Dass Öl, Gas und Strom teurer werden, hören viele Verbraucher zwar nicht gern, ist aber allein wegen der wachsenden Weltbevölkerung nahezu unvermeidlich. Dass von steigenden Energiepreisen verschont bleibt, wer zum Beispiel sein Haus dämmt, ist ebenfalls nicht wirklich überraschend. Nur, wie kommt der Verbraucher am besten weg? Indem er viel teure Energie einkauft? Oder indem er stattdessen sein Geld in genügsame Geräte, Autos und Häuser steckt und dadurch weniger Energie nachfragen muss?

Das sind eigentlich einfache Fragen.

Der europäische Energiekommissar Günther Oettinger schickt sich jetzt an, darauf eine Antwort zu geben, die es in sich hat: Es ist egal. Teure Energie nutzen oder energieeffiziente Produkte kaufen? Finanziell kommt es beinahe aufs Gleiche raus. Diese Erkenntnis geht jedenfalls aus dem Entwurf von Oettingers Energie-Fahrplan ins Jahr 2050 hervor.

Wie immer der Mix der Zukunft aussieht, ob er viel erneuerbare Energie enthält oder wenig, ob viel Kernenergie drin ist oder nur ein bisschen, ob die Energieeffizienz deutlich oder weniger deutlich wächst – es spielt kaum eine Rolle: Die jährlichen Kosten des europäischen Energiesystems werden sich in Zukunft auf 14 bis 15 Prozent des BIP, des Bruttoinlandsproduktes, einpendeln.

Es spielt auch keine Rolle, das ist besonders überraschend, ob die EU sich müht, ihre klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts drastisch zu senken, oder ob sie so weitermacht wie bisher, also halbherzig. Der Verzicht auf ambitionierten Klimaschutz würde den Europäern keine finanzielle Entlastung verschaffen, es bliebe bei dem Kostenanteil von gut 14 Prozent an der gesamten Wirtschaftsleistung, weil die Modernisierung des veralteten Energiesystems so oder so immense Investitionen verlangt.

Nun – wenn das so ist, was spricht dann dagegen, beim Klimaschutz einen Gang zuzulegen?

Selbst der Strompreis änderte sich kaum, würde die Klimapolitik verschärft. Teurer wird sie allemal, die Elektrizität, in den nächsten 20 Jahren um gut die Hälfte. An dieser bitteren Erkenntnis führt am Ende kein Weg vorbei, trotz aller erfreulichen Botschaften, die Oettingers Bericht sonst noch enthält: Um mobil zu bleiben, die Wohnung zu temperieren oder Computer und Kühlschränke zu betreiben, müssen die Verbraucher in Zukunft einen größeren Anteil ihres Budgets ausgeben. Weil das den einen oder anderen in die Bredouille bringen wird, ist die Bekämpfung von Energiearmut eine neue, drängende Herausforderung für die Politik.

Nur, womit genau ist zu rechnen? Jedenfalls nicht damit, dass sich der Anteil der Energiekosten an den Konsumausgaben der Haushalte verdoppelt. Das gibt der Oettinger-Bericht nicht her, auch wenn das Gegenteil bereits kolportiert worden ist. Trotzdem stellen sich kluge Verbraucher besser darauf ein, für Mobilität, warme Wohnungen und den Betrieb von Elektrogeräten in Zukunft deutlich mehr zahlen zu müssen. Ein Recht auf billige Energie gibt es nicht.