Der Schwarm
Der Schwarm
1986 hat der Wissenschaftler Craig Reynolds mithilfe von Computersimulationen herausgefunden, dass die Individuen, aus deren Summe ein Schwarm entsteht, sich an drei Regeln halten. Das, was wir »Schwarmintelligenz« nennen, beruht tatsächlich auf nur drei Verhaltensregeln.
Erstens: Bewege dich als Mitglied des Schwarms immer in Richtung des Schwarm-Mittelpunkts. Auf diese Weise wird verhindert, dass der Schwarm auseinanderfließt.
Zweitens: Bewege dich weg, sobald dir jemand zu nahe kommt, vermeide Zusammenstöße.
Drittens: Bewege dich in dieselbe Richtung wie deine Nachbarn.
Kaum ein Begriff hat in den Jahren, die seit meiner Kindheit verstrichen sind, eine solche Karriere gemacht wie »Schwarmintelligenz«. Das Internet funktioniert wie ein Schwarm, heißt es. Die Revolutionen in den arabischen Staaten wurden und werden über die schwarmförmige Organisation Facebook organisiert, ohne Anführer, ohne eine Partei. Alle bewegen sich plötzlich in dieselbe Richtung wie ihre Nachbarn.
Weniger bekannt ist das Wort »Schwarmfeigheit«. Ich habe es zum ersten Mal in der Talkshow von Anne Will gehört. Der Journalist und Politikberater Michael Spreng sprach von der »Schwarmfeigheit im Internet«. Jeder Journalist kennt sie. Unsere Texte stehen im Netz, sie werden kommentiert, wir bekommen E-Mails. Dagegen ist nichts zu sagen. Doch weil es möglich ist, sich anonym zu äußern, unter einem erfundenen Netznamen, sind die Äußerungen deutlich aggressiver geworden. Die Leserbriefe, mit Absender und – meistens – dem echten Namen, waren im Durchschnitt sachlicher und seltener beleidigend. Die wenigsten Internetautoren, behaupte ich, hätten den Mut, so zu schreiben, wenn sie mit ihrem Namen dafür einstehen müssten.
Ein sehr frühes und bis heute gern zitiertes Experiment zur Schwarmintelligenz wurde vor mehr als hundert Jahren auf der Viehzuchtmesse der britischen Stadt Plymouth veranstaltet. Ochsen wurden gewogen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, danach durfte das Publikum ihr Gewicht schätzen. Diese etwa 800 Personen waren zum Teil Familien mit Kindern, zum Teil Metzger und Viehzüchter, Experten und Laien bunt gemischt. Die Schätzungen waren teilweise grotesk falsch. Wenn man aber den Durchschnitt aller Schätzungen ausrechnete, dann lag dieser Durchschnitt immer sehr nahe bei dem richtigen Ergebnis.
Das Internet funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Jeder darf mitmachen, Experten und Laien, ähnlich wie beim Viehmarkt in Plymouth. Das Internetlexikon Wikipedia ist inzwischen die wichtigste Wissensquelle der meisten Leute, es wird vom Schwarm verfasst. Die Politiker Guttenberg und Koch-Mehrin haben ihre Ämter verloren, weil der Schwarm sich ihre Doktorarbeiten vorgeknöpft hatte. Bei den Wirtschaftskrisen spielt der Schwarm ebenfalls eine entscheidende Rolle: Wenn er sich aus einer Währung oder aus einer bestimmten Aktie zurückzieht, brechen alle Dämme.
Ich glaube, dass die Gesetze der Schwarmintelligenz auch das politische Leben zu beherrschen beginnen. Das beste Beispiel ist die Bundeskanzlerin. Zu Recht wird gesagt, dass Angela Merkel für einen Stil des Regierens steht, den es vor ihr in Deutschland nicht gegeben hat. Die Traditionen und Grundsätze ihrer Partei scheinen für sie keine Rolle zu spielen. Angela Merkel setzt Volksstimmungen um, sie ist keine Leitwölfin, eher ein Fisch im Schwarm. Sie lässt sich, wo immer und solange es geht, in der Strömung treiben. Als das Volk nach Fukushima die Atomkraft ablehnte, war bekanntlich auch Frau Merkel, die eben noch die Laufzeiten der Kernkraftwerke verlängert hatte, plötzlich für die Abschaltung der Atommeiler. Und jetzt, wo die Sozialdemokraten wiedererstarken, fällt ihr ein, dass der Mindestlohn, den die CDU vor Kurzem noch verteufelt hat, eine feine Sache ist. Bewege dich in Richtung des Mittelpunkts, vermeide Zusammenstöße, bewege dich in dieselbe Richtung wie die Mehrheit.





gibt es noch genug Leute, die Harald nicht mögen, weshalb ich ihn ganz ohne "Reaktanz" weiterhin genießen kann.
Das absolut positive an Harald ist, dass er uns immer wieder daran erinnert, dass positves Denken machbar ist. Der in Deutschland vorhandene Mainstream heißt "Meckersyndrom" und kann überall beobachtet werden. Erst mal meckern, in Krümeln suchen, jammern und negativ bewerten und gar nicht erst nachdenken, findet man hier auch in vielen Kommentaren.
Ich betrachte Harald persönlich als biologisch völlig unbedenkliche Medizin.
Das absolut positive an Harald ist, dass er uns immer wieder daran erinnert, dass positves Denken machbar ist. Der in Deutschland vorhandene Mainstream heißt "Meckersyndrom" und kann überall beobachtet werden. Erst mal meckern, in Krümeln suchen, jammern und negativ bewerten und gar nicht erst nachdenken, findet man hier auch in vielen Kommentaren.
Ich betrachte Harald persönlich als biologisch völlig unbedenkliche Medizin.
nur die Erklärung für den Schwarm, immer in die Mitte, mit niemanden zusammenstoßen, usw... das erklärt das Phenomen des Schwarms bei weiten nicht, finde ich.
Die von wenigen Eliten bezahlten Medien machen den Mainstream dem die unmündig gemachten Menschen folgen.
Entschuldigung, aber die "unmündig gemachten" Menschen? Wer versteckt sich denn dahinter? In welchem Medium wird gesagt, denkt nicht selber nach, sonst gibts was mit dem Ohrenstäbchen!? Von gemacht kann keine Rede sein. Eher ist es so, dass die Denkfaulheit von vielen wohlwollend akzeptiert wird, dann muss man sich als Medienvertreter nicht so anstrengen, die anderen schreiben doch schließlich das gleiche.
Danke aber für dieses Dossier, Herr Martenstein, hatte mein Wochenende gerettet, ganz unpathetisch jetzt.
Entschuldigung, aber die "unmündig gemachten" Menschen? Wer versteckt sich denn dahinter? In welchem Medium wird gesagt, denkt nicht selber nach, sonst gibts was mit dem Ohrenstäbchen!? Von gemacht kann keine Rede sein. Eher ist es so, dass die Denkfaulheit von vielen wohlwollend akzeptiert wird, dann muss man sich als Medienvertreter nicht so anstrengen, die anderen schreiben doch schließlich das gleiche.
Danke aber für dieses Dossier, Herr Martenstein, hatte mein Wochenende gerettet, ganz unpathetisch jetzt.
...ist nicht aufgrund der Massen des Bürgers zurückgetreten geworden.
Wir leben in einer desportischen Kapitalfaschismusdiktatur - und diese bestimmen den Mainstream.
Aber das hat alles nichts mit Wahrheit zu tun, selbst Journalisten folgen lieber dem Mainstream als der Wahrheit, oder?
na da bin ich ja beruhigt, ich hatte schon befürchtet der Sozialismus ist in Deutschland ausgebrochen, aber so ist es ja nicht so schlimm. Daher schreien auch alle nach einem NPD-Verbot und das einzige am Bundeshaushalt was auch mal gekürzt statt immer weiter aufgebläht wird, ist der Verteidigungshaushalt. "desportischen Kapitalfaschismusdiktatur" in Reinkultur halt, genau wie man sie kennt und schätzt...
na da bin ich ja beruhigt, ich hatte schon befürchtet der Sozialismus ist in Deutschland ausgebrochen, aber so ist es ja nicht so schlimm. Daher schreien auch alle nach einem NPD-Verbot und das einzige am Bundeshaushalt was auch mal gekürzt statt immer weiter aufgebläht wird, ist der Verteidigungshaushalt. "desportischen Kapitalfaschismusdiktatur" in Reinkultur halt, genau wie man sie kennt und schätzt...
Im Mainstream mitzuschwimmen, kann nach den im Beitrag geschilderten Experimenten bedeuten, sein eigenes Urteilsvermögen an der Garderobe abzugeben und sich dem Urteil der Masse anzuschließen, sei es auch noch so absurd.
Rektant verhält man sich dann, wenn das Massenurteil und der Konsens irgendwann eine solche Penetranz entwickeln, dass man sich genötigt fühlt, dagegen zu argumentieren - gleichermaßen ein Reflex.
Genau darin scheint mir bei aller oberflächlicher Gegensätzlichkeit die Gemeinsamkeit zwischen schwärmendem Nachplappern und ausschwärmendem Dagegenhalten zu bestehen. Beides ist ein Reflex und kein autonomes Urteil, dass sich von dem, was gerade Konsens ist, frei macht.
Der Gedanke auf das Eingangsbeispiel angewendet nährt dann die Vermutung, dass Westerwelle als Außenminsiter wirklich einfach überfordert war und ungeschickt aggiert hat. Und wenn ich dagegenhalte, weil 99 Prozent all derer, die sich öffentlich dazu äußern, derselben Meinung sind, ist das auch nur ein Reflex auf den Mainstream, so wie das reflexhafte Urteil, zwei unterschiedliche lange Linien seien gleichlang.
Das absolut positive an Harald ist, dass er uns immer wieder daran erinnert, dass positves Denken machbar ist. Der in Deutschland vorhandene Mainstream heißt "Meckersyndrom" und kann überall beobachtet werden. Erst mal meckern, in Krümeln suchen, jammern und negativ bewerten und gar nicht erst nachdenken, findet man hier auch in vielen Kommentaren.
Ich betrachte Harald persönlich als biologisch völlig unbedenkliche Medizin.
...braucht man weder den Mainstream noch das "Gegenhalten".
Entweder man ist mit vielen einer Meinung oder muss sich halt auch mal gegen die vielen stellen.
Das eine wie das andere hängt nur von den gerade sichtbaren Schnittmengen ab.
Ich halte nicht partout dagegen, weil viele dafür sind.
Und ich bin auch nicht partout dafür, weil es gerade viele sind.
war die Verachtung der Massen, die in die gewünschte Richtung gebracht werden müssten. Goebbels und Hitler haben sich nicht umsonst auf dessen Theorien bezogen.
Hitler:
"Das «deutsche Volk», das er verführen und das ihn gross machen sollte, bestehe aus Dickschädeln, Querköpfen und Dummköpfen. Deshalb müsse auch das Angriffsziel einer Rede nicht der Intellekt, sondern die Emotionalität eines Publikums sein. Ein guter Redner passe sich dem Niveau des Publikums an, liefere also möglichst primitive und deutliche Erklärungen für Probleme."
http://bazonline.ch/kultu...
Zur Manipulation der Massen eignen sich die Massenmedien hervorragend. Was Konsens ist, bestimmen die Medienbesitzer, die unaufhörlich ihre Dogmen wiederholen. Z. B. die Religion der Arbeit, und dass "Arbeit sich lohnen muss" (während das Gegenteil getan wird mit asozialen Gesetzen)
Der von Martenstein bedauerte Funktionär der angeblich freien liberalen Partei ist ein Verdreher.
"das kam mir so billig, so vorhersehbar, so ungerecht vor, auch gemein"
Das, lieber Herr Martenstein müssten Sie über Westerwelle sagen, denn er war es, der auch noch die Opfer seiner Politik, die Erwerbslosen beschimpfte, nachdem er Hotelerben noch weitere Milliarden zugeschanzt hatte, als Gegenleistung für eine Million Bestechungsgeld.
Verdrehungen gehören zur Massenmanipulation. Spätrömische Dekadenz gehört zu selbstherrlichen Herrschern wie ihm.
Sie haben nicht verstanden, was Martenstein mit Reaktanz meint. Niemand sagt, dass Westerwelle diese verurteilungswürdigen Dinge nicht getan hätte. Darum geht es nicht. Gleichwohl ist er der erste schwule Außenminister Deutschlands, und er hat es wirklich nicht leicht, weil der mainstream nun gegen ihn ist (wobei er ungeschickterweise dauernd selbst neuen Stoff gegen sich lieferte, weil er selbst mainstream zu sein versuchte, aber es nicht ist).
Auch, dass Hitler sich auf LeBon bezogen haben soll sowie dessen Haltung zur Masse, spricht nicht gegen dessen Theorie - eher dafür.
Und die Medien hält Martenstein eher für Vervielfältiger als für Meinungsfüher. Die Zeiten haben sich auch geändert und darin die Medienrolle. Und genau das sagt er ja auch.
Sie haben nicht verstanden, was Martenstein mit Reaktanz meint. Niemand sagt, dass Westerwelle diese verurteilungswürdigen Dinge nicht getan hätte. Darum geht es nicht. Gleichwohl ist er der erste schwule Außenminister Deutschlands, und er hat es wirklich nicht leicht, weil der mainstream nun gegen ihn ist (wobei er ungeschickterweise dauernd selbst neuen Stoff gegen sich lieferte, weil er selbst mainstream zu sein versuchte, aber es nicht ist).
Auch, dass Hitler sich auf LeBon bezogen haben soll sowie dessen Haltung zur Masse, spricht nicht gegen dessen Theorie - eher dafür.
Und die Medien hält Martenstein eher für Vervielfältiger als für Meinungsfüher. Die Zeiten haben sich auch geändert und darin die Medienrolle. Und genau das sagt er ja auch.
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