Was ist der größte Fehler, den Menschen machen, wenn sie eine kleine Wohnung beziehen?

Der Kardinalfehler bei einer kleinen Wohnung ist, zu glauben, dass sie genauso viel leisten kann und muss wie eine große Wohnung. Wenn auf kleinem Raum ein eigenes Esszimmer, ein Arbeitszimmer und ein Kinderzimmer Platz finden sollen, dann ist der Raum schnell überfordert. Denn je kleiner der verfügbare Raum ist, umso disziplinierter muss man mit ihm umgehen. Ein Beispiel dafür sind die kleinen Wohnungen in Japan. Häufig funktionieren sie wie Terminals, wo auf kleinstem Raum unterschiedlichste Funktionen untergebracht sind. Allerdings verlangen sie auch nach einer sehr strukturierten Benutzung. Mann muss die Geduld und Disziplin haben, alles, was man hervorklappt und aus Schubladen herauszieht, auch wieder zurückzuschieben. Eine Wohnung zu beziehen ist vor allem eine Charakterfrage. Auch auf kleinem Raum muss genug Platz sein, um ihn mit dem eigenen Charakter zu füllen. Sonst wird die Wohnung wie ein Hotelzimmer.

Und wenn ich doch ein Arbeitszimmer brauche?

Man muss sich überlegen, welchen Arbeitsplatz man wirklich braucht. Für die meisten Menschen reicht ein Laptop. Den kann man auf den Esstisch stellen. Manchmal kann man auch in einem Sideboard, wo Bücher und Akten untergebracht sind, eine kleine Arbeitsfläche integrieren. In der Wohnung sollte ein Arbeitsplatz nicht sofort sichtbar sein, das stört die Atmosphäre. Ansonsten sollte man den Platz so klein und funktional wie möglich gestalten, als ein Terminal eben. Eine Lösung für kleine Räume ist, eine Maschine daraus zu machen, die in ihren Funktionen alles bietet, was man braucht. Da gibt es unendliche Möglichkeiten. Man kann zum Beispiel auf einem Raum von einem Quadratmeter einen Arbeitsplatz einrichten, wenn man alle Schubladen und Geräte greifbar hat. Sehr wichtig aber ist der Blick: Wenn ich von meinem Schreibtisch aus in den Himmel gucke, werde ich mich auch auf kleinstem Raum nicht beengt fühlen.

Wie baue ich einen Essplatz in meine kleine Küche ein?

Es gibt vieles, womit man Platz schaffen kann, es ist aber eine Frage des Geldes. Man kann eine komplette Küche in einer Wand unterbringen. So wird die Küche zu einem einzigen Schrank mit allen Laden und Utensilien darin. Man braucht dann nur noch eine Arbeitsplatte mit Kochfeld und Spüle. Sogar einen Essplatz könnte man aus so einem Funktionsschrank vorklappen. Hat man ein bisschen mehr Platz, kann man in einer Küche auch eine Schiebe- oder Falttür unterbringen. So lässt sich der Raum in einen sauberen und einen dreckigen Bereich teilen. Dann kann man in einem Teil mit Gästen gemütlich essen und alles, was man gerade nicht sehen will, wegblenden. Von Kochinseln, in denen alle Elemente untergebracht sind, rate ich ab, sie sind Raumfresser, weil man um sie herumgehen muss. Und auch in der Küche, also bei Geräten, Geschirr und Töpfen, gilt: Reduktion auf das Nötigste hilft, die Übersicht zu bewahren.

Wohin mit all den kleinen Kunstwerken, die Kinder so schaffen?

Viele Sachen, wie etwa Bilder, kann man leicht in Mappen sammeln. Wer sich die Arbeit machen will, kann sie auch einscannen und digitalisieren. Größere Sachen wie Basteleien sollte man eine Weile ausstellen, damit sie ordentlich wertgeschätzt werden. Danach sollten die Kinder das Zeug auf der Straße verkaufen.