Der Sänger Noel Gallagher © Lawrence Watson

DIE ZEIT: Mr. Gallagher, haben Sie als Jugendlicher mal gegen das Gesetz verstoßen?

Noel Gallagher: Ich habe Drogen genommen, Kleinigkeiten in Läden gestohlen. Mehr nicht. Ich habe noch nie eine Schlägerei begonnen, nie etwas kaputt gemacht.

ZEIT: Auf Tournee mit Ihrer alten Band Oasis haben Sie doch mindestens ein Hotelzimmer zerlegt, oder?

Gallagher: Nein! Niemals! Ich fand das immer ein dämliches Rock-’n’-Roll-Klischee. Gut, einmal war es kurz davor. Wir waren mit einer anderen Band in einer feinen Hotelsuite in Japan. Es ist sechs Uhr morgens, und ich will ins Bett, da fliegt auf einmal ein Tisch an mir vorbei, und ich flippe aus, brülle: Stopp! Habt ihr den Verstand verloren? Räumt sofort das Zimmer auf! – Das taten sie! Und die 4.000 Dollar Schaden haben die anderen bezahlt. Nur Idioten zerstören mutwillig etwas.

ZEIT: Die britische Musikerin M.I.A. kündigte via Twitter an, den jugendlichen Randalierern und Plünderern in London Schokolade und Tee zu bringen. Haben Sie dafür Verständnis?

Gallagher: M.I.A. ist eine verdammte Idiotin! Ihr Problem ist diese missverstandene Form von Coolness, unter der vor allem Musiker leiden, die zu sehr darüber nachgrübeln, was gerade chic sein könnte. Da schäme ich mich für meinen Berufsstand.

ZEIT: Tragen Musiker Verantwortung für ihre Zielgruppe? Müssten die riots auch von Künstlern kommentiert werden?

Gallagher: Was erwarten Sie von mir? Dass ich bei meinem nächsten Konzert mit gesenktem Haupt auf die Bühne schleiche? Dass ich mit belegter Stimme sage, dass es nicht in Ordnung war, Läden zu plündern? Niemals! Musik und Politik gehören nicht zusammen. Insbesondere Rock ’n’ Roll ist purer Eskapismus. Bevor Sie ein Konzert besuchen, haben Sie Nachrichten im Radio gehört, in der Zeitung oder im Internet gelesen. Wer dann ein Rockkonzert besucht, will von der realen Welt da draußen abgelenkt werden. Soll ich etwa die Schlagzeilen singen? Rocksongs über Aufstände junger Araber und die riots in London? In ein Rockkonzert gehören Songs über die Freuden des Saufens und wie man seine Traumfrau aufreißt. Alles andere ist ein verdammtes Missverständnis.

ZEIT: Lesen Rocker wie Sie Zeitung?

Gallagher: Ich lese die Times und die Sun. Und schau mir den Nachrichtensender Sky News an. Ich bin informiert.

ZEIT: Die gehören alle zu Rupert Murdochs Konzern News Corporation. Wurde Ihr Telefon auch angezapft?

Gallagher: Offenbar nicht. Ich bin die Listen mit den Opfern genau durchgegangen, aber war überrascht, dass mein Name da fehlte. Es wäre mir auch egal gewesen. Ich habe keine Geheimnisse und kein Problem damit, berühmt zu sein. Ich fahre jeden Tag mit der Londoner U-Bahn in mein Büro in der City, da werde ich oft angestarrt und fotografiert. Und wissen Sie was? Es stört mich null!

ZEIT: Haben Sie schon mal demonstriert?

Gallagher: Das tue ich jeden Tag daheim, wenn meine Frau mich zwingen will abzuwaschen.