Santo Versace: "Diebe raus aus der Politik"
Der italienische Unternehmer Santo Versace über Korruption, Moral und die Mafia in seinem Land.
© Getty Images

Italiens Premier Silvio Berlusconi
DIE ZEIT:Italien erlebt dramatische Wochen. Die Rating-Agenturen stufen die Kreditwürdigkeit herab, die Zinsen und damit auch der horrende Schuldenberg von fast zwei Billionen Euro wachsen stetig. Wie konnte es dazu kommen?
Santo Versace: Ich bin überzeugt, dass unsere Schulden zu einem guten Teil der Korruption entspringen. Jährlich fließen hier 60 Milliarden Euro für die Korruption auf allen Ebenen. Zudem haben wir 120 Milliarden im Jahr an Steuerhinterziehung. Alles Rekordzahlen, die beweisen: Es fehlt nicht an Geld in Italien . Das Problem ist nur, wie es verteilt wird.
ZEIT: Bei Ihrer Aufzählung haben Sie die Schattenwirtschaft im Süden und den Umsatz der drei Mafia-Organisationen ’Ndrangheta, Camorra und Cosa Nostra vergessen.
Versace: Oh ja. Da reden wir von geschätzten 250 Milliarden Euro. Eine ungeheure Summe.
- Modekonzern Versace
Santo Versace leitet gemeinsam mit seiner Schwester Donatella den Modekonzern Versace (292 Millionen Euro Umsatz). Versace wurde 1945 in Kalabrien geboren und half als Kind gern seinem Vater, der Kohlehändler war. Er studierte Betriebswirtschaft und arbeitete zunächst in seiner Heimatregion als Steuerberater, bevor er 1976 seinem jüngeren Bruder Gianni nach Mailand folgte. Die Gebrüder Versace bauten einen weltweit erfolgreichen Modekonzern auf – Gianni als Designer, Santo als Geschäftsführer. Später stieg auch die Schwester Donatella ein. Nach Gianni Versaces Ermordung 1997 hält Santo Versace 35 Prozent der Anteile am Konzern.
- Politisches Engagement
2008 zog der ehemalige Sozialist für Silvio Berlusconis Partei »Volk der Freiheit« ins Parlament ein. Versace unterstützt mehrere Anti-Mafia-Organisationen in seiner Heimatregion Kalabrien und engagiert sich auch im Parlament gegen die kalabrische Mafia-Organisation ’Ndrangheta. Immer vehementer kritisiert er öffentlich die Wirtschaftspolitik der Regierung und die Privilegien der italienischen Politikerkaste. Am 27. September 2011, dem 75. Geburtstag von Parteichef Berlusconi, trat der Unternehmer aus der Partei aus. Bei der Vertrauensabstimmung am 14. Oktober stimmte Versace erstmals gegen Berlusconi.
ZEIT: Das Parlament hat ein Sparpaket von 54 Milliarden Euro verabschiedet. Was halten Sie davon?
Versace: Mit dem Spargesetz streben wir den Haushaltsausgleich für 2013 an. Also habe ich aus Verantwortungsgefühl dafür gestimmt. Schließlich müssen wir Europa zeigen, dass wir uns anstrengen. Aber ich habe meinen damaligen Parteifreunden auch gesagt: Das reicht nicht aus. Ab heute machen wir ernsthafte Reformen.
ZEIT: Das war im September. Mittlerweile sind Sie aus der Berlusconi-Bewegung Volk der Freiheit ausgetreten und haben bei der letzten Vertrauensabstimmung am 12. Oktober zum ersten Mal gegen Berlusconi gestimmt.
Versace: Ich bin am 29. September ausgetreten, an Silvio Berlusconis 75. Geburtstag. Weil ich finde, so können wir nicht weitermachen. Wir Parlamentarier müssen das Allgemeinwohl über unsere persönlichen Interessen stellen. Diese Regierung wird die nötigen Reformen nicht anpacken. Es ist absolut verantwortungslos, beispielsweise die Rentenreform auch nur um eine Woche zu verschieben. Wir können nicht akzeptieren, dass ein großes Land wie Italien durch eine falsche Politik und das Gezänk der Koalitionspartner vollkommen blockiert ist.
ZEIT: Welche Alternative zu Berlusconi sehen Sie?
Versace: Ein überparteiliches Kabinett mit klaren Zielen, das die strukturellen Reformen durchzieht und dessen Mitglieder auch moralisch nicht angreifbar sind.
ZEIT: Die Verschlankung des politischen Apparats ist für die Regierung bislang kein Thema. Italien leistet sich fast tausend Parlamentarier mit Rekordgehalt. Gleichzeitig ist der Regierungschef ein Unternehmer. Warum hat Berlusconi die italienische Politik nicht reformiert?
Versace: Wenn die Wirtschaft rund läuft und alles funktioniert, ist niemand bereit, Opfer zu bringen. Und dann gibt es auch noch ein Kompetenzproblem in der politischen Kaste. Als ich in den sechziger Jahren in die Sozialistische Partei eintrat, brauchten wir für den Ortsverband einen Portier. Also engagierten wir einen Genossen und dachten, wir geben ihm 30.000 Lire, und dann ist es gut. Aber nein. Dieser Genosse wurde erst Gemeinderat, dann Regionalvertreter und schließlich Abgeordneter.




Bitte, Frau Schönau, bitte, hören Sie mit solchen entgegenkommenden Interviews mit it. Untenehmern auf, diejenigen, die, nach Jahrzehnten Ünterstüzung für korrupte Parteiein wie die DC, seit fast 20 Jahren Berlusconi treu und überzeugt unterstützt haben, und nun, als das Schiff sinkt, wie Ratten, es (und ihn) verlassen. Bitte: ein Vorbild in Herr Versace zu nehmen, ist absurd, der, unter anderem, nur am 29.09.2011 (das heißt nach 3 Jahren und 5 Monaten nach seiner eigener Wahl als Abgeordnete in der Reihe der PdL), endlich entdeckt hat, wer Berlusconi ist! Glückwünsche!
Aber Ihr Stil ist so... schöne Geschichten von "guten" Menschen als verborgene Werbung (kann nie wissen, was sich daher ergibt: Sie auch "tenete famiglia"...). Arme dt. Presse.
Das ist wie die Frage mit den Verfallsdaten: Was ist nur in der Nacht vom 28. auf den 29. September passiert? Oder dreht da nur jemand sein Fähnchen nach dem neuen Wind?
Anders gefragt: Warum unterstützen Leute wie Versace jahrzehntelang jemanden wie Berlusconi? Das jemand wie er überhaupt erst an die Macht kommt, ist doch das Zeichen eines totalen Versagens auf allen demokratischen Instanzen - Justiz natürlich inbegriffen - und was da Versace von sich gibt, nur noch peinlich.
Das Problem ist nur, dass die "Bürgerlichen" - das läßt sich mit "rechts" und "links" heute gar nicht mehr richtig erfassen - zu so ziemlich allen Kompromissen bereit sind, solange es ihren persönlichen Interessen nutzt. Und Berlusconi muss anscheinend sehr vielen genutzt haben - nur nicht dem Volk, dem Staat, und ganz sicher nicht der Demokratie.
spricht mal jemand die Mafia-Gelder an.
Das wurde bei allen Diskussionen über die finanzielle Lage in Italien vergessen.
Ein wichtiger Aspekt, den man bei allen Rettungsaktionen bedenken sollte.
- doch wie kommt man innerhalb des Systems Italien in 50 Jahren vom Kohlehändler-Kind nach ziemlich weit oben?
Im WDR lief mal vor einiger Zeit eine Doku über die Mafia. Da war die Rede von 150 Mrd. Euro jährlichen geschätzten Gewinnen. Das sind nun volkswirtschaftlich keine Peanuts mehr. Es existieren gerade im Süden starke strukturelle Nachfrageprobleme, wohin die führen, wird Ökonomen mittlerweile bewusst, glaube ich...
In den Medien wird das nach meinen Kenntnisstand nicht erwähnt.
Im WDR lief mal vor einiger Zeit eine Doku über die Mafia. Da war die Rede von 150 Mrd. Euro jährlichen geschätzten Gewinnen. Das sind nun volkswirtschaftlich keine Peanuts mehr. Es existieren gerade im Süden starke strukturelle Nachfrageprobleme, wohin die führen, wird Ökonomen mittlerweile bewusst, glaube ich...
In den Medien wird das nach meinen Kenntnisstand nicht erwähnt.
Im WDR lief mal vor einiger Zeit eine Doku über die Mafia. Da war die Rede von 150 Mrd. Euro jährlichen geschätzten Gewinnen. Das sind nun volkswirtschaftlich keine Peanuts mehr. Es existieren gerade im Süden starke strukturelle Nachfrageprobleme, wohin die führen, wird Ökonomen mittlerweile bewusst, glaube ich...
In den Medien wird das nach meinen Kenntnisstand nicht erwähnt.
Wundert mich auch, dass das in den Medien nicht erwähnt.
Welche Rolle die Mafia volkswirtschaftlich spielt, ist ja bekannt.
Vor allem im Ausland (z.B. auch auf einer kleinen Baleareninsel wurde viel investiert, was man 3 Monaten Saison in 10 Jahren nicht erwirtschaften kann).
Der Mafia kommt der Euro zugute. Bei den Riesensummen würde ein Umtausch viel eher auffallen.
Wundert mich auch, dass das in den Medien nicht erwähnt.
Welche Rolle die Mafia volkswirtschaftlich spielt, ist ja bekannt.
Vor allem im Ausland (z.B. auch auf einer kleinen Baleareninsel wurde viel investiert, was man 3 Monaten Saison in 10 Jahren nicht erwirtschaften kann).
Der Mafia kommt der Euro zugute. Bei den Riesensummen würde ein Umtausch viel eher auffallen.
Wundert mich auch, dass das in den Medien nicht erwähnt.
Welche Rolle die Mafia volkswirtschaftlich spielt, ist ja bekannt.
Vor allem im Ausland (z.B. auch auf einer kleinen Baleareninsel wurde viel investiert, was man 3 Monaten Saison in 10 Jahren nicht erwirtschaften kann).
Der Mafia kommt der Euro zugute. Bei den Riesensummen würde ein Umtausch viel eher auffallen.
Wie ist das in Deutschland?
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