Psychologie Jiu-Jitsu für die Psyche
Wie man die menschliche Trägheit nutzt, um schädliche Gewohnheiten zu verändern. Ein Gespräch mit der Wirtschaftspsychologin Elke U. Weber
DIE ZEIT: Frau Weber, warum fällt es uns so schwer, unsere schlechten ökologischen Gewohnheiten zu verändern?
Elke Weber: Eine Gewohnheit ist ein Anpassungsmechanismus. Er hilft, die geringe Menge an Aufmerksamkeit, die wir haben, aufs Beste zu verwenden. Wenn etwa unsere Essgewohnheiten oder die Gewohnheiten unseres Energiekonsums funktionieren und Gewinn bringen, wiederholen wir sie und sind uns bald der automatischen Auslösung dieser Handlungen nicht mehr bewusst. Eine notwendige Veränderung – etwa weil sich unser Blutzucker erhöht oder das Klima sich verändert – ist dann anstrengend und benötigt bewusste Aufmerksamkeit. Und wenn diese schon durch anderes beansprucht ist, etwa Sorgen über die Wirtschaftskrise, tendieren wir dazu, weiter entfernte Symptome erst einmal zu ignorieren oder anzuzweifeln.
ZEIT: Bei der Falling Walls- Konferenz in Berlin diese Woche sollen Sie erklären, wie man diese Trägheit gegenüber Veränderungen überwindet. Was schlagen Sie vor?
Elke U. Weber ist eine der Gründungsdirektorinnen des Center for Decision Sciences an der Columbia University in New York. Diese Woche wird sie in Berlin bei der Falling Walls-Konferenz vorschlagen, wie man die Mauern des Widerstands gegen Veränderungen einreißen kann.
Weber: Wir wissen heute, dass Entscheidungen nicht bloß das Ergebnis einer nüchternen Analyse unserer Präferenzen sind, sondern dass sie häufig kurzfristig »konstruiert« werden und dass dieser Prozess beeinflussbar ist. Daher kommt es stark auf den Entscheidungsrahmen an.
ZEIT: Was bedeutet das konkret?
Weber: Wenn wir uns selbst nach Argumenten für verschiedene Handlungsmöglichkeiten befragen, gehen wir diese zwar eine nach der anderen durch; doch bevorzugen wir unwillkürlich stets die erste Option. Bei dem inneren Plädoyer für die erste Wahlmöglichkeit unterdrücken wir automatisch jene Gründe, die für andere Optionen sprechen, weil sie mit der ersten Option in Konflikt gerieten. Dieser Mechanismus führt dazu, dass die unterdrückten Argumente später mehr Schwierigkeiten haben, wieder an die Oberfläche zu kommen, wenn »ihre« Frage »dran ist«.
ZEIT: Und welche Option wird gewöhnlich zuerst in Betracht gezogen?
Weber: Der Status quo. Fast automatisch suchen wir zunächst nach Argumenten für das, was wir augenblicklich und schon länger tun. Aus evolutionärer Sicht macht das Sinn. Hat man etwas über längere Zeit getan, heißt das meistens, dass es zu guten Resultaten führte und nicht gefährlich war. Daher halten wir am Status quo fest.
ZEIT: Wie lässt sich dieser Reflex verhindern?
Weber: Natürlich kann man versuchen, seine innere Trägheit durch Willenskraft zu überwinden. Aber das ist schwer, und nicht jeder hat genügend Willenskraft. Häufig muss man sich selbst überlisten – ähnlich wie Odysseus, der sich an den Mast binden ließ, um dem Gesang der Sirenen lauschen zu können, ohne ihnen zu verfallen. Man muss sich von vornherein jene Handlungsmöglichkeiten verbauen, von denen man weiß, dass sie gefährlich, aber unwiderstehlich sind.
ZEIT: Wie der Langschläfer, der den Wecker abends so weit außer Reichweite stellt, dass er morgens aufstehen muss?
Weber: Genau.
- Datum 07.11.2011 - 16:48 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 3.11.2011 Nr. 45
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Sehr interessant! Ich hoffe inständig, dass solche Diskurse viele mehr öffentliche Beachtung erfahren. Ich glaube, es gibt keinen anderen Weg aus der oder den Krisen, der Gegenwart. Egal welchen ihrer Aspekte man betrachtet.
Nach einer theoretischen Aussage mit den Abstrakta "Entscheidungen", "Analyse", "Präferenzen", "konstruiert", "Prozess", "Entscheidungsrahmen" usw. fragen die Interviewer: "Was bedeutet das konkret"? Darauf folgen die Abstrakta "Argumente", "Handlungsmöglichkeiten", "Option", "Plädoyer", "Option", "Mechanismus" usw.
Und was bedeutet das nun konkret? Das bedeutet konkret: Frau Weber kann nur abstrakt.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf diskriminierende Äußerungen. Die Redaktion/ag
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Ich kann diese Argumentation vollkommen nachvollziehen. Habe es früher auch gern so gemacht, dass ich einfach untätig geblieben, wenn es eigentlich nötig war, eine Entscheidung zu treffen. Seit ich aber mit Qi Gong gelernt habe, meine inneren Schweinehund zu überwinden, fällt es mir auch viel leichter, Probleme anzugehen, damit ich sie nicht ständig im Kopf behalte. Früher war "Prokrastination" mein Stichwort, jetzt ist es eher "Aktion".
Konkret geht etwa so: http://www.youtube.com/wa...
Aber wer nimmt sich die Zeit?
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf diskriminierende Äußerungen. Die Redaktion/ag
Daß jemand beständig die falschen Frauen kennenlernt, kommt öfter vor. Meistens liegt es daran, daß die Muster in seinem Kopf ihn dazu zwingen.
Im übrigen gehört das Abstrakte zur Logik, werter Herr, das Konkrete eher zum Bereich des Sinnlichen. Ihre verallgemeinernden Schlußfolgerungen sind demgemäß unzutreffend und schlecht durchdacht. Vermutlich nicht konkret genug. Aber auf jeden Fall unlogisch.
Daß jemand beständig die falschen Frauen kennenlernt, kommt öfter vor. Meistens liegt es daran, daß die Muster in seinem Kopf ihn dazu zwingen.
Im übrigen gehört das Abstrakte zur Logik, werter Herr, das Konkrete eher zum Bereich des Sinnlichen. Ihre verallgemeinernden Schlußfolgerungen sind demgemäß unzutreffend und schlecht durchdacht. Vermutlich nicht konkret genug. Aber auf jeden Fall unlogisch.
Daß jemand beständig die falschen Frauen kennenlernt, kommt öfter vor. Meistens liegt es daran, daß die Muster in seinem Kopf ihn dazu zwingen.
Im übrigen gehört das Abstrakte zur Logik, werter Herr, das Konkrete eher zum Bereich des Sinnlichen. Ihre verallgemeinernden Schlußfolgerungen sind demgemäß unzutreffend und schlecht durchdacht. Vermutlich nicht konkret genug. Aber auf jeden Fall unlogisch.
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