GeldanlageVon allem ein bisschen

Krise total – wohin jetzt mit dem Geld? Vier Anlagegurus geben Antwort. von Oliver Hollenstein

Robert Halver (Baader Bank)

Seit im Sommer 2011 das Ausmaß der Schuldenkrise in Griechenland offenbar wurde, haben sich viele Anleger umorientiert. Klassische Investitionsstrategien sind durcheinandergewirbelt worden. Früher wäre man mit Gold und Silber belächelt worden, mittlerweile sind die Edelmetalle en vogue. Außerdem konnte man einen Ansturm auf deutsche Rentenanlagen beobachten. Da muss man allerdings sagen: Die Annahme, der Markt für deutsche Staatsanleihen sei eine todsichere Anlage, ist eine Illusion. Die Bundesrepublik steht zwar im Vergleich zu anderen Euro-Ländern sehr gut da, doch im Ernstfall muss Deutschland für Griechenland und andere Länder wohl haften. Das heißt: Die Rendite auf deutsche Staatsanleihen spiegelt nicht deren wahre Bonität wider. Hierfür wäre eine höhere Risikoprämie notwendig.

Robert Halver

leitet die Kapitalmarktanalyse der Baader Bank. Regelmäßig kommentiert er die Geschehnisse an den Börsen

Dies gilt vor allem in Hinblick auf die Inflation, die inzwischen so hoch ist, dass sie durch die Rendite nicht mehr kompensiert wird. Die Europäische Zentralbank ist gezwungen, die Zinsen zu senken und Anleihen der schwachen Euro-Länder zu kaufen. Das wird früher oder später die Inflation beschleunigen.

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Ich bin als Bauernsohn ein großer Anhänger von Sachkapital. Substanzaktien, Rohstoffe und Edelmetalle sind das Trio grandioso. Gold und Silber sollte man in begrenztem Maße im Portfolio haben, weil sie wertbeständig sind, man sollte sich aber nicht den ganzen Keller damit vollladen. Der Mensch muss essen, trinken, sich kleiden. Diese Grundbedürfnisse kann man nicht ignorieren. Aktien von Unternehmen, die das anbieten, haben hohe Dividendenrenditen, die mühelos die Renditen von Staatsanleihen schlagen.

Ich bin außerdem ein Anhänger von Wachstumsländern wie Korea, Indonesien, Singapur, Taiwan oder Brasilien. Diese Länder haben durch Rohstoffe gedeckte Währungen und solide Haushalte – das sind keine Emerging Markets, sondern verbesserte Industriestaaten. Diese Länder werden aufgrund ihrer fundamentalen Qualitäten aufwerten. Man sollte sie im Auge behalten.

Leserkommentare
    • Guido3
    • 16. November 2011 16:30 Uhr

    Wie wäre es mit Reisen. Nicht irgendwann im Alter die Weltreise planen, sondern jetzt reisen. Viel besser kann man sein Geld nicht anlegen. Oman, Namibia, Chile, Burma, Äthiopien, Jordanien, .. Das was man da an Erlebnissen, Wissen und Eindrücken ansammelt, kann einem niemand jemals mehr nehmen - auch keine noch so schlimme Schulden-Finanz-Euro-Politikversagen-Irgendwas-Krise. Das ist echter Reichtum. Und nicht Stapel von diesen rechteckigen, bunten Papier-Schnipseln, die nur solange einen Wert als Tauschmittel haben, wie alle darauf vertrauen und wo genau dieses notwendige Vertrauen gerade massiv erodiert.

    Wer ernsthaft Geld anlegen will, könnte auch mal darüber nachdenken, das Gegenteil von allen anderen zu machen. Das heißt gerade jetzt Griechenland-Anleihen kaufen. Eine im März fällig Griechenland-Anleihe kostet derzeit etwa 43% ihres Nennwertes. Selbst wenn man den freiwilligen Schuldenschnitt von 50% einkalkuliert, ergibt das noch eine Jahresrendite von rund 48 Prozent. Verweigert man sich dem freiwilligen Schuldenschnitt und spekuliert auf 100% Rückzahlung, so winken auf das Jahr hochgerechnet fast 400% Rendite.

    4 Leserempfehlungen
    • achimvr
    • 16. November 2011 17:51 Uhr

    sollte doch die allererste Empfehlung sein wenn man seriöse Tipps geben will. Die seh ich hier aber nicht!

    Auch Bundesanleihen sind nichts weil die Verzinsung zu gering ist. Nein, man sollte in Sparbriefe bei Banken anlegen die nach deutschem Recht gesetzl. gesichert sind. Nur für diese garantiert der Staat 100.000 Euro als sicher. Also bei keiner Bank mehr anlegen als 100 TEUR.

    Edelmetalle bei den jetzigen Preisen zu kaufen ist Unfug.
    Wer möchte sollte lieber Waldgrundstücke kaufen.

    Eine Leserempfehlung
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    • Gerry10
    • 16. November 2011 18:10 Uhr

    ...wer das eigene Haus besitzt, braucht sich wegen der mageren Rente, die auf uns alle wartet, weniger Sorgen machen.

    • Guido3
    • 16. November 2011 19:00 Uhr

    Kommt drauf an, welches Szenario man für wahrscheinlich hält. Immer wenn es richtig gekracht hat, kamen Immobilienbesitzer auch nicht ungeschoren davon. Bei den letzten Währungsreformen 1923 und 1948 wurden Immobilienbesitzer auch Kräftig zur Kasse gebeten. Stichworte für Google sind Zwangshypothek, Lastenausgleich, ... Das ist vielleicht nicht das wahrscheinlichste Szenario, aber vielen, die Immobilien für die supersichere und auch weitgehend inflationsgeschütze Anlage halten, ist überhaupt nicht bekannt, das es historisch immer wieder Zwangshypotheken gab.

    Lustig: Beim Zensus 2011 wurden alle Wohnimmobilien in Deutschland erfasst. Verschwörungstheorethiker "wissen", dass das nur den Zweck hatte, die Basis für neue Zwangshypotheken zu schaffen...

    • this.
    • 16. November 2011 23:08 Uhr

    Wohneigentum macht nur Sinn, wenn man es sich auch wirklich leisten kann.

    z.B. Wenn man 300t hat, für 100t eine Eigentumwohnung, so hat man noch genug Reserve zum Streuen..
    Alles in eine Immobilie stecken, ggf sogar auf Kredit ist das dümmste was man nur machen kann!
    Ein Immobilie kostet auch abbezhalt Geld. Es muss permanent repariert/renoviert/saniert werden um allein dden Wert zu erhalten und so Inflation auszugleichen.
    Wenn jetzt noch ne Autobahn/Bahnschiene oder Flugschneise in die Nähe der Immobilie kommt ist der Wert futsch!
    Deshalb, Anlagen immer streuen, auch wenn die Immobilie auf Pump so "vernünftig" scheint

    • Gerry10
    • 16. November 2011 18:10 Uhr

    ...wer das eigene Haus besitzt, braucht sich wegen der mageren Rente, die auf uns alle wartet, weniger Sorgen machen.

    Eine Leserempfehlung
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    ...und ein Ferienhäuschen in Griechenland: Dann sind Sie rundherum bedient - und können im Alter in Saus und Braus leben von Ihren Mieteinnahmen. Aber nur, wenn Ihnen keiner Ihr Ferienhäuschen zerstört und leerräumt, die Eigentumswohnungen mietet und nicht verwüstet - und Ihr Altersruhesitz weder ein neues Dach, noch eine neue Heizung, noch höhere Grundsteuern oder Zwangshypotheken braucht.

  1. sind natürlich eine vergleichsweise sichere Anlageform. Aber ich glaube nicht, dass sich so ein Artikel an den einfachen Pöbel richten soll, der noch nicht mal ein eigenes Haus hat :-).
    Mein Investitionstipp: Bildung, und zwar in einer Fachrichtung, die dabei hilft, unmittelbare menschliche Grundbedürfnisse zu sichern.
    Denn nach dem endgültigen Zusammenbruch des Finanzkasinos werden wir solche Leute vermehrt brauchen, wenn wir uns keine riesigen Importe mehr leisten können.
    Spätestens dann werden wahrscheinlich auch alle Goldhamster ganz komisch aus der Wäsche schauen, wenn alle gleichzeitig ihre Pandas und Barren auf den Markt werden, sollte die Goldblase nicht schon vorher platzen.

    2 Leserempfehlungen
  2. So lange man in der eigenen Immobilie wohnt, ist die Welt noch i.O. Ist man jedoch zu einem späteren Zeitpunkt zum Verkauf gezwungen, kann es sein, daß vom Grundstückswert noch die Abrißkosten für das Gebäude hinzu kommen.

    2 Leserempfehlungen
  3. zumindest wenn sich die Immobilie in objektiv "attraktiver Wohnlage" findet.

    • Guido3
    • 16. November 2011 19:00 Uhr

    Kommt drauf an, welches Szenario man für wahrscheinlich hält. Immer wenn es richtig gekracht hat, kamen Immobilienbesitzer auch nicht ungeschoren davon. Bei den letzten Währungsreformen 1923 und 1948 wurden Immobilienbesitzer auch Kräftig zur Kasse gebeten. Stichworte für Google sind Zwangshypothek, Lastenausgleich, ... Das ist vielleicht nicht das wahrscheinlichste Szenario, aber vielen, die Immobilien für die supersichere und auch weitgehend inflationsgeschütze Anlage halten, ist überhaupt nicht bekannt, das es historisch immer wieder Zwangshypotheken gab.

    Lustig: Beim Zensus 2011 wurden alle Wohnimmobilien in Deutschland erfasst. Verschwörungstheorethiker "wissen", dass das nur den Zweck hatte, die Basis für neue Zwangshypotheken zu schaffen...

    Eine Leserempfehlung
    • keibe
    • 16. November 2011 21:50 Uhr

    "Von allem ein bisschen

    Krise total – wohin jetzt mit dem Geld? Vier Anlagegurus geben Antwort."

    Aber das ist nicht alles/sind nicht alle. Gott sei Dank liest der kundige Leser dieses Artikels -neben den profunden Ratschlägen von vier Gurus- auch noch (wenn auch verschämt rechts außen platziertes) Handfestes:

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    Ich finde es gut, wenn derart unaufdringlich theoretisches Wissen von Gurus mit praktischem Anwendungswissen harmonisch kombiniert wird und den Leser handlungsgestaltend anzuregen vermag.

    Eine Leserempfehlung

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