Haus der Kunst Der Gröfaz war auch ein Gröfak

Das Haus der Kunst in München war während der NS-Zeit ein Ort für Propagandakunst. Eine Forschungsdatenbank im Netz enthüllt nun erstmals, welche Werke dort zu sehen waren.

Installationsansicht der Großen Deutschen Kunstausstellung 1940 im Haus der Deutschen Kunst

Installationsansicht der Großen Deutschen Kunstausstellung 1940 im Haus der Deutschen Kunst

Es gibt die Angst vor Mundgeruch (Halitophobie), eine Angst vor Licht (Photophobie), sogar Angst vor Handyfunklöchern (Nomophobie). Nur von einer Kunstangst war bislang nichts zu hören, obwohl gerade deutsche Museen darunter besonders zu leiden scheinen. Vor allem fürchten sie Bilder und Skulpturen der Hitlerzeit, so als könnten diese ansteckend wirken und womöglich unschuldige Besucher nationalsozialistisch schwer benebeln. Alle Werke dieser Zeit wurden 1945 ins Depot verbannt und waren seither nicht zu sehen. Erst jetzt, von manchen misstrauisch beäugt, bekommen sie wieder eine größere Öffentlichkeit.

Fast alle 12.550 Werke, die von 1937 bis 1944 auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen in München zu sehen waren, lassen sich von diesem Donnerstag an in einer großen Internetdatenbank nachschlagen. Dort ist auch vermerkt, wer einst welche Bilder für wie viele Reichsmark erwarb.

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Der Gröfaz, so zeigt sich, war auch der Gröfak, der Größte Freund aller Künstler: Hitler erwarb rund 1.000 Werke. Das alles ist nicht unbedingt neu, gleich vier Dissertationen gibt es über die NS-Kunstausstellungen bereits, und in sechs Fotoalben waren sie im Münchner Zentralinstitut für Kunstgeschichte auch bislang schon gut dokumentiert. Neu ist nur die Furchtlosigkeit, mit der Christian Fuhrmeister und Stephan Klingen das Material aufbereitet und zugänglich gemacht haben.

Dass sich nun einige "Neonazis an den Hitlerbildern aufgeilen" könnten, will Fuhrmeister nicht ausschließen; das sei ihm aber egal. Endlich soll alle Welt sehen, dass es keinen ernsthaften Grund gibt, sich vor dieser Kunst zu fürchten. Es sei denn, man verspürt eine gewisse Angst vor dem Biederen oder leidet unter Kitschphobie.

Denn mehr noch als den Hitler- und Heroenkult setzten die Künstler damals das Schwüle und den Schwulst ins Bild, dralle Nacktheiten und öde Bauernszenen. Das Böse und das Banale, sie zeigen sich auch in der Kunst als beste Freunde. Und dank der neuen Datenbank ist diese Freundschaft nun zu besichtigen.

 
Leser-Kommentare
  1. Ich habe schon Videoinstallationen im Guggenheim-Museum (new york) gesehen, da hätte ich mir sowas hier herbeigewünscht. So eine Frauenstatue würde ich mir gerne in meine Eingangshalle stellen, wenn mein Haus groß genug wäre und der Adler wäre nicht schlecht über dem Eingang meines Büros. Über die nackten durchtrainierten Männer kann ich hinwegsehen. Was macht eigentlich der Schwan auf der Frau ? :)

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  2. Manche Bilder sind gar nicht so, wie man es erwartet. Das Bild "Erinnerung an Stalingrad" zeigt zermürbte Soldaten im Schützengraben, antiheroisch. Eine geschlagene Armee, die nicht mehr gewinnen wird. Könnte auch als Anti-Kriegskunst durchgehen. Erstaunlich.
    http://www.bytwerk.com/gp...

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  3. ....den Elch finde irgendwie gut !
    Man kann sofort erkennen, worauf der Künstler hinaus wollte ! Bei der Nutella und Penatencreme - Kollage von Thomas Rentmeister in der Bonner Kunsthalle bin ich mir nicht so ganz sicher !
    Bin ich jetzt "nationalsozialistisch schwer benebelt" ?

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    • ibm
    • 21.10.2011 um 9:31 Uhr

    [...]
    Die ganze Unsicherheit und Komplexität, die das moderne Leben mit sich bringt und mit der sich moderne Kunst eben auseinandersetzt, wird ignoriert und durch eine zwar völlig verlogene, aber wirklich für jeden verständliche Weltsicht ersetzt:
    Man ist Teil einer starken Gemeinschaft der Guten und es gibt immer irgendwelche Böse, an denen man seinen Frust, seine Gier, seine Gemeinheit und seine Aggression ausleben kann. Genau das wird durch diese Art von "Kunst" dann auch zum Ausdruck gebracht und selbstverständlich ist dann auch jeder, der diese Weltsicht nicht teilt, entartet und muss als Böser gnadenlos vernichtet werden.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/vn

    • ibm
    • 21.10.2011 um 9:31 Uhr

    [...]
    Die ganze Unsicherheit und Komplexität, die das moderne Leben mit sich bringt und mit der sich moderne Kunst eben auseinandersetzt, wird ignoriert und durch eine zwar völlig verlogene, aber wirklich für jeden verständliche Weltsicht ersetzt:
    Man ist Teil einer starken Gemeinschaft der Guten und es gibt immer irgendwelche Böse, an denen man seinen Frust, seine Gier, seine Gemeinheit und seine Aggression ausleben kann. Genau das wird durch diese Art von "Kunst" dann auch zum Ausdruck gebracht und selbstverständlich ist dann auch jeder, der diese Weltsicht nicht teilt, entartet und muss als Böser gnadenlos vernichtet werden.

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    • altex
    • 21.10.2011 um 7:07 Uhr

    Den Inhalt außer Betracht gelassen, ist es doch erstaunlich, dass ausgerechnet diese Ausstellung und Bilder so gut zugänglich gemacht werden, so etwas aber von nahezu keinem anderen Museum in Deutschland zu sehen ist.
    Die Werke zum Beispiel der Nationalgalerie scheinen weniger Interesse zu wecken und werden bedauerlicherweise nicht im Netz veröffentlicht.

    Warum nicht wie die National Gallery in London - hier kann man auch einen virtuellen Rundgang machen und wirklich (!) bedeutende Bilder sehen.

  4. nicht zu sehen? Neue Furchtlosigkeit?

    Spätestens in der gutbesuchten 1999er Ausstellung in Weimar konnte doch sehen wer da sehen wollte. Im Original statt im Internet.

    Statt immer die gleichen Formeln über die Rezeption von Kunst aus der Zeit des 3.Reichs zu sprechen, sollte man die bisherige Entwicklung nicht ignorieren.

    • ibm
    • 21.10.2011 um 9:31 Uhr

    [...]
    Die ganze Unsicherheit und Komplexität, die das moderne Leben mit sich bringt und mit der sich moderne Kunst eben auseinandersetzt, wird ignoriert und durch eine zwar völlig verlogene, aber wirklich für jeden verständliche Weltsicht ersetzt:
    Man ist Teil einer starken Gemeinschaft der Guten und es gibt immer irgendwelche Böse, an denen man seinen Frust, seine Gier, seine Gemeinheit und seine Aggression ausleben kann. Genau das wird durch diese Art von "Kunst" dann auch zum Ausdruck gebracht und selbstverständlich ist dann auch jeder, der diese Weltsicht nicht teilt, entartet und muss als Böser gnadenlos vernichtet werden.

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  6. ist sie, die nati-kunst. aber eben, kunst hat einen `bildenden` anspruch. da gehts eben nicht ums schnöde schönsein und die freuden der domestizen.

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