Eigentlich hätte ich mich freuen müssen: Eine Leserin bekräftigte den Tenor meines Buches Ich arbeite in einem Irrenhaus . Dieser ganze »Murks« in deutschen Firmen erinnere sie fatal an ihren eigenen Arbeitgeber. Der Haken an der Sache: Sie verkündete das in einer Leserrezension bei einem Online-Buchhändler – unter ihrem Realnamen, wie eine Plakette versicherte. Jeder, der ihren Namen googelt, stößt auf diese Abrechnung. Auch ihr Chef. Hat die Frau das bedacht?

Das Internet ist ein Ort geworden, an dem immer mehr Menschen beruflichen Selbstmord begehen, ohne es zu bemerken. Über Xing verkünden sie, dass sie eine »neue Herausforderung« suchen – zum Entsetzen des alten Arbeitgebers, der mitliest. Bei Facebook sind sie naiv genug , ihren Chef mit einem »Freund« zu verwechseln – auch wenn er nun Fotos begutachtet, die ihre Einsatzfreude auf fachfremden Feldern belegen, etwa beim Kampftrinken oder Abtanzen. Welche Schlüsse er dann wohl zieht, wenn der Mitarbeiter immer wieder montags krank ist? Und bei YouTube präsentieren sie in Filmchen, wie sie sich mit dem Motorrad in die Kurve legen – ohne Rücksicht darauf, dass ein Arbeitgeber sie nicht als Sportskanonen, sondern nur als potenzielle Gipsarme wahrnimmt.

Frei nach Jean Paul: Wer im Internet ein winziges Geheimnis verrät, sagt schon zu viel. Daraus folgt?

Headhunter lesen zwischen den Zeilen

Erstens: Gehen Sie bei allem, was Sie unter Ihrem Namen schreiben, davon aus, dass es nicht nur von gewünschten Adressaten gelesen wird (etwa einer neuen Firma), sondern auch von unerwünschten (etwa Ihrer jetzigen Firma). Bei Xing kann es klüger sein, optimistisch darüber zu schreiben, was Sie in Ihrem jetzigen Job herausfordert – als über »neue Herausforderungen«, die völlig davon abweichen. Ein Headhunter liest zwischen den Zeilen.

Zweitens: Bedenken Sie bei Botschaften aus Ihrem Privatleben, mit welchen Augen ein Chef schaut – Ihr neues Eigenheim, von dem Sie schwärmen, kann für eine 150 Kilometer entfernte Firma ein Grund sein, Sie nicht einzustellen, weil Sie möglicherweise ewig pendeln würden.

Und drittens: Machen Sie die Not zur Tugend! Wer bei einem Online-Buchhändler unter seinem Namen ein Fach- oder Führungsbuch mit Verstand und Wortwitz rezensiert, betreibt Selbst-PR vom Feinsten – statt seinen Kopf in die virtuelle Schlinge zu stecken.