Hoteltest Zimmer mit Automatik

Gepäckroboter und lila Lampen: Das Yotel in Manhattan versorgt die Gäste mit Hightech und ist dabei noch bezahlbar – gemütlich allerdings nicht

Mit Blick auf Manhattan: Eine Premium Cabin des Yotel

Mit Blick auf Manhattan: Eine Premium Cabin des Yotel

Wenn die Zukunft den Computern gehört, dann wird sie anstrengend. Der erste Eindruck im New Yorker Yotel zumindest bestätigt diese Vermutung. Die Eingangshalle des Hotels verströmt den Charme einer Raumstation: überall weißer Kunststoff, in lila Licht getaucht – die Corporate-Identity-Farbe des Hauses. Es gibt keine Rezeption, nur eine Art Terminal mit einer Reihe von Touchscreens zum Selbsteinchecken. Man kennt das Prinzip vom Flughafen, jetzt also auch im Hotel. In der Lobby stehen ein paar hippe Sitzwürfel hinter einem noch hipperen Glasperlenvorhang, in Grün und Lila, wie gesagt.

»Welcome«, blinkt es auf dem Schirm. Aber spätestens, als der Computer zum dritten Mal die Annahme der Kreditkarte verweigert, fühlt man sich nicht mehr ganz so willkommen. Zum Glück wuselt zumindest ein Mensch zwischen den Computern herum, ganz ohne geht es offenbar doch nicht. »Bitte im vierten Stock melden«, rät der grün livrierte Page. »Die klären das.« Hinter Glas wartet der Roboter Yobot mit seinem langen Greifarm auf Gepäckaufträge, aber die meisten Gäste ziehen ihren Rollkoffer lieber selbst in den Aufzug.

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Im vierten Stock ist die »Mission Control« stationiert, die sich nicht Rezeption nennen will, das wäre ja alt und out. Natürlich stehen die Gäste am Schalter Schlange, auch wenn die Computer am Empfang genau das verhindern sollen. Später stellen die Raumschiffkontrolleure fest, dass mit der Kreditkarte alles in Ordnung ist, das vorgesehene Zimmer war nur noch nicht fertig.

Die Zimmer des Yotel sind nach dem Vorbild der First Class in Flugzeugen entwickelt worden. Folgerichtig liegen die Yotel-Ableger in Amsterdam und London auch direkt am Flughafen. Konzept: wenig Raum, trotzdem Komfort. Das Bett etwa lässt sich zur Hälfte die Wand hochrollen, wird so zum Sofa und schafft Platz. Alles ist in weißen Rundungen gehalten, mit lilafarbenen Elementen. Der Stil ist clean, ein bisschen kühl.

Vor allem sollte der Gast kein Problem mit seinem Anblick haben. In diesen Zimmern gibt es kein Entrinnen: Überm Bett, neben dem Fernseher, es spiegelt überall – der alte Einrichtertrick für kleine Räume. Im Yotel, das in diesem Sommer eröffnet hat, sind die »Kabinen« zirka 15 Quadratmeter groß. Die größeren Zimmer verfügen zusätzlich über einen kleinen Whirlpool.

Zwar sind auch drei Suiten inklusive Kamin, Küche und kreiselndem Rundbett mit Panoramablick auf den Hudson River zu haben. Aber eigentlich richtet sich das Yotel vor allem an Besucher, denen Backpacker-Hostels zu einfach und zentral gelegene Hotels in Manhattan zu teuer sind. Die Zimmer im Yotel kosten nur etwa halb so viel wie in Times-Square-Nähe sonst üblich.

Nie wieder falsch liegen: Um weitere Hoteltests zu lesen, klicken Sie bitte auf dieses Bild.

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Dafür ist der Blick wenig berauschend – zum Beispiel auf die gläserne Fassade des Nachbar-Hochhauses. Unter der »Monsundusche« kann man sich natürlich auch im Spiegel betrachten, allerdings verzerrt durch das psychedelische Tropfenmuster der Glaskabine. Zum Zukunftsschick gehören weiterhin kostenloses Wi-Fi, ein iPod-Anschluss am Flachbildfernseher und eine Küche auf dem Flur. Die ist mit Kühlschrank, Mikrowelle, Wasserautomat und einer Kaffeemaschine bestückt. Den Latte Chai daraus möchte man zwar um keinen Preis trinken (es handelt sich um eine weißliche Flüssigkeit von undefinierbarem Geschmack), aber wo sonst gibt es in New York schon mal was gratis? 

Die Lage des Hauses ist ohne Frage großartig – bis zum Times Square sind es zu Fuß zehn Minuten, zum Schlafen ist es auch ganz schön, zumindest, wie gesagt, wenn man Lila mag. Ziemlich auf die Nerven gehen kann einem die Hausfarbe allerdings, wenn man aus Versehen mit dem Wirbelsturm Irene zusammen Urlaub macht und Hotelarrest bekommt. Im Angesicht des Sturms schaltete das Hotelmanagement leider schnell und führte im hauseigenen Restaurant Dohyo flugs das 25-Dollar-Buffet mit Burger, Fritten und Nudelauflauf ein. Ringsum in der Umgebung schlossen unterdessen die Restaurants, im Supermarkt um die Ecke wurden die Lebensmittel knapp, sodass am Dohyo bald kein Weg mehr vorbeiführte – an sich ein angenehmes Lokal, optisch orientiert an einem Sumoring mit eingelassenen Tischen in der Mitte, asiatischer Küche und ehemals fairen Preisen. Doch der Verdacht, in der Not ausgebeutet zu werden, sorgte bald für Unmut unter den Gästen. Ein niederländischer Vater, der seinem Sohn zum Schulabschluss den New-York-Trip geschenkt hatte, dachte beim Frühstück angesichts überzogener Buffetpreise sogar laut über Meuterei nach. »Wir haben ja gerade eh nichts anderes zu tun.«

Wer in New York einen futuristisch angehauchten und vergleichsweise günstigen Schlafplatz sucht, der ist im Yotel sicher gut aufgehoben. Nur in der Wirbelsturmsaison ist es woanders wahrscheinlich netter.

Yotel New York, 570 Tenth Avenue, New York, NY 10036, Tel. 001-646/44977001, DZ ab 199 Dollar

 
Leser-Kommentare
  1. Das mit dem Roboter Yobot ist nicht ganz so, wie geschildert. Die Koffer muss man ganz klassisch per Fahrstuhl mit hoch nehmen; der Yobot ist nur zur Einlagerung gedacht - nicht mehr als Blickfang und Werbegag.

    Das Selbst-Check-In ist eigentlich recht einfach. In unserem Falle waren jedoch Vor- und Nachname verdreht in den Computer eingespeist, so dass eine Anmeldung (Bitte geben Sie Ihren Nachnamen ein) nicht möglich war. Eine Dame an einem versteckt in einem Eck stehenden Schalter musste uns weiter helfen.

    Als Gast des Yotels (lieber Autor, vielleicht sind wir uns sogar über den Weg gelaufen?) während des "Hurrikans" Irene kann ich den Ärger über die angeschwollenen Preise des Buffets nachvollziehen. Der Pizzaservice um die Ecke hatte geschlossen wie alle anderen Geschäfte auch. Wir verpflegten uns selbst auf dem Zimmer mit noch vorhandenen Chips und Cola - gekauft in der dem Yotel gegenüberliegenden 24 Stunden geöffneten (nicht während des Hurrikans) Drogerie.

    Unser Zimmer hatte allerdings einen recht hübschen Blick auf das Empire State Building, das Tropfenmuster auf der Duschabtrennung fanden wir recht hübsch und der Kaffee war dafür, dass er umsonst war, doch recht passabel.

    Vergessen hat der Autor das in den Übernachtungskosten inkludierte Frühstück. Vierzehn Tage lang, jeden Morgen, Kaffee und zuckrig süße Donuts bis zum Abwinken. Na ja, hat auch nichts gekostet, da im Übernachtungspreis enthalten.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Diese süßen Teilchen heißen natürlich Muffins und nicht Donuts. Man möge mir den Fehler verzeihen.

    Diese süßen Teilchen heißen natürlich Muffins und nicht Donuts. Man möge mir den Fehler verzeihen.

  2. Diese süßen Teilchen heißen natürlich Muffins und nicht Donuts. Man möge mir den Fehler verzeihen.

  3. muss sich nicht wundern, dass immer mehr Arbeitsplätze wegfallen!

    Das Attribut "bezahlbar" im Titel würde ich unter diesen Umständen infrage stellen.

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    Mit jeder technischen Neuerung fallen Arbeitsplätze weg. Man kann doch eine Grube nicht statt von einem Bagger von einer Brigade schaufelschwingender Arbeiter ausheben lassen, nur damit Arbeitsplätze erhalten bleiben.

    Wenn man so denkt wie Sie, müsste man sich heute noch von einer Telefonistin verbinden lassen (also die Damen, die früher aufwendig Verbindungen in Telefonzentralen herstellten). Es müsste noch Menschen geben, die Kohle in den Hochhofen einer Eisenbahn schaufeln. Technischer führt dazu, dass an einer Stelle Arbeitsplätze wegfallen und an anderer Stelle neue Arbeitsplätze entstehen (z.B. Call-Center-Agents).

    Das ist nicht verwerflich, denn Ziel einer Gesellschaft müsste es sein, Menschen von schwerer körperlicher Arbeit zu befreien. Sie müsste sich in dem Zusammenhang aber natürlich auch Gedanken machen, wie sie ihre Menschen ernährt und am Wohlstand teilhaben lässt. Und da kommt dann das bedingungslose Grundeinkommen ins Spiel.

    Mit jeder technischen Neuerung fallen Arbeitsplätze weg. Man kann doch eine Grube nicht statt von einem Bagger von einer Brigade schaufelschwingender Arbeiter ausheben lassen, nur damit Arbeitsplätze erhalten bleiben.

    Wenn man so denkt wie Sie, müsste man sich heute noch von einer Telefonistin verbinden lassen (also die Damen, die früher aufwendig Verbindungen in Telefonzentralen herstellten). Es müsste noch Menschen geben, die Kohle in den Hochhofen einer Eisenbahn schaufeln. Technischer führt dazu, dass an einer Stelle Arbeitsplätze wegfallen und an anderer Stelle neue Arbeitsplätze entstehen (z.B. Call-Center-Agents).

    Das ist nicht verwerflich, denn Ziel einer Gesellschaft müsste es sein, Menschen von schwerer körperlicher Arbeit zu befreien. Sie müsste sich in dem Zusammenhang aber natürlich auch Gedanken machen, wie sie ihre Menschen ernährt und am Wohlstand teilhaben lässt. Und da kommt dann das bedingungslose Grundeinkommen ins Spiel.

  4. Mit jeder technischen Neuerung fallen Arbeitsplätze weg. Man kann doch eine Grube nicht statt von einem Bagger von einer Brigade schaufelschwingender Arbeiter ausheben lassen, nur damit Arbeitsplätze erhalten bleiben.

  5. Den Begriff "bezahlbar" finde ich unangebracht. Alles ist bezahlbar, wenn man genügend Geld hat. Gemeint ist wohl "preiswert" - und davon würde ich bei einem Hotelzimmer für 199 Dollar (=ca. 150 Euro) nicht unbedingt sprechen. In europäischen Metropolen gibts für 70 Euro meist schon ganz wunderbare Zimmer ...

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    Mag ja sein, dass man für 70€ in anderen Metropolen wohnen kann. In NYC, in der Nähe des Times Square sind 150€ tatsächlich bezahlbar - vor allem in der Hochsaison. Hier kosten Hostels schon 70$ pro Person.
    Ich war im Juli im Yotel und fand es super. Besonders die geräuschgedämmten Fenster sind ein großes Plus.
    Eine Sondersituation, wie bei einem Wirbelsturm, ist fast überall unangenehm - irgendwann auch in einem Luxushotel.

    Mag ja sein, dass man für 70€ in anderen Metropolen wohnen kann. In NYC, in der Nähe des Times Square sind 150€ tatsächlich bezahlbar - vor allem in der Hochsaison. Hier kosten Hostels schon 70$ pro Person.
    Ich war im Juli im Yotel und fand es super. Besonders die geräuschgedämmten Fenster sind ein großes Plus.
    Eine Sondersituation, wie bei einem Wirbelsturm, ist fast überall unangenehm - irgendwann auch in einem Luxushotel.

  6. Wenn man so denkt wie Sie, müsste man sich heute noch von einer Telefonistin verbinden lassen (also die Damen, die früher aufwendig Verbindungen in Telefonzentralen herstellten). Es müsste noch Menschen geben, die Kohle in den Hochhofen einer Eisenbahn schaufeln. Technischer führt dazu, dass an einer Stelle Arbeitsplätze wegfallen und an anderer Stelle neue Arbeitsplätze entstehen (z.B. Call-Center-Agents).

    Das ist nicht verwerflich, denn Ziel einer Gesellschaft müsste es sein, Menschen von schwerer körperlicher Arbeit zu befreien. Sie müsste sich in dem Zusammenhang aber natürlich auch Gedanken machen, wie sie ihre Menschen ernährt und am Wohlstand teilhaben lässt. Und da kommt dann das bedingungslose Grundeinkommen ins Spiel.

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    ... worum es sich beim "Hochofen einer Eisenbahn" handeln könnte ...

    ... worum es sich beim "Hochofen einer Eisenbahn" handeln könnte ...

  7. ... worum es sich beim "Hochofen einer Eisenbahn" handeln könnte ...

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "@clearwater"
  8. Mag ja sein, dass man für 70€ in anderen Metropolen wohnen kann. In NYC, in der Nähe des Times Square sind 150€ tatsächlich bezahlbar - vor allem in der Hochsaison. Hier kosten Hostels schon 70$ pro Person.
    Ich war im Juli im Yotel und fand es super. Besonders die geräuschgedämmten Fenster sind ein großes Plus.
    Eine Sondersituation, wie bei einem Wirbelsturm, ist fast überall unangenehm - irgendwann auch in einem Luxushotel.

    Antwort auf "Bezahlbar?"
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    Nochmal: Das Wort "bezahlbar" ist Unsinn. Gemeint ist preiswert - und selbiges ist ein Hotelzimmer für 200 Dollar allenfalls gemessen an den horrenden Preisen in Manhattan. Selbst dort bin ich aber in der 48th street bereits für 65 Euro untergekommen. In einem einfachen, aber ordentlichen Hotel, keiner Jugendherberge.

    Nochmal: Das Wort "bezahlbar" ist Unsinn. Gemeint ist preiswert - und selbiges ist ein Hotelzimmer für 200 Dollar allenfalls gemessen an den horrenden Preisen in Manhattan. Selbst dort bin ich aber in der 48th street bereits für 65 Euro untergekommen. In einem einfachen, aber ordentlichen Hotel, keiner Jugendherberge.

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