Die Begegnung mit Larry Hagman findet in der Garderobe eines Fernsehsenders statt und beginnt in einer Limousine, die durch Berlin saust. Gemeinsam mit seinem deutschen Agenten Heiko Günther ist der »Dallas«-Star unterwegs zu Werbeauftritten. Zwischendurch ruft seine amerikanische Agentin an. Hagman erfährt, dass er beim Dreh der neuen »Dallas«-Folgen auch sonntags vor der Kamera stehen soll. Hagman weigert sich, er will am Wochenende bei seiner Frau sein. »Erzähl denen, ich könne aus religiösen Gründen sonntags nicht drehen«, ruft er ins Telefon, »sag ihnen, ich sei Baptist geworden!«

DIE ZEIT: Mister Hagman, was ist das für ein Gefühl, als Arschloch mit fiesem Lachen zum größten Fernsehstar des 20. Jahrhunderts zu werden?

Larry Hagman: Es war für mich ein immenses Glück, J.R. spielen zu dürfen. Jeder kennt einen J.R. (lacht das J.-R.-Lachen): Hä, hä, hä. Und ich wette, in Ihrer Familie gibt es auch einen.

ZEIT: Eigentlich nicht.

Hagman: Und bei Ihrer Zeitung?

ZEIT: Da schon eher.

Hagman: Sehen Sie.

ZEIT: Wenn man sich heute Dallas ansieht, muss man sagen: Die Serie ist sehr gut gealtert.

Hagman:Dallas ist zeitlos, denn Arschlöcher gibt es immer.

ZEIT: Womit erklären Sie sich den phänomenalen Erfolg der Serie?

Hagman: Man konnte gemeinsam mit J.R. Ewing die Sau rauslassen. Es gab keine wirkliche Identifikationsfigur: J.R. war intrigant, Sue Ellen war die Vorläuferin der verzweifelten Hausfrauen, mein Bruder Bobby war der ewige kleine Bruder und Cliff Barnes der ewige Verlierer. Unser Vater Jock Ewing war ein zwielichtiger Sturkopf und meine Nichte Lucy ein Luder. Trotzdem lebten die Ewings zusammen auf der Southfork Ranch. Sie frühstückten zusammen und trafen sich abends wieder zum Whiskey. Dallas war eine Ranch als amerikanische Gummizelle plus Sex, Öl und Macht.

ZEIT: Plus die Verbindung von Kapitalismus und Wildem Westen.

Hagman: Natürlich, die Ewing-Männer leben geistig in einem gesetzlosen Niemandsland. Sie sind Geschäftsmänner, verhalten sich aber wie Cowboys, die um Land, Vieh oder Gold kämpfen. Auf der Southfork Ranch gab es ja auch Pferde und Kühe, einen Gutsverwalter. Nur J.R. ist etwas anders: Seine Ranch war ein modernes Geschäftshaus. Eigentlich benutzte er Southfork vor allem, um sich umzuziehen.

ZEIT:Dallas war seit der ersten, 1978 auf CBS ausgestrahlten Folge ein Straßenfeger. Der Sender ABS erfand 1981 als Konkurrenzserie Denver Clan.

Hagman: Die konnten uns nichts anhaben. Wir waren bodenständig, Denver Clan war glitz.

ZEIT: Eine Szene kommt in fast jeder Dallas- Folge vor: J.R. geht nach der Arbeit ins Wohnzimmer und schenkt sich einen Whiskey ein. Das wurde immer aus der Perspektive der Bar aufgenommen.

Hagman: Bourbon mit einem Schuss Wasser. Schreckliches Zeug. Ich krieg so was nicht runter.

ZEIT: Es heißt, Sie hätten damals andere Sachen runtergekriegt.

Hagman: Vier Flaschen Champagner am Tag. Manchmal denke ich, ich hab von den Achtzigern nicht allzu viel mitbekommen.

ZEIT: War das beim Drehen nie ein Problem?

Hagman: Nein, ich war ja trotzdem konzentriert. Es war einfach ein permanentes beschwingtes Hochgefühl. Und wir verstanden uns so gut auf dem Set.