Wenn in diesen Tagen von der Einstellung von Schuldendiensten die Rede ist oder von erzwungener Umschuldung in der Euro-Zone, dann spricht man von Griechenland. Kritiker einer solchen Umschuldung kommen aber außerdem schnell auf den Dominoeffekt zu sprechen. Ein griechischer "Default" würde, so die Behauptung, sofort den Blick auf andere Wackelkandidaten wie Portugal, Irland oder sogar die großen Mitglieder Spanien und Italien lenken. Und die zu retten würde die Mittel des Rettungsschirms weit übersteigen.

Mit anderen Worten: Wenn es der Politik gelänge, um Griechenland eine Art Zaun zu ziehen, wenn die Überschuldung Griechenlands in den Köpfen als Einzelfall angesehen würde und dies auch mit entsprechenden Fakten untermauert wäre – dann könnte man auch den Märkten glaubwürdig vermitteln, dass jetzt eine Umschuldung für Griechenland ansteht und sonst für niemanden. Dies hat die europäische Politik bislang aber versäumt. Sie spielt weiter auf Zeit und deckt tranchenweise die fälligen Tilgungen und Zinszahlungen.

Dabei ist Griechenland wirklich ein struktureller Sonderfall, der sich deutlich zum Beispiel von Portugal abhebt – dem Land, das heute regelmäßig als der "nächste Dominostein" beschrieben wird.

Das lässt sich an drei Kriterien festmachen. Erstens an der bisherigen Attraktivität für mobiles Risikokapital, denn Investitionen sind die Grundlage für Wachstum und für eine breite Besteuerungsbasis; zweitens an politisch sensiblen Budgetindikatoren und drittens an den Indikatoren für Schuldentragfähigkeit, getrennt nach öffentlichen Schulden und externen Schulden.

Was den ersten Indikator anlangt, so war Griechenland in der vergangenen Dekade unter 15 Altmitgliedern der EU das unattraktivste Land für ausländische Direktinvestitionen, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Es hatte zudem den niedrigsten Außenhandelsanteil am BIP, war für ein kleines Land also außerordentlich verschlossen vor den Weltmärkten. Seine Investitionsquote war äußerst niedrig, dabei erwartet man doch von einkommensschwächeren Ländern eigentlich vergleichsweise höhere Investitionsquoten. Portugal hat in allen diesen Kriterien deutlich bessere Werte.
Weder In- noch Ausländer schätzen also Griechenland als Investitionsstandort. Das ist nicht erstaunlich, wenn man die Kosten vor Augen hat, die Griechenland und sein exzessiver bürokratischer Apparat seinen Investoren auferlegt. Nach dem Doing Business Index der Weltbank, der diese Kosten detailliert auflistet, lag Griechenland im Berichtsjahr 2010 auf Platz 109 unter 183 Ländern, mit sinkender Tendenz, Portugal dagegen auf Platz 31 mit steigender Tendenz. Viele arme Entwicklungsländer liegen vor Griechenland. Kein einziges EU-Land kommt auch nur annähernd in die Niederungen Griechenlands, wenn man die Kosten für Geschäftsaufnahme und -durchführung betrachtet.

Was das zweite Kriterium betrifft, so leidet Griechenland auf einmalig hohem Niveau unter einer Altlast früherer Verschuldung. Im Jahr 2012 sollen nach IWF-Projektionen die öffentlichen Schulden mehr als das Vierfache der Staatseinnahmen betragen, in Portugal nur etwas mehr als das Zweieinhalbfache. Daher verwundert es nicht, dass nach den Projektionen Griechenland im kommenden Jahr 8 Prozent seines BIP für Zinszahlungen aufbringen muss, Portugal jedoch lediglich 4,8 Prozent.