Endlager Gorleben Hauptsache, nicht bei uns
Die Gorleben-Gegner weichen der Debatte aus
Was tun Atomkraftgegner, wenn sie gewonnen haben? Blumen züchten? Windräder bauen? Gehen sie in den politischen Vorruhestand? Eine deprimierende Antwort kommt gerade aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg. Dort macht die Protestbewegung gegen das geplante Atommülllager in Gorleben weiter, als hätte es nie eine Energiewende gegeben. Auch in diesem Herbst soll der jährliche Castor-Transport als teures Widerstandsspektakel inszeniert werden – und zwar, so teilt es allen Ernstes die örtliche Bürgerinitiative mit, »aus Protest gegen den strammen Atom-Kurs der Bundesregierung«.
Natürlich, das Ende der AKWs ist zwar beschlossen, Gorleben könnte aber theoretisch immer noch zum Atommüllendlager werden. Doch in den vergangenen Monaten hat die Protestbewegung mehr erreicht als in den dreißig Jahren zuvor. Der zuständige Bundesumweltminister Norbert Röttgen wirbt nun dafür, die Suche nach einem Atommüllstandort neu zu beginnen. Die Regierungen der süddeutschen Länder, deren Tonformationen als Alternative zum Gorlebener Salzstock in Betracht kommen, sperren sich nicht länger. In Baden-Württemberg ist der Umweltminister sogar der Ansicht, Gorleben komme als Lager nicht mehr infrage. Auch der niedersächsische Ministerpräsident sieht das neuerdings so.
Vor allem aber hat die Bundesregierung die wichtigste Forderung der Atomkraftgegner erfüllt: Die wissenschaftliche Debatte um mögliche Vorzüge und Nachteile des geplanten Atommülllagers wird nicht länger unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Vor den Augen aller Interessierten streiten die Fachleute und stehen den Bürgern Rede und Antwort.
Das Bundesumweltministerium hat dazu die wichtigsten Gutachten ins Internet gestellt. Der »Gorleben-Dialog«, den Umweltminister Röttgen begonnen hat, erfüllt alle Ansprüche an Transparenz und Offenheit. Und er schafft Fakten: Die Gas-Einschlüsse im Salz von Gorleben sind »tatsächlich ein Sicherheitsrisiko«, das hat eine Umweltstaatssekretärin gerade eingeräumt. Zur alten Sprachregelung, nichts spreche gegen die Eignung des Standorts, führt nun kein Weg mehr zurück.
Es gibt nur ein Problem mit dem »Gorleben-Dialog«: Er ist eine Bürgerbeteiligung fast ohne Bürger. Schuld daran sind die Atomkraftgegner des Wendlands, die dem öffentlichen Streit ausweichen. Ihr Beitrag zur Debatte beschränkt sich inzwischen darauf, ihre Widersacher und insbesondere Röttgen als Lügner und käufliche Helfer der Atomindustrie zu beschimpfen. So kommt es zu absurden Szenen: In einem Kulturzentrum im Landkreis tragen Fachleute ihre Bedenken gegen das geplante Endlager vor – und von den Bürgern, die das brennend interessieren müsste, hören nur eine Handvoll CDU-Mitglieder zu.
Der Gorleben-Konflikt tritt in eine neue Phase, es ist ein Verdrängungswettbewerb: Welche Lagerstätte ist weniger geeignet, wer muss den Müll am Ende nehmen? In diesem Konflikt setzen die Atomkraftgegner des Wendlands nicht auf Argumente, sondern auf die gut eingeübten Rituale des Widerstands. Früher einmal hatten sie für eine rationale Debatte um die sicherste Art des Umgangs mit Atommüll geworben. Es war wohl doch nicht so gemeint.
- Datum 22.10.2011 - 16:43 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 20.10.2011 Nr. 43
- Kommentare 39
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Der Artikel blendet völlig aus, wie es zum Standort Gorleben kam. Nämlich auf politischen Druck von MP Albrecht, verfälschte Gutachten von BAM, Bundesanstalt für Geowissenschaften, Bundesumweltministerium unter Merkel, usw.
Bei einer Rot-Grünen Regierung war alles halb so schlimm
und es gab keine Proteste!Komisch!
So gescheehen unter der Schröder-Fischer Regierung.
Keine Proteste keine hohen Sonderkosten
Komisch?
" Bei einer Rot-Grünen Regierung war alles halb so schlimm
und es gab keine Proteste!Komisch!
So gescheehen unter der Schröder-Fischer Regierung. "
Ne, klar, das erklärt auch, warum unter Rot-Grün, insbesondere nach dem Ausstiegs-Nonsens, TROTZDEM Tausende Polizisten notwendig waren, um die Castoren nach Gorleben durchzuprügeln...
Den Widerstand dagegen habe ich mir, die Polizisten vor Ort vermutlich nur eingebildet.
" Bei einer Rot-Grünen Regierung war alles halb so schlimm
und es gab keine Proteste!Komisch!
So gescheehen unter der Schröder-Fischer Regierung. "
Ne, klar, das erklärt auch, warum unter Rot-Grün, insbesondere nach dem Ausstiegs-Nonsens, TROTZDEM Tausende Polizisten notwendig waren, um die Castoren nach Gorleben durchzuprügeln...
Den Widerstand dagegen habe ich mir, die Polizisten vor Ort vermutlich nur eingebildet.
Wen wundert´s ? Die Diskussion um die Nutzung der Kernenergie noch nie wirklich rational. Die eine Seite dämonisierte die Nutzung als unverantwortliches Teufelswerk die andere beschönigte die Risiken als jederzeit beherrschbar.
Der Artikel redet von der Beseitung von Müll. Das ist natürlich falsch, denn in dem 'Müll' schlummert noch Energie für Jahrhunderte. Spätestens dann, wenn sich die Transmutation mit der Inbetriebnahme der Demonstrationsanlage im belgischen Mol als machbar erweisen sollte, wird die Diskussion um die Nutzung der Kernenergie wieder aufleben. Sollte dieser Weg beschritten werden (als Atommüllkonditionierung), dann werden die Anforderungen an ein Endlager andere sein. Die dann wahrscheinlich erforderliche Garantie für nur tausend Jahre sicheren Einschluß könnte auch Gorleben gewiss erfüllen. Insofern haben die Gorleben-Gegner intuitiv vielleicht mehr begriffen, als in dem Artikel zum Ausdruck kommt.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User und diskutieren Sie ausschließlich zum Artikelthema. Danke. Die Redaktion/vn
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Atomkratgegner sind nunmal Aktivisten. Und Aktivisten diskutieren nie sachlich, die diskutieren nicht mal. Beim Aktivistentum geht es um Lautstärke und öffentliche Präsenz. Man will viele Leute auf die Straße bekommen und dann wäre es natürlich hinderlich, müsste man jedem von denen erstmal vertieft in den Vor- und Nachteile eines hunderseitigen Alternativkonzeps einführen. Auch lassen sich Argumente nicht so gut in Sprechchören gröhlen.
Weil man mehr Menschen auf die Straße bekommen will, als man differenziert aufklären könnte, muss die Kraft woanders herkommen. Es muss ein dramatisches Event inszeniert werden, mit Polizei, Krawall, Räumungen und Schlachtambiente. Und man muss der eigenen Seite immer wieder einreden, dass man sich durch die differenzierte Sachlichkeit der Gegenseite bloß nicht irritieren lassen darf darf, weil die sowieso korrupt, verlogen und nur am Profit interessiert sei. Solange von den Medien auch keine Sachlichkeit eingefordert wird, sondern man die Stimme eines Aktivistenaufmarschs immer schön mit der Stimme des Volkes gleichsetzt und ihre Legitimation bereits in ihrer Zahl und ihrem "demokratischen Engagement" erblickt, solange ist diese Aktivistenkultur auch ein probates Mittel.
Leider sieht es die Mehrheit der Medien so, als sei diese Aktivistenkultur die basisdemokratische Krönung unseres Demokratischen Systems. In Wahrheit hat unsere demokratische Kultur einen großen Schaden erlitten, seit dem man diese Methoden akzeptiert.
superguppi hat recht! Die Menschen aus dem Wendland werden in diesem Artikel dargestellt , als wären sie trotzige Kinder, die nach der beschlossenen sog. "Energiewende" und dem Atomausstieg endlich Ruhe geben sollen. Herr Drieschner täte gut daran sich einmal vor Ort ins Wendland zu begeben und sich besser zu informieren. Oder besser fährt er mal in die Schweiz und schaut sich an, wie dort die Endlagersuche läuft. Jedenfalls besser als hierzulande. "Der »Gorleben-Dialog«, den Umweltminister Röttgen begonnen hat, erfüllt alle Ansprüche an Transparenz und Offenheit" so schreibt Drieschner. Das ist ein Schalg ins Gesicht all der Menschen im Wendland, die seit Jahren echte Transparenz und Offenheit zum Thema Goleben zu Recht verlangen. Gott sei Dank liefert z.B. Greenpeace diese Transparenz mit der Veröffentlichung der Akten zum Fall Gorleben, welche die zuständigen Behörden erst nach juristischen Auseinandersetzungen freigaben. Würde Herr Röttgen die dortigen Fakten ernst nehmen, wäre Gorleben schon längst als Endlager aus dem Spiel. Die Endlagersuche muß daher von vorn beginnen und sollte sich das Verfahren in der Schweiz zum Vorbild nehmen! So lange in Gorleben aber wieder besseres Wissen, Millionen von Steuergeldern in einem Salzstock versenkt werden, der als Endlager völlig ungeeignet ist, werden die Menschen im Wendland weiter Widerstand leisten und ich werde sie gern dabei unterstützen!
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Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile entfernt. Die Redaktion/vn
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" Bei einer Rot-Grünen Regierung war alles halb so schlimm
und es gab keine Proteste!Komisch!
So gescheehen unter der Schröder-Fischer Regierung. "
Ne, klar, das erklärt auch, warum unter Rot-Grün, insbesondere nach dem Ausstiegs-Nonsens, TROTZDEM Tausende Polizisten notwendig waren, um die Castoren nach Gorleben durchzuprügeln...
Den Widerstand dagegen habe ich mir, die Polizisten vor Ort vermutlich nur eingebildet.
.. aber nicht von Seiten der AKW- Gegner..
Also.. die Transmutation ( http://de.wikipedia.org/w... )wird ja wie wir alle wissen in Brutreaktoren betrieben, welche aus gutem Grund (Natrium im Kühlkreislauf) niemals weiter verfolgt werden sollten. Weiterhin ist es extrem fraglich ob bei der Transmutation tatsächlich mehr Energie entsteht, als im Prozess selbst benötigt wird. Was die Demonstrationsanlage zeigen wird ist fraglich, und auch Sicherheitsbedenken werden nicht ausgeschaltet werden können. Wissen wir doch alle, dass Technik nicht unfehlbar ist. Und wenn bei Kernenergie nur ein geringstes Risiko besteht sind jegliche Folgen zu groß, als dass man dises Risiko akzeptieren kann.
Dass sich die Anwohner in Dannenberg weiter gegen einen geplanten Kastortransport zur Wehr setzen werden ist doch in sofern verständlich, als dass um das "Zwischenlager" bereits jetzt erhöhte Strahlenwerte gemessen werden. Und wenn die Kastoren doch schonmal da sind, wer weiß denn ob Sie dann wieder abgeholt werden.
http://www.faz.net/aktuel...
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