DVD "The Munsters"Vampir von nebenan

In den 60er Jahren eroberten Zombies und Vampire das amerikanische Fernsehen. "Die Munsters"-Serie von Joe Connelly und Bob Mosher war eine der ersten.

Herman Munster möchte seiner Frau Lily unbedingt aus einem Witzbuch vorlesen. "Du lachst dich tot," verspricht er. "Dazu ist es zu spät," erwidert sie nachsichtig, "aber bitte…" Untote gehören heute zum Standardpersonal des Fernsehens, Vampire und Zombies senden auf allen Kanälen. Zu Hermans und Lilys Zeiten, 1964, waren sie gerade erst im Begriff, sich das Medium zu erobern: er (Fred Gwynne) – ein Frankensteinsches Monster, das von neun bis fünf in einem Beerdigungsinstitut arbeitet, sie (Yvonne De Carlo) – eine Hexe mit der Figur eines Ex-Pin-ups und interessanten Vorstellungen von gelungener Innenarchitektur.

Kurioserweise starteten in den USA damals, im Abstand von nur einer Woche, gleich zwei Fernsehserien, die Personal und Motive des Horrorgenres auf Sitcom-Format brachten: die in stimmungs- vollem Schwarzweiß gedrehten, an die klassischen Universal-Monster-Filme angelehnten Munsters und die Addams Family. Beide waren so etwas wie TV gewordene Halloweenpartys: Geschöpfe von erlesener Blässe und voller morbider Sprüche, die Beziehungsprobleme und Kindererziehung zwischen Spinnweben, Särgen und Knochenskulpturen abwickelten. Die Addams, wohlhabend, arrogant und dekadent, repräsentierten in diesem Universum die Upperclass, die Munsters, bodenständig und sogar ein bisschen spießig, vertraten das Kleinbürgertum.

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Was allerdings nicht heißt, dass die anderen Spießer von Mockingbird Heights sich über die Bereicherung ihres beschaulichen amerikanischen Durchschnittsstädtchens durch den Zuzug der Munsters totgefreut hätten. Vom gepflegten Rasen des Nachbargrundstücks aus betrachtet, wirkte schon das Anwesen der Familie ziemlich strange: Es hingen, unabhängig von der Großwetterlage, beständig dräuende Wolken über einem vollgültigen viktorianischen Spukhaus, und durch die Bäume pfiff ein scharfer Wind. Die Migranten aus dem Jenseits waren um Integration bemüht; der Sohn, ein kleiner Werwolf, besuchte ordentlich die Grundschule, der Großvater, Vampir und verrückter Wissenschaftler in Personalunion, arbeitete an der Verbesserung des amerikanischen Lebensstils und erfand so nützliche Sachen wie Benzinpillen. Aber die Munsters pflegten auch ihre eigene transsilvanische Kultur. Und, das war das Schöne daran: Sie hielten sich selbst für total normal.

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Die Serie, jetzt komplett in einer Box mit allerlei Extras und nützlichen fernsehhistorischen Erläuterungen erschienen (zwei Staffeln, insgesamt 1709 Minuten, herausgekommen bei Koch Media, freigegeben ab sechs Jahren), ist nicht nur ein hübscher Retrotrip für alle, die in den sechziger Jahren sozialisiert wurden, sondern sie hat auch eine Nutzanwendung für Jung-Grufties: Man kann hier schon sehen, dass es okay ist, wenn ein Mann schwarz lackierte Fingernägel und Plateauschuhe trägt. Empfohlen für die ganze missratene Familie.

 
Leserkommentare
    • ohno
    • 03.11.2011 um 20:20 Uhr

    Und nicht zu vergessen: Die ständig ausgewechselte total missratene Tochter!

    • TDU
    • 06.11.2011 um 16:41 Uhr

    Klim Bim hat sicher da geräubert.

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  • Quelle DIE ZEIT, 27.10.2011 Nr. 44
  • Kommentare 2
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  • Schlagworte DVD | Vampir | Fernsehserie | USA
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