Robert Halver (Baader Bank)

Seit im Sommer 2011 das Ausmaß der Schuldenkrise in Griechenland offenbar wurde, haben sich viele Anleger umorientiert. Klassische Investitionsstrategien sind durcheinandergewirbelt worden. Früher wäre man mit Gold und Silber belächelt worden, mittlerweile sind die Edelmetalle en vogue. Außerdem konnte man einen Ansturm auf deutsche Rentenanlagen beobachten. Da muss man allerdings sagen: Die Annahme, der Markt für deutsche Staatsanleihen sei eine todsichere Anlage, ist eine Illusion. Die Bundesrepublik steht zwar im Vergleich zu anderen Euro-Ländern sehr gut da, doch im Ernstfall muss Deutschland für Griechenland und andere Länder wohl haften. Das heißt: Die Rendite auf deutsche Staatsanleihen spiegelt nicht deren wahre Bonität wider. Hierfür wäre eine höhere Risikoprämie notwendig.

Dies gilt vor allem in Hinblick auf die Inflation, die inzwischen so hoch ist, dass sie durch die Rendite nicht mehr kompensiert wird. Die Europäische Zentralbank ist gezwungen, die Zinsen zu senken und Anleihen der schwachen Euro-Länder zu kaufen. Das wird früher oder später die Inflation beschleunigen.

Ich bin als Bauernsohn ein großer Anhänger von Sachkapital. Substanzaktien, Rohstoffe und Edelmetalle sind das Trio grandioso. Gold und Silber sollte man in begrenztem Maße im Portfolio haben, weil sie wertbeständig sind, man sollte sich aber nicht den ganzen Keller damit vollladen. Der Mensch muss essen, trinken, sich kleiden. Diese Grundbedürfnisse kann man nicht ignorieren. Aktien von Unternehmen, die das anbieten, haben hohe Dividendenrenditen, die mühelos die Renditen von Staatsanleihen schlagen.

Ich bin außerdem ein Anhänger von Wachstumsländern wie Korea, Indonesien, Singapur, Taiwan oder Brasilien. Diese Länder haben durch Rohstoffe gedeckte Währungen und solide Haushalte – das sind keine Emerging Markets, sondern verbesserte Industriestaaten. Diese Länder werden aufgrund ihrer fundamentalen Qualitäten aufwerten. Man sollte sie im Auge behalten.