Die Verfeinerung von Bewährtem
Eigentlich ein Paukenschlag: vier Jahrzehnte Schulsystemdebatte umsonst, Regalkilometer an didaktischen Beschwörungen des Offenen und Autonomen überflüssig! Welch veritables Stück Bildungsgerechtigkeit hätte sich in der Zeit und mit dem Papier schaffen lassen! Denn »nahezu alles, was die moderne Schulpädagogik für fortschrittlich hält« – so warnt der Göttinger Erziehungswissenschaftler Hermann Giesecke schon seit Langem –, »benachteiligt die Kinder aus bildungsfernem Milieu«.
Auf das Handeln der Lehrer kommt es also an – auf die richtige Einstellung und auf viel Kleinarbeit: dass sie das Vorwissen für neue Lernschritte bei ihren Schülern nicht einfach voraussetzen (Startillusion), sondern sorgfältig in Erfahrung bringen – und rechtzeitig und fantasievoll aktivieren. Dass sie nicht der gemütlichen These anhängen, Kinder wüssten selbst am besten, was gut für sie ist (Autonomieillusion), sondern deren entwicklungspsychologischem Bedürfnis nach Anleitung, Erklärung und Orientierung nachkommen. Dass sie sich nicht mit zwei, drei bestätigenden Schülerantworten zufriedengeben (Verständnisillusion), sondern eine Palette an Verstehens-, Trainings- und Überprüfungsaktivitäten organisieren.
Die Befunde der jüngsten XXL-Analyse wirken wie ein Gegenstück zur gängigen Reformeuphorie – sie sprechen für die Verfeinerung von Bewährtem: Der gute Lehrer als leidenschaftlicher Erzieher und Erklärer, der seine Schüler ernst nimmt – er vermag ihre Perspektive als Lernende einzunehmen, und er verdeutlicht ihnen die seinige als Unterrichtender. Die Hattie-Studie ist beileibe kein Freibrief für monotonen Lehrervortrag – aber eine Absage an jede Selbstlernidyllik.
Mittlerweile bezahlen wir Heerscharen von Akademikern dafür, dass sie ständig pädagogische Neuigkeiten präsentieren. Es geht aber nicht darum, Schule permanent neu zu denken – es geht darum, genügend Praktiker zu haben, die selbstbewusst und feinfühlig einen guten Mix an Lernaktivitäten ausbalancieren, Tag für Tag. Das Rad muss auch in der Pädagogik nicht neu erfunden werden – es gilt vielmehr, beständig daran zu arbeiten, dass die Räder rund, leicht und gut gelagert sind. Mit Goethe könnte man auch sagen: Alles Vernünftige ist bereits einmal gedacht worden – es kommt darauf an, es noch einmal genauer zu betrachten.
- Datum 07.11.2011 - 13:18 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 3.11.2011 Nr. 45
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Aber dennoch kleine Korrektur:
Doch er ist wichtig _ NEIN! Er ist der WICHTIGSTE!
Er ist der Eingang zum Bildungs- und Formungsprozesses für das Kind. Nicht die Struktur, sondern das KÖNNEN des lehrers ist entscheident - "Der gute Lehrer als leidenschaftlicher Erzieher und Erklärer"!
Ich habe es schon des öfteren gesagt: Leider sind die Lehrer dafür schlecht ausgebildet durch die praxisunwirksamen "Wissenschaften" Pädagogik und Didaktik und zusätzlich müssen sie sich an unlogisch aufbauenden und sachzerrissenen Lehrplänen festhalten!
Schmeisst die Theorieprofessoren aus den Universitäten und nehmt dafür praxis- und wirtschaftserfahrene Lehrer, besonders quereingestiegene Berufsschullehrer, die nach dieser logisch einfachen und komplexen Lehrphilosophie lehren, dann erbringen die neuausgebildeten Referendare auch einen gewaltigen Bildungssprung!
Lehrer sind wichtig, Stundenpläne auch. Am wichtigsten ist aber die Verknüpfung von Unterrichtsstoff mit der praktischen Anwendbarkeit und der persönlichen Lebensrealität der Schüler [...]. Nur so wird Interesse geweckt und die Kinder werden leicht und gerne lernen.
Dafür sind nicht unbedingt wirtschaftserfahrene Lehrer notwendig, sondern Lehrer mit Engagement, Allgemeinbildung, Hausverstand und Phantasie.
Bitte beachten Sie, dass die Kommentarfunktion nicht zur Bewerbung des eigenen Blogs vorgesehen ist. Danke, die Redaktion/fk.
In der DDR hatten die Lehrer viele auch praktische Kurse in Didaktik und Psychologie. Heute werden sie mit unnützer Theorie vollgestopft und sehen meist erst am Ende des Studiums beim Referendariat "echte Schüler".
denn der beste Lehrer kann nur begrenzt gute Ergebnisse liefern, solange die Lehrpläne so katastrophal schlecht sind, wie sie sind.
Damit wird dem Lehrer auch die Möglichkeit genommen seine Kompetenz überhaupt erst tragend einzusetzen.
Die aktuellen Vorgaben widersprechen jeder wissenschaftlichen Erkenntnis, wie Menschen überhaupt lernen und wie man zum größtmöglichen Erfolg kommt. Man könnte fast annehmen die Lehrpläne wurden gemacht, um das Ergebnis zu minimieren.
Das hat auch Auswirkungen auf das Personal. denn diese Vorgaben ziehen auch Anwärter an, die dieses Vorgehen für gut halten.
H.
Lehrer sind wichtig, Stundenpläne auch. Am wichtigsten ist aber die Verknüpfung von Unterrichtsstoff mit der praktischen Anwendbarkeit und der persönlichen Lebensrealität der Schüler [...]. Nur so wird Interesse geweckt und die Kinder werden leicht und gerne lernen.
Dafür sind nicht unbedingt wirtschaftserfahrene Lehrer notwendig, sondern Lehrer mit Engagement, Allgemeinbildung, Hausverstand und Phantasie.
Bitte beachten Sie, dass die Kommentarfunktion nicht zur Bewerbung des eigenen Blogs vorgesehen ist. Danke, die Redaktion/fk.
In der DDR hatten die Lehrer viele auch praktische Kurse in Didaktik und Psychologie. Heute werden sie mit unnützer Theorie vollgestopft und sehen meist erst am Ende des Studiums beim Referendariat "echte Schüler".
denn der beste Lehrer kann nur begrenzt gute Ergebnisse liefern, solange die Lehrpläne so katastrophal schlecht sind, wie sie sind.
Damit wird dem Lehrer auch die Möglichkeit genommen seine Kompetenz überhaupt erst tragend einzusetzen.
Die aktuellen Vorgaben widersprechen jeder wissenschaftlichen Erkenntnis, wie Menschen überhaupt lernen und wie man zum größtmöglichen Erfolg kommt. Man könnte fast annehmen die Lehrpläne wurden gemacht, um das Ergebnis zu minimieren.
Das hat auch Auswirkungen auf das Personal. denn diese Vorgaben ziehen auch Anwärter an, die dieses Vorgehen für gut halten.
H.
Zum Glück sind diese Einsichten an meiner Uni (Erlangen) schon angekommen. Problematisch finde ich lediglich, dass die Überschrift etwas unpassend und übertrieben wirkt. Das System (oder sagen wir lieber die Systeme) produziert/-en tatsächlich Probleme, die mindestens indirekt immer auch die Schüler belasten. Wofür etwa überhaupt eine Bildungshoheit der Bundesländer? Diese schafft doch nur Probleme, vom Verwaltungsaufwand u.ä. über Schwierigkeiten für Eltern und Kinder bis zu der (in der Zeit erst neulich beleuchteten) Unmöglichkeit für die Unternehmen, Abschlüsse zu vergleichen - oder, angesichts der heutigen Situation, überhaupt nur einen Überblick zu behalten, was wo wie funktioniert. Zum Glück geht es im Artikel selbst etwas anders zu.
Ja, der Herr war die Didaktik Standardlektüre in der Ausbildung... . Nun ist alle anders. Gute Lehrerausbilder waren an der Uni selten. Die Didaktiker und Pädagogen waren fast alles in der Schule gekrachte Existenzen, die sich mit einer Doktorarbeit an die Uni flüchteten. "Ausschuss geht ans Werk zurück." war unser Spruch dazu. Die Ansicht macher, dass diese Theoretiker doch bitte selber an den Schulen unterrichten sollten, lehne ich ab. Das darf man den Kindern nicht antun.
Ich hatte einige geborene Lehrer unter meinen Kommilitonen. Es hat Spaß gemacht, bei ihnen zu hospitieren und sie sind erfolgreich und ihre Schüler sind erfolgreich und das Ganze trotz der erlittenen Ausbildung und trotz des bundesdeutschen Bildungschaos. Was würden sie erreichen, wenn sie nicht auch noch immer gegen Windmühlen kämpfen müssten.
Mein Weg war ein anderer, ich habe früh genug gemerkt, dass es sowohl für die Schüler, als auch für mich besser ist, wenn sich unsere Wege trennen.
Diesen Entschluss würde ich mir bei manch anderem allerdings auch gewünscht haben, wenn ich manche Lehrer meiner Kinder sehe...
Es ist sooooooooooo langweilig, dieses Lehrerbashing - jetzt erweitert ums Ausbilder- und Hochschuldidaktikerbashing.
Gähn.
Da lobe ich mir die selbstkritische Haltung des Hilbert Meyer, der stets noch Empirie und Theorie zu verbinden weiß.
Eine Lehramtsstudentin, eine Referendarin wird mit Hilbert Meyers Standardwerken im Gepäck größere Chancen haben eine gute Lehrerin zu werden als ohne.
Nur stromlinienförmige, angepasste ("ich lese Didaktikbücher, wenn ich nicht einschlafen kann") LehrerInnen brauchen unsere Kinder wirklich nicht.
Ich habe den Artikel nicht gegen Meyer gelesen, sondern als Stärkung der Lehrerrolle gegen bloße Systemsteuerungspädagogik und ihren Funktionalismus.
Subjektwerdung braucht lebendige, bildungsbegeisterte Subjekte auf beiden Seiten des Lehr-Lern-Prozesses.
Es ist sooooooooooo langweilig, dieses Lehrerbashing - jetzt erweitert ums Ausbilder- und Hochschuldidaktikerbashing.
Gähn.
Da lobe ich mir die selbstkritische Haltung des Hilbert Meyer, der stets noch Empirie und Theorie zu verbinden weiß.
Eine Lehramtsstudentin, eine Referendarin wird mit Hilbert Meyers Standardwerken im Gepäck größere Chancen haben eine gute Lehrerin zu werden als ohne.
Nur stromlinienförmige, angepasste ("ich lese Didaktikbücher, wenn ich nicht einschlafen kann") LehrerInnen brauchen unsere Kinder wirklich nicht.
Ich habe den Artikel nicht gegen Meyer gelesen, sondern als Stärkung der Lehrerrolle gegen bloße Systemsteuerungspädagogik und ihren Funktionalismus.
Subjektwerdung braucht lebendige, bildungsbegeisterte Subjekte auf beiden Seiten des Lehr-Lern-Prozesses.
"Wie gut Kinder lernen, hängt vom Können ihrer Lehrer ab. Der Umbau von Schulstrukturen ist zweitrangig."
Das Können der Lehrer ist jedoch direkt abhängig von den Schulstrukturen. Die Strukturen beeinflussen, wer sich für den Lehrerberuf entscheidet, wer genommen wird und wer dabei bleibt. Die Strukturen entscheiden, wie sich Lehrer Entwickeln, welche Chancen sie haben, ob sie motiviert bleiben, sich weiterentwickeln können.
Determinanten sind z.B. die Hierarchiestrukturen. Können motivierte Lehrer mit neuen Ideen von älteren einfach abgekanzelt werden? Entscheiden sie mit, wie die Schule geführt wird?
Andere strukturelle Faktoren sind Entlohnung und Status. Noch muss man sich entscheiden ob man lehren (an Schule oder Uni) oder ob man etwas verdienen will.
Wie sieht es aus mit Personalentwicklung und psychologischer Unterstützung? Gerade auch bezüglich Burnout?
Kurzum: Der Lehrer mag das wichtigste sein, aber die Schulstruktur setzt den Rahmen in dem er oder sie sich entfalten kann. Die Struktur setzt das Maximum und ohne sie zu verbessern können Lehrer auch nur schwer mehr leisten. Dies zu verkennen bedeutet strukturelle Probleme Individuen anzulasten. Denn wenn der Lehrer das wichtigste ist, dann ist er auch primär Schuld an allem dass schief läuft.
Es ist sooooooooooo langweilig, dieses Lehrerbashing - jetzt erweitert ums Ausbilder- und Hochschuldidaktikerbashing.
Gähn.
Da lobe ich mir die selbstkritische Haltung des Hilbert Meyer, der stets noch Empirie und Theorie zu verbinden weiß.
Eine Lehramtsstudentin, eine Referendarin wird mit Hilbert Meyers Standardwerken im Gepäck größere Chancen haben eine gute Lehrerin zu werden als ohne.
Nur stromlinienförmige, angepasste ("ich lese Didaktikbücher, wenn ich nicht einschlafen kann") LehrerInnen brauchen unsere Kinder wirklich nicht.
Ich habe den Artikel nicht gegen Meyer gelesen, sondern als Stärkung der Lehrerrolle gegen bloße Systemsteuerungspädagogik und ihren Funktionalismus.
Subjektwerdung braucht lebendige, bildungsbegeisterte Subjekte auf beiden Seiten des Lehr-Lern-Prozesses.
Auch die Schüler spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Jede Klasse ist unterschiedlich. Was für den einen gut ist, muss es für den anderen noch lange nicht sein. In 37 Jahren Schulerfahrung bin ich zum Schluss gekommen, das auch Schüler erst lernen müssen frei zu lernen. Also, je jünger die Schüler, umso mehr Anleitung und Hilfe durch den Lehrer. Je unsicherer bzw. schwächer die Schüler, um so mehr profitieren sie anfänglich vom Frontalunterricht. Man muss nur immer als Lehrer im Auge behalten, das diese Form in einen schülerzentrierten Unterricht übergeleitet werden sollte. Ein guter Lehrer ist nicht zu ersetzen, durch keine noch so ausgeklügelten Medien. Immer noch kann ein Lehrer,zumindest die jüngeren Schüler duch eine packende Erzählung fesseln, wie es ein Film nie vermag.
auch nicht anders. der grundtenor von schule ist immer noch
hauptsächlich die selektion von schülern, um damit der wirtschaft das passende prozent an kontingent backverkäufern, handwerkern und ingenieuren zu liefern. die deutsche schule ist nicht dem lehren verschrieben, sondern ein produzent für wirtschaftliche belange. deswegen gibt es in deutschen schulen z.b kaum förderung, sondern nur forderung.
Bildung erlangt man trotz Schule, nicht durch die Schule.
nicht zuhause. Natuerlich kann das Elternhaus gute Voraus-
setzungen schaffen, aber die Schuld bei Versagen der Schueler auf das Elternhaus zu schieben ist eine alte
Schutzbehauptung der Lehrer, die nicht zieht. Ich war
12 Jahre lang Schulelternsprecher und weiss, wovon ich rede.
nicht zuhause. Natuerlich kann das Elternhaus gute Voraus-
setzungen schaffen, aber die Schuld bei Versagen der Schueler auf das Elternhaus zu schieben ist eine alte
Schutzbehauptung der Lehrer, die nicht zieht. Ich war
12 Jahre lang Schulelternsprecher und weiss, wovon ich rede.
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