Occupy Wall Street Woodstock weltweit
Josef Joffe:Heuchelt nicht – die Politik trägt Verantwortung für die Krise.
Es fing an mit der Zeltstadt in Tel Aviv, es ging weiter mit »Occupy Wall Street«, jetzt demonstrierten sie von Berlin bis Madrid. Wogegen? Gegen die »kapitalistische Diktatur«, die Banken, die EZB. Und gegen »Dagobert Fuck«. In Tel Aviv ging es noch konkret um hohe Mieten. Inzwischen herrscht ein weltweites Woodstock der Empörung, das seltsam diffus bleibt.
Fassbare Politik wie gegen Vietnam oder Irak ist das nicht, obwohl Politiker wie Gabriel und Obama alsogleich auf der Welle zu surfen versuchten; Aufmerksamkeit ist das höchste Gut des Andy-Warhol-Zeitalters (»15 Minuten Ruhm«). Der Protest ist das Programm, obwohl der Anlass sehr wohl greifbar ist. Die fünfzig fetten Jahre des Westens sind vorbei, der Große Crash hat höchst reale Ängste vor Abstieg und Zukunftsverlust gezeugt. Reale Politik hat einen realen Zweck, doch die Blockade der EZB ist Ersatzhandlung. Warum auf eine Institution losgehen, die noch halbwegs funktionsfähig ist? Wie würde Europa aussehen, wenn es sich allein auf seine Politiker verlassen müsste?
Die Banken verstaatlichen wie im Sowjetimperium? Das ist nicht nur an seinem übermächtigen Staat, sondern auch an seinem Vierte-Welt-Kapitalmarkt gescheitert. Auf einer ZEIT-Matinee fragte Joachim Gauck: »Wären unsere Einlagen wirklich sicherer, wenn unsere Politiker in der Finanzwirtschaft das Sagen hätten?« Am gierigsten (und dümmsten) haben die staatlichen Landesbanken bei den glitzernden Derivaten zugelangt; die private Deutsche Bank war etwas klüger. Die Finanzblase ist 2008 nicht nur wegen Gier & Exzess geplatzt. Denn es gibt es keine Blase ohne billiges Geld, und Geldmenge und Zinsen werden stets und überall vom Staat bestimmt. Die Kapitalisten nehmen, was sie kriegen können; der Staat aber gibt – wie in Spanien, wo staatlich protegierte Sparkassen die wildeste Spekulation finanziert haben.
Dito in Amerika, wo die Politik die staatsnahen Anstalten Fannie Mae und Freddie Mac gezwungen hatte, zahlungsschwache Kunden mit Hypotheken zu versorgen. Zum Schluss waren es 27 Millionen – die Hälfte aller Darlehen –, bei denen die Geldgeber nicht mehr auf Kreditwürdigkeit achteten: Hausbesitz für alle! Heute will Gabriel die Banken zerschlagen; brave Geschäfts- sollen nicht gleichzeitig zockende Investmentbanken sein. Nur: Aufgehoben wurde die Trennung in Amerika von einem guten Sozialdemokraten namens Bill Clinton.
Woher also der Glauben an den guten Staat und das böse Kapital? Dieses kann ohne jenen nicht die Exzesse pflegen – die Boni und die Bereicherung –, die zu Recht verdammt werden. Der Leichtsinn ist keiner, wenn der Staat bürgt. Machen wir deshalb kaputt, was uns kaputt macht? Dann kommt die Staatswirtschaft, die nicht einmal Gleichheit schafft, sondern nur Korruption und Macht für die Wenigen. Diese Wirtschaft gehört der Nomenklatura, nicht dem Volk.
Die Demokratie lässt sich korrigieren. Das ist das richtige Anliegen der Besetzer. Aber die Wellenreiter aus der Politik heucheln, wenn sie die Mitverantwortung des Staates vergessen machen. Surfen ist einfacher.
- Datum 23.10.2011 - 12:47 Uhr
- Serie Zeitgeist
- Quelle DIE ZEIT, 20.10.2011 Nr. 43
- Kommentare 105
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Warum warum nur sind Redakteure immer nur in der Lage, Vergleiche mit Ereignissen in der Vergangenheit zu ziehen? Wieso soll ein Ereignis wie Woodstock oder Demos gegen den Vietnam-Krieg in den Sechzigern irgendetwas mit der globalen Marktwirtschaft und deren fatalem Ökonomie-Terrorismus zu tun haben? Meines Wissens gab es 1968 keine Wirtschaftskrise und meines Wissens gab es da auch keine Arbeitslosigkeit bis zu 50% wie in Spanien. Da gab es auch keine Wohnungs- und Zukunftsprobleme, da war Fukoshima nicht hinter/vor uns, keine Polschmelze etc. Ich wüsste nicht, inwiefern der Ernst der heutigen Lage in ersten Protesten sich vorwerfen lassen muss, er sei nicht so klar und direkt wie gegen den Vietnamkrieg. Vielleicht weil der "Feind" nicht so klar und direkt zu fassen ist? So ein doofer Artikel, Meinungsmache, Runterreden, Anmaßung, Pseudo-Coolness. Unterstützt sollte jeder Protest werden, und sei er auch noch so zaghaft!
da schreibt "jemand", in dem Fall Joffe. Und man gewinnt beim Lesen das Gefühl, dass dem auch nicht mehr dazu einfällt.
Hauptsache mal was geschrieben. Und damit iss jut.
Inhaltlich und von der Situationsanalyse her absolut nichtsagend. Typisch zyklisches Geschichtsbild.
Nie-dagewesenes darf es da ja nicht geben.
da schreibt "jemand", in dem Fall Joffe. Und man gewinnt beim Lesen das Gefühl, dass dem auch nicht mehr dazu einfällt.
Hauptsache mal was geschrieben. Und damit iss jut.
Inhaltlich und von der Situationsanalyse her absolut nichtsagend. Typisch zyklisches Geschichtsbild.
Nie-dagewesenes darf es da ja nicht geben.
"Geldmenge und Zinsen werden stets und überall vom Staat bestimmt!" diese Aussage würde ich an Stelle des Autors noch einmal genau unter die Lupe nehmen. Die Tatsache, dass die FED eine Gruppierung von Privatbanken ist spricht schon dagegen. Der Druck der privaten Finanzakteuere auf den Staat im Verein mit Personalunion und entsprechenden Interessenkonflikten zwischen Politik und privater Finanzwirtschaft sprechen für sich. Man schaue sich zB. die Karieren der Besetzung des weissen Hauses an
Dass sich unter den staatsangestellt Bankern zuweilen Inkompetenz breitmacht und/oder diese von der privaten Finanzindustrie abhängig sind und gemacht werden - als Dumme Abnehmer der Mogelpackung verschlissen werden, ist offensichtlich. Dies alles entlastet aber nicht das betriebene Prinzip der profitablen Krise, an der nur private Institute wachsen und prosperieren. Diese Krise ist der Traum jedes Spekulanten.
Mit scheint hier wird als letzter Versuch die Instanz beschuldigt, die gerade von den wirklichen Verursachern der Krise in die Insolvenz getrieben wird, und deren demokratische Handlungsfähigkeit gerade durch die Profiteure in der Finanzwirtschaft ad absurdum geführt wird.
Waren und sind die Verursacher.. 0-Zinsgeld fließt nunmal in Immobilien, Rohstoffe, Anleihen
Sie sind zwar "unabhängig" aber nur für ihren Währungsraum zuständig, und agieren somit in nationalen Interessen.
--> www.youtube.com/watch?v=F...
Waren und sind die Verursacher.. 0-Zinsgeld fließt nunmal in Immobilien, Rohstoffe, Anleihen
Sie sind zwar "unabhängig" aber nur für ihren Währungsraum zuständig, und agieren somit in nationalen Interessen.
--> www.youtube.com/watch?v=F...
Ein sehr treffender und kein "doofer" Artikel, wie mein Vor-Kommentator meint!
....ihm auszusetzen hätte, wäre die Meinung, der Staat wäre "mitschuld". Die Staaten tragen die Hauptschuld, die um Dimensionen größer ist, als die anderer Beteiligter.
....ihm auszusetzen hätte, wäre die Meinung, der Staat wäre "mitschuld". Die Staaten tragen die Hauptschuld, die um Dimensionen größer ist, als die anderer Beteiligter.
Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich und konstruktiv. Die Redaktion/ew
Wir haben kein tragfähiges Modell für die Zukunft.
Zwischen ausufernder Globalisierung und Staatskapitalismus sollte ein Ausgleich geschaffen werden.
Wie?
Das wird die Zukunft zeigen, wenn immer mehr Menschen auf die Straße gehen.
Die Dinge liegen so einfach :
DER STAAT DARF KEINE SCHULDEN MACHEN !!!
josefine
Was spricht dagegen, dass der Staat sich verschuldet und das eingenomme Geld bspw. in die oeffentliche Infrastruktur oder Schulen investiert? Da typischerweise die Ertraege dieser Investitionen teilweise erst wesentlich spaeter anfallen als die entsprechenden Ausgaben, ist es geradezu nur gerecht, die Lasten auf die zu verlagern, die profitieren. Wie haette man Ihrer Meinung nach die Wiedervereinigung finanzieren sollen? Der Spass hat mehr als eine Billion EUR gekostet, haette man die als Steuern 1990 eintreiben sollen? Uebrigens kann man sich ein Staat theoretisch immer hoeher verschulden, ohne dass es jemals zu einem Problem wird. Ja das ist nicht einfach zu verstehen, ich brauchte auch Jahre an der Uni, um dahinter zu kommen. Also brauchen Sie die Erguesse von Frau Merkel nicht zwingend wiederholen. Ihr Vorschlag ist in der dagebrachten Form jedenfalls nicht zielfuehrend.
Was spricht dagegen, dass der Staat sich verschuldet und das eingenomme Geld bspw. in die oeffentliche Infrastruktur oder Schulen investiert? Da typischerweise die Ertraege dieser Investitionen teilweise erst wesentlich spaeter anfallen als die entsprechenden Ausgaben, ist es geradezu nur gerecht, die Lasten auf die zu verlagern, die profitieren. Wie haette man Ihrer Meinung nach die Wiedervereinigung finanzieren sollen? Der Spass hat mehr als eine Billion EUR gekostet, haette man die als Steuern 1990 eintreiben sollen? Uebrigens kann man sich ein Staat theoretisch immer hoeher verschulden, ohne dass es jemals zu einem Problem wird. Ja das ist nicht einfach zu verstehen, ich brauchte auch Jahre an der Uni, um dahinter zu kommen. Also brauchen Sie die Erguesse von Frau Merkel nicht zwingend wiederholen. Ihr Vorschlag ist in der dagebrachten Form jedenfalls nicht zielfuehrend.
Endlich jemand der Optimismus ausstrahlt, allerdings ohne eine Alternative anzubieten. Es bestreitet ja niemand, dass dem Waehler jeden Sonntag erzaehlt wird, dass die Politik ja eigentlich die Macht der Banken beschraenken wolle, nur leider wird spaetestens am Monatg daraus nichts mehr, weil man ja auch allzu gerne die Spenden der Banken annimmt. Es stimmt schon, dass man in den USA versucht hat den Konsum aufrecht zu erhalten, indem man den Burgern statt Lohnerhoehungen lieber unbeschraenkte Kredite einraeummen liess, die diese Moeglichkeit auch gerne genutzt haben. Nur stellt sich die Frage, haben sich das alles nur Politiker ausgedacht? Oder haben nicht die endlosen Lobbistenheere dafuer gesorgt, diese Politik zu betreiben? Und soweit es der Presse zu entnehmen ist, war doch wohl Herr Asmussen der wesentliche Treiber bei der Deregulierung des Finanzmarktes, ob Herr Eichel, als gelernter Lehrer, das so alles durchschaut hat, was er da getrieben hat, will ich mal dahingestellt sein lassen. Jedenfalls war Herr Asmussen seiner Zeit auch Mitglied des Lobbyvereins "True Sale International GmbH" und Mitglied im Aufsichtsrat der glorreichen IKB Bank. Und jetzt wird genau dieser einfache MBA Absolvent Chefvolkswirt bei der EZB. Warum sollte man in diese Demokratie Vertrauen haben, in der der Bock zum Gaertner gemacht wird.
Der Ansatz an sich ist schon falsch. Unsere "Demokratie" hat sich auf das Kreuzchen machen reduziert und ist längst in Richtung "Wirtschaftsdiktatur" mutiert. Groß-Unternehmen und Banken bestimmen den politischen Kurs. Also muss nicht die Demokratie korrigiert werden sondern sie muss eingeführt werden. Erst wenn die Volksvertreter wieder das Volk vertreten können wir von Demokratie sprechen.
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