WohnraumDie wunderbare Welt der Natalia

Die Bloggerin Natalia Repolovsky lebt beengt – und empfiehlt dazu die passenden Dinge. von Philipp Wurm

Bevor Natalia Repolovsky nur noch einen Blick für kleine, praktische Dinge hatte, war sie Chronistin des Größenwahns. In ihrer Heimat Russland hat die Journalistin über Villen geschrieben, die dem Schloss von Versailles nachempfunden waren; in anderen Häusern blickte sie auf Wände, die mit Gold lackiert waren, oder auf gläserne Kloschüsseln mit eingebauten Aquarien. Wäre sie nicht Mitarbeiterin der russischen Ableger von Einrichtungsmagazinen wie Elle Decor gewesen, damit beauftragt, den Luxus der Oberschicht zu bejubeln – sie hätte sich wie Marie Antoinette fühlen können.

Natalia Repolovsky
Natalia Repolovsky

Die Bloggerin wohnt selbst mit ihrem Mann in einem 51 Quadratmeter großen Apartment in Brooklyn. In ihrem Blog Shoebox Dwelling stellt Natalia Repolovsky beinahe täglich ein neues, platzsparendes Möbelstück vor.

Mittlerweile ist die Welt von Natalia Repolovsky, 35, geschrumpft: keine Schlösser mehr, stattdessen Schuhkartons. Nicht mehr Hofberichterstatterin der happy few, sondern Bloggerin, die für eine Mehrheit schreibt: jene Menschen, die in den hochverdichteten Zentren der Großstädte leben, in Berlin, Tokyo oder New York.

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Ihr Blog heißt shoebox dwelling, was so viel bedeutet wie »Schuhkarton-Wohnen«. Sie stellt Einrichtungsstücke vor, die platzsparend sind und dennoch nicht wirken wie freudlose Apparaturen. »Auf Komfort kommt es an, aber auch auf Stil und Würde«, sagt sie. Wenn Repolovsky nach Design-Artikeln sucht, in Internetportalen oder auf Präsentationen, macht sie das, als sei sie selbst eine unterversorgte Kundin. Eine Perspektive, die keineswegs gekünstelt ist: Repolovsky wohnt auch in einem sogenannten Schuhkarton. Mit ihrem Mann ist sie vor Kurzem von Moskau nach Brooklyn gezogen, in ein kleines Apartment.

Leserkommentare
  1. Ja, ja, ja! Endlich ein schöner Design-Artikel ohne unendlich oft durchgekaute "Designklassiker" im ZEIT magazin und endlich(!) fernab des prüfer´schen Einheitsbreis (Sorry Tillmann Prüfer, aber ich kann Ihre Artikel, vor allem die gefühlten 500 Seiten jede Dritte Woche zum Thema Uhren, nicht mehr sehen).

    • hlarry
    • 25. Oktober 2011 20:48 Uhr

    ist ja wirklich alles schön anzusehen. Es gibt hunderte solcher Seiten im Netz, die die allerneuesten und innovativsten Design-Möbel vorstellen. Dabei findet sich immer ein Link zur Seite des Designer selber, aber wo man ein solches Stück letztlich herbekommen könnte, bleibt stets im Dunkeln. Also wenn diese Design-Blogger wirklich etwas Nützliches tun wollten, sollten sie auch Bezugsquellen nennen. Wobei... meistens sind die schönen Stücke so teuer, dass man besser keine Bezugsquelle kennt.

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    Hallo,
    richtig günstige Replikate von Design-Klassikern gibt es übrigens hier: Bin zufällig vor ein paar Wochen auf www.voga.com gestoßen und bin total begeistert von ihren erschwinglichen Replikaten weltberühmter Möbeldesigner. Ich habe mir einen Klassiker, den Arne Jackobsen Schwan Stuhl geleistet. Ein herausragendes Kunstwerk, multifunktional für Arbeit und Freizeit. Hohe Qualität und wunderbar weich. Ich bin begeistert!! Grüße von Gerhart

    • nik--
    • 25. Oktober 2011 21:06 Uhr
    3. Nunja,

    Slope, Pivot und SO1 scheinen mir aber auch nicht für viel mehr geeignet zu sein, als mal nen Brief zu schreiben. Wer wirklich einen Schreib-(i.S.v. Arbeits-)tisch braucht, wird sich wohl kaum an so ein Ding quetschen wollen. Da sitz ich dann lieber noch am Küchentisch. Echte Raumwunder sind z.B. Betten mit erhöhter Liegefläche. Wobei Stauraum nicht alles ist - er muss auch zugänglich sein.

    Was überhaupt das Symbolphoto mit dem Fahrrad im Artikel zu suchen hat, bleibt fraglich. In dieser Wohnung scheint nun wirklich kein Platzmangel zu herrschen.

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    • ruphus
    • 25. Oktober 2011 23:37 Uhr

    kann ich nur zustimmen. Manch Designmöbel erinnert wohl eher an eine Folterbank, denn an ein praktikables Platzwunder.

    Die Kritik über das Artikelfoto kann ich nicht nachvollziehen. Es hat zwar mehr mit Design zu tun aber trotzdem ist es eine elegante Art sein Rad 'aufzubewahren' und dabei noch ein wenig Platz zu sparen.

    Gruß

    • ruphus
    • 25. Oktober 2011 23:37 Uhr

    kann ich nur zustimmen. Manch Designmöbel erinnert wohl eher an eine Folterbank, denn an ein praktikables Platzwunder.

    Die Kritik über das Artikelfoto kann ich nicht nachvollziehen. Es hat zwar mehr mit Design zu tun aber trotzdem ist es eine elegante Art sein Rad 'aufzubewahren' und dabei noch ein wenig Platz zu sparen.

    Gruß

    Antwort auf "Nunja,"
  2. Was nützen mir denn solche "Designwunder" wenn sie für den Otto-Normalverbraucher in der Regel schlicht unbezahlbar sind? Die Leute gehen ja nicht aus Jux und Dollerei zu Allerweltsmöbelhäusern wie Ikea, sondern weil die (halbwegs) ansehnliches zu (noch) bezahlbaren Preisen anbieten.

    Aber klar, wo Geld nicht "das Thema" ist, sind solche Möbel oder entsprechende Maßanfertigungen die perfekt in die kleine Eigentumswohnung passen, natürlich auch "kein Thema"....

    Verstehen Sie mich nicht falsch, ich finde die Idee prinzipiell gut, interessant und wichtig, mich stört aber die konsequente Ausblendung der sozio-ökonomischen Komponente die für den Großteil der Konsumenten eine wesentliche Rolle spielen drüfte. Über Seiten und Blogs die über schöne, teure Gegenstände schreiben stolpert man überall, das lockt niemanden mehr hinterm Ofen vor.

    • 3cpo
    • 26. Oktober 2011 0:57 Uhr
    6. 50 qm

    in Brooklyn. Was ein Luxus.

  3. Ich bin da eher altmodisch veranlagt und strebe nach der Gemütlichkeit, die das 19. Jahrhundert ausstrahlt. Wenn man dann in einem sechseckigen Raum sitzt, dessen Wände komplett mit Bücherregalen abgedeckt sind, die sich bis zur hohen Decke erstrecken, und man nach einem langen Tag die Füße ausstrecken kann, während das Feuer im Kamin prasselt, Funken aufstoben, es leicht nach Harz und Fichtennadeln duftet und der Bücherstaub in der Luft hängt; dann weiß ich, dass ich wieder zuhause angekommen bin. Jetzt fehlt nur noch eine Tasse heißen Tees, ein dezentes Licht zum Lesen, während kahle Zweige draußen an das Fenster klopfen und der Winterwind die Schneeflocken forttreibt.

    Meine Umgebung ist ohnehin oft genug zu funktional, zu klinisch eingerichtet, steril, weiß, quadratisch, mit scharfen Ecken und Kanten. Nein, da schwöre ich auf eine alte Chesterfield. Vielleicht schon durchgesessen, vom süßen Pfeifenrauch gelegentlicher Gäste angehaucht worden. All das spielt keine Rolle. Es gilt der alte Spruch, eingerahmt und von vielen Menschengenerationen als wahr anerkannt, dass das Zuhause immer noch ein "Castle" ist, wenn auch manchmal eine Trutzburg gegen die äußeren Widrigkeiten des alltäglichen Lebens. Das ist nicht nach jedermanns Geschmack und bestimmt nicht die neuste Mode, aber mir erwärmt sie das Herz und zieht mich in der Ferne wieder nach Hause.

  4. die Sitzgelegenheiten erinnern mich an jene Bauhausmöbel, die schon Adorno quälten.

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