Israel Es wird einmal in Bethlehem

Israelische und palästinensische Reiseleiter dürfen Touristen jetzt auf beiden Seiten der Grenze begleiten. Doch vorerst haben nur die einen etwas davon

Ein israelischer Stadtführer zeigt russischen Touristen die Geburtskirche.

Ein israelischer Stadtführer zeigt russischen Touristen die Geburtskirche.

Zwei Männer, zwei Seiten, ein Brückenschlag – das war der Plan für eine optimistische Geschichte über Israel und die Palästinenser. Denn auch abseits des Gefangenenaustauschs in der vergangenen Woche gibt es eine gute Nachricht aus der Region: Die Touristen kommen wieder, so viele wie nie zuvor. 3,4 Millionen zählte man 2010 in Israel, 700.000 mehr als im Jahr davor. Zwei Millionen von ihnen fanden auch den Weg nach Palästina. Für das laufende Jahr werden ähnlich gute Ergebnisse erwartet. Passend dazu, demonstrieren die Tourismusbehörden beider Seiten ihren Willen zur Kooperation. Seit einem Jahr gibt es einen Austausch von Reiseleitern zwischen Israel und dem Westjordanland. Dazu muss man wissen, dass diese Grenze gerade für ihre Anwohner fast undurchdringlich ist. Jüdischen Israelis ist es verboten, ins Westjordanland zu fahren, es sei denn, sie sind Siedler und leben dort. Palästinenser benötigen für Israel eine Einreiseerlaubnis, die sie nur schwer bekommen. Ausländische Reisegruppen dürfen passieren; ihre einheimischen Guides bleiben zurück.

Das soll sich jetzt ändern. 50 israelische Reiseleiter haben eine Lizenz für Bethlehem und Jericho im Westjordanland erhalten und 42 Palästinenser von dort eine Lizenz für Israel. Was steckt dahinter: nur ein Marketing-Gag, der die verfahrene Lage beschönigen soll? Die pragmatische Erkenntnis, dass man ein gemeinsames Interesse am Fremdenverkehr hat? Oder tatsächlich die Bereitschaft, sich einander anzunähern? Ich will es ausprobieren und mir einen Reiseleiter von jeder Seite suchen.

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Das erweist sich als gar nicht so einfach. Viele Anfragen laufen ins Leere. Yossi Weiß etwa, der Vorsitzende des israelischen Reiseführerverbandes, ruft Dutzende Leute an, findet aber keinen der 50 Kollegen mit der Lizenz für Bethlehem und Jericho. Sein Verband heiße diese Regelung auch nicht gut, sagt Weiß. Zu unsicher sei die Lage immer noch, weshalb jeder in seinem Gebiet Gruppen führen solle, »Israelis in Israel, Palästinenser bei sich«.

Also mache ich mich auf den Weg: einfach einen Reiseführer suchen, in Bethlehem, auf dem Platz vor der Geburtskirche. Dort ist es mittlerweile wieder voll, Reisegruppen stauen sich vor der engen, niedrigen Eingangstür, ringsum versuchen Händler, Postkarten, Armbänder oder Tücher »original from Palestine« zu verkaufen, andere fragen, flehentlich fast, »You need a guide?« Ja, ich brauche einen, aber jetzt gerade keinen Palästinenser, sondern den Israeli, der hier herüberkommt. Einen der 50.

Und dann sehe ich jemanden, der von einer Gruppe Reisender umringt steht. Er gestikuliert mit den Armen, redet lauter, als es die Palästinenser tun. Das mag ein Stereotyp sein, aber hier bestätigt es sich. Ja, sagt der Mann, »ich bin einer der 50 Meschuggaim«, einer der 50 Verrückten. Sein Name ist David Ringler, an diesem Tag ist er mit einigen US-Amerikanern unterwegs. Sie sind Inhaber von Reisebüros und auf Einladung eines Veranstalters unterwegs durch Israel mit Abstechern nach Bethlehem, Jericho und Jordanien. Diese Tour sollen sie dann zu Hause promoten.

Dass sie alle Tourismusprofis sind, sieht man ihnen nicht unbedingt an. Während Ringler erklärt, warum die Tür der Geburtskirche im Laufe der Jahrhunderte immer kleiner wurde, löschen sie verstohlen überflüssige Bilder von den Chips ihrer Kameras. Später, im Inneren, nicken manche weg. Sie mussten heute früh aufstehen, waren schon in Jad Vaschem und wurden durch Westjerusalem geführt.

Ringler lässt sich davon nicht beirren. Er ist in seinem Element. Präzise gibt er Auskunft über Baustile und Epochen. Und auch als alle Umstehenden vor Schreck zusammenzucken, weil in der Nähe Schüsse fallen, bleibt er gelassen. Er hat ja längst den Blumenschmuck in der Kirche gesehen und kombiniert: Eine griechische Hochzeit steht an. Jetzt wird also mit Böllerschüssen die Braut begrüßt. Ringler lacht und zeigt nach oben, »Schauen Sie nur, wie schön!«, obwohl das bunte Feuerwerk am klaren Himmel kaum zu sehen ist. Dann ruft er zur Weiterfahrt. 

Leser-Kommentare
  1. "Dazu muss man wissen, dass diese Grenze gerade für ihre Anwohner fast undurchdringlich ist. Jüdischen Israelis ist es verboten, ins Westjordanland zu fahren, es sei denn, sie sind Siedler und leben dort.

    Das Westjordanland ist seit Ende der 90er in drei Zonen unterteilt: Area A, B und C. In Area A üben Palästinenser die Polizeigewalt und kümmern sich um zivile Belange. In Area B sind die Palästinenser nur noch f+r zivile Belange zuständig, die Polizeihoheit obliegt den Israelis. In Area C ist sowohl die Polizeihoheit wie auch die Zivilgewalt israelisch.

    Deshalb gilt: Alle jüdischen Israelis (auch die Nicht-Siedler) dürfen grundsätzlich ins Westjordanland (Wie sonst würden Sie sonst von Jerusalem ans Tote Meer fahren? Etwa über Beer Sheba?) bzw. durchs Westjordanland hindurchfahren (meist auf der Straße Nummer 90 am Toten Meer und dem Jordan entlang, von der Negev an den See Genezareth). Auch Siedlungen besuchen ist kein Problem, selbst für Nicht Siedler. Diese Ziele liegen alle in Area B oder C wo Israel die Polizeigewalt ausübt.

    Korrekt ist allerdings dass jüdische Israelis die Area A nicht betreten dürfen. Palästinensische Städte wie Bethlehem sind Area A. Dort üben palästinensische Sicherheitskräfte die Polizeigewalt aus. Deshalb dürfen jüdische Israelis (wie auch israelische Mietwagen) da auch nicht hin...überall sonst aber schon. Für Palästinenser ist spätestens an der Grenze zu Israel in den Grenzen von 67 Schluss, oder eben am nächsten Checkpoint...

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  2. Der Austausch von Reiseleitern ist sicher ein erster Schritt in die richtige Richtung. Viel wichtiger ist aber die Annäherung in den Köpfen und hier muss besonders bei der Jugend angesetzt werden.
    Was kann der Westen dazu beitragen? Meiner Meinung nach kann er darauf drängen, dass Kinder nicht durch ihre Medien bewusst zum Hass erzogen werden, wie dieses traurige Beispiel aus dem Palästina-TV zeigt:
    http://www.youtube.com/wa...

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