohlhaas.
...wäre die Grundfrage, was diese Freundschaft noch ausmacht. Wenn sich die Treffen und Gespräche der Freundinnen nur ums Thema Rolf etc. drehen, hat das rasch Halbwertszeiten. Und, einmal ehrlich: Rosenkriege anderer sind für das eigene Leben... auf Dauer lästig. Rote Ohren am Telefon nachts um halbdrei sind nicht sinnvoll.
Dann ist es besser, stimme ich zu, erstmal Gras drüber wachsen zu lassen, den Vorrat an eigener Energie sorgfältig im Auge zu behalten, und das dem Freund/der Freundin auch so mitzuteilen. Wenn die Sache vorbei ist, wird er/sie einem dafür dankbar sein.
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