Tyrannenmord Auf Gewalt folgt Gewalt
Nach der Tötung Gadhafis: Der Tyrannenmord ist ein altes Mittel gegen Despoten – und war immer ein moralisches Problem.
Im populären Kino muss der Bösewicht am Ende oft erleiden, was er anderen angetan hat. Der diesjährige Zeichentrick-Kassenschlager Kung Fu Panda 2 fasst das in einem spektakulären Bild zusammen. Der Feuerball, den der böse Pfau Lord Shen auf den heldenhaften Pandabären Po schleudert, kehrt, von dessen wundersamen Kräften umgelenkt, zum Tyrannen zurück und vernichtet ihn. Der Pandabär vollzieht damit nicht einfach einen Racheakt, sondern sichert sich auch die Sympathien des Publikums. Denn er handelt im Einklang mit einer weitverbreiteten Vorstellung von moralisch legitimer Vergeltung: Die sogenannte »poetische Gerechtigkeit« erst macht aus dem dramatischen Konflikt eine kohärente, in sich geschlossene, runde Geschichte.
Dass das Gute notfalls mit Gewalt über das Böse triumphieren muss und dass der unverbesserliche Tyrann zu Recht getötet wird, ist ein archaisches Handlungsmotiv, das tief im kollektiven Unterbewusstsein auch moderner Gesellschaften verankert ist. Deshalb bedienen sich nicht nur brutale Action-Blockbuster dieses Motivs, sondern auch die sentimentaleren Epen des Popzeitalters. Im König der Löwen, Disneys erfolgreichstem Film überhaupt, wird erzählt, wie Simba, der Königssohn und rechtmäßige Thronfolger, den Tyrannen Scar vom Thron stürzt. Scar hat Simbas Vater auf dem Gewissen, und so muss auch er sterben – statt etwa in die Wüste fliehen zu dürfen, statt in Fesseln gelegt oder vor Gericht gestellt zu werden. Warum will im Kino keiner das Walten des Rechtes sehen?
Die Erfahrung bestätigt sich jetzt durch die Tötung Muammar al-Gadhafis. Tyrannenmord scheint auch in der Ära des Völkerrechts akzeptabel. Die Boulevardmedien applaudierten seinem Tod, und das große Publikum empfindet es offenbar als gut und gerecht, wenn ein Mann, der für den Tod so vieler Menschen verantwortlich war, selbst den Tod aus der Hand seiner Gegner empfängt. Es ist die uralte, durch alle Kulturkreise geisternde Geschichte.
Cicero sagt: Jedes Mittel ist recht gegen die gesetzlose Ordnung der Tyrannis
Im Alten Testament gibt es gleich mehrere Beispiele für einen Mord an dem, der das Morden entfesselte. Am bekanntesten ist wohl die Rächerin Judith, die sich ins Lager des tyrannischen Feldherrn Holofernes schleicht, um ihm den Kopf abzuschlagen. Die Bibel hat das Prinzip »Auge um Auge« jedoch nicht erfunden. So erzählt der Hinduismus die Legende von Krishna, dessen Eltern von dem unrechtmäßigen König Kansha ins Gefängnis geworfen und dessen sämtliche Geschwister getötet wurden. Dass Krishna diesen mörderischen König eines Tages tötet, folgt ganz der Logik des gewaltsamen Befreiungsschlages.
Doch ist der Tyrannenmord ethisch unbedenklich? Die Philosophie entdeckte ihn früh schon als moralisches Problem. Platon wertete zwar in seiner Politeia die Tyrannis als schlechteste aller Staatsformen und zeichnete den Tyrannen als jene selbstbezogene, maßlose, von Begierden und Ängsten gleichermaßen getriebene Gestalt, wie sie Gadhafi prototypisch verkörpert hat. Und doch ruft Platon nicht explizit zum Tyrannenmord auf. Erst sein Zeitgenosse Xenophon spricht es aus: Keine Treuepflicht gebe es gegenüber dem Tyrannen, wer ihn beseitige, begehe eine Heldentat.
- Datum 30.10.2011 - 09:01 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 27.10.2011 Nr. 44
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Ich stimme der Aussage des Artikels voll und ganz zu. Allerdings gehe ich einen Schritt weiter: Auch politisch gesehen ist die Tötung Gadhafis weder hilfreich noch ein Fortschritt oder sonstwas. Was meint ihr, sind die Rebellen so viel besser als Gadhafi? Die 10% Kopten dort werden es jetzt allemal nicht leichter haben, im Gegenteil. Lieber ein Tyrann, der die Massen ruhig hält, als eine ,,Herrschaft des Volkes", die die Minderheiten unterdrückt und, dessen bin ich mir sicher, tyrannisieren wird.
.... ,,Herrschaft des Volkes", die die Minderheiten unterdrückt und, dessen bin ich mir sicher, tyrannisieren wird."
Klar. Nur muss man sich gewahr sein, dass die Palette der Möglichkeiten so Alternativen arm nicht ist. Letztlich ist die Absetzung des Tyrannen lediglich die notwendige Voraussetzung, Alternativen wählen zu können. Das Wie seiner Entfernung von der Macht ist natürlich wichtig. Es hat Folgen, wenn tödliche Gewalt dazu eingesetzt wird. Oft gibt es dazu nur sehr beschränkte Alternativen.
Wir beobachten in Syrien momentan, wie Gewalt eingesetzt wird um die Entmachtung zu verhindern. Ob gewaltlose Demonstrationen Erfolg haben können unter diesen Umständen ist offen. Im Iran haben in dieser Sache ähnlichen Demonstrationen keine für Viele in der Bevölkerung befriedigende Ergebnisse gebracht. In China beobachteten wir die gewalttätige Entfernung des Monarchen mit verheerenden Folgen. Ost Europa zeigt unterschiedliche Erfahrungen.
Wir können im Laufe der Jahrzehnte Beispiele unterschiedlichsten Verlaufs identifizieren. Es folgten gewalttätiger Ablösung selbstbestimmtere Ordnungen aber auch Autokraten. Ich denke, es wird uns nichts übrig bleiben zu untersuchen, welche Faktoren im Spiel sind, wie sie funktionieren und versuchen eine rationale Politik daraus zu entwickeln. Momentan fehlen uns diese Kenntnisse weitgehen, wenn auch eine gute Zahl Studien dazu entstanden sind.
Gadahfi ist kein gutes Beispiel für dieses philosophische/moralische "Problem". Man hat ihn umgebracht weil er schlichtweg die Tagesordnung des Westens gestört hat.
Und WIE hat er diese gestört?
Man lese z.B. die Zusammenfassung seiner Rede an der UN im Jahre 2009 hier:
http://www.un.org/en/ga/6...
Steht schwarz-auf-weiss: er hat für mehr Gerechtigkeit für die dritte Welt, und eine Änderung der Regelung die die Befügnisse der tollwütigen USA/UK/FR endlose Macht einräumt, pladiert. Das war sein Fehler
Kopten sind die Christen in Ägypten.
Gaddafi herrschte in Libyen, nur so zur Info.
Laut der World Christian Encyclopedia ist die größte christliche Gruppe der römische Katholizismus, gefolgt von den russisch-orthodoxen und den serbisch-orthodoxen Christen. In Tripolis gibt es eine anglikanische Gemeinde, die zur anglikanisch-ägyptischen Diözese in Kairo gehört. Es gibt koptisch-orthodoxe und griechisch-orthodoxe Priester in Libyen. Die Mehrheit der Christen in Libyen besteht aus Kopten aus Ägypten.
aus Wikipedia...
Und noch etwas: Hier im Westen ist es immer leicht, Demokratie zu fordern...
.... ,,Herrschaft des Volkes", die die Minderheiten unterdrückt und, dessen bin ich mir sicher, tyrannisieren wird."
Klar. Nur muss man sich gewahr sein, dass die Palette der Möglichkeiten so Alternativen arm nicht ist. Letztlich ist die Absetzung des Tyrannen lediglich die notwendige Voraussetzung, Alternativen wählen zu können. Das Wie seiner Entfernung von der Macht ist natürlich wichtig. Es hat Folgen, wenn tödliche Gewalt dazu eingesetzt wird. Oft gibt es dazu nur sehr beschränkte Alternativen.
Wir beobachten in Syrien momentan, wie Gewalt eingesetzt wird um die Entmachtung zu verhindern. Ob gewaltlose Demonstrationen Erfolg haben können unter diesen Umständen ist offen. Im Iran haben in dieser Sache ähnlichen Demonstrationen keine für Viele in der Bevölkerung befriedigende Ergebnisse gebracht. In China beobachteten wir die gewalttätige Entfernung des Monarchen mit verheerenden Folgen. Ost Europa zeigt unterschiedliche Erfahrungen.
Wir können im Laufe der Jahrzehnte Beispiele unterschiedlichsten Verlaufs identifizieren. Es folgten gewalttätiger Ablösung selbstbestimmtere Ordnungen aber auch Autokraten. Ich denke, es wird uns nichts übrig bleiben zu untersuchen, welche Faktoren im Spiel sind, wie sie funktionieren und versuchen eine rationale Politik daraus zu entwickeln. Momentan fehlen uns diese Kenntnisse weitgehen, wenn auch eine gute Zahl Studien dazu entstanden sind.
Gadahfi ist kein gutes Beispiel für dieses philosophische/moralische "Problem". Man hat ihn umgebracht weil er schlichtweg die Tagesordnung des Westens gestört hat.
Und WIE hat er diese gestört?
Man lese z.B. die Zusammenfassung seiner Rede an der UN im Jahre 2009 hier:
http://www.un.org/en/ga/6...
Steht schwarz-auf-weiss: er hat für mehr Gerechtigkeit für die dritte Welt, und eine Änderung der Regelung die die Befügnisse der tollwütigen USA/UK/FR endlose Macht einräumt, pladiert. Das war sein Fehler
Kopten sind die Christen in Ägypten.
Gaddafi herrschte in Libyen, nur so zur Info.
Laut der World Christian Encyclopedia ist die größte christliche Gruppe der römische Katholizismus, gefolgt von den russisch-orthodoxen und den serbisch-orthodoxen Christen. In Tripolis gibt es eine anglikanische Gemeinde, die zur anglikanisch-ägyptischen Diözese in Kairo gehört. Es gibt koptisch-orthodoxe und griechisch-orthodoxe Priester in Libyen. Die Mehrheit der Christen in Libyen besteht aus Kopten aus Ägypten.
aus Wikipedia...
Und noch etwas: Hier im Westen ist es immer leicht, Demokratie zu fordern...
Ein Tyrann hat oftmals viele Anhänger, heute mehr denn je.Wenn der Tyrann getätet wird, verlieren diese Kraft. Solange dieser lebt, kann versucht werden, ihn zu befreien. Gelänge so ein Vorhaben, wäre dies furchtbar. Insofern kann man froh sein, wenn sich jemand dafür hergibt, das Leben des Tyrannen zu beenden.
Therapeutische Aufarbeitung macht nur dann Sinn, wenn wirklich bis zu Ende alles aufgearbeitet wird, und das kann niemand wirklich wollen, da dann mindestens die halbe Bevölkerung danach bestraft werden muß. Ein Neuanfang ist dadurch nicht möglich. Der ist nur möglich, indem ein Volk sich für ein bis zwei Generationen selbst belügt.
Wenn man sehr genau hingeschaut hätte nach dem Ende des III. Reiches in Deutschland, hätten wir kaum Polizei oder Justiz gehabt und keine Industriellen. Fast das komplette Management war ja Hitlertreu, entweder aus Angst oder aus Geldgier.
Der Schnitt nach einer unerfreulichen Zeit erfolgt immer durch Ausrufen eines neuen Zeitgeistes, so ist es auch in Nordafrika. Die Zeit für Tyrannen ist abgelaufen. Moral ist ein ganz anderes Thema und Therapie auch. Der Alltag wird jetzt wichtig, und ich denke, da wird jeder mehr als genug zu tun haben.
diese deine position verlangt zunächst, dass wir auch eine solchen tyrannen haben.
nur dann wird auch "schlimmes" verhindert.
hier mal ein bild des "terrors", auf der visitenkarte des tyrannen.
und dass das war wegzubomben?
so so ...
http://www.schweizmagazin...
diese deine position verlangt zunächst, dass wir auch eine solchen tyrannen haben.
nur dann wird auch "schlimmes" verhindert.
hier mal ein bild des "terrors", auf der visitenkarte des tyrannen.
und dass das war wegzubomben?
so so ...
http://www.schweizmagazin...
Danke für den Artikel. Es gibt keinen Grund einen entmachteten Tyrann zu ermorden. Es gab keinen Grund Saddhan Hussein noch Gaddafi zu ermorden und das Ermorden dieser Personen nach deren Ergreifung ist genauso ein barbarischer Akt der Rache, wie sie die Tyrannen selbst ausführten. Mord ist Mord.
Es hört sich sehr moralisch hochstehend an , über Kriegsgegner zu Gericht zu sitzen, wird aber von Anhängern des Verlierers als Siegerjustiz emfunden , ganz egal wo der Prozess stattfindet.
Wie ein Forist bereits den Gerichtsprozess gegen Saddam Hussein offensichtlich nicht als Gerichtsprozess akzeptiert.
Erinnern wie uns an unsere Vergangenheit : die Anhänger der Tyrannei waren danach immer noch in Rang und Würden und mussten in ihrer Gesamtheit erst an Altersschwäche sterben.
Das war aber wohl doch ein sehr hoher Anteil der Bevölkerung.
Die Siegerjustiz wurde hingenommen , im Grunde aber abgelehnt ,da keine Aufarbeitung von Kriegsverbrechen der Sieger erfolgte.
Wie lange sich die Kriegsverbrecher in EX-Jugoslawien verstecken konnten, spricht doch Bände.
Da ein Prozess ergo fragwürdig bleibt ,ist frei nach Macciavelli es am einfachsten, die Gewalttaten gleich und schnell zu begehen.
Es hört sich sehr moralisch hochstehend an , über Kriegsgegner zu Gericht zu sitzen, wird aber von Anhängern des Verlierers als Siegerjustiz emfunden , ganz egal wo der Prozess stattfindet.
Wie ein Forist bereits den Gerichtsprozess gegen Saddam Hussein offensichtlich nicht als Gerichtsprozess akzeptiert.
Erinnern wie uns an unsere Vergangenheit : die Anhänger der Tyrannei waren danach immer noch in Rang und Würden und mussten in ihrer Gesamtheit erst an Altersschwäche sterben.
Das war aber wohl doch ein sehr hoher Anteil der Bevölkerung.
Die Siegerjustiz wurde hingenommen , im Grunde aber abgelehnt ,da keine Aufarbeitung von Kriegsverbrechen der Sieger erfolgte.
Wie lange sich die Kriegsverbrecher in EX-Jugoslawien verstecken konnten, spricht doch Bände.
Da ein Prozess ergo fragwürdig bleibt ,ist frei nach Macciavelli es am einfachsten, die Gewalttaten gleich und schnell zu begehen.
Und vor allem was kommt danach?
Der demokratische Westen, wer sonst? Hat sonst noch jemand das Recht dazu?
Der demokratische Westen, wer sonst? Hat sonst noch jemand das Recht dazu?
Natürlich kann hier eine Diskussion geführt werden, in dem Pro und Contra in klugen oder unklugen Gedankengängen abgewogen wird oder eventuell wird sich der eine oder andere einen geistigen Verdienstorden selbst verleihen ob seines vermeintlich logischen oder originellen Vortrages.
Es ist aber ein Unterschied zwischen dem Sitzen vor dem TV und Betrachten eines Aktionfilms oder Politaufständen in entfernten Ländern oder ob einem tatsächlich das Haus zusammen gebombt wird oder ein Familienmitglied erschossen wird. Da wirkt es doch einigermaßen makaber, wenn der TV-Sitzer/in über Gut und Böse der Welt entscheiden möchte, beim Kauen von Chips und Bier.
überlegen sie bitte nochmal welcher art von diskussion sie hier sesselpupserei vorwerfen....
auf der suche nach parametern, idealen und moralvorstellung ist eine halbwegs emotionsfreie debatte der einzige weg.
haupdiskussionspunkt ist der rachegedanke, da wirkt es einigermaßen makaber wenn sie auf ihre art und weise nur denen eine äußerung erlauben wollen die einen grund haben könnten sich zu rächen.
und überlegen sie nochmal wo wir leben und warum wir so leben.
weil wir die diskussion auf anderen gebieten schon geführt haben. es gibt keine todesstrafe, lynchjustiz ist verboten, gefangene behalten ihre menschenrechte etc....
auch wenn es schmerzhaft für die angehörigen eines menschen ist, der z.b. durch einen betrunkenen fahrer getötet wurde: wir rächen uns nicht, wir stellen ihn vor gericht.
das dem so ist ist nicht zu geringem teil auch ein verdienst jener menschen die sich theoretisch und im sessel sitzend mal ein paar gedanken gemacht haben.
... jeglicher Moral enthalten? Das bringt uns natürlich weiter!
Der Tyrannenmord ist ein Relikt aus Tagen, die wir längst hinter uns lassen müssten. Die Menschen die Gaddafi töteten mögen sich vielleicht ob gepeinigter Verwandter im Recht fühlen, doch gaben sie mit ihrer Tat die Bankrotterklärung an die Menschenrechte ab, bevor es überhaupt einen libyschen Staat geben konnte.
Eine der wenigen Diktaturen, die es bis heute schaffte sich ihrer Tyrannen durch rechtsstaatliche Mittel zu entledigen war die DDR. Honecker wurde nicht auf offener Straße von einem wütenden Mob gelyncht, sondern vor Gericht gestellt. Bei seiner faktischen Entmachtung fiel kein einziges Schuss: Das ist es, was die Auflösung dieses Staates zu besonders macht.
Es bleibt dabei: Wer sich niederen Gelüsten nach der Blutrache hingibt, der wird niemals ein Demokrat, niemals ein moralischer Mensch und vor allem niemals in der Position sein andere zu belehren.
Da hilft auch Ihr stetiger Hinweis, man könne sich ja aus dem bequemen Deutschland darüber leicht echauffieren nichts. Wir hatten wir auch einmal eine Diktatur.
überlegen sie bitte nochmal welcher art von diskussion sie hier sesselpupserei vorwerfen....
auf der suche nach parametern, idealen und moralvorstellung ist eine halbwegs emotionsfreie debatte der einzige weg.
haupdiskussionspunkt ist der rachegedanke, da wirkt es einigermaßen makaber wenn sie auf ihre art und weise nur denen eine äußerung erlauben wollen die einen grund haben könnten sich zu rächen.
und überlegen sie nochmal wo wir leben und warum wir so leben.
weil wir die diskussion auf anderen gebieten schon geführt haben. es gibt keine todesstrafe, lynchjustiz ist verboten, gefangene behalten ihre menschenrechte etc....
auch wenn es schmerzhaft für die angehörigen eines menschen ist, der z.b. durch einen betrunkenen fahrer getötet wurde: wir rächen uns nicht, wir stellen ihn vor gericht.
das dem so ist ist nicht zu geringem teil auch ein verdienst jener menschen die sich theoretisch und im sessel sitzend mal ein paar gedanken gemacht haben.
... jeglicher Moral enthalten? Das bringt uns natürlich weiter!
Der Tyrannenmord ist ein Relikt aus Tagen, die wir längst hinter uns lassen müssten. Die Menschen die Gaddafi töteten mögen sich vielleicht ob gepeinigter Verwandter im Recht fühlen, doch gaben sie mit ihrer Tat die Bankrotterklärung an die Menschenrechte ab, bevor es überhaupt einen libyschen Staat geben konnte.
Eine der wenigen Diktaturen, die es bis heute schaffte sich ihrer Tyrannen durch rechtsstaatliche Mittel zu entledigen war die DDR. Honecker wurde nicht auf offener Straße von einem wütenden Mob gelyncht, sondern vor Gericht gestellt. Bei seiner faktischen Entmachtung fiel kein einziges Schuss: Das ist es, was die Auflösung dieses Staates zu besonders macht.
Es bleibt dabei: Wer sich niederen Gelüsten nach der Blutrache hingibt, der wird niemals ein Demokrat, niemals ein moralischer Mensch und vor allem niemals in der Position sein andere zu belehren.
Da hilft auch Ihr stetiger Hinweis, man könne sich ja aus dem bequemen Deutschland darüber leicht echauffieren nichts. Wir hatten wir auch einmal eine Diktatur.
Maximilian Probst schreibt: "Wenn Gewalt mit Gewalt beantwortet wird, bleibt sie in der Welt. Nicht nur die Mythologie, auch die Geschichte kennt jene Gestalten, die erst heldenhaft den Tyrannen stürzten – und später selbst zu Tyrannen wurden."
Dafür gibt es in der Tat viele Beispiele, aber auch einige Gegenbeispiele. Die rumänischen Revolutionäre richteten ihren Tyrannen Ceaușescu hin. Und Rumänien ist heute eine ganz passable Demokratie. Hätte man Ceaușescu nur festgenommen, um ihn vor Gericht zu stellen, hätten seine blutig wütenden Anhänger, darunter der folterne Geheimdient Securitate, den Kampf nicht aufgegeben. Doch der im Fernsehen gezeigte Tod ihres vergötternden Führers brachte seine Anhänger dazu, aufzugeben. Deshalb ist der Tyrannenmord oft notwendig.
Zunächst muss ich dem Autor in seiner Auffassung zustimmen: in einer wertorientierten, das menschliche Leben als Höchstwert betrachtenden Gesellschaft kann es nicht angehen, dass diejenigen Verbrecher, die ein gewissen Maß an Kriminalität und Grausamkeit überschritten haben, ihr Recht zu leben (und damit auch für ihre Taten zu büßen!), einfach so verwirken können.
Nun ist die Position aber eine sehr theoretische, in der "Hitze des Gefechts" nur schwer einzuhaltende. Stellen Sie sich die Situation vor: Gadhaffi wird von einem Trupp völlig überraschter Freiheitskämpfer gefunden. Einige wollen ihn vor Gericht bringen, ihn justizförmig für seine Verbrechen bezahlen lassen, doch es muss nur einer unter ihnen sein, der kürzlich einen nahen Angehörigen oder Freund verloren hat. Dieser rastet komplett aus, verliert sämtliche Kontrolle über sich und löst einen Schuss - gesteuert von blindem Zorn. Danach mag er dies vielleicht bereuen, aber ein Menschenleben ist im Krieg schnell genommen und ich kann mir schon vorstellen, dass es diese Art von persönlicher Betroffenheit ist, die vielen Menschen kurz die rationale Denkfähigkeit raubt - und dann ist es schon zu spät. Natürlich wäre ein Gerichtsverfahren in Den Haag gegen Gadhaffi besser gewesen, allerdings in einem Land voller Rachesuchender ebenso unrealistisch.
Unsere Eliten hatten aus offensichtlichen Gründen kein Interesse an einem rechtsstaatlichen Prozess. Es gab enge Beziehungen zu Gaddafi in der Vergangenheit (meines Wissens bezeichnete Gaddafi sowohl Blair als auch Berlusconi und Sarkozy als seine Freunde, ohne dass diese dem widersprochen hätten), die Zusammenarbeit erstreckte sich, wie während des Krieges bekannt wurde, auch auf Folter.
Eine Frage zum Schluss: Wie viele Tote hat Gaddafi zu verantworten – wie viele Tote haben Bush, Blair und Cheney zu verantworten?
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