Burn-out bei Professoren "Jeden Tag schuldig ins Bett"

Das Hamsterrad für Professoren dreht sich immer schneller, teils mit ruinösen Folgen für die Menschen und die Forschung. Ein Gespräch mit Hartmut Rosa über die Ursachen und mögliche Korrekturen

DIE ZEIT: Sie erforschen, wie die Beschleunigung in Arbeit und Alltag Menschen unter Druck setzt, sie im schlimmsten Fall krank macht. Warum sind auch Professoren davon betroffen? Denen kann doch niemand vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben.

Hartmut Rosa: Theoretisch sind Professoren weitgehend Herren ihrer Zeit. Dennoch ist auch unsere Arbeitsverdichtung in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Zudem haben sich die Anerkennungsmechanismen für Hochschullehrer grundsätzlich gewandelt: Nicht mehr ihre Position zählt, sondern ihre Leistung.

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ZEIT: Kann sich ein Professor also nicht mehr mit seinem einmal erworbenen Status begnügen?

Rosa: Als ich meine Habilitation abschloss, dachte ich: So, das war die letzte Prüfung in meinem Leben. Doch bald musste ich feststellen, wie falsch ich damit lag. Eigentlich werde ich bei jeder Evaluation, jedem Antrag auf Forschungsgelder wieder neu geprüft. Als Bewertungsmaßstab wird dabei zunehmend nicht mehr die gesamte Forscherkarriere angelegt, sondern das, was ich in den vergangenen zwei, drei Jahren geleistet habe. Ein Hochschullehrer muss immer beweisen, dass er seine Position zu Recht innehat.

Hartmut Rosa
Hartmut Rosa

habilitierte über soziale Beschleunigung. Seit 2005 ist er Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena

ZEIT: Dieses Schicksal teilen Sie mit vielen gut verdienenden Beschäftigten.

Rosa: Ich behaupte auch nicht, dass Professoren besonders leiden. Nur ist dieser Druck, bestimmte Ergebnisse zu produzieren, relativ neu. Bis vor wenigen Jahren zum Beispiel mussten Geistes- und Sozialwissenschaftler keine Drittmittel einwerben. Sie konnten es, aber es bestand keine Pflicht dazu. Heute ist das anders. Wenn ich jetzt irgendetwas von meiner Hochschulleitung möchte, kommt sofort die Gegenfrage: Was haben Sie in der letzten Zeit für die Universität an Forschungsgeldern reingeholt?

ZEIT: Hochschullehrer werden aus Steuermitteln bezahlt. Leistungskontrollen sind deshalb legitim.

Rosa: Problematisch wird es, wenn unsere Arbeit so gut wie nur noch an Kennzahlen – Drittmittel, Promotionen, Veröffentlichungen – gemessen wird. Das ist zurzeit der Fall. Zudem soll der Output möglichst von Jahr zu Jahr steigen. Das Hamsterrad dreht sich immer schneller, denn jeder erfolgreiche Antrag in diesem Jahr steigert das Problem im nächsten: Man sollte sich möglichst selbst übertreffen, in jedem Fall aber andere Professoren.

ZEIT: Das nennt sich Wettbewerb.

Rosa: Es gibt auch einen ruinösen Wettbewerb, der dem System schadet. In jedem Fall sorgt er für eine Entsolidarisierung und schlechte Stimmung. Denn mein Erfolg ist eine Bedrohung für den Kollegen, der sich die Frage gefallen lassen muss, warum er weniger Geld einwirbt.

ZEIT: Viel mehr aber auch nicht, Sanktionen muss er keine fürchten.

Rosa: Aber er verliert an Image und immer häufiger auch Geld, da durch die leistungsabhängige Bezahlung, die mittlerweile überall gilt, auch die Gehaltssteigerungen von Hochschullehrern an Kennzahlen geknüpft werden.

ZEIT: Der effektivste Weg eines Professors, seinen Verdienst zu steigern, bleibt weiterhin die Bleibeverhandlung mit seiner Heimatuniversität, wenn er ein anderes Angebot erhält. Daran hat sich nichts geändert.

Rosa: Auch hier steigt der Druck. Früher galt eine Regel: Ein Professor, der einen Lehrstuhl neu besetzte, musste für mehrere Jahre dort bleiben. Für andere Hochschulen war er sozusagen gesperrt. Diese Vorschrift hat man in vielen Bundesländern aufgehoben. Die Folge ist nun, dass die Zahl der gegenseitigen Abwerbeversuche enorm steigt. Ich traf neulich einen recht erfolgreichen Kollegen, den drei Rufe gleichzeitig ereilt hatten. Der Druck, sich entscheiden zu müssen, hat ihn so fertiggemacht, dass er überlegt hat, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

ZEIT: Er hätte sich auch über die Anerkennung freuen können.

Rosa: Hat er sicherlich auch. Gleichzeitig hat er sich aber gewünscht, nicht immer neu über seine Zukunft entscheiden zu müssen, sondern einfach in Ruhe arbeiten zu können. Ich beobachte, dass die Beschleunigung zu einer Entwertung unserer Arbeit führt.

ZEIT: Inwiefern?

Rosa: Die Aufgabe der Wissenschaft, Fragen zu stellen und über viele Jahre hinweg an deren Beantwortung zu arbeiten, tritt zunehmend in den Hintergrund. Heute entfacht die Konstruktion eines Forschungsprojektes und die Suche nach Geldgebern mehr Leidenschaft als die Forschung selbst. Wir haben mittlerweile ein libidinöses Verhältnis zum Schreiben von Drittmittelanträgen. Das gleiche Problem stellt sich für die Forschungsergebnisse. Alle publizieren immer mehr, mit der Folge, dass immer weniger gelesen wird. Man schreibt und schreibt und schreibt, erhält jedoch kaum eine inhaltliche Reaktion. Da beschleicht einen das paradoxe Gefühl, immer mehr zu veröffentlichen und gleichzeitig immer irrelevanter zu werden.

ZEIT: Sie dürften das Problem weniger haben. Ihre Forschung wird stark wahrgenommen.

Rosa: Das Interesse schmeichelt mir natürlich. Es zieht jedoch auch Arbeit nach sich, die mich wiederum vom Forschen abhält. Ich werde in Gremien gewählt, soll die Publikationen anderer Wissenschaftler begutachten, werde um Empfehlungsschreiben für irgendwelche Stipendien gebeten oder von den Medien angefragt. Die Liste ist niemals abzuarbeiten. Jeden Tag geht man schuldig ins Bett.

ZEIT: Wie schützen Sie sich?

Rosa: Ich versuche, mich nicht mehr schuldig zu fühlen, selbst wenn ich ein wichtiges Gutachten nicht geschrieben habe oder einem Journalisten erst zwei Wochen nach seiner E-Mail antworte. Eine individuelle Verweigerungsstrategie ist überlebensnotwendig. Besser wäre natürlich, wenn sich am System etwas änderte.

ZEIT: Was zum Beispiel?

Rosa: Grundsätzlich sollten die Universitäten den Professoren wieder mehr Vertrauen entgegenbringen. Die meisten Hochschullehrer haben ein hohes Arbeitsethos. Die drei, vier faulen Professoren, die es auch gibt, kann man da durchaus verkraften. Zudem braucht Forschung mehr Ruhe und Zeit, um Früchte zu tragen. Ein gutes Buch erfordert in meinem Fach schon einmal fünf oder mehr Jahre, bis es fertig ist. Und das ist es doch, was die meisten Wissenschaftler langfristig wollen: Nicht 30 Aufsätze und Bücher in einer Publikationsliste aufzählen zu können, sondern die eine Veröffentlichung vorzuweisen, die noch in 30 Jahren gelesen wird.

ZEIT: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft möchte bei Anträgen von Wissenschaftlern seit einiger Zeit nur die fünf wichtigsten Publikationen genannt bekommen. Ein richtiger Schritt?

Rosa: In jedem Fall, ich hatte Ähnliches schon vor Jahren vorgeschlagen. Das Ganze hat jedoch einen Haken. Die Gutachter, welche die Anträge bewerten sollen, umgehen die Regelung jetzt, indem sie auf der Website der Antragsteller nachschauen, was diese sonst noch so veröffentlicht haben. Das zeigt, dass es wenig bringt, nur an einer Stellschraube zu drehen.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn dieses Interview eines belegt, dann dass auf einen Teil der Professorenschaft Professoren noch deutlich mehr Leistungsdruck ausgeübt werden muss. Schließlich bezahlen wir diese Leute sehr gut, und wenn man die "Klagen" in diesem Interview so liest, offensichtlich in einigen Fällen für sehr, sehr einfache und bequeme Jobs.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Schließlich bezahlen wir diese Leute sehr gut"

    Äh, wie meinen?

    Sie wissen schon, dass mittlerweile so mancher Hauptschullehrer besser bezahlt wird als (besonders junge) Universitätsprofessoren?

    Siehe: http://www.dradio.de/dlf/...

    Ich bin zwar kein Prof. aber auch mir geht es schon so, dass ich einen großen Teil meiner Zeit damit vertue, um Forschungsgeld zu betteln.

    • Mailer
    • 04.11.2011 um 13:05 Uhr

    ... daß einem Nichtakademiker, vor allem aber auch einem Nichtwissenschaftler diese Denkwelt des eigenständigen (Dr./Prof.) wissenschaftlichen Arbeitens wohl weitestgehend verschlossen bleibt.

    Da hören sich Kennzahlen, Mitteleinwerbung usw. immer gut und schlüssig an, gerade in einer wettbewerbsorientierten Gesellschaft, jedoch sind die Unterschiede zwischen Wirtschaft (Profitstreben) und Wissenschaft (Streben nach Wahrheit) in der Tat so groß, daß man nicht die Logik des einen dem anderen System einfach überstülpen kann.

    Deshalb wäre hier eine Feinjustierung der Maßnahmen dringend geboten! Wer nach so vielen Prüfungen - wie Herr Rosa es ja treffend beschreibt - immer noch ein Bittsteller oder vertrauensunwürdiger No-Name-Angestellter sein soll, der wird schlicht und ergreifend von seiner Gesellschaft nicht ausreichend geschätzt. Wer jemals eine Professur erreicht hat, ist de facto so oder so einer der Klügsten, Fähigsten und Besten in diesem Lande, ohne jede Diskussion.

    Während aber jeder offenbar Simpel durch gute Beziehungen Manager im Laden seines Kumpels oder durch populistischen Unsinn Landes- oder gar Bundespolitiker werden kann (Guttenberg: siebte Wahl; Wulff: dritte Wahl), ist eine Professur ein harter Kampf um Wissen und Wahrheit - wo bei dme gegenwärtigen System die Angepaßten über Gebühr gefördert werden, nicht die Besten. Und das ist eine Schande!

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User und diskutieren Sie ausschließlich zum Artikelthema. Danke. Die Redaktion/vn

    • Ranjit
    • 04.11.2011 um 15:05 Uhr

    "...für sehr, sehr einfache und bequeme Jobs."

    Eine spannende Aussage. Sie haben sicherlich zumindest einen Doktorgrad und mindestes drei Jahre an einem Lehrstuhl gearbeitet?

    Professoren :
    - dürgen die Lehre koordinieren und nehmen daran Teil
    - Haben Personalverantwortung
    - müssen die Untiefen einer recht rigiden Verwaltung und Gesetzesstruktur navigieren
    - müssen Repräsentieren; Sowohl die Universität, als auch ihr Fach und auch die Wissenschaft generell
    - müssen kontinuierlich um Gelder kämpfen
    - Ach ja, ein bisschen forschen sollen sie schon auch noch

    Haben sie auch nur ansatzweise eine Vorstellung, welchen Aufwand eine empirische Publikation in einem renommierten, internationalen Journal mit sich bringt?

    Und in letzter Zeit immer weniger Gelder und immer weniger Zeit. Immer mehr Anforderungen, nicht zuletzt durch die Bologna Reform. Und das ganze für einen Bruchteil der Bezahlung, der in anderen entwickelten Ländern normal ist.

    Sehr einfach und bequem... Na wenn sie meinen.

    Passt in das Bild das ich mittlerweile von Journalisten habe.

    Warum bin ich nur so negativ, liegt es am Wetter?

    Freue mich auf Ihren nächsten Beitrag.

    Naja, damit ich keinen Burnout erleide-nun gehe ich erstmal Radfahren, möchten Sie mit?

    "Schließlich bezahlen wir diese Leute sehr gut"

    Äh, wie meinen?

    Sie wissen schon, dass mittlerweile so mancher Hauptschullehrer besser bezahlt wird als (besonders junge) Universitätsprofessoren?

    Siehe: http://www.dradio.de/dlf/...

    Ich bin zwar kein Prof. aber auch mir geht es schon so, dass ich einen großen Teil meiner Zeit damit vertue, um Forschungsgeld zu betteln.

    • Mailer
    • 04.11.2011 um 13:05 Uhr

    ... daß einem Nichtakademiker, vor allem aber auch einem Nichtwissenschaftler diese Denkwelt des eigenständigen (Dr./Prof.) wissenschaftlichen Arbeitens wohl weitestgehend verschlossen bleibt.

    Da hören sich Kennzahlen, Mitteleinwerbung usw. immer gut und schlüssig an, gerade in einer wettbewerbsorientierten Gesellschaft, jedoch sind die Unterschiede zwischen Wirtschaft (Profitstreben) und Wissenschaft (Streben nach Wahrheit) in der Tat so groß, daß man nicht die Logik des einen dem anderen System einfach überstülpen kann.

    Deshalb wäre hier eine Feinjustierung der Maßnahmen dringend geboten! Wer nach so vielen Prüfungen - wie Herr Rosa es ja treffend beschreibt - immer noch ein Bittsteller oder vertrauensunwürdiger No-Name-Angestellter sein soll, der wird schlicht und ergreifend von seiner Gesellschaft nicht ausreichend geschätzt. Wer jemals eine Professur erreicht hat, ist de facto so oder so einer der Klügsten, Fähigsten und Besten in diesem Lande, ohne jede Diskussion.

    Während aber jeder offenbar Simpel durch gute Beziehungen Manager im Laden seines Kumpels oder durch populistischen Unsinn Landes- oder gar Bundespolitiker werden kann (Guttenberg: siebte Wahl; Wulff: dritte Wahl), ist eine Professur ein harter Kampf um Wissen und Wahrheit - wo bei dme gegenwärtigen System die Angepaßten über Gebühr gefördert werden, nicht die Besten. Und das ist eine Schande!

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User und diskutieren Sie ausschließlich zum Artikelthema. Danke. Die Redaktion/vn

    • Ranjit
    • 04.11.2011 um 15:05 Uhr

    "...für sehr, sehr einfache und bequeme Jobs."

    Eine spannende Aussage. Sie haben sicherlich zumindest einen Doktorgrad und mindestes drei Jahre an einem Lehrstuhl gearbeitet?

    Professoren :
    - dürgen die Lehre koordinieren und nehmen daran Teil
    - Haben Personalverantwortung
    - müssen die Untiefen einer recht rigiden Verwaltung und Gesetzesstruktur navigieren
    - müssen Repräsentieren; Sowohl die Universität, als auch ihr Fach und auch die Wissenschaft generell
    - müssen kontinuierlich um Gelder kämpfen
    - Ach ja, ein bisschen forschen sollen sie schon auch noch

    Haben sie auch nur ansatzweise eine Vorstellung, welchen Aufwand eine empirische Publikation in einem renommierten, internationalen Journal mit sich bringt?

    Und in letzter Zeit immer weniger Gelder und immer weniger Zeit. Immer mehr Anforderungen, nicht zuletzt durch die Bologna Reform. Und das ganze für einen Bruchteil der Bezahlung, der in anderen entwickelten Ländern normal ist.

    Sehr einfach und bequem... Na wenn sie meinen.

    Passt in das Bild das ich mittlerweile von Journalisten habe.

    Warum bin ich nur so negativ, liegt es am Wetter?

    Freue mich auf Ihren nächsten Beitrag.

    Naja, damit ich keinen Burnout erleide-nun gehe ich erstmal Radfahren, möchten Sie mit?

    • eluutz
    • 04.11.2011 um 12:06 Uhr

    Ich gebe dem Herrn Professor H. Rosa in vielen Punkten Recht. Es kann nicht sein, dass Forschungsarbeiten auf die letzten 2-3 Jahre reduziert werden, weil das einfach sehr viele längerfristig angelegte Fragestellungen verhindert. Es ist auch nicht zielführend, Hochschulen wie Industrieunternehmen zu leiten und "Rendite" (in Form von Drittmittelanträgen) bzw. Kennzahlen in der Vordergrund zu stellen.

    Auf der anderen Seite ist das - ich nenne es mal so - "alte" System, in dem ein Professor nach seiner Berufung machen konnte, was er so wollte, auch nicht perfekt. Ehemals erfolgreiche Professoren können (konnten?) so nachkommende Jüngere lange Zeit kontrollieren, weil sie über die Mittel (der Abteilung) verfügen - halten sich also aus dem Konkurrenzkampf um Drittmittel heraus, der dann die Neuen nur um so härter trifft.

    Der Vorschlag, dass in der DFG nur die 5 wichtigsten Publikationen bei der Antragstellung gewichtet werden, ist demnach auch mehr eine Verteidigung von Pfründen. Eigentlich ist es sehr schwer, objektiv die Wichtigkeit eines Forschungsvorhabens zu bewerten (auch wenn natürlich jeder seine Meinung haben wird). Feststellen kann man, ob ein Antrag in sich schlüssig ist, ob das Feld schon bearbeitet wurde (und wenn ja, in welchem Umfang), eingeschränkt ob ein Antragsteller die Qualifikation (neben der Forschungsstelle) mitbringt.

    Resultate, Publikationen können - ja sollten - nur ergänzen. Das macht leider die Begutachtung noch aufwändiger.

    • ludna
    • 04.11.2011 um 12:08 Uhr

    "Nicht 30 Aufsätze und Bücher in einer Publikationsliste aufzählen zu können, sondern die eine Veröffentlichung vorzuweisen, die noch in 30 Jahren gelesen wird."

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich habe lange Zeit als Assistentin an der Universität Wien gearbeitet. Derzeit arbeite ich dort als externe Lehrbeauftragte und halte Schreibwerkstätten. Überdies bin ich als Schreibberaterin tätig.

    Für die Karriere eines Lehrenden zählt leider in erster Linie die Forschung: immer mehr Drittmittel, Geld, Publikationen etc. Schuldgefühle sind kein Wunder. Burnout auch nicht.

    Leider bleiben in dem ganzen Betrieb die Studierenden auf der Strecke. Das möchte ich an dieser Stelle zu bedenken geben.

    Studierende werden oft mangelhaft betreut, weil Lehrende keine Zeit mehr haben. Sie müssen publizieren. Der Druck ist permanent da. Lehrende sind unter Zeitdruck.

    Solange nur Publikationen für die Karriere eines Lehrenden zählen, wird es immer im eigenen Ermessen liegen, wie viel Zeit er in die Lehre investiert.

    Ich habe noch nie gehört, dass jemand aufgrund seiner ausgezeichneten Lehre auf einen Lehrstuhl berufen wurde! Stets zählen nur die Publikationen.

    Und jetzt wird in dem Artikel auch noch geklagt.
    Vielleicht ist es Zeit für eine Trendwende?
    Zum Wohle aller?

    Herzlichen Gruß aus Wien
    Huberta Weigl

    Ich habe lange Zeit als Assistentin an der Universität Wien gearbeitet. Derzeit arbeite ich dort als externe Lehrbeauftragte und halte Schreibwerkstätten. Überdies bin ich als Schreibberaterin tätig.

    Für die Karriere eines Lehrenden zählt leider in erster Linie die Forschung: immer mehr Drittmittel, Geld, Publikationen etc. Schuldgefühle sind kein Wunder. Burnout auch nicht.

    Leider bleiben in dem ganzen Betrieb die Studierenden auf der Strecke. Das möchte ich an dieser Stelle zu bedenken geben.

    Studierende werden oft mangelhaft betreut, weil Lehrende keine Zeit mehr haben. Sie müssen publizieren. Der Druck ist permanent da. Lehrende sind unter Zeitdruck.

    Solange nur Publikationen für die Karriere eines Lehrenden zählen, wird es immer im eigenen Ermessen liegen, wie viel Zeit er in die Lehre investiert.

    Ich habe noch nie gehört, dass jemand aufgrund seiner ausgezeichneten Lehre auf einen Lehrstuhl berufen wurde! Stets zählen nur die Publikationen.

    Und jetzt wird in dem Artikel auch noch geklagt.
    Vielleicht ist es Zeit für eine Trendwende?
    Zum Wohle aller?

    Herzlichen Gruß aus Wien
    Huberta Weigl

  2. 5. .....

    "Schließlich bezahlen wir diese Leute sehr gut"

    Äh, wie meinen?

    Sie wissen schon, dass mittlerweile so mancher Hauptschullehrer besser bezahlt wird als (besonders junge) Universitätsprofessoren?

    Siehe: http://www.dradio.de/dlf/...

    Ich bin zwar kein Prof. aber auch mir geht es schon so, dass ich einen großen Teil meiner Zeit damit vertue, um Forschungsgeld zu betteln.

    Antwort auf "Unfassbar..."
  3. "Ich traf neulich einen recht erfolgreichen Kollegen, den drei Rufe gleichzeitig ereilt hatten. Der Druck, sich entscheiden zu müssen, hat ihn so fertiggemacht, dass er überlegt hat, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen."

    Bitte nicht falsch verstehen, ich stimme den Aussagen in Teilen durchaus zu. Trotzdem drängt sich mir beim Lesen des Interviews die Frage auf, in welcher Parallelwelt sich die Lehrenden unserer Universitäten wohl bewegen. Worte wie Lehre oder Student fallen in diesem Interview nicht einmal.

    Ich kann verstehen, wenn derartige Äußerungen bei vielen Arbeitnehmern eher ein Kopfschütteln als zustimmendes Nicken hervorrufen.

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    in der Lehre keine Drittmittel einbringt. Sogar eher Verluste, weil die Zeit ja für die Einwerbung von Drittmitteln hätte verwendet werden können...

    in der Lehre keine Drittmittel einbringt. Sogar eher Verluste, weil die Zeit ja für die Einwerbung von Drittmitteln hätte verwendet werden können...

  4. Ja, das ist wirklich schrecklich, wie deutsche Professoren leben und arbeiten müssen:
    lebenslange Verbeamtung bei gleichzeitiger völliger Freiheit, sich mit Nebenjobs u.ä. unbegrenzt ggfs. Millionen an Nebeneinnahmen zu erzielen und dann noch problemlos ihre tatsächliche Anwesenheit an der Hochschule zu reduzieren - selbstverständlich ohne Einkommenseinbußen.

    Ich habe solche Profs selbst erleben müssen. Deswegen sei mir nachgesehen, dass ich jetzt nur eine Träne vergieße.

    • Mailer
    • 04.11.2011 um 13:05 Uhr

    ... daß einem Nichtakademiker, vor allem aber auch einem Nichtwissenschaftler diese Denkwelt des eigenständigen (Dr./Prof.) wissenschaftlichen Arbeitens wohl weitestgehend verschlossen bleibt.

    Da hören sich Kennzahlen, Mitteleinwerbung usw. immer gut und schlüssig an, gerade in einer wettbewerbsorientierten Gesellschaft, jedoch sind die Unterschiede zwischen Wirtschaft (Profitstreben) und Wissenschaft (Streben nach Wahrheit) in der Tat so groß, daß man nicht die Logik des einen dem anderen System einfach überstülpen kann.

    Deshalb wäre hier eine Feinjustierung der Maßnahmen dringend geboten! Wer nach so vielen Prüfungen - wie Herr Rosa es ja treffend beschreibt - immer noch ein Bittsteller oder vertrauensunwürdiger No-Name-Angestellter sein soll, der wird schlicht und ergreifend von seiner Gesellschaft nicht ausreichend geschätzt. Wer jemals eine Professur erreicht hat, ist de facto so oder so einer der Klügsten, Fähigsten und Besten in diesem Lande, ohne jede Diskussion.

    Während aber jeder offenbar Simpel durch gute Beziehungen Manager im Laden seines Kumpels oder durch populistischen Unsinn Landes- oder gar Bundespolitiker werden kann (Guttenberg: siebte Wahl; Wulff: dritte Wahl), ist eine Professur ein harter Kampf um Wissen und Wahrheit - wo bei dme gegenwärtigen System die Angepaßten über Gebühr gefördert werden, nicht die Besten. Und das ist eine Schande!

    Antwort auf "Unfassbar..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich kann Ihnen in vielen Punkten zustimmen. Dennoch ist es meiner Ansicht nach selbstverständlich, dass unabhängig von der Anzahl durchlaufener Prüfungen und der individuellen Profilierung, die Beantragung von Mitteln zur Aufrechterhaltung und Weiterführung von Forschung UND Lehre nicht von der Wertschätzung durch die Gesellschaft, sondern von den damit verbundenen Zielen und Erwartungen abhängig ist.

    Derartige Entscheidungen, bei denen es letztendlich neben der notwendigen Erweiterung von Wissen auch um die dafür notwendige finanzielle Unterstützung geht, dürfen nicht von der Person oder Position des Antragstellers, sondern müssen von dessen Qualifikation und dessen Zielen abhängig sein.

    Die Kennzahlen einer wettbewerbsorientierten Gesellschaft haben damit nichts zu tun. Sinn und Unsinn solcher Zahlen möchte ich hier nicht beurteilen.

    Ich stimme Ihnen zu, dass das Erlangen eines Lehrstuhles mit einer nachgewiesenen Befähigung für diesen verbunden ist, vor allem hinsichtlich Ihres Vergleiches mit der Qualifikation verschiedener unserer Politiker. Die Wertschätzung der Gesellschaft hat damit jedoch nichts zu tun, vor allem lässt sie sich nicht einfordern, sie kann nur genossen werden.

    Ich stimme Ihnen nicht zu "daß einem Nichtakademiker,....diese Denkwelt...verschlossen bleibt."
    Das ist meiner Ansicht nach unrichtig oder anmaßend, je nachdem, aus welcher Warte Sie diese Aussage treffen.

    • Mailer
    • 04.11.2011 um 14:34 Uhr

    Zu Ihrem ersten Absatz: Solange dies nicht exiszenzielle Relevanz hat: ja. Wenn aber Professuren bei Erstberufungen auf fünf Jahre befristet sind und in dieser Zeit eine Art "Forschungsbewährung" (Lehre spielt KEINE Rolle in der Karriereplanung), d.h. wieder Drittmitteleinwerbung und ausuferndes Publizieren der Maßstab ist - und danach nicht mehr gefragt wird, weil die Stelle entfristet wurde -, was hat man dann gewonnen? Man sät Mißtrauen durch erneute "Qualifikationsphasen", mehr nicht. Wer eine Professur bekommt, sollte Drittmittel einwerben KÖNNEN, aber nicht mehr MÜSSEN. Wo soll der Bewertungswahnsinn denn enden? Im Grab?

    Zweiter Absatz: In einer perfekten Welt mag dies so sein. In der Realität ist es das nicht.

    "Die Wertschätzung der Gesellschaft hat damit jedoch nichts zu tun, vor allem lässt sie sich nicht einfordern, sie kann nur genossen werden."

    Doch, Wertschätzung drückt sich z.B. durch Institutionalisierung aus. Wenn Prof, dann Vertrauen. Keine Vertrauenserosion durch die Hintertür!

    Letzter Absatz: Ich bleibe bei meiner Ansicht. Wer diese Horizonterweiterung nicht selbst erlebt (und damit die entsprechenden Qualifikationen nicht durchlaufen) hat, kann hier genauso wenig mitreden wie ein Blinder vom Sehen. Es mögen sich bekanntlich sehr viele Menschen für intelligent halten, aber die IQ-Normalverteilung ist hier kaum wegzudiskutieren.

    "Das Problem ist ... daß einem Nichtakademiker, vor allem aber auch einem Nichtwissenschaftler diese Denkwelt des eigenständigen (Dr./Prof.) wissenschaftlichen Arbeitens wohl weitestgehend verschlossen bleibt."

    Eine solche Aussage ist absolut anmaßend, überheblich und insbesondere sehr sehr dumm!!!

    Dieses Gejammere seitens sehr gut bezahlter Professoren wie Herrn Rosa sowie obige, an Arroganz kaum noch zu übertreffende Kommentare, sind neben den ganzen anderen Skandalen mit ein Grund warum in diesem Land das Wort Akademiker fast schon ein Schimpfwort ist!

    Zu behaupten Manager oder Politiker kämen eher aufgrund von Beziehungen oder Populismus in ihre Positionen während es sich bei Professoren stets um die Fleißigsten und Klügesten unsere Gattung handeln soll, das ist schon Weltfremdheit kaum zu überbieten!

    Gez.
    Ein promovierter Informatiker und Wissenschaftler!

    Ich kann Ihnen in vielen Punkten zustimmen. Dennoch ist es meiner Ansicht nach selbstverständlich, dass unabhängig von der Anzahl durchlaufener Prüfungen und der individuellen Profilierung, die Beantragung von Mitteln zur Aufrechterhaltung und Weiterführung von Forschung UND Lehre nicht von der Wertschätzung durch die Gesellschaft, sondern von den damit verbundenen Zielen und Erwartungen abhängig ist.

    Derartige Entscheidungen, bei denen es letztendlich neben der notwendigen Erweiterung von Wissen auch um die dafür notwendige finanzielle Unterstützung geht, dürfen nicht von der Person oder Position des Antragstellers, sondern müssen von dessen Qualifikation und dessen Zielen abhängig sein.

    Die Kennzahlen einer wettbewerbsorientierten Gesellschaft haben damit nichts zu tun. Sinn und Unsinn solcher Zahlen möchte ich hier nicht beurteilen.

    Ich stimme Ihnen zu, dass das Erlangen eines Lehrstuhles mit einer nachgewiesenen Befähigung für diesen verbunden ist, vor allem hinsichtlich Ihres Vergleiches mit der Qualifikation verschiedener unserer Politiker. Die Wertschätzung der Gesellschaft hat damit jedoch nichts zu tun, vor allem lässt sie sich nicht einfordern, sie kann nur genossen werden.

    Ich stimme Ihnen nicht zu "daß einem Nichtakademiker,....diese Denkwelt...verschlossen bleibt."
    Das ist meiner Ansicht nach unrichtig oder anmaßend, je nachdem, aus welcher Warte Sie diese Aussage treffen.

    • Mailer
    • 04.11.2011 um 14:34 Uhr

    Zu Ihrem ersten Absatz: Solange dies nicht exiszenzielle Relevanz hat: ja. Wenn aber Professuren bei Erstberufungen auf fünf Jahre befristet sind und in dieser Zeit eine Art "Forschungsbewährung" (Lehre spielt KEINE Rolle in der Karriereplanung), d.h. wieder Drittmitteleinwerbung und ausuferndes Publizieren der Maßstab ist - und danach nicht mehr gefragt wird, weil die Stelle entfristet wurde -, was hat man dann gewonnen? Man sät Mißtrauen durch erneute "Qualifikationsphasen", mehr nicht. Wer eine Professur bekommt, sollte Drittmittel einwerben KÖNNEN, aber nicht mehr MÜSSEN. Wo soll der Bewertungswahnsinn denn enden? Im Grab?

    Zweiter Absatz: In einer perfekten Welt mag dies so sein. In der Realität ist es das nicht.

    "Die Wertschätzung der Gesellschaft hat damit jedoch nichts zu tun, vor allem lässt sie sich nicht einfordern, sie kann nur genossen werden."

    Doch, Wertschätzung drückt sich z.B. durch Institutionalisierung aus. Wenn Prof, dann Vertrauen. Keine Vertrauenserosion durch die Hintertür!

    Letzter Absatz: Ich bleibe bei meiner Ansicht. Wer diese Horizonterweiterung nicht selbst erlebt (und damit die entsprechenden Qualifikationen nicht durchlaufen) hat, kann hier genauso wenig mitreden wie ein Blinder vom Sehen. Es mögen sich bekanntlich sehr viele Menschen für intelligent halten, aber die IQ-Normalverteilung ist hier kaum wegzudiskutieren.

    "Das Problem ist ... daß einem Nichtakademiker, vor allem aber auch einem Nichtwissenschaftler diese Denkwelt des eigenständigen (Dr./Prof.) wissenschaftlichen Arbeitens wohl weitestgehend verschlossen bleibt."

    Eine solche Aussage ist absolut anmaßend, überheblich und insbesondere sehr sehr dumm!!!

    Dieses Gejammere seitens sehr gut bezahlter Professoren wie Herrn Rosa sowie obige, an Arroganz kaum noch zu übertreffende Kommentare, sind neben den ganzen anderen Skandalen mit ein Grund warum in diesem Land das Wort Akademiker fast schon ein Schimpfwort ist!

    Zu behaupten Manager oder Politiker kämen eher aufgrund von Beziehungen oder Populismus in ihre Positionen während es sich bei Professoren stets um die Fleißigsten und Klügesten unsere Gattung handeln soll, das ist schon Weltfremdheit kaum zu überbieten!

    Gez.
    Ein promovierter Informatiker und Wissenschaftler!

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