ErfolgDas Zitat... und Ihr Gewinn

Wolf Biermann sagt: Nur wer sich ändert, bleibt sich treu

Ist es im Beruf wie bei einer komplizierten Zugreise? Braucht man, um sicher am Ziel anzukommen, einen Reiseplan? Die Ratgeberliteratur hat einen Erfolgsgaranten ausgemacht: den »Karriereplan« . Als ließe sich eine Karriere zentimetergenau planen, Station für Station. Ich finde: Zu einer Berufswelt, die sich schneller wandelt als je zuvor, passt diese Planwirtschaft so wenig wie eine Ritterrüstung zur rhythmischen Sportgymnastik.

Was nützt der beste Karriereplan, wenn die Aufgabe, die man begehrt, nach Fernost ausgelagert wird? Was nützt er, wenn die Firma, wo man aufsteigen will, als Insolvenz oder Spielmasse einer Fusion endet? Und was, wenn die ganze Industrie, auf die man setzt, im Strudel der Globalisierung absäuft?

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Außerdem: Derselbe Mensch, der in jungen Jahren noch eine globale Karriere plant, kann nach seiner ersten Auslandserfahrung national denken. Derselbe Mensch, der als Studienabgänger einen Aufstieg anstrebt, kann beim Blick ins Haifischbecken des Managements einsehen, dass ihn eine Fachposition doch mehr erfüllt. 

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Wahr ist: Die Zugkraft von Zielen wächst, wenn man sie aufschreibt und sie sich im Detail vorstellt. Das weckt Optimismus und legt Nervenbahnen im Gehirn an, die das zieldienliche Handeln erleichtern. Aber wahr ist auch: Jedes Ziel, das Sie heute festlegen, kann nur ein vorläufiges Ziel sein, das Sie immer wieder abgleichen sollten mit dem, was sich in der Berufswelt und an Ihrer Einstellung verändert.

Nicht das Ziel ist entscheidend, sondern Ihre Werte dahinter. Eine wichtige Frage: Was ist gewährleistet, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben? Wer zum Beispiel Geschäftsführer werden möchte, könnte antworten: »Dann kann ich endlich nach meinen eigenen Wünschen ein Geschäft gestalten.« Dieser Wert – die Gestaltungsmöglichkeit – ließe sich aber ebenfalls in einer Selbstständigkeit verwirklichen. Warum sollte dieser Kandidat nicht eine Firma gründen, wenn ihm eine interessante Geschäftsidee zufliegt? Nur weil sein Karriereplan eine andere Richtung vorsieht?

Planwirtschaft ist ein Fluch, auch bei Karriereplänen. Der moderne Karriereplan gibt eine Zielrichtung, aber kein starres Endziel vor. Er erforscht die Werte, die ein Ziel symbolisiert – und schärft den Blick für alternative Wege . Manchmal ist es ratsam, ein altes Karriereziel aufzugeben und sich ein neues zu stecken. Mit Wolf Biermann gesagt: »Nur wer sich ändert, bleibt sich treu!«

 
Leserkommentare
  1. "Ich arbeite in einem Irrenhaus"

    Auch ein Karriereziel. Immerhin eine weitere erfolgreiche Fortsetzung der ZEIT-Serie "Nichtssagende Artikel zum Thema Berufsleben".
    [...]

    Gekürzt. Bitte äußern Sie Ihre Kritik sachlich und konstruktiv. Danke. Die Redaktion/ag

  2. In der heutigen Gesellschaft wird jeder von kleinauf auf Ehrgeiz getrimmt. Da steckt man sich zwangsläufig Ziele und plant die Zukunft.
    Ehrgeiz ist auch ein Hauptgrund für die Verdummung der Gesellschaft und für Spätfolgen wie Depressionen und Neurosen.

  3. Ein Sprichwort lautet: "Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben muss man es vorwärts". Aber wer das einem Personalchef sagt, der nach dem "roten Faden" in der Berufsplanung gefragt hat, erntet sicher nur ein Stirnrunzeln.

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