Schuldenkrise : Warum sollten sie?

China hält sich bei der Euro-Rettung zurück.
Chinas Staatspräsident Hu Jintao © Emmanuell Dunand/AFP/Getty Images

Die Griechen haben den Chinesen einen echten Gefallen getan. Schon vor dem jüngsten G-20-Gipfel überwog in China die Skepsis gegenüber dem Euro, aber es hätte allgemein als unhöflich gegolten, wäre Staatspräsident Hu Jintao mit leeren Händen nach Cannes gereist. Doch nun, nach dem blamablen Hin und Her um die Volksabstimmung in Athen, muss sich Hu nicht mehr genötigt fühlen, der westlichen Welt entgegenzukommen.

Wer etwas anderes gehofft hat (wie Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy), beweist wenig Verständnis für Chinas außenpolitische Strategie.

Die Idee einer Lösung der europäischen Finanzmisere mithilfe der chinesischen Devisenreserven findet schon im chinesischsprachigen Internet keinen Zuspruch. Vor allem nicht, nachdem der Chef des Auffangfonds EFSF, Klaus Regling, nach China geeilt war, um dort Hilfe zu ersuchen. Zwei Kulturen prallten aufeinander: Die EU wollte ihre Absicht schnellstmöglich zeigen, wohingegen es den Chinesen verdächtig vorkommt, wenn jemand derart die Initiative ergreift.

Auf Weibo, dem chinesischen Pendant zum Kurznachrichtendienst Twitter, bringen viele Chinesen seither ihren Argwohn zum Ausdruck. Sie sollen das reiche Europa retten? Wo doch Chinas Bruttosozialprodukt pro Kopf noch weit unter dem der Länder liegt, denen es aus der Patsche helfen soll? »Ich will kein reicher Narr sein«, schreibt einer. Andere Kommentare lauten: »Hört auf, dummes Geld auszuschütten« und: »Seid vorsichtig, es ist eine Falle, die von der EU aufgestellt wurde, um unsere Reserven zu verbrauchen.«

So ergab sich auch die seltene Gelegenheit für die sonst eher liberalen Akademiker des Landes, mit den Nationalisten zu einem Konsens zu gelangen: Beide sagen deutlich Nein zu einer Hilfe für den Euro – wenn auch aus verschiedenen Gründen.

Viele chinesische Wissenschaftler begründen das strategisch. Erstens: Solange die Wirtschaftslage in Deutschland und Frankreich stabil sei, gebe es keinen Anlass zur Sorge, dass die Handelsbeziehungen mit der EU empfindlich beeinträchtigt würden. Zweitens: Solange die EU mit ihren Problemen selbst fertig werde, sei es für Außenstehende nicht nötig, sich an einem Rettungsplan zu beteiligen.

»Aus der Perspektive der Innenpolitik ist es für Chinesen schwer, zu akzeptieren, dass EU-Länder mit chinesischem Geld gerettet werden sollen. Hunderte von Millionen alter Chinesen werden wissen wollen, warum sie dafür zahlen sollen, dass reiche Europäer früh in Rente gehen können, wenn sie selbst kein ordentliches Rentensystem haben«, schreibt Yu Yongding, ein ehemaliges Mitglied der Zentralbank, in der asiatischen Financial Times.  

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Kommentare

43 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Arroganz der Europäer

Sicher, ich stimme Ihnen so weit zu, als das einige europäische Unternehmer und Politiker gegenüber China sehr überheblich auftreten (in den Medien).

Allerdings ist meiner Meinung nach China ein schwer einzuschätzender Partner: China hat ein ganz anderes Regierungssystem und generiert sein Wachstum auf andere Weise als es in Europa üblich ist. Hinzu kommt, dass China für mich immer noch ein Land der Intransparenz und der Subventionierung ist (Und wir wissen ja nun gut seit 2008, wie schlecht das ist). Wir brauchen nicht noch ein Land, dass seine wirtschaftlichen Interessen verdeckt und auf Kosten anderer durchsetzt, denn davon machen schon die europäischen Länder Gebrauch.

Ich stelle nicht das Regierungssystem Chinas in Frage, seit den Bewegungen in Europa glaube ich nämlich daran, dass es auf diesem Planeten keine ordentliche Demokratie gibt. Insofern kann das für China kein Ausschlusskriterium sein.

Sollten sich unsere Wahrnehmungen von den Defiziten Chinas eines Tages bestätigen (in Bezug auf Gesundheit, Bildung, Armut etc.), dann möchte ich es gern dem chinesischen Volk überlassen, eine neue Regierungsform zu wählen.

Sollte Europa übrigens fallen bzw. die hochmütigen Unternehmer, seien Sie sicher, dass China dann auch fällt. Globalisierung sei Dank!

China ist die neue USA

Auch wenn China wirtschaftlich enorm wächst und auch in den nächsten Jahren wachsen wird, sollten sich die Europäischen Regierungen darüber im Klaren sein, dass China den Europäern nicht bedingungslos helfen wird.
Die Amerikaner standen damals im 2. Weltkrieg den Europäern beiseite und haben Deutschland mit dem Marshall-Plan unter die Arme gegiffen. Und aus lauter Dankbarkeit haben die Europäer die agressive imperialistische Aussenpolitik der Amerikaner geduldet, die dies ausnutzend, ihre Macht weiter ausgebaut haben. Gleiches kann mit China passieren.

Verhältnis von China und USA

Ihrer Analogie im Sinne von "nach dem Zusammenbruch der USA folgt die Weltmacht China" kann ich so nicht zustimmen. Viel zu verzweigt und verbandelt sind beide Volkswirtschaften, dazu noch abhängig von Europa.

Ich glaube, dass China auch nur in der bisherigen Konstellation gedeihen konnte. Ohne ein starkes Europa und die USA kann auch China nicht mehr wachsen.

Niemand wird fallen

das ist doch quatsch der hier gerne verbreitet wird.

Fakt ist, das man den Handel zwischen den Menschen nicht fallen lassen, selbst wenn es keine Währung mehr gibt, lassen sich die Menschen etwas einfallen.

Die einzigen die davon betroffen sind die Gläubiger, die würden leer ausgehen, aber die normal arbeitende Bevölkerung wird davon kaum betroffen.

Oder glauben hier wirklich alle daran, das wenn eine Bank zusammenbricht, der weltweite Handel aufhört ?

Und selbst wenn eine Bank zu Grunde geht, egal wie groß, dann betrifft das die normale Bevölkerung ebenfalls nicht.

Da ist mehr Panikmache dran, als Realität dahinter.

Innenpolitische Beweggründe

"Wo doch Chinas Bruttosozialprodukt pro Kopf noch weit unter dem der Länder liegt, denen es aus der Patsche helfen soll?"

"Hunderte von Millionen alter Chinesen werden wissen wollen, warum sie dafür zahlen sollen, dass reiche Europäer früh in Rente gehen können, wenn sie selbst kein ordentliches Rentensystem haben."

Herr Feng liefert meiner Meinung nach zwei gute Gründe, warum China keine Anleihen des EFSF kauft. Das Gegenteil bedeutete seinem Volk zu erklären, warum man es unzureichend am wirtschalftlichen und finanziellen Wachstum beteiligt.

Sollten diese beiden Aspekte im offiziellen Stellungnahmen Chinas angeführt werden, ist das doch sehr ehrlich und offenbarend.

Es gibt sicherlich auch außenpolitische und finanzpolitische Gründe sich nicht zu beteiligen, ich denke aber, 120-130 Millionen Chinesen, die unterhalb der Armutsgrenze (Definition Weltbank) leben, sind auf der Straße ein viel größeres Risiko.(1)
(1) http://de.wikipedia.org/w...

Allein aufstehen

Der Artikel scheint mir ganz treffend, ebenso die Aussagen der drei Vorredner. Persönlich halte ich das Rufen nach chinesischem Geld für wenig weise. Ein Kind, das hinfällt, soll erst einmal selbst versuchen, aufzustehen. Und: Es geht in der derzeitigen Gesamtproblematik nicht einfach um Geld, sondern um tiefgreifende Probleme.
Auch scheint mir der Pfirsich ein zu großes Gegengeschenk für die Pflaume.
Gruß.