Ein Gerücht geht um in Deutschland, das Gerücht von einer neuen Partei. Die aktuellen Euro-Krisen befeuern die Sehnsucht nach ihr. Wenn Staaten wanken und die Rettungsschirme immer monströser werden , wenn erst Hunderte Milliarden und Tage später Billionen in den Kampf gegen die Krise geworfen und gehebelt werden und das böse Wort von der Währungsreform umgeht – dann tauchen Bilder aus der kollektiven deutschen Erinnerung auf. Bilder von Schubkarren voll wertlosem Papiergeld mit vielen Nullen darauf, ein Hauch von Weimar weht durchs Land. In solchen Zeiten liegt es plötzlich auf der Straße: ein explosives Thema, eine echte Sorge im Volk – die Sorge der Deutschen um ihr liebes Geld. Und so lautet denn der einzige griffige Name einer solchen neuen Partei, der bislang fällt: die D-Mark-Partei.

Alle Neugründungen in jüngerer Zeit waren links. Diesmal jedoch geht es, nach Grünen, Linken und Piraten, nicht um noch eine Utopie mehr, sondern um den Griff zur Notbremse: So kann es nicht weitergehen mit diesem Deutschland und seinen unüberschaubar vielen Krisen- und Rettungseinsätzen, in die es hineinschlittert. Das ist die Stimmung.

»Als Jurist habe ich in meinem bisherigen Leben vier Mal den Treueeid aufs Grundgesetz geleistet«, sagt Carlos Gebauer, Rechtsanwalt in Duisburg und mit der FDP haderndes FDP-Mitglied. 2009 trat er aus. »Zu sehen, wie mit dem Vertrag von Lissabon Recht gebrochen wird, und meine eigene Partei, die sich doch immer als Rechtsstaatspartei verstand, macht dabei mit – das ging nicht mehr.«

Nachdem Parteifreunde ihn wieder heimholten, organisiert Gebauer nun den Mitgliederentscheid in der FDP mit. Die FDP-Rebellen wollen den Euro-Kurs der Regierung stoppen, namentlich einen Rettungsschirm in Permanenz mit unabsehbaren finanziellen Folgen für Deutschland. »Wir wollen die FDP auf den Pfad der Tugend zurückholen. Wenn das nicht gelingt, ist das ihr Suizid. Dann wird es Zeit für eine neue Partei.«

Gebauer gibt zu, dass die Parteiidee noch diffus sei. Doch der Unmut über immer gigantischere Euro-Rettungen wachse. Ein Vortrag von ihm sei im Netz 40.000 Mal angeklickt worden. Letzte Woche habe ihn sogar ein ARD-Sender eingeladen – in eine Nachtcafé- Sendung unter dem Titel »Wir wollen die D-Mark zurück«. Er habe den Leuten vom SWR gesagt: »Das dürfen Sie nicht, Sie sind doch öffentlich-rechtlich, und es ist politisch unkorrekt, zu sagen, dass es Menschen gibt, die den Euro nicht lieben. Darüber schweigt man. Aber die sagten: Doch, doch, das ist interessant, kommen Sie bitte.«

Laut einer Umfrage für den stern wünschen sich 54 Prozent der Deutschen die D-Mark zurück, im Osten sind es sogar 67 Prozent. Und 18 respektive 23 Prozent würden eine »D-Mark-Partei« wählen. In seinem Büro in der belebten Berliner Friedrichstraße nimmt Hans-Olaf Henkel, der Bestsellerautor von Rettet unser Geld und ehemalige BDI-Präsident, solche Erhebungen interessiert zur Kenntnis. Er nennt noch höhere Zustimmungsraten und berichtet von einer Welle der Zustimmung, die auch ihn erreiche.

»Ich kriege dauernd Briefe, E-Mails: ›Gründen Sie Ihre eigene Partei!‹ Ununterbrochen! Auf diese Idee wäre ich nie gekommen. Jeden Morgen gucke ich bei Facebook nach, ich bin seit einer Woche bei Facebook, das hat mir mein Sohn eingerichtet, ich werde überschüttet. Von solchen Anfragen, eine Partei zu gründen.« Eigentlich gebe es sie schon, sinniert er. »Wie ein reifer Apfel hängt sie am Baum. Es muss nur einer an den Baum treten, dann fällt er runter.«