Kinder : Ist das zu viel verlangt?

Der Pädagoge Bernhard Bueb singt Loblieder auf die Disziplin, der Familientherapeut Jesper Juul auf die Gelassenheit. Ein Gespräch über Pubertät, Tiger-Mütter und eigene Erziehungsfehler

DIE ZEIT: Willkommen beim Gipfeltreffen der Erziehungspäpste. Herr Bueb, Herr Juul, viele deutsche Eltern verehren Sie, verschlingen Ihre Bücher. Was glauben Sie, woher kommt dieses starke Bedürfnis nach Orientierung?

Jesper Juul: In ganz Europa, auf der ganzen Welt suchen Eltern nach Orientierung. Denn überall existiert das Alte nicht mehr. Es gibt keine Konzepte mehr in unserer Gesellschaft. Keiner sagt einem mehr: »So macht man das und so nicht.« Das ist vorbei. Aber es ist gut, dass sich Eltern erlauben, unsicher zu sein. Wir haben alle Extreme von Erziehungsstilen ausprobiert – kein Weg hat sich als der ideale erwiesen. Egal, ob autoritär, laissez faire, alles dazwischen, nichts funktioniert optimal. Also müssen wir einen neuen Weg finden, und in diesem Prozess stecken wir.

Bernhard Bueb: Die Menschen stehen vor der Herausforderung, ihr Leben mit Sinn füllen zu müssen, sie können nicht mehr auf Religionen oder Ideologien vertrauen, sie tun es zum Glück auch immer weniger. Durch Bildung sollen sie fähig werden, ihrem Leben Sinn zu geben, und der bezieht sich auf alles: Wie definieren sie ihr Glück, wonach wählen sie ihre Werte aus? Und: Wie erziehen sie ihre Kinder? Auch dafür gibt es keine übergeordneten Werte- oder Sinnsysteme.

ZEIT: Die Eltern von heute wollen weder autoritär noch antiautoritär erziehen, fürchten sich, so zu werden wie ihre Eltern, haben aber gleichzeitig Angst, mit ihren eigenen Vorstellungen von Erziehung alles falsch zu machen.

Bueb: Dass sich die heutigen Eltern von den autoritären Strukturen in der Erziehung ihrer eigenen Kinder befreien, ist eine Entwicklung, die jeder begrüßt. Dafür haben sie jetzt mit einer Freiheit zu kämpfen, die viele überfordert.

Juul: Weil sie in der Lage sein müssen zu wählen. Wie erziehe ich mein Kind, welche Grenzen setze ich? Damit kommt auf die Leute eine Verantwortung zu, die früher unbekannt war.

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Schulführer, der am Kiosk erhältlich ist

ZEIT: Viele Eltern wollen die Partner ihrer Kinder sein, die Freunde, die das Heranwachsen ihrer Söhne und Töchter mit Gelassenheit begleiten. Das müssen sie aus Ihren Büchern haben, Herr Juul.

Juul: Es gibt viele Eltern, die keine Idee davon haben, was Partnerschaft wirklich sein kann. Sie wollen vor allem eines: ihren Kindern jegliche Niederlage, jeden Schmerz ersparen. Wir nennen sie in Dänemark Curling-Eltern, weil sie jedes Hindernis aus dem Weg zu räumen versuchen. Aber bei allem Einsatz: Niemand kann »dem Leben vorbeugen«. Eltern haben Angst vor Konflikten mit ihren Kindern. Sie wollen vor allem beliebt sein. Das ist tödlich für eine gute Beziehung zwischen Eltern und Kindern.

ZEIT: Kennen Sie das, Herr Bueb, sich bei Ihren Kindern beliebt machen zu wollen?

Bueb: Dieses Problem hatte ich als Vater weniger. Aber ich bin einem ganz anderen Missverständnis aufgesessen. Meine Frau und ich haben immer geglaubt, wenn wir als Vorbild so leben, wie wir es auch von unseren Kindern erwarten, dann werden sie uns schon folgen. Wir haben so sehr auf unsere Vorbildfunktion gesetzt, dass wir nicht gemerkt haben, wie wir Konflikten aus dem Weg gegangen sind. Wir haben zum Beispiel auf Wunsch der Kinder einen Hund angeschafft, große Vereinbarungen mit den Kindern getroffen, wie der Hund gefüttert und gepflegt werden soll, aber nach einem halben Jahr hat meine Frau alles selbst gemacht. Die Kinder haben sich nicht mehr an die Vereinbarungen gehalten, und wir hatten keine Zeit, uns mit ihnen zu streiten.

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Wichtigster Erziehungsgrundsatz

Erwachsene dürfen Dinge, die Kinder noch nicht dürfen. Das muß man ihnen klarmachen.
Da hilft auch keine Vorbildfunktion.

"Ein großes Desiderat in der Erziehung, in der Familie und in der Schule ist für mich die Einübung der bürgerlichen Tugenden – wie sie der Soziologe Max Weber benannt hat: Askese, Arbeit und rationale Lebensführung."

Das Bürgertum, so wie es war, ist gescheitert. Laßt es endlich ruhen.

Viele Eltern verhalten sich heute wie kleine Kinder, die

vor einer Eisdiele stehen, drei Bällchen wählen sollen und sich nicht entscheiden können. Sie wirken unentschlossen, unzufrieden und überfrachten die Kinder mit ihrer Unausgeglichenheit. Gleichzeitig stellen sie keine Regeln auf, an denen sich Kinder orientieren können und sind nicht konsequent.

Für die Eltern ist das anstrengend und für die Kinder auch kein Gewinn, denn man verlangt oftmals von ihnen mit widersprüchlichen Botschaften, sich selbst zu erziehen und dabei noch erfolgreich zu sein.

Für beide Seiten kein Gewinn.

Dann schon lieber webersche Tugenden, die ich für sehr zeitgemäß halte.

Irritation durch "Medien"

Die Irritation mancher Eltern ist darin begründet, dass sich Teile der Gesellschaft fortwährend in jeden Bereich des Lebens anderer einmischen, oberlehrerhaft.

1000ende von Ratgebern, Elternzeitschriften und Tod und Teufel überschwemmen die Menschen. Nicht ausgeschlossen, dass auch das manche Eltern davon abbringt, Kinder zu zeugen. Angst.

Weil auch in Deutschland ein geradezu kranker Vergleichswettbewerb besteht.

Warum lassen sie die Eltern nicht ganz einfach Eltern sein und in Ruhe? Wenn es keine groben Verstöße gegen das "Kinderrecht" gibt, werden es Eltern in ihrer Individualität schon richtig machen.

Viele wollen sich über Elternberatung mit schlauen Reden über Erziehung nur profilieren.

Lasst die Eltern einfach Eltern sein und tun und machen, wie sie es für richtig halten. Da alle Eltern das Beste für ihre Kinder wollen (Ausnahmen bestätigen die Regel), werden sie es schon richtig machen.

Und wenn sie mal Fehler machen?
Was soll`s?
Wir Menschen machen Fehler.

Last also das ganze "Hineingequatsche" in die Eltern sein,
hören sie auf, Eltern ständig Ratschläge zu geben, wie sie es besser oder richtig machen -

die Eltern wachsen in Aufgaben hinein -

nur - wenn jemand Hilfe sucht, dann sollte auch Hilfe da sein.

Dieses Hilfesuchen sollte aber nicht mit der Drohung begleitet sein, wie das heute ist, dass man Eltern die Kinder gleich wegnimmt -

sondern man sollte den Eltern einfach nur helfen:

Wenn sie es wollen.
Ansonsten sollte man sie einfach in Ruhe lassen.

Was soll das für eine Umfrage sein???

Wenn nicht einmal definiert ist, was "autoritär" meint und man dann noch liest: "Sie können 3 Antwortmöglichkeiten verteilen." bei einer Frage, ist es schlicht unsinnig.

Ich z.B. behaupte, dass ich meine Kinder nicht autoritär erziehe, andere meinen, dass unser Umgang fast schon preußisch sei, weil die lieben kleinen in Restaurants nicht schreien, sich nicht auf den Boden werfen und nicht herumtollen dürfen....

Und nun, was soll bei einer solchen Frage raus kommen?