Wohnen Think mini
Ein gutes Leben braucht nicht viele Zimmer. Ein Plädoyer für das kleine Wohnen
Wie viel Platz braucht ein Mensch zum Leben? Wenn man den Architekten Frank Schönert fragt, lautet die Antwort: »Eigentlich so viel wie in einem Schlafwagenabteil«, das wären etwa 3,7 Quadratmeter. Die Kunden von Hütten & Paläste, dem Architekturbüro, das Schönert mit seiner Partnerin Nanni Grau gegründet hat, brauchen meist ein bisschen, aber nicht viel mehr. Zwischen zwölf und 45 Quadratmeter messen die Grundflächen der Kleinbauten, die sich die Berliner Architekten ausdenken: Lauben, Wochenendhäuser – alles, was kleiner ist als ein Einfamilienhaus. Ihre Idee zum kleinen Bauen war 2004 in einer Zeit entstanden, als die Architektenarbeitslosigkeit auf dem Höchststand war. Schönert und Grau suchten nach einer Marktlücke – und fanden sie, als ihnen auffiel, dass Kleingärten oft sehr düstere Häuschen haben. Es war der Beginn des Geschäfts mit Minihäusern.
Mittlerweile haben Frank Schönert und Nanni Grau mehr als 40 Kleinbauten errichtet und können sich vor Anfragen nicht mehr retten. »Je intellektueller der Hintergrund des Bauherren, desto einfacher will er bauen«, sagt Schönert. »Die Leute wollen einen Gegenentwurf zum Urbanen, wo alles komplex ist.« Die Gegenentwürfe sind etwa ein Gartenhaus eines Schriftstellers, bei dem die Fenster so ausgerichtet sind, dass er bei seiner Arbeit immer nur ins Grüne schaut. Oder ein Landhaus in Brandenburg, das an zwei Seiten Panoramafenster hat, sodass man förmlich hindurchsehen kann. Ein altes DDR-Bauschiff haben die Architekten zu einer Wohnung auf dem Wasser umgestaltet. Es sind lauter kleine Wohnträume.
In Deutschland sind Büros wie Hütten & Paläste Exoten. Woanders hat die Architektur des Kleinen dagegen eine große Tradition. In Japan verwirklichen das Atelier Bow Wow und das Studio Ryue Nishizawa Kleinstbauten, die wie Wohnskulpturen in der Landschaft stehen – gebaute Philosophien.
Für dieses Heft (der Artikel erschien im ZEIT Magazin) haben wir Menschen besucht, die bewusst auf kleinem Raum wohnen, in Mini-Apartments in Manhattan oder in einem Wohn-Ufo an der Spree in Berlin. Keiner fühlt sich eingesperrt. Auch nicht der Architekt Rem Koolhaas, der Bürogiganten von 500.000 Quadratmetern plant, privat aber auf 40 Quadratmetern lebt: Dies erlaube »maximale Konzentration«.
In der hiesigen Wohn- und Einrichtungswelt ist die kleine Dimension noch nicht angekommen. Zwar widmet Ikea seinen neuen Katalog dem Wohnen auf engem Raum, aber wohl eher, weil man um die Nöte der Kunden weiß. Im hohen Preissegment dominiert aber nach wie vor die Vorstellung vom Wohnen auf ganz großem Fuß. Da werden ausladende Sofalandschaften für das Wohnzimmer angeboten und King-Size-Betten, in die man fast hineinklettern muss. Für die Küche werden raumgreifende Kochinseln beworben.
»Wie viele Quadratmeter?«, ist noch immer die häufigste Frage, wenn man erzählt, dass man eine neue Wohnung bezogen hat. Als ob der schiere Raum etwas darüber aussagen könnte, wie gut jemand wohnt. Dabei kann man ein 50-Quadratmeter-Wohnzimmer so bedrückend gestalten wie eine Zelle, wenn man das falsche Deckenlicht benutzt. Wer in einem großen Wohnzimmer die Sofagruppe so arrangiert, dass die Sessel mit dem Rücken zum Eingang zeigen, nimmt ihm jede Großzügigkeit. Nur weil man groß wohnt, wohnt man noch lange nicht intelligent.
Denn viel bringt nicht viel. Große Räume hinterlassen beim Besucher nicht unbedingt den Eindruck von Weitläufigkeit. Wenn man einen Saal betritt, kommt dieser einem zwar groß vor. Aber eine Wohnung der gleichen Grundfläche, in der es verschieden genutzte Räume gibt, zwischen denen man sich hin- und herbewegen kann, wird immer den großzügigeren Eindruck machen. In dieser Hinsicht ist das urbane Loft wohl die dümmste aller Wohnformen. Man vereinnahmt einen riesigen Raum, der aber viel kleiner wirkt, als er ist, weil der Betrachter ihn im Nu erfasst hat.
Es gibt viele Argumente dafür, sich im Platz zu beschränken. Man lebt mit mehr Bezug zur Außenwelt. Man lernt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, das man zum Leben braucht. Man lernt auszusortieren. Und warum sollte man in Zeiten, wo in allen Lebensbereichen Effizienz und Begrenzung die Leitgedanken sind, gerade beim Wohnen verschwenderisch sein und vier Meter hohe Altbauräume heizen?
Steigender Wohlstand drückt sich immer noch in steigendem Platzverbrauch aus. Die Pro-Kopf-Wohnfläche hat sich in Deutschland seit den sechziger Jahren fast verdoppelt. Heute bewohnt jeder Deutsche statistisch gesehen knapp 43 Quadratmeter. Vor 20 Jahren kam man noch mit 35 Quadratmetern aus. Dabei ist es in anderen Ländern längst Realität, in kleinen Wohnungen zu leben. In Tokyo stehen weniger als 15 Quadratmeter pro Einwohner zur Verfügung. Je größer die Städte werden, desto knapper wird der Raum – das Wohndesign sollte sich darauf einstellen.
Wozu braucht man auch so viel Platz? Alles, womit wir uns umgeben, wird kleiner. Das Arbeitszimmer hat sich in einen Laptop aufgelöst, mit dem man wahlweise am Küchentisch oder auf dem Sofa sitzt. Wohnzimmer, Küche und Esszimmer haben sich zu einem Raum vereint. Giganten, die einmal nach Raum verlangten, etwa der Röhrenfernseher oder der Stereo-Turm, sind verschwunden. Stattdessen hängt an der Wand nun ein Flachbildschirm, und ein iPod sorgt für Musik. Sobald sich das E-Book durchgesetzt hat, wird vielen auch die Regalwand als ein Anachronismus erscheinen.
Das moderne Leben ist von Mobilität und wechselnden Umständen geprägt. Wir ziehen öfter um, heiraten später, bekommen weniger Kinder und lassen uns früher scheiden. Sicherlich aber werden den flexibleren Lebensweisen auch flexiblere, weniger raumgreifende Wohngewohnheiten folgen. Zum Teil hat sich die Nutzung schon verändert. Die Wohngemeinschaft, in der mehrere Leute in wechselnder Konstellation zusammenleben, ist kein studentisches Phänomen mehr, sondern hat sich zum Dauermodell bis zum Lebensabend in der Alters-WG entwickelt.
Wie sich das Zusammenleben auch in unseren Städten einmal verändern wird, kann man heute schon in Metropolen wie Tokyo sehen. Dort ist die Verdichtung viel größer. Deshalb werden viele Funktionen des Wohnens, die bei uns in die eigenen vier Wände gehören, ausgelagert. Man badet im Badehaus, und zum Sex verabredet man sich im Liebeshotel. Das Haus ist wieder zur Höhle geworden – während das Leben draußen stattfindet. Für viele mag das noch eine unbequeme Vorstellung sein. Aber in Wahrheit bewegen wir uns heute schon auf diese Zukunft zu. Viele essen schon heute mehr auswärts als in der eigenen Wohnung und duschen im Fitnessstudio. Eben weil Geschirr abwaschen und Bad putzen auch nicht gemütlich ist.
Das Wohnen ändert sich eben, wie die Lebensgewohnheiten sich ändern. Selbst ein Leben ohne Wohnung wird heute wieder denkbar. Der Unternehmer Nicolas Berggruen macht es schon vor. Er lebt nur in Hotels und in seinem Flugzeug, »eine Wohnung oder ein Haus würde meine Energien nur binden«, hat er einmal in einem Interview gesagt. Wenn der Höhlenbewohner zurückkommt – warum nicht auch der Nomade?
- Datum 24.10.2011 - 06:37 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 20.10.2011 Nr. 43
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Ja, und an dieser Stelle treffen sich wiedr Ober- und Unterschicht und die Mittelschicht schüttelt den Kopf.Wir ahebn mal den Stz aus dem Peter Fox Lied diskutiert: "Alle komm zu mir ich brauch nie rauszugehn" Für den, der sich aus der Enge einer Wohnung, in die man niemanden einladen kann, emanzipiert, wird der reine Platz, den man nur für sich hat, zum Sehnsuchtsobjekt. Und deshalb wohnen die Menschen, die es in die Mittelschicht geschafft haben (ja, für manche ist das ein harter und dennoch realisierter Azufstieg), groß, weit. Viel Platz für sich haben, das war der Traum meiner Großmutter ein Leben lang. Er erfüllte sich erst, als wir alle aus dem Hause waren. Und nein, sie ist nicht vereinsamt und war so aktiv wie nie. Aber sie hatte einen Ruheraum in dem sie autonom war
machen einen wahnsinnig! Können Sie Ihren Text nicht noch einmal durchlesen und korrigieren?
machen einen wahnsinnig! Können Sie Ihren Text nicht noch einmal durchlesen und korrigieren?
am Abend seine Wohnung zum Lagern des schlafenden Körpers nutzt mag ja eine Mini-Wohnung gut sein. Ich selber finde meine 170 qm für 600€ kalt aber besser. Hier ist alles, was ich benötige. Mein Arbeitsplatz, mein Bett, meine Terrassen, mein 360 Grad Blick aus dem 8.Stock über Berlin, meine Ruhe, meine Katze, ganz oft meine Freunde und zu 90% der Zeit ich.
Wo findet man mehr Informationen zum Fahrrad mit Camping-Aufbau?
...ein Schrank, mehr nicht. Als junger Mann lebte ich einmal eine Woche im Kloster, Exerzitien nannte man das wohl, totale Reduktion, in meiner 30-Quadratmeter-Wohnung habe ich diesen reduzierten Zustand noch nicht ganz erreicht. Was schwierig ist: Man findet keinen pfiffigen Inneneinrichter, und muß selbst viel herumprobieren - und ständig "ausmisten". Es erzieht aber auch zum bewußteren Einkaufen.
Auf dem Bild handelt es sich um eine "funktionstüchtige Skulptur" von Kevin Cyr. So richtig ernst gemeint ist das also nicht. Weitere Informationen auf dessen HOmepage: http://www.kevincyr.net/i...
Ein Konzertflügel passt halt schlecht in einen 10qm Raum mit niedrigen Decken. Viel Wohnraum war schon immer auch Ausdruck von Luxus. Man braucht es vielleicht nicht unbedingt, aber es ist schön. Es steigert die Lebensqualität. Warum sollte man sich sonst den ganzen Stress geben.
Man kann sich selbst einpfärchen, sollte man vielleicht aber nicht.
Eine getrennte Küche verringert die Gerüche im Rest der Wohnung.
Ein getrenntes Schlafzimmer hält Staub vom Wohnzimmer fern.
Das Argument dass man mit einem Notebook überall arbeiten kann ist so in den Raum gestellt auch falsch. Es gibt notebook, mobile Workstations etc. -> alles Notebooks. Ich möchte den sehen der Bequem mit einer 6,5kg Workstation auf dem Sofa sitzt und daran Arbeitet - ohne dass es dem Nutzer zu warm wird dazu. Mit den kleinen Geräten kann man sehr bequem an verschiedenen Orten arbeiten, mit den Großen nicht so unbedingt.
Dann kommt dazu noch dass Notebook eigentlich gegen Staub allergisch sind. Wenn man sein Notebook kaputtkriegen will - einfach im Schlafzimmer nutzen, früher oder später wird der Staub sein Ende. (Es sei denn man zerlegt es regelmäßig).
Sonst... eine kleine Bibliothek braucht Platz - die haben doch Akademiker oft wenn ich mich nicht irre. (Bestehend aus all den Büchern die man gelesen hat) Und sollte man irgendwelche Hobbys haben, egal ob Photographie oder Briefmarken sammeln, dieses braucht auch etwas Platz.
Ich lebe gerne mit viel Platz und habe auch gerne hohe Decken. Das Argument, dass man auch große Räume ungeschickt einrichten kann, zählt da gar nix. Ich genieße es, dass in meinem Wohnzimmer ein kleiner Wald aus großen Pflanzen Platz hat und dass ich nicht großartig darüber nachdenken muss, wo ein 2,5 m Weihnachtsbaum reinpasst. Und für eine Party kann ich im Wohnzimmer auch noch zwei Bierzeltgarituren aufstellen. Ich liebe diese Flexibilität und ich liebe viel Raum um mich herum.
Was aber noch viel wichtiger ist: Bei meinen Eltern gab es nur das Wohnzimmer. Wenn der eine Partner Fernsehen wollte musste der andere Partner auch fernsehen - oder ins Bett gehen zum Lesen. Ich bin froh, dass es bei uns heute genug Platz und genug Ausweichmöglichkeiten gib.
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