Die Griechen haben den Chinesen einen echten Gefallen getan. Schon vor dem jüngsten G-20-Gipfel überwog in China die Skepsis gegenüber dem Euro, aber es hätte allgemein als unhöflich gegolten, wäre Staatspräsident Hu Jintao mit leeren Händen nach Cannes gereist. Doch nun, nach dem blamablen Hin und Her um die Volksabstimmung in Athen, muss sich Hu nicht mehr genötigt fühlen, der westlichen Welt entgegenzukommen.

Wer etwas anderes gehofft hat (wie Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy), beweist wenig Verständnis für Chinas außenpolitische Strategie.

Die Idee einer Lösung der europäischen Finanzmisere mithilfe der chinesischen Devisenreserven findet schon im chinesischsprachigen Internet keinen Zuspruch. Vor allem nicht, nachdem der Chef des Auffangfonds EFSF, Klaus Regling, nach China geeilt war, um dort Hilfe zu ersuchen. Zwei Kulturen prallten aufeinander: Die EU wollte ihre Absicht schnellstmöglich zeigen, wohingegen es den Chinesen verdächtig vorkommt, wenn jemand derart die Initiative ergreift.

Auf Weibo, dem chinesischen Pendant zum Kurznachrichtendienst Twitter, bringen viele Chinesen seither ihren Argwohn zum Ausdruck. Sie sollen das reiche Europa retten? Wo doch Chinas Bruttosozialprodukt pro Kopf noch weit unter dem der Länder liegt, denen es aus der Patsche helfen soll? »Ich will kein reicher Narr sein«, schreibt einer. Andere Kommentare lauten: »Hört auf, dummes Geld auszuschütten« und: »Seid vorsichtig, es ist eine Falle, die von der EU aufgestellt wurde, um unsere Reserven zu verbrauchen.«

So ergab sich auch die seltene Gelegenheit für die sonst eher liberalen Akademiker des Landes, mit den Nationalisten zu einem Konsens zu gelangen: Beide sagen deutlich Nein zu einer Hilfe für den Euro – wenn auch aus verschiedenen Gründen.

Viele chinesische Wissenschaftler begründen das strategisch. Erstens: Solange die Wirtschaftslage in Deutschland und Frankreich stabil sei, gebe es keinen Anlass zur Sorge, dass die Handelsbeziehungen mit der EU empfindlich beeinträchtigt würden. Zweitens: Solange die EU mit ihren Problemen selbst fertig werde, sei es für Außenstehende nicht nötig, sich an einem Rettungsplan zu beteiligen.

»Aus der Perspektive der Innenpolitik ist es für Chinesen schwer, zu akzeptieren, dass EU-Länder mit chinesischem Geld gerettet werden sollen. Hunderte von Millionen alter Chinesen werden wissen wollen, warum sie dafür zahlen sollen, dass reiche Europäer früh in Rente gehen können, wenn sie selbst kein ordentliches Rentensystem haben«, schreibt Yu Yongding, ein ehemaliges Mitglied der Zentralbank, in der asiatischen Financial Times.