ErfolgsunternehmerEine Klasse für sich

Sie gingen zusammen zur Schule und bauten dann jeder für sich Milliardenkonzerne auf. Begegnungen mit drei Ausnahme-Unternehmern. von 

Der Unternehmer Reinhold Würth

Der Unternehmer Reinhold Würth  |  © dpa

Wenn sich Reinhold Würth an seine erste Schulstunde erinnert, fällt ihm das Lied ein, das er mit den anderen Kindern gesungen hat. »Auf unserer Wiese gehet, was watet durch die Sümpfe. Es hat ein schwarzes Röcklein an und trägt rote Strümpfe...« Und er erinnert sich an den kleinen Alfred Berner, der damals sein Klassenkamerad wurde.

Eingeschult wurden die Jungen 1941 in Künzelsau, einer kleinen Stadt im fränkischen Norden von Baden-Württemberg . Es war Krieg, und es sah noch so aus, als würde Hitler-Deutschland ihn gewinnen. Als dann auch Lehrer zur Wehrmacht eingezogen wurden, musste manche Schule geschlossen werden. Die Schüler wurden auf andere Schulen verteilt. So kam ein Jahr später Gerhard Sturm in die Klasse, in die Berner und Würth schon gingen.

Anzeige

Von da an verloren sich die drei nicht mehr aus den Augen. Die Männer sind seit fast sieben Jahrzehnten miteinander verbunden. Ihre beruflichen Wege haben sich bisweilen gekreuzt, und von Jahr zu Jahr beobachteten sie sich aufmerksamer. Denn mit der Zeit sahen sie an sich und an den anderen, dass sie Außergewöhnliches zustande brachten.

Dabei schien ihr Leben vorgezeichnet, 1945, als ihre Grundschulzeit endete:

Albert Berners Vater war ein Metzger, der Sohn sollte auch einer werden. Reinhold Würths Vater war ein Schraubenhändler, ihren Sohn stellten sich die Eltern als Schulmeister vor und schickten ihn auf die Oberschule. Gerhard Sturms Vater war Ortsbürgermeister einer Gemeinde bei Künzelsau. Der Sohn sollte als Pfarrer ebenfalls eine herausgehobene Stellung haben. Wichtig war also, dass er Latein lernte.

Das waren die Pläne, es kam aber ganz anders. Aus den Schulkameraden wurden Unternehmer – extrem erfolgreiche. Zwei der drei haben Konzerne geschaffen, die heute jeweils die größten ihrer Art auf der Welt sind. Der Dritte (soll man sagen: der Kleinste?) beschäftigt heute 8.140 Menschen und durchbricht beim Umsatz die Milliardengrenze.

Die Nummer eins in dem Trio ist Reinhold Würth, 76 Jahre, Milliardär, laut manager-magazin sogar siebenfacher. Er schuf die Würth-Gruppe, die mehr als 400 Unternehmen in 84 Ländern umfasst, ihre Zentrale aber weiterhin in Künzelsau hat. Bei Würth arbeiten mehr als 62.000 Menschen, der Umsatz betrug zuletzt 8,6 Milliarden Euro. Die Geschäfte laufen so gut, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis Würth mehr einnimmt als zum Beispiel der ganze deutsche Buchhandel.

Würth handelt mit Schrauben, Dübeln, Werkzeugen, Elektronikteilen – im Angebot sind mehr als 100.000 Produkte. Seine Kunden sind Bauhandwerker und Autowerkstätten, aber auch global tätige Industrieunternehmen wie VW, die Würth weltweit beliefert.

Würths einstiger Klassenkamerad ist heute sein schärfster Konkurrent. Albert Berner ist auf denselben Feldern tätig wie Würth, und auch er steuert sein Reich aus Künzelsau. 948 Millionen Euro hat die Unternehmensgruppe 2010 umgesetzt, dieses Jahr will der 76-jährige einen Meilenstein setzen.

Gerhard Sturm hat, statt Pfarrer zu werden, ebm-papst aufgebaut. Das ist ein Unternehmen, das kaum einer kennt, dessen Erzeugnisse sich aber in jedem deutschen Haushalt finden: Ventilatoren. Sturms Strömungsmaschinen drehen sich in Kühlschränken, Herden und Dunstabzugshauben, sie befinden sich in Trocknern und Geschirrspülern, in Heizungen und in Klimaanlagen, in Autos und Zügen.

Für ebm-papst schaffen mehr als 11.000 Menschen an 17 Produktionsstandorten in Deutschland, den USA und China. Das Unternehmen macht mehr als zwei Drittel seines Umsatzes von 1,3 Milliarden Euro im Ausland und ist Ventilator-Weltmarktführer.

Leserkommentare
  1. ...die Helden, die uns einen ruinierten Staat zurückgelassen haben. Nur leider begreift keiner, dass es einen Unterschied macht, ob man etwas aus einem freigebombten Raum neu schafft, oder ob eben überall (eben die gleichen) Abgreifen ihre Griffel postiert haben, um ihren Anteil einzufordern, der noch gar nicht erwirtschaftet wurde.

    Diese Demokratie lässt leider keine Gerechtigkeit zu. Denn sonst hätte sie dieses perverse System an die Wand fahren lassen - mit all seinen Altbonzen und Zinssammlern...

    Dann, ja dann könnte man in 40 Jahren auch solche "Erfolgsstories" lesen über die Leuten die wir heute als faul, dumm und träge beschimpfen (nur weil sie nicht das richtige Parteibuch habenb)...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ihrem Kommentar zufolge kennen Sie weder Hohenlohe im Allgemeinen, noch kennen Sie Künzelsau im Besonderen.

    Wenn die Welt noch irgendwo in Ordnung ist, dann dort!

    • Infamia
    • 05. November 2011 19:24 Uhr

    Was ist bei Ihnen bloß schief gelaufen? Statt jemanden Respekt zu zollen, der es offensichtlich zu etwas gebracht hat, wird mal wieder das übliche Kapitalismuslamento runtergeleiert.

  2. ...ist ihr Kommentar. Wieder dieses Kommunismusgelaber. Vielleicht geht es den Meisten einfach zu gut, um mit Ehrgeiz, Einsatz und Fleiß große Unternehmen zu errichten. Sie hatten die gleichen Chancen, sie haben sie genutzt. Darvor habe ich großen Respekt und würde so etwas selber sehr wahrscheinlich nicht schaffen. Das sehe ich ohne Neid ein, weil ich die Risiken nicht bergen möchte.

    Aber 90% der Kommentare zu Wirtschaftsartikeln kann man getrost vergessen, da der böse, böse Kapitalismus ja so schlimm ist (nur leider vergessen zu viele, dass es keine Alternativen gibt und es in Deutschland keinen "Kapitalismus" gibt)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Vielleicht geht es den Meisten einfach zu gut, um mit Ehrgeiz, Einsatz und Fleiß große Unternehmen zu errichten. Sie hatten die gleichen Chancen, sie haben sie genutzt.

    Sie behaupten also, wenn alle mehr Ehrgeiz, Einsatz und Fleiß hätten, dass dann jeder die Chance hätte ein übererfolgreiches Unternehmen zu führen? - Der Reichtum wäre dann doch nur gleichmäßiger verteilt. Ist das der Schlüssel zum Erfolg? Menschen sollen sich gleich fleißig verhalten? - Wie unrealistisch und naiv.

    Mein Anspruch an die Gesellschaft ist es überhaupt nicht, ein großes Unternehmen zu errichten, sondern dass jeder sorgenfrei leben kann. Wozu braucht eine einzelne Person ein Jahreseinkommen von 200.000 EUR? Warum müssen sich andere vor dem Jobcenter nackig machen?

    Wie pervers diese Gesellschaft ist verdeutlicht folgendes: Ich sehe 16-jährige Kinder auf der Straße mit einem iPhone oder ähnlichem herumrennen, und ich kann mir selbst so ein Ding nicht leisten. Nicht, dass ich eins haben möchte, ich brauche so etwas nicht, aber ich verstehe nicht, warum ich intellektuell in der Lage bin, so ein Gerät von Grund auf zu entwickeln, zu bauen und zu programmieren, aber mir selbst keins leisten kann, nur weil ich die Entscheidung getroffen habe, kein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen oder eine Leitungsposition zu übernehmen. Was können diese 16-jährigen mehr als ich? Verschwenden und Glück haben.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf gewaltverherrlichende Kommentare. Danke, die Redaktion/jz

    Haben Sie mal enen Gladiatorenkampf in einem Film über Rom gesehen?

    Gladiatoren waren Männer, die gegeneinander kämpften bis einer am Boden lag (meist tot).
    Sie hatten auch alle die gleichen Chancen, Sieger zu werden.
    Sie haben noch dazu freiwillig das Handwerk des Gloadiators ausgeübt.

    Ist das Leben ein Kampf und der Sieger wird gefeiert und der Verlierer ausgebuht und vom Platz getragen? Ist das die Welt in der wir alle uns glücklich und wohl widerfinden sollen?

    Ich bin kein Kommunist, aber "the winner takes it all" finde ich, ist kein gutes Gesellschaftssystem.

    ZUr Zeit sind die Waffen mit denen gekämpft werden darf, Geld und Macht. Wenn die Verlierer aber mal die Schnautze voll haben und sich andere Waffen wählen? Was dann?
    Dann haben die mit dem Geld vielleicht die gleichen Chancen wie früher die Gladiatoren.

    Hören Sie mir auf mit Selfmademillionär. Nur auf Kosten von anderen kann jemand in 50 Jahren Millionen scheffeln.
    Ob mit Kaffeimporten aus Ländern wo die Arbeiter kaum älter als 30 Jahre alt wedern , Spritzmittel verwendet werden die in Deutshcland verboten sind, "Löhne" bezahlt werden, die den Arbeiter ins Grab bringen, oder .....

    Wie bei den Gladiatoren. Nur die Rücksichtslosesten und Stärksten überlebten. Das ist ds Gesetz der Natur. Und auf diesem Stand befinden sich viele der "erfolgreichen". Tierische Triebe treiben sie an, nicht menschliches Zivilisationsstreben ist zu finden.
    (wie immer: Ausnahmen bestätigen das Grundsätzliche)

  3. Ich kann in keinster Weise das negative Gerede über Industrielle/Kapitalismus teilen. Hut ab vor allen Menschen, die es im Leben zu etwas gebracht haben. Zum Erfolg gehört natürlich ein Stück weit Glück, aber zum Großteil Charaktereigenschaften, die nur sehr wenige Menschen haben.

    Ich wohne nicht weit von Künzelsau entfernt, was diese Manager für die Region getan haben, ist von unschätzbarem Wert. Wohlstand ist nichts was man verstecken muss, aber man sollte in keinster Weise damit angeben, mir persönlich ist deshalb Herr Sturm der sympatischste. Würth ist meiner Meinung nach von sich selbst zu stark überzeugt, die Firma setzt die Mitarbeiter sehr stark unter Erfolgsdruck.
    Gerade diejenigen, die viel Geld besitzen, sollten auch Geld für wohltätige Zwecke spenden, was diese Persönlichkeiten durchaus machen.
    Hört also auf mit dem Gerede, dass Kapitalismus schlecht ist und Deutschland nicht hilft. Ohne den unsere Marktwirtschaft, würden wir in Deutschland nicht in dem Wohlstand leben, in dem wir uns gerade befinden. Würth, Sturm und Berner schaffen Arbeitsplätze, bezahlen Steuern in Deutschland und spenden sehr viel Geld.

  4. Ihrem Kommentar zufolge kennen Sie weder Hohenlohe im Allgemeinen, noch kennen Sie Künzelsau im Besonderen.

    Wenn die Welt noch irgendwo in Ordnung ist, dann dort!

    Antwort auf "Gähn..."
    • Infamia
    • 05. November 2011 19:24 Uhr

    Was ist bei Ihnen bloß schief gelaufen? Statt jemanden Respekt zu zollen, der es offensichtlich zu etwas gebracht hat, wird mal wieder das übliche Kapitalismuslamento runtergeleiert.

    Antwort auf "Gähn..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...ist halt alles miteinander verwoben und verstrikt.

    Wo haben denn diese ehrenwerten Herren ihr Vermögen geparkt (oder aus der Hand gegeben :-) ?

    Haben die das bei Sparkasse aufs Sparbuch gebracht?

    Oder steckt es in diesen Billionen-Markt der CDS-ICE-Anleihen-Wettschein und was-weiß-ich-noch-was Konstrukte?

    Haben diese Herrschaften noch einen Überblick was gerade passiert?

    Noch was, bin es auch leid, dieses ständige Kapitalismus-Kommunismus Gelabere. Ist eh alles nur ein aufeinader Losgehetze.

  5. ...ist halt alles miteinander verwoben und verstrikt.

    Wo haben denn diese ehrenwerten Herren ihr Vermögen geparkt (oder aus der Hand gegeben :-) ?

    Haben die das bei Sparkasse aufs Sparbuch gebracht?

    Oder steckt es in diesen Billionen-Markt der CDS-ICE-Anleihen-Wettschein und was-weiß-ich-noch-was Konstrukte?

    Haben diese Herrschaften noch einen Überblick was gerade passiert?

    Noch was, bin es auch leid, dieses ständige Kapitalismus-Kommunismus Gelabere. Ist eh alles nur ein aufeinader Losgehetze.

    Antwort auf "Unfassbar"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Wo haben denn diese ehrenwerten Herren ihr Vermögen geparkt (oder aus der Hand gegeben :-) ?"

    Das ist mir völlig egal. Wo geben denn die Angestellten ihr Geld aus? Wo fließen die Steuern hin? Wer profitiert von den Arbeitsplätzen?

    Und selbst wenn Würt Steuern hinterziehe (keine Ahnung, darüber mache ich mir kein Urteil und es ist mir auch egal), was haben Sie in ihrem Leben erreicht? So viel schlechter kann ihre Startposition nicht gewesen sein...

    Es ist unwahrscheinlich, dass solche Leute mit ihrem Geld spekulieren. Dennen geht es um Sicherheit. Das eigene Unternehmern ist der Lebensinhalt und da wird jegliches Risiko es zu verlieren vermieden ggf. werden auch Reserven gehalten um im Notfall nachzuschießen.

  6. "Wo haben denn diese ehrenwerten Herren ihr Vermögen geparkt (oder aus der Hand gegeben :-) ?"

    Das ist mir völlig egal. Wo geben denn die Angestellten ihr Geld aus? Wo fließen die Steuern hin? Wer profitiert von den Arbeitsplätzen?

    Und selbst wenn Würt Steuern hinterziehe (keine Ahnung, darüber mache ich mir kein Urteil und es ist mir auch egal), was haben Sie in ihrem Leben erreicht? So viel schlechter kann ihre Startposition nicht gewesen sein...

    Antwort auf "Tja mein Lieber..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Friedbert F.: "So viel schlechter kann ihre Startposition nicht gewesen sein..." bezogen auf lrt14174 aus #6

    ... Username zufolge hat er Ende der 90er Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität Stuttgart studiert. Formal also keinesfalls eine schlechtere Startposition als die drei Herren weiter oben.

    Und wo die Herren einen Großteil Ihres Vermögens stecken haben läßt sich mit einem Blick in die Bilanzen ihrer Unternehmen herausfinden.

    Ihnen sollte es aber nicht egal sein.

    Geld ist doch nichts anderes als gespeicherte Energie die leicht akkumuliert werden kann. Sie mögen zwar ihr eigener Herr über ihre Brot und Butter Einkäufe sein aber wohin die großen Geldströme in unserer heutigen Zeit fließen und wer sie lenkt, darauf haben nicht mal wir als Volk einer demokratischen "freiheitlichen" Gesellschaft Einfluß oder Einblick.

    Diederich!

  7. Es ist unwahrscheinlich, dass solche Leute mit ihrem Geld spekulieren. Dennen geht es um Sicherheit. Das eigene Unternehmern ist der Lebensinhalt und da wird jegliches Risiko es zu verlieren vermieden ggf. werden auch Reserven gehalten um im Notfall nachzuschießen.

    Antwort auf "Tja mein Lieber..."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service