Vermutlich wird er in Afrika zur Welt kommen. Am 31. Oktober feiert die Weltgemeinschaft die Geburt des siebenmilliardsten Menschen . Aber können wir uns wirklich zum Erfolg unserer Spezies gratulieren? Müssen wir uns nicht vielmehr vor uns selber fürchten? 1804 zählte die Menschheit eine Milliarde. Gut 120 Jahre dauerte es bis zur zweiten, nur noch etwas mehr als 30 Jahre bis zur dritten Milliarde. Seit 1960 wächst die Weltbevölkerung alle 12 bis 14 Jahre um eine weitere Milliarde, jede Minute um 150 Menschen, jedes Jahr um mehr als 80 Millionen, einmal Deutschland.

Überbevölkerung, Populationsbombe, Bevölkerungsexplosion, seit Jahrhunderten wird das Wachstum von Warnungen begleitet. Der erste große Warner war der englische Pfarrer Thomas Robert Malthus. Die Menschheit wachse schneller als die Lebensmittelproduktion, die Folge seien Hunger, Krankheiten und Kriege, schrieb er 1798 in seinem Buch Das Bevölkerungsgesetz .

Er irrte. Gegen den Hunger wuchsen Kartoffeln und Mais, gegen Krankheiten wirkten Impfstoffe, eine verbesserte Hygiene und später die Erfindung der Antibiotika.

Ausgerechnet die Segnungen der Medizin hielt der amerikanische Biologe Paul R. Ehrlich 1968 in seinem einflussreichen Buch The Population Bomb für das zentrale demografische Übel: Sie brächten »das Fass zum Überlaufen«.

Auch er irrte: Es folgte die Grüne Revolution , die mit ertragreicheren Getreidesorten, neuen Bewässerungstechniken, Schädlings- und Unkrautbekämpfung und dem Einsatz von Kunstdünger die Ernten ansteigen ließ.

Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF herunterzuladen. © Nora Coenenberg

Die Zukunft der Menschheit wird in Japan oder Deutschland entschieden

Noch immer schauen vor allem die Bürger der Industriestaaten mit Entsetzen nach Asien und Afrika: Was, wenn die vielen Kinder dort einmal Ansprüche stellen, wie wir sie haben? Wenn sie Fleisch essen, Kühlschränke füllen und Auto fahren wollen? Eine globale Katastrophe!

Das Gegenteil ist wahr. Nur weil noch immer ein Fünftel der Menschheit in Armut lebt, bekommen Frauen in den betroffenen Weltregionen fünf oder sechs Kinder. Nicht weil sie eine große Familie wollen, sondern weil sie damit rechnen, dass nur zwei überleben werden.

Die bisherigen Bevölkerungsprogramme setzen genau hier an. Und global betrachtet, hat diese Strategie Erfolg. Im internationalen Durchschnitt bekommen Frauen heute nur noch halb so viele Kinder wie ihre Großmütter. Nicht Hunger und Kriege haben die Zahlen dezimiert. Im Gegenteil: Der Zugang zu Nahrung und Wasser, Bildung und Wissen sowie eine bessere medizinische Versorgung lassen die Menschen umdenken. Immer mehr Frauen erkämpfen sich das Recht, bei der Familienplanung mitzureden.

Bildung und Wissen schützen nicht nur vor Krankheiten, sie eröffnen Berufs- und Lebenschancen. Verhütungsmittel, Impfstoffe und Medikamente geben jungen Familien eine gewisse Kontrolle über die Zahl der Kinder, die auf die Welt kommen, und schützen das Leben der Schwangeren. Und erstmals in der Menschheitsgeschichte hat die Mehrzahl der Neugeborenen tatsächlich gute Überlebenschancen.