Brettspiel Schach
In einer Zeit tiefgreifender wirtschaftlicher und finanzieller Unsicherheit ist es paradoxerweise vielleicht sogar beruhigend, zu hören, dass der Wahnsinn Methode hat und die Menschheit zwar nichts dazulernt, aber es irgendwie doch immer weitergegangen ist, wie man im Buch This Time is Different mit dem Untertitel Acht Jahrhunderte finanzieller Narretei des Harvard-Professors Kenneth Rogoff nachlesen kann. Doch vor seinem Dasein als einer der führenden Finanzexperten der Welt, den auch Peer Steinbrück in seinem Buch Unterm Strich mehrfach erwähnt, führte Rogoff ein Leben als Schachprofi. Der die Schule verlassen hatte und mitten in dieses so »unstete, aber faszinierende Leben hineinsprang«. Ähnlich übrigens wie Bobby Fischer, der ihn hoch schätzte – als Schachspieler. Schnell wurde er Großmeister und könnte sich auch heute noch sehr gut ein Leben als Schachspieler vorstellen: »Ich bin immer noch ins Schachspiel verliebt, ein Teil meines Gehirns spielt immer Schach, wobei mir das Schachdenken in wichtigen Zeiten meiner Karriere sehr geholfen hat. Bei langweiligen Meetings denke ich an Partien, Aufgaben etc.« Habe ich Letzteres nicht auch bei Peer Steinbrück gelesen?!
Sehen Sie, wie er 1969 bei der Jugend-WM U20 als Weißer am Zug den Holländer Gert Ligterink in einer ohnehin prächtigen Ausgangssituation schnell besiegte, wobei der Riesenfreibauer b7 und der verwundbare schwarze König im Eck eine wichtige Rolle spielten?
Wie gewann Weiß am Zug? Nach dem Bauernvorstoß 1.e6! ging Schwarz so unter: 1...fxe6 2.Txg7+ Kh5 3.Lf6! mit undeckbarem Matt durch g3-g4 . Auch 2...Kf5 3.Tf7+ Ke4 4.Txf2 hätte ebenso verloren wie 1...f6 2.Tc8! nebst e6-e7-e8 mit neuer Dame. Hingegen wäre 1.Txb7 Lb6 viel schwächer gewesen
- Datum 25.10.2011 - 14:34 Uhr
- Quelle ZEITmagazin, 27.10.2011 Nr. 44
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